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diplompsychologe
diplompsychologe, Dipl- Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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Ich habe starke körperliche Schmerzen, und komme zu der Erkenntnisse

Kundenfrage

Ich habe starke körperliche Schmerzen, und komme zu der Erkenntnisse dass es alles mit früher zu tun hat. Ein Trauma , ich hatte lebenslang Depressionen , suchte und fand Hilfe durch die bio-dynamische Massage von gerda Boyesen und Accupunctur. Seit kurzem wohne ich in münchen und finde nicht die richtige hilfe. Ein Psychotherapeut wollte mich nicht . "weil meine Wut auf Männer so gross ist " Was tue ich jetzt ? Mein Leben lang hatte ich Depressionen , mußte viel verdringen Gerda Boyesen hat mir immer geholfen, wenn der/ die Therapeut /ingut ist. Ich hatte noch nie Schmerzen wie heute . ich bin 72 Jahren alt und möchte endlich richtig geholfen werden . ( das Trauma aus meiner Jugend könnte eine Art sexueller Missbrauch sein. Aber das ist alles schon kompliziert .Und man will es nicht wahr haben . Es hat aber mit meiner Sexualität zu tun . Sie fragen mir mein passwort . ich bin noch nie in in Ihrem Portal gewesen . Wieso ? Wer sind sie denn ?
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen und die offene Fragestellung. Ich möchte mich bemühen Ihnen punktuell eine Hilfestellung zu geben.

Wenn insbesondere bei traumatisierten Patienten im Rahmen der Therapie Wiedererinnerungen an Auslöseereignisse auftreten und es zu heftigen affektiven ,Angst oder Symptomen einer gestörten Impulskontrolle kommt kann eine Pharmakotherapie indiziert sein, einzelne positive Erfahrungen mit Serotonin- Wiederaufnahmehemmern liegen bspw. vor. Daher möchte ich mir nachfolgend erlauben, Ihnen ein paar Hinweise zu einer möglichen besser ausgedrückt teilweisen Symptombeschreibung zu geben, die auf eine eventuelle posttraumatische Belastungsreaktion (PSB) hindeuten könnten.

Symptomatik einer einfachen PSB

Symptomtrias

1. Intrusionen ( unwillkürliches Erinnern an das Trauma ) und teilweise auch

„Flash-backs" ( unwillkürliches Wiedererleben des Traumas,

Wiederholungsträume, Erinnerungen mit Gegenwartscharakter )

2. Vermeidungsverhalten und allgemeiner emotionaler Taubheitszustand

3. anhaltendes physiologisches Hyperarousal ( physiologische Übererregung )

Zeitkriterium

Dauer > 1 Monat bis zum Teil an das Lebensende

Oft treten die Symptome der akuten Belastungsreaktion teilweise mit auf z.B. Panikattacken, depressive Reaktionen, akute Stimmungsschwankungen usw.

D E N O S Kriterien ( disorder of stress not otherwise specified )

A. Störungen der Regulierung des affektiven Erregungsniveaus

B. Störungen der Aufmerksamkeit und des Bewusstseins

C. Somatisierung

Ihren Ausführungen entnehme ich das eine körperliche Erkrankung als Hintergrund der Störung bereits ausgeschlossen wurde, sie aber auch starke Schmerzen haben, daher möchte ich versuchen, um Ihnen das Verständnis für diese psychische Störung ( Somatisierungsstörung )etwas näher zu bringen die wesentlichsten Symptome zusammenfassend darzustellen. Am Anfang möchte ich Ihnen ein Zitat mit auf den Weg geben, der den Umstand einer Somatisierungsstörung (psychosomatischen Störung = Psychosomatik) sehr gut beschreibt.

„Geh du vor, sagt die Seele zum Körper.

Auf mich hört er nicht. Vielleicht hört er

auf dich.

Ich werde krank, dann wird er Zeit für

dich haben, sagt der Körper."

Mit Psychosomatik (altgr. Zusammensetzung Psycho für Atem, Hauch und Seele und Soma für Körper, Leib und Leben) wird in der Medizin die Betrachtungsweise und Lehre bezeichnet, in der die geistig-seelischen Fähigkeiten und Reaktionsweisen von Menschen in Gesundheit und Krankheit in ihrer Eigenart und Verflechtung mit körperlichen Vorgängen und sozialen Lebensbedingungen in Betracht gezogen werden Bei psychosomatischen Störungen handelt sich um zumindest erheblich psychogen verursachte aber organisch anmutende körperliche Symptome Die Psychosomatik umfasst den gesamten Bereich diffuser körperlicher Mißempfindungen bis hin zu nachweisbaren organischen Schäden mit psychogener Beteiligung Psychosomatik = Syndrome ohne fassbaren pathologischen Organbefund, d.h. der psychische Anteil ist immer von unterschiedlicher Art und Gewicht für jeden einzelnen Patienten, was der Psychosomatik immer etwas sehr individuelles gibt und somit nicht immer allgemeingültig sein kann. Wesentlich hierbei ist, das körperliche Symptom tritt auf, da die Person unfähig ist, ihre Konflikte psychisch zu verarbeiten .In der heutigen Betrachtung der Psychosomatik geht man von einem bestehenden TRIAS zwischen dem Individuum, seinen Beziehungsgestaltungen sowie seiner Umwelt aus ==>

Der psychosomatische Trias besteht aus drei Ebenen (personelle Ebene, zwischenmenschliche Ebene und soziokulturelle Ebene) die auch für sich wiederum einen Einfluss auf die Entstehung,

den Verlauf sowie die Prognose der Krankheitsproblematik haben und in Wechselwirkung miteinander stehen Es stellt sich auch für Sie berechtigt die Frage, ab wann kann man eine Diagnose Somatisierungsstörung (somatoforme Störung oder auch psychosomatische Störung) stellen?

Grundlage der Diagnose sind natürlich erst mal das

Vorliegen vegetativer Beschwerden

alle sog. klassischen psychosomatischen Erkrankungen (z.B. „Holy Seven" z.B. Zwölffingerdarmgeschwüre, Bluthochdruck usw.) das Auftreten der Symptome in Zeiten besonderer Belastung oder körperlicher Reifungsprozesse wie Schuleintritt, Pubertät, Berufseintritt, Todesfälle, Wechseljahre, Midlife-Krise, Ehe etc. das frühere oder gegenwärtige Vorliegen neurotischer Symptome (z.B. Angst, Depression, Zwanghaftigkeit usw.) fehlender organischer Befund trotz intensiver Untersuchung wenn zum hauptsächlichen Leiden (Leitsymptom) weitere vorwiegend funktionelle Symptome (z.B. diffuse Beschwerden Herz-Kreislauf, Magen Darm) hinzukommen wechselnde, unbeständige Beschwerden ( Taubheitsgefühl, Kribbelgefühl, Jucken und brennen der Haut, Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, Müdigkeit , Kopfschmerzen usw.) direkt oder indirekt (unbewusst) ersichtliche psych. Konflikte des Patienten der Krankheitsverlauf entspricht den Vorstellungen des Patienten von der Krankheit und nicht dem "normalen" Krankheitsverlauf .Das Fehlen nachweisbarer organischer Ursachen alleine berechtigt aber noch nicht zur Unterstellung einer psychosomatische Erkrankungen ACHTUNG dazu müssen möglichst konkrete Hinweise auf mögliche psych. Belastungen vorliegen Sie merken vlt. selbst, das einige dieser Symptome auf Sie zutreffen können oder auch andere wiederum gar nicht. Hier ist eine diagnostische und fachgerechte Abklärung (auch differenzialdiagnostisch) unbedingt erforderlich, jedoch bitte von einem Psychologen bzw. Psychiater,

D. Chronische Persönlichkeitsveränderungen

E. Veränderungen in den Werte- und Bedeutungssystemen

A. Störungen der Regulierung des affektiven Erregungsniveaus

chronische Affektdysregulation mit verminderter Fähigkeit, die Intensität von Affekten zu regulieren

unvorhersehbare Wechsel der Stimmungslage durch Wiederbelebung traumatischer Affekte (Gefühle) im täglichen Leben

häufig enger Bezug zur „Borderline-Symptomatik"

Schwierigkeit, Ärger und Wut zu modulieren (auszudrücken)

selbstdestruktives und suizidales Verhalten

Schwierigkeit, sexuelles Kontaktverhalten zu modulieren (auszudrücken) bzw. bewusst zu erleben

impulsive und risikoreiche Verhaltensweisen

B. Störungen der Aufmerksamkeit und des Bewusstseins

(Dissoziative Störungssymptomatik)

Amnesien, Depersonalisation, dissoziative Identitätsstörung

Protektive (schützende) Funktion von Dissoziationen in der ursprünglichen traumatischen Situation

Personale Traumatisierungen im Rahmen von Kindesmissbrauch unterliegen häufig einer totalen oder partiellen Amnesie

Dissoziationsneigung umso höher, wenn der Täter ein Familienmitglied ist

Psychogene Amnesie

episodische Unfähigkeit, wichtige persönliche Informationen zu erinnern, die in ihrem Ausmaß über ein gewöhnliches Vergessen deutlich hinausgeht und nicht durch eine organische Genese erklärbar ist

Dissoziative Fugue

Verhaltenssequenz, die eine spontane und zielgerichtete Ortsveränderung, meist eine unerwartete Reise, beinhaltet und verbunden ist mit der Unfähigkeit, das Zurückliegende zu erinnern

Depersonalisation

Störung, bei der ein Betroffener seine Person und seine Umgebung als unwirklich verändert erlebt.

Dissoziative Identitätsstörung

wechselnde Identitäten - wechselnde Persönlichkeitszustände - Identitätswechsel - Identitätsfluktuation („Persönlichkeiten")

Persönlichkeitszustände variieren zwischen 2 und 100; meist unter 10; sie können sich als scheinbar voneinander unabhängige „Persönlichkeiten" präsentieren

Persönlichkeitszustände erhalten abwechselnd die Kontrolle über die Person

es kann, aber muss nicht eine Amnesie für andere „Persönlichkeiten" bestehen

C. Somatisierung

Somatisierungsstörungen als typische Langzeitfolgen schwerer, insbesondere personaler Traumatisierungen

ausgeprägte psychosomatische Symptombildungen z.B. Hypertonie, Schmerzsyndrome usw.

funktionelle Abdominalbeschwerden nach sexuellem Missbrauch und körperlicher Misshandlung in Kindheit und Jugend

Psychogene („hysterische") Krampfanfälle nach Inzesterfahrungen

D. Chronische Persönlichkeitsveränderungen

Störungen des Selbstwertgefühls

durchgängiges Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit

niedrige Selbstwirksamkeitserwartung

Gefühl des Ausgeliefertseins und der Hilflosigkeit

Überzeugung, als Person wertlos, moralisch minderwertig und schuldig zu sein

Überzeugung, für den Missbrauch oder die Gefangenschaft selbst verantwortlich zu sein

E. Veränderungen in Werte- und Bedeutungssystemen

Grundüberzeugungen von Sicherheit und Geborgenheit verloren

die Überzeugung, dass das Leben einer sinnvollen Ordnung folgt sind zerstört

verzerrte Wahrnehmung des Schädigers = Überangst

Idealisierung des Täters
Urvertrauen geht verloren

fehlende Zukunftsperspektive

Wesentlich ist hier aus meiner Sicht und dies habe ich mir zum Grundsatz bei der Behandlung einer schweren PSB gemacht, auf der einen Seite Wissen im Umgang mit dem Trauma zu vermitteln (psychoedukativer Ansatz), denn dies schafft häufig durch mehr an Wissen Sicherheit und dann mit unterschiedlichen Verfahren auch ambulant zu arbeiten.

Es geht Ihnen vielleicht wie vielen Patienten auch, die vor oder gerade während einer Therapie, durch die intensive Auseinandersetzung mit dem traumatisierenden Ereignis (Geschehen) durch das unbewusste das Ganze noch ein Mal (durchleben) um es dann auch endgültig verarbeiten zu können. Dieser Umstand und alles was damit zu tun hat, erzeugt ungeheure Angst. Da es mir an Explorationsmaterial fehlt, ist es von ungeheurer Wichtigkeit, dass Sie eine traumaspezifische Therapie bei einem hierfür auch ausgebildeten Dipl.- Psychologen absolviert. Dieser könnte z.B. das EMDR- Verfahren zur Anwendung bringen bzw. über verschiedene traumaspezifische Techniken verfügen, um diese mit Ihnen zu üben um so besser mit auftretenden Flashs umgehen zu können (letztgenanntes z.B. durch ressourcenorientierte Traumatherapie nach PITT nach L. Reddemann).

Auf Grund der von Ihnen doch schon als schwerwiegende Begleiterscheinungen beschriebenen Symptome, würde ich hier eine psychiatrische medikamentöse (zeitbegrenzte) Intervention (Behandlung) empfehlen, um die störenden diversen Symptome wie Angst und Panik usw. im Bedarfsfalle zu mildern.

Sie können auch sehr viel Neues und Wissenswertes über unterschiedliche Selbsthilfe- und Informationsportale im Internet erfahren u.a. http://www.traumatherapie.de/ (hier finden Sie auch weiterführende Klinikadressen), http://www.ipsis.de/ (Infos über sich vor Ort befindliche Selbsthilfegruppen).

Eine sehr gute Klinik, die sich sehr intensiv um Trauma Opfer bemüht und über sehr lange Erfahrung verfügt ist die Klinik für psychotherapeutische und psychosomatische Medizin in Bielefeld oder die psychosomatische Klinik Bad Malente sowie die Klinik Windach am Ammersee (hier eher verhaltenstherapeutisch/ systemisch) orientiert.

Um Ihnen vielleicht einen praktischen Rat aus meiner langen Erfahrung auf diesem Gebiet mit auf dem Weg zu geben, es geht nicht darum alles aufzuarbeiten, bewusst wieder zu erleben, der Weg ist, das man lernt damit zu leben und die Psyche "Selbst" wird sich schon dabei etwas gedacht haben, warum nicht alles an die bewusste Oberfläche gelangt. Das gilt es einfach auch in einer Therapie zu respektieren, denn die Traumavergangenheit, so schlimm Sie auch gewesen ist, ist Vergangenheit, die es auch aufzuarbeiten gilt, aber nicht um jeden Preis und nicht um den Preis, das es einem schlechter damit geht als vorher. Das Trauma bleibt eh ein Teil der Psyche, aber Sie können gut lernen damit umzugehen.

Wenn eine stationäre Therapie nicht möglich erscheint, so kann dies auch als Alternative zur Überbrückung eine ambulante Psychotherapie bei eine Psychotherapeuten sein. Oft gibt es hier jedoch auch zu lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz. Aber es gibt hier eine kleinen Trick und meist geht es da mit Terminen wesentlich schneller, sich an ein in der Nähe befindliches psychotherapeutisches Ausbildungsinstitut wenden (einfach in eine Suchmaschine eingeben z.B. "verhaltenstherapeutisches/ tiefenpsychologisches Ausbildungsinstitut + Ort z.B. München) und diese Institute haben in der Regel immer eine Institutsambulanz oder Sie können auch an jeder größeren Universitätsklinik einen Termin in einer psychotherapeutischen/ psychiatrischen Ambulanz vereinbaren und dort vorstellig werden.

Ich hoffe. meine Ausführungen konnten Ihnen etwas weiter helfen und wünsch Ihnen für Ihre Zukunft viel Kraft, Mut und alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen

Die Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.

Ich möchte Sie bitten, so Ihnen die Antwort meinerseits, entsprechend Ihrer Vorstellungen zugesagt hat, nicht zu vergessen das fällige Honorar (durch Klick auf den Button "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank

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