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InternetCoach
InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1449
Erfahrung:  Familientherapeutin, Drogenberatung, Erziehungsberatung
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depression

Kundenfrage

Hallo mein Freund steckt gerade in einem sehr großen Zwiespalt... Er ist zwischen vielen Situationen hin und hergerissen, hat große Zukunftsängste, lässt mich nicht an sich ran, ist mit leichten Dingen überfordert aber ich will ihm so gerne helfen aber da ist selbst noch nicht all zu viel lebenserfahrungen habe fühle ich mich etwas ratlos. Hätten sie einen Tipp für mich?
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage. Sie beschreiben eine schwierige Situation. Sie machen sich verstaendlicherweise Sorgen um Ihren Freund und wissen nicht so recht, wie Sie ihm helfen koennen. Sie beschreiben nicht viele Details, was gerade im Leben Ihres Freundes vorgeht, aber meine Vermutung ist, dass es sich vielleicht um Symptome des Burnout Syndroms mit moeglichen Depressionen handeln koennte.

Die typischen Symptome von Burnout sind:
Chronische Müdigkeit und seelische Erschöpfung, die auch nach einer Erholungs-Auszeit (wie z.B. Urlaub) nicht verschwindet. Distanzierung von der Arbeit, d.h. der Verlust der inneren Beziehung zur Arbeit, der sich in einem verringerten Bedürfnis nach Erfolg bei der Arbeit, in abwertenden und zynischen Gedanken über die Arbeit bis hin zu dem Wunsch äussert, in einen anderen Beruf zu wechseln. Körperliche Beschwerden, wie z.B. Schlafstörungen, höhere Anfälligkeit für Krankheiten, Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden, Kopf- und Rückenschmerzen, Schwindel, Blutdruckinstabilität, Herzrasen, Tinitus. Psychische Veränderungen, wie erhöhte Gereiztheit, innere Unruhe, die Unfähigkeit, nach der der Arbeit abschalten zu können, Rastlosigkeit, innere Leere, Lustlosigkeit, Angst, Langeweile, Verzweiflung, Resignation, Frustration, Sinnlosigkeitsgefühle, Abstumpfung. Kognitive Leistungseinschränkungen, wie z.B. Konzentrationsstörungen, Entscheidungsunfähigkeit, Selbstzweifel, Wahrnehmung von Leistungsverlust. Änderungen im Verhalten, beispielsweise sozialer Rückzug, Hyperaktivität, Konsum suchtfördernder Substanzen, Vernachlässigung von Freizeitaktivitäten.

 

Wenn Sie ein paar von diesen Symptomen zeigen, dann kann es gut sein, dass Ihnen Burnout droht. Dabei waere es dann wichtig, einmal Ihre Taetigkeit zurueckzuschrauben und gleichzeitig etwas fuer sich selbst zu tun, um sozusagen den "Energietank" wieder zu fuellen.

Ansonsten besteht die Gefahr, dass die verringerte Leistungsfähigkeit irgendwann dazu fuehrt, dass sich die Misserfolgserlebnisse häufen. Das Ergebnis ist eine immer stärkere Frustration. Als Abwehrreaktion gibt man leicht pauschal entweder sich oder anderen die Schuld am eigenen Versagen. Im ersten Fall resigniert man und kapselt sich ein, im zweiten wird man zynisch und aggressiv anderen gegenüber. Oft folgt eine Vernachlässigung der Aufgaben, was weitere Versagenserfahrungen zur Folge hat. Wenn in diese sich selbst verstärkende Entwicklung nicht eingegriffen wird, kann es zu sehr ernsthaften psychischen Erkrankungen wie Depressionen, chronischen Angstzuständen und zu existenzieller Verzweiflung kommen.

 

Als Folge der psychischen Belastung können auch eine ganze Reihe von psychosomatischen Folgeerkrankungen auftreten:

  • Schwächung des Immunsystems
  • Häufung von Infektionskrankheiten
  • Verspannungen
  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Kreislaufprobleme
  • Magen- oder Verdauungsprobleme
  • Magen-Darm-Geschwüre
  • Herzerkrankungen
  • Essstörungen
  • Drogenmissbrauch (oft übermäßiger Alkoholkonsum)

Die psychischen und organischen Belastungen des Burnout-Syndroms verstärken die Versagenserfahrungen, was wiederum gesundheitliche Konsequenzen hat: Der Teufelskreis schließt sich. Diese Erfahrungen fuehren dann "logischerweise" zu Zukunftsaengsten und Depressionen.

 

 

Depressionen gehen einher mit einem besonders negativen Erleben der Welt, mit sog. katastrophisierenden Gedanken, in denen man sich ausmalt, welche schlimmen Dinge passieren könnten. Der Wahrnehmungsfokus liegt auf dem: Was fehlt noch? Was habe ich noch nicht erreicht? Was kann ich noch nicht? Was läuft schief in meinem Leben? Es gibt immer Dinge, die noch nicht so gut laufen, die noch fehlen und die schief laufen, aber depressive Menschen sehen vor allem diese negativen Tatsachen und verlernen mit zunehmender Krankheitsdauer immer mehr, die positiven Dinge auch wahrzunehmen und zu fühlen. Dies führt zu andauernden negativen Gefühlszuständen, starker Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Energielosigkeit. Häufig kommt es auch zu einer Gewichtszunahme oder Abnahme, zu sexuellen Störungen und Libidostörungen. Das Morgentief erleben besonders viele Patienten als große Belastung. Der Tag beginnt schwer, es ist nur mit großer Mühe möglich, das Bett zu verlassen und das Tagewerk zu beginnen. Bei besonders schweren Depressionen schaffen die Patienten es nicht mehr, das Bett zu verlassen.

Bei einer Depression kommt es oft zu kognitiven Verzerrungen. In depressiven Phasen kommt es zu Fehlinterpretationen der Wirklichkeit, die zu einer pessimistischen Sichtweise der Welt, der eigenen Möglichkeiten und der Zukunft führt. Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge werden verwechselt. Unangemessene Verallgemeinerungen (Depressionen kann doch niemand heilen) oder übertreibungen (die Sprechstundenhilfe hat mich abweisend behandelt, als sie sagte, dass ich noch etwas länger warten muss), emotionale Beweisführung (ich habe das Gefühl, dass sie mir nicht helfen kann, also stimmt das) und das weit verbreitete Gedankenlesen (ich weiss, dass sie mich nicht leiden kann) sind typische kognitive Verzerrungen. Depressive Patienten haben eine Neigung zum kognitiven Verzerren. Man weiß jedoch nicht, ob die Depression die kognitiven Verzerrungen auslöst oder ob die kognitiven Verzerrungen die Depression auslösen. Kognitive Verzerrungen könnten z.B. auch erlernt sein. Das Bewusstmachen von kognitiven Verzerrungen und das Auflösen dieser Verzerrungen führen zu einer Verbesserung des subjektiven Erlebens. Depressive Patienten können lernen, ihre Gedanken selbst zu überprüfen und zu verändern. Dies ist ein wichtiger Bestandteil der Kognitiven Verhaltenstherapie. Irrationale Einstellungen werden verändert und wirken sich damit auf das konkrete Verhalten aus.

Auch die Gehirnchemie ist bei depressiven Patienten verändert. Bestimmte Neurotransmitter wie Noradrenalin und Serotonin sind entweder zu wenig oder zu viel verfügbar. Genau hier setzen Psychopharmaka an. Leider weiß man bis heute nicht genau, wie diese wirken. Man weiß auch nicht, ob die Verschiebung der Neurotransmitterhaushalte die Depression verursacht oder ob die Depression die Neurotransmitterhaushalte negativ beeinflusst. Tatsache ist, dass viele depressive Patienten sehr gut auf die Behandlung mit Antidepressiva reagieren. Die Kombination von Antidepressiva und Kognitiver Verhaltenstherapie gibt heute als die Methode der Wahl für die Behandlung der Depression.

 

 

 

Burnout und Depressionen sind ernstzunehmende Krankheiten und sowohl für die Betroffenen als auch für die Angehörigen extrem belastend. Besonders schwierig ist es für Angehörige und das soziale Umfeld, die Gefühlswelt der Erkrankten zu verstehen. Sie möchten helfen, sind aber angesichts der Situation ohnmächtig und hilflos und kommen oftmals an die eigenen Grenzen. Ihre Gefühle schwanken zwischen Angst, Mitleid, Überforderung und Erschöpfung bis hin zu Resignation und Wut. Von Angehörigen wird viel Einfühlungsvermögen und Geduld abverlangt. Seien Sie mutig und ziehen Sie Hilfe von außen hinzu. Dies ist weniger ein Zeichen von Schwäche, als viel mehr eines von Weitsicht.

Nicht immer können Betroffene offen über ihre Probleme sprechen und sich diese eingestehen. Oft versuchen sie derartigen Gesprächen aus dem Weg zu gehen oder diese abzublocken. Ursache dieses Verhaltens sind Schuldgefühle der Erkrankten: Sie fühlen sich verantwortlich für die Belastungen im engeren Umfeld und glauben Familie und Freunde so zu schützen. Versuchen Sie die ersten Schritte für ein Gespräch zu machen. Oftmals können sich die Betroffenen nur schwer konzentrieren. Daher ist es wichtig, dass Sie nicht zu hohe Erwartungen an solche Gespräche knüpfen. Hilfreich ist es, wenn Sie sich über die Krankheit informieren, um die Gefühlswelt des Betroffenen besser verstehen zu können.

Auch wenn sich der Erkrankte abwendet und sich zurückzieht: Beweisen Sie Ausdauer und seien Sie für ihn da. Machen Sie Mut: Burnout und Depression sind behandelbare Krankheiten. Darüber hinaus sollten Sie Aussagen wie "Kopf hoch" oder "Reiß dich zusammen" unbedingt vermeiden. Diese gut gemeinten Ratschläge kommen meistens bei den Betroffenen anders an, als sie gemeint sind und können Frustrationen noch verstärken.

Lustlosigkeit ist ein häufiges Symptom bei Burnout- oder Depessions-Patienten. Sie können sich kaum zu Unternehmungen aufraffen und sind mit den meisten Situationen überfordert. Versuchen Sie dem Betroffenen eine Abwechslung zu bieten, doch achten Sie darauf, dass sie nicht zu sehr anstrengt. Sport eignet sich besonders gut, da Stresshormone abgebaut werden. Ziel ist es, einen gewissen Belastbarkeitsgrad wieder herzustellen. Motivieren Sie ohne zu überfordern.

Vergessen Sie Ihre eigenen Beduerfnisse nicht. Tun Sie Dinge, die Ihnen gut tun und Ihren "Energie-Tank" aufladen. Oft haben Angehoerige ein schlechtes Gewissen, wenn sie lachen oder Spass haben waehrend es dem Betroffenen so schlecht geht. Es hilft dem Betroffenen aber nicht, wenn Sie sich Freude und schoene Dinge versagen. Im Gegenteil, Betroffene koennen sich oft nicht mehr vorstellen, dass irgendetwas im Leben Spass machen kann. Darum hilft es manchmal, einfach daran erinnert zu werden, dass es schoene Dinge gibt, auch wenn man sie selbst nicht so sehen kann.

 

 

Hier ein paar "Regeln", die oft helfen, Burnout vorzubeugen - oder dafuer zu sorgen, dass es nicht schlimmer wird:

  • 1. Verleugnen ist Tabu. Vertrauen Sie auf die Intelligenz Ihres Körpers. Gestehen Sie sich den Stress und die Zwänge ein, die sich körperlich, geistig oder emotional manifestiert haben.
  • 2. Lebensumstände verändern. Wenn Ihre Arbeit, Ihre Beziehungen, eine Situation oder eine Person Sie unglücklich machen, versuchen Sie, die Umstände zu ändern oder gehen Sie, falls nötig.
  • 3. Überengagement vermeiden. Greifen Sie die Bereiche oder Aspekte heraus, in denen Sie sich am heftigsten überengagieren, und arbeiten Sie auf einen "Druckabbau" hin.
  • 4. Isolation vermeiden. Machen Sie nicht alles allein! Knüpfen oder erneuern Sie enge Beziehungen zu Freunden und Menschen, die Ihnen gut tun.
  • 5. Schluss mit Überfürsorglichkeit. Wenn Sie gewohnheitsmäßig anderen Menschen Probleme und Pflichten abnehmen, dann lernen Sie, höflich davon Abstand zu nehmen. Versuchen Sie, dafür zu sorgen, dass auch Sie selbst fürsorglich behandelt werden.
  • 6. Kürzer treten. Lernen Sie zu delegieren, nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch zu Hause und im Freundeskreis.
  • 7. Wertewechsel. Versuchen Sie, die bedeutsamen Werte von den vergänglichen und schwankenden - das Wichtige vom Unwichtigen - zu trennen. Sie sparen Zeit und Energie.
  • 8. Der Mut zum "Nein". Sie verringern Ihren übertriebenen Einsatz, wenn Sie für sich selbst eintreten. Das bedeutet, zusätzliche Forderungen oder Ansprüche an Ihre Zeit oder Ihre Gefühle zurückzuweisen.
  • 9. Persönliches Tempo. Versuchen Sie, ausgewogen zu leben. Sie verfügen nur über eine begrenzte Menge Energie. Stellen Sie fest, was Sie in Ihrem Leben wollen und brauchen und versuchen Sie dann, Arbeit mit Spiel und Entspannung in ein Gleichgewicht zu bringen.
  • 10. Achtung Körper! Lassen Sie keine Mahlzeiten aus, quälen Sie sich nicht mit strengen Diaeten, geben Sie Ihrem Schlafbedürfnis nach, halten Sie Arzttermine ein. Achten Sie auf gesunde Ernährung.
  • 11. Umgang mit Sorgen und Ängsten. Begrenzen Sie Sorgen, die jeder vernünftigen Grundlage entbehren, möglichst auf ein Minimum. Sie bekommen Ihre Situation besser in den Griff, wenn Sie weniger Zeit mit Grübeln verbringen und stattdessen mehr damit, sich um Ihre wirklichen Bedürfnisse zu kümmern.
  • 12. Behalten Sie Ihren Sinn für Humor. Lachen ist das allerbeste Mittel gegen Burnout. Atmen Sie 3x täglich achtsam ein und aus und lächeln Sie sich beim Ausatmen sanft zu.

Je nachdem, wie weit die Symptome bei Ihrem Freund fortgeschritten sind, waere es wahrscheinlich sinnvoll, eine Therapie in Erwaegung zu ziehen. Auch ein Gespraech mit dem Hausarzt, in dem er ehrlich ueber seine Symptome und seinen Leidensdruck redet und vielleicht Medikamente in Erwaegung zieht (nur bis es ihm wieder besser geht), waere wahrscheinlich ein wichtiger erster Schritt.

 

Wenn er nicht bereit ist, eine Therapie zu machen, dann finden Sie hier ein "online" Programm, dass eine kognitive Verhaltenstherapie fuer Depressionen anbietet (manchmal ist das einfacher, gerade fuer Maenner): novego.de

 

Hier ein paar hilfreiche Selbsthilfetipps:

 

http://www.depression-behandeln.de/depression-sport.html

 

 

Und ein Selbsthilfebuch:

Gedanken verändern Gefühle: Fertigkeiten, um Stimmungen, Verhalten und Beziehungen grundlegend zu verbessern von Dennis Greenberger, Christine A. Padesky, Theo Kierdorf und Hildegard Höhr von Junfermann (Oktober 2007)

 

 

Um relativ schnell einen Termin zur Diagnostik und/oder zur Therapie zu bekommen, wenden Sie sich am besten an eine nahegelegene psychotherapeutische/ psychiatrische ambulante Fachklinik, an eine Universitätsklinik mit einer psychotherapeutischen/ psychiatrischen Ambulanz oder an ein psychotherapeutisches Ausbildungsinstitut. Es dauert oft recht lange, um einen Termin bei einem niedergelassenen Psychologen zu bekommen, aber auch das ist eine Moeglichkeit. Fragen Sie dazu bei Ihrer Krankenkasse nach einer Liste von geeigneten Therapeuten. Hier finden Sie ebenfalls Listen von Therapeuten (mit und ohne Kassenzulassung) nach Postleitzahl geordnet:

http://www.psychotherapiesuche.de/therapeutensuche
http://www.netzwerk-psychotherapie.de/
http://www.therapeuten.de/

http://www.therapeutenfinder.com/therapeuten/

Hier finden Sie psychologische Ausbildungsinstitute:

http://www.therapie.de/psyche/info/ausbildung/adressen-und-links/

 

Ich hoffe, dass Ihnen meine Antwort in ihrer Kürze geholfen hat und beantworte auch gerne eine Anschlussfrage. Ich wünsche Ihnen viel Mut und Erfolg bei den nächsten Schritten.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

Wenn meine Antwort Ihren Vorstellungen entspricht, bitte ich Sie, nicht zu vergessen das Honorar (durch Anklicken von "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank.

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