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diplompsychologe
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Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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diplompsychologe ist jetzt online.

Meine Frau hat vor 4 Tagen von ihrer Schwester mitgeteilt bekommen

Kundenfrage

Meine Frau hat vor 4 Tagen von ihrer Schwester mitgeteilt bekommen das ihr Bruder im Februar verstorben sei und uns nicht erreichen konnte deshalb erst zu dem jetztigen Zeitpunkt vorbei kommt um es mitzuteilen. Heute hat sich meine Frau die Kopfhaare ohne ersichtlichen Grund komplett abrassiert. Was soll ich tun, bzw hat es damit etwas zu tun?
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 5 Jahren.

Sehr geehrter Fragesteller

vielen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen und die offene Fragestellung. Ich möchte mich bemühen Ihnen punktuell eine Hilfestellung zu geben.

Eine Trauer wird von jedem Menschen unterschiedlich verarbeitet, insofern kann es sich um eine normale Reaktion Ihrer Frau handeln, wenn Sie die Trauer zulässt und das mit all Ihren Facetten, auch indem Sie durch das Haare scheren vielleicht das Gefühl hat etwas herzugeben was eigentlich für Lebensgefühl, Schönheit und Liebe zur eigenen Person , Vitalität usw. steht. Ein Kopf ohne Haare bei einer Frau erweckt schnell den Eindruck die Person sei leidend oder krank- das soziale Umfeld erkennt insofern sofort das diese Person einen Einschnitt im Leben hatte bzw. eine Lebenskrise Ihr jede Freude genommen hat. Es ist mir natürlich auch im Rahmen dieses Forums nicht möglich hier eine genaue Diagnose zu stellen, daher werten Sie dies bitte nur als Vermutung.

Trauerbewältigung bei Verlust einer nahestehenden Person, kann man in 4 Phasen aufteilen.

1. Phase: bezeichnend ist hier der Schock zustand , das verleugnen und nicht- wahr –haben Wollen-, der Verlust wird nicht als Realität akzeptiert, die Symptome: Betäubung; Empfindungslosigkeit, Starre, Unglauben, Unwirklichkeit, stilles weinen, lautes Schluchzen, (einige Stunden bis zu 3 Wochen)

2. Phase: das Aufbrechen der Gefühle, der Trauerschmerz wird erfahren, die Symptome: Gefühlschaos von Trauer, Angst, Wut, Hilflosigkeit, Schuldgefühle, unbegründete Heiterkeit, Ruhelosigkeit, Gewichtsverlust, Schlafstörungen, Hilfe: Erlaubnis sich selbst geben, die Gefühle auch zuzulassen, zu wissen, dass das emotionale Chaos der „Normalität „ entspricht, problematisch wäre hier eine andauernde Gefühlslosigkeit und Unterdrückung der Gefühle mit Gedankenstop, die Flucht aus der Trauer durch Überaktivität , verschweigen des Verlustes usw.-

3. Phase : sich anpassen an eine Umwelt in der die/der Verstorbene fehlt, Symptome: die Suche nach dem verstorbenen in Träumen, an Orten die mit Ihm/Ihr zu tun hatten, die Erfahrung des Sich- Trennen- Müssens, Erkennen des Ausmaßes des Verlustes, beginnende Neudefinition der Lebensziele , Problematisch: Exzessives Suchtverhalten; Intensivierung des Suchens , Rückzug aus der Welt , Verweigerung des Abschieds, beharren in eigener Hilflosigkeit

4. Phase: eine neue Beziehung zu sich selbst finden, die starken gefühlsmäßigen Bindungen zu dem Verstorbenen lösen sich und in neue Beziehungen wird investiert, Symptome: DER Verlust wird akzeptiert, neue Aufgaben und Rollen werden übernommen. Neues Selbstvertrauen und neue Selbstachtung, Problematisch: neue Beziehungen und neuer Selbststand wird als Untreue gegenüber dem Verstorbenen empfunden und verhindert, Rückfälle werden nicht einprogrammiert und führen zu tiefen Enttäuschungen, Vermeidung neuer Beziehungen aus Ängste vor neuen Verlusten oder der Reaktion der Umwelt. Abwendung vom Leben , den Lebenden und der Liebe

Bitte beachten Sie Trauer braucht Zeit (kann bis zu 8 Jahre gehen)und die Phasen laufen nicht linear ab. Ob eine Trauerreaktion „normal „ oder „pathologisch“ ist, hängt von der Dauer und ihrer Intensität ab.

Ich würde Ihnen empfehlen das sich Ihre Frau eventuell einer Selbsthilfegruppe Trauer anschließt um hier von der Unterstützung und Hilfe anderer Betroffener zu profitieren.

http://www.ipsis.de/adressen/adressselbsthilfe.htm

Ich empfehle aber auch eine Vorstellung bei einem Psychiater vor Ort um sich medikamentös unterstützen zu lassen und das selbstverletzende Verhalten, denn darunter fällt die Aktion ihrer Frau, noch einmal genau abzuklären. Wichtig ist auf jeden Fall eine begleitende professionelle Hilfe um die Entwicklung zu einer schweren Depression zu verhindern wenn Sie einen zu großen Leidensdruck verspüren und sich weitere Probleme (wie oben aufgeführt) einstellen.

Nachfolgend möchte ich einmal versuchen Ihnen den einen oder anderen Vorschlag zu unterbreiten, was Ihre Frau in Ihrer momentanen Situation tun könnte mit auf den Weg zu geben. Ohne jedoch hier Anspruch auf den Erfolg und Vollständigkeit zu erheben, aber vlt. etwas helfen können in der schwierigen emotionalen Situation umzugehen.

  • Schrauben Sie Aktivitäten und Verpflichtungen (z.B. bei der Arbeit oder auch im Haushalt) zurück und passen Sie diese ihrer verminderten Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit an ==> d.h. Sie müssen nicht immer und überall Leistung bringen und so vermeiden Sie künstlich Enttäuschungssituationen zu schaffen, diese haben Sie durch den Verlust (Tod des Opas) genug erlebt in letzter Zeit
  • Vermeiden Sie wichtige Entscheidungen oder schwerwiegende Veränderungen auch vor allem im Beruf und in der Partnerschaft, für weitreichende Entscheidungen, die oft in einem emotionalen Chaos getroffen werden ist die Zeit nicht günstig
  • Gehen sie sorgsam mit sich um und vermeiden sie Stress und wenn dieser da sein sollte, schaffen Sie sich geeignete Ausgleichsmöglichkeiten z.B. im kreativen Bereich u.a. Malerei, Musik, Tanz usw. und dort können und müssen Sie auch gar nicht die Beste sein, sondern können dort frei und unbekümmert Ihre Gefühle nach außen richten, anstatt immer nur destruktiv zum Teil nach Innen
  • Sagen sie sich selbst, dass die eventuelle depressive Phase nicht ewig anhalten wird sondern eine vorrübergehende Phase bzw. Erkrankung ist und lassen Sie sich ggf. auch durch Medikamente helfen (diese machen in der heutigen Zeit nur mehr auf anderen Symptomebenen abhängig und Sie können ja auch erst ein Mal ein leichtes stimmungsaufhellendes und nicht abhängig machendes Medikament nehmen z.B. Opaprimol oder Insidon)
  • Nutzen sie eine passende Gelegenheit Sorgen und Gedanken mit der Familie oder guten Freunden zu besprechen. Vielleicht werden Probleme dann nicht gelöst, aber ein Gespräch und der Kontakt können bereits entlastend wirken.
  • Versuchen sie ein vernünftiges Maß an Aktivitäten und positiven Dingen in den Tag einzuplanen - gerade so viel, wie sie ohne Überanstrengung machen können. Hierzu würden Kontakte zu Freunden und Familienangehörigen gehören, die vielleicht auch nur wenige Minuten dauern müssen ==> lernen Sie einfach das Leben wieder ein Stück zu genießen und auch ein schönes Essen kann da auch schon helfen
  • Achten sie auf ihre Körperhygiene, Ernährung und körperliche Gesundheit
  • Begrenzen sie den Konsum von Alkohol und Nikotin

Sie können sich auch an eine nahegelegene psychotherapeutische/psychiatrische Fachklinik wenden (an Unikliniken) und um eine Notaufnahme(Behandlung)bitten, um dort viel schneller als bei den niedergelassenen Kolleginnen oder Kollegen einen Termin für Ihre Frau zu bekommen. Auch psychotherapeutische Ausbildungsinstitute vergeben Termine zur Diagnostik.

Ich hoffe ich konnte Ihnen in der Kürze der Ausführung etwas helfen und wünsche Ihnen viel Kraft und alles Gute auf Ihrem weiteren Weg

Mit freundlichen Grüßen

Die Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.

Ich möchte Sie bitten, so Ihnen die Antwort meinerseits, entsprechend Ihrer Vorstellungen zugesagt hat, nicht zu vergessen das fällige Honorar (durch Klick auf den Button "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank

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