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diplompsychologe
diplompsychologe, Dipl- Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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diplompsychologe ist jetzt online.

Meine Frau leidet seit längerer Zeit unter Depressionen oder

Kundenfrage

Meine Frau leidet seit längerer Zeit unter Depressionen oder einem Burn - Out syndrom, sie war bisher 1 mal in Behandlung und hat den nächsten Termin erst wieder in einer Woche. Der Grund für dafür ist der Tod ihres Vaters vor 3 Jahren, das Verhalten ihrer Mutter, die kurzfristige Übernahme der Firma, die Geburt unserer Tochter vor 2 1/2 Jahren und wie sie sagt natürlich mein Verhalten, dass ich mich zu wenig um Sie gekümmert habe. Darauf hin hat sie einen Flirt mit einem Mitarbeiter eines Lieferanten von uns angefangen. Der ihr aber nach dem 2. Gespräch gesagt hat das er es lieber bleiben lassen will. Wie soll ich mich verhalten? Manchmal merke ich nicht das sie wieder so einen Schub hat. Unsere Beziehung steckt in einer schweren Krise, obwohl wir uns immer wieder sagen es wird wieder gut. Wie kann ich meiner Frau helfen?
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage.
Ihre Angst aber auch Ihre Verzweiflung gerade im Bezug auf den Umgang mit der von Ihnen beschriebenen Symptomatik kann ich verstehen und häufig sollten Sie dabei auch auf Ihre emotionalen Belastungsgrenzen achten, d.h. nur wenn Sie emotional stabil sind und nicht Co.- abhängig werden, dann haben Sie auch beide eine Chance.

Es ist mir leider fachlich nicht möglich, im Rahmen eines Forums, zu entscheiden ob hier eine Depression ggf. nur eine Dysthymia oder ein Burnout vorliegt, denn alle Störungsmöglichkeiten müssen genau durch eine spezielle und gezielte Diagnostik voneinander unterschieden werden und stets psychiatrisch/ psychologisch genauer vor Ort exploriert werden.

Nachstehend möchte ich ein Mal versuchen Ihnen darzustellen, wie man vielleicht mit einfachen Worten erklärt eine Unterscheidung im Rahmen der unterschiedlichen Symptome vornehmen kann.

Ein beginnender Burnout ist meist dem dem Umstand geschuldet durch die hohe emotionale Belastung im beruflichen und privatem (familiären Kontext) bei Ihrer Frau kann nicht ausgeschlossen werden. Beim Burnout kann man mit Hilfe einer hypothetischen Frage: „ Was würden Sie tun, wenn Sie nicht derart erschöpft werden" versuchen zwischen Burnout (dieser hat darauf klare Ideen) und Depression zu unterscheiden, jedoch bietet dies keine diagnosespezifische Differenzierung, gibt lediglich Auskunft über den Schweregrad des Zustandes. Es kann sich aber auch nach einem fortgeschrittenen Burnout um eine Depression (Erschöpfungsdepression) handeln, die auch noch nach Erkrankungsgrad- episodisch (also bei wechselnder Intensität der Symptome) oder chronisch in leicht, mittelgradig und schwer zu unterscheiden wäre usw.

Es ist daher wichtig dass Ihre Frau sich Selbst auch in Behandlung begibt. Depressionen zeichnen sich aus durch traurige Verstimmtheit, gedrückter pessimistischer Stimmung, Niedergeschlagenheit, Verzagtheit, Antriebsminderung, leichter Ermüdbarkeit und eventuell Angst und Selbsttötungsneigung. Dies sollte immer auf Grund noch weiterführender Diagnostik (also auch psychometrischer Testverfahren z.B. Beck Depression Inventar = BDI) psychiatrisch/ psychologisch genauer exploriert werden. Wenn man depressiv ist, dann sind alle Bereiche der Persönlichkeit, der Psyche und des Alltags davon beeinträchtigt: das Denken, Fühlen, Handeln und körperliche Befinden.

Die depressiven Symptome sind morgens am stärksten. Im Laufe des Tages tritt meist eine Besserung ein und gegen Abend fühlen sich depressive Menschen häufig recht gut.

Gedanken bei Depressionen

Negative Gedanken = Selbstvorwürfe und Schuldgefühlen
Konzentrations- und Entscheidungsprobleme è richtige Entscheidung ist und weil er Angst hat, einen Fehler zu machen usw.

Körperliche Symptome bei Depressionen

Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Schlaf-, Ernährungs- und Sexualprobleme, Körperliche Beschwerden = depressive Menschen verspüren eine Reihe körperlicher Beschwerden wie Kopf-, Magen-, Rücken- und Herzschmerzen, Verstopfung aber auch zu Durchfall kommen

Gefühle bei Depressionen

Traurigkeit = das wesentliche Merkmal einer depressiven Erkrankung ist eine große Traurigkeit, Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit.

Freundlosigkeit - Lustlosigkeit - Interessenlosigkeit = mit der Traurigkeit geht die Unfähigkeit einher, Freude zu empfinden. Die Unfähigkeit, sich nicht mehr über Dinge freuen zu können, die einem früher Spaß und Vergnügen bereitet haben, wird von vielen Betroffenen oft als endgültiger Beweis dafür angesehen, dass alles sinnlos und hoffnungslos ist usw.

Es ist also dringend anzuraten, zuerst einen Hausarzt aufzusuchen um eine Körperliche Erkrankung als Hintergrund der Störung auszuschließen und dann eine Wiedervorstellung bei einem Facharzt für Psychiatrie. Dieser kann dann auch medikamentös unterstützen um Ihn aus seinem Tief erst einmal wieder herauszuholen, jedoch sollte dies kein Dauerzustand sein und eine Therapie ist auf jeden Fall begleitend zu empfehlen Die Behandlung mit Antidepressiva ist nur ein Therapiepfeiler bei der Behandlung von Depressionen. (Zwei weitere sind Psychotherapeutische und sozialpsychiatrische Verfahren je nach den speziellen Gegebenheiten der depressiven Störung).Er kann sich auch an eine nahegelegene psychotherapeutische/psychiatrische Fachklinik wenden (an Unikliniken) und um eine Notaufnahme(Behandlung)bitten, um dort viel schneller als bei den niedergelassenen Kolleginnen oder Kollegen einen Termin zu bekommen. Auch psychotherapeutische Ausbildungsinstitute vergeben Termine zur Diagnostik.

Oftmals fühlen sich Angehörige, die eng mit Depressiven zusammenleben, verunsichert. Einerseits weckt das depressive Leiden Mitgefühl, Anteilnahme und den Wunsch zu helfen, andererseits können stereotype Klagen auch ablehnende Gefühle wachrufen, ständiges sich zurückziehen, insbesondere wenn sie in bittergereiztem Ton vorgebracht werden. Auch vergebliches Bemühen um Aufhellung der trostlosen Gemütsverfassung kann bei Partnern Gefühle ärgerlicher Hilflosigkeit auslösen; sie spüren, dass sie die Betroffenen „trotz guter Argumente" gefühlsmäßig nicht erreichen. Da viele Depressive an quälendem Grübeln und an einer motorischen Gehemmtheit leiden, können Unterhaltungen schwierig und einsilbig verlaufen. Aufgrund ihrer starken Selbstverunsicherung meiden die Betroffenen Blickkontakt, reden leise und mit monotoner Stimme, wodurch sich die Angehörigen kalt behandelt oder sogar abgelehnt fühlen. In Zeiten schwerer Bedrücktheit ist Unterstützung durch Geduld, Anteilnahme und Ermutigung eine wichtige Hilfe. Kritik und Abwertung sind möglichst zu vermeiden, da die Erkrankten meist sich selbst als versagende, schuldige und liebensunwerte Menschen sehen. Dem schwärzesten Pessimismus soll ein „und dennoch" entgegengehalten werden. Auch wenn Betroffene auf die Ermutigungen ihrer Umgebung keine sichtbare Reaktion zeigen, darf man davon ausgehen, dass sie in ihrem Inneren die wohltuende Zuwendung schätzen. Die größte Angst ist ja gerade, dass die anderen sie so negativ einschätzen wie sie sich selbst. Man soll sich vor Augen führen, dass Depressive sich nicht absichtlich ängstlich, klagsam oder verärgert verhalten, sondern momentan (noch) keine andere Möglichkeit besitzen. Die Depression darf nicht mit Willen- oder Disziplinlosigkeit verwechselt werden. Appelle an den Willen, sich anders zu verhalten, wirken entmutigend, da sie nicht erfüllt werden können und die Betroffenen in ihrem Versagergefühl bestätigen. Auch Aufmunterungsversuche mit Hinweis auf die schönen Seiten des Lebens sind meist eher belastend als nützlich, da Erkrankte sich oftmals schämen, nicht „normal" empfinden zu können.

In einer kurzen Zusammenfassung, ohne jedoch hier den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben wie man am besten mit depressiv erkrankten Angehörigen umgehen sollte

· depressive Verstimmung (negative Gefühlszustände) nicht sofort gleich hinterfragen oder beschönigen

· dem Partner gegenüber die Depression nicht interpretieren bzw. keinen Sinn zuschreiben (das kann die depressive Person nur für sich selber tun)

· statt Ratschläge zu erteilen, lieber an den depressiven Schwierigkeiten Anteil nehmen

· ständige Aufheiterungsversuche unterlassen, aber sich selber Mut machen

· nicht an die Willenskraft (oder an Verantwortung, Glaube etc.) appellieren

· keine einschneidenden Veränderungen der bisherigen Lebensgewohnheiten empfehlen, eher regelmäßige Gliederung des Tagesablaufs unterstützen (morgens aufstehen, regelmäßig essen, abends zu Bett gehen)

· Verständnis dafür zeigen, dass die depressive Person keine positiven Gefühle zeigen kann und auch die sexuelle Lust verloren geht

· Gefühle, welche die depressive Person zeigt, möglichst anerkennen und fördern: z.B. ausweinen lassen (um die Selbstbeherrschung, welche der depressive Mensch von sich fordert, nicht noch zu fördern)

· die ärztliche Behandlung des depressiven Partners und die Einnahme antidepressiver Medikamente unterstützen

· wenn nötig selbst Arztbesuche organisieren

· zu gemeinsamen Spaziergängen oder anderen gemeinsamen Tätigkeiten anregen (die depressive Person profitiert von Schrittmacherdiensten, weil sie selber schwer Initiativen entwickeln kann)

· lebenswichtige Entscheidungen während der depressiven Episode (z.B. Berufswechsel, Scheidung) möglichst zurückstellen, aber nicht unbedingt ausreden, denn so beginnt die schrittweise Angleichung an die Realität durch Erarbeitung (meist in der Therapie) von Zukunftsperspektiven

· sich selber etwas gönnen, nicht nur in Sorge um den depressiven Menschen aufgehen

· Kontakte mit anderen (im Beruf, Freundeskreis) und eigenen Lebensrhythmus möglichst aufrecht erhalten, um nicht selber ins depressive Loch hineingezogen zu werden

Natürlich können Sie auch eine Angehörigen-Selbsthilfegruppe für depressiv Erkrankte besuchen (wo sich eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe befindet, dies erfahren Sie über Ihre Krankenkasse bzw. sogenannte Selbsthilfekontaktstellen.) und sich durch den Austausch mit anderen Betroffenen weitere Informationen einzuholen http://www.ipsis.de/adressen/adressselbsthilfe. http://www.depressionen-depression.net

Eine Konsultation eines Psychiaters z.B. in einer psychiatrischen Institutsambulanz Notfallambulanz an einer Uniklinik oder in einem Fachkrankenhaus für Psychiatrie führt zu einer genauen Abklärung der Symptome und eventuell auch einer Unterstützung mit Medikamenten. Sowohl ein Burnout als auch eine Depression sind gut behandelbar, jedoch sollte dies professionell erfolgen und auch mit einer begleitenden Psychotherapie (verhaltenstherapeutisch oder tiefenpsychologisch/ analytisch orientiert), denn die Gabe von Antidepressiva ist jedoch dabei aus meiner Sicht kein Dauerzustand.

Des Weiteren können Sie und meist geht es da mit Terminen wesentlich schneller, sich an ein in der Nähe befindliches psychotherapeutisches Ausbildungsinstitut wenden (einfach in eine Suchmaschine eingeben z.B. verhaltenstherapeutisches Ausbildungsinstitut + größeren Ort z.B. Berlin, Köln, München ect.) und diese Institute haben in der Regel immer eine Institutsambulanz oder Sie können auch an jeder größeren Universitätsklinik einen Termin in einer psychotherapeutischen/ psychiatrischen Ambulanz vereinbaren und dort vorstellig werden. In der Regel tragen die Krankenkassen auch die Kosten.

Ich hoffe, meine Ausführungen konnten Ihnen helfen und wünsche Ihnen viel Kraft und alles Gute auf Ihrem weiteren Weg

Mit freundlichem Gruß

Die Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.

Ich möchte Sie bitten, so Ihnen die Antwort meinerseits, entsprechend Ihrer Vorstellungen zugesagt hat, nicht zu vergessen das fällige Honorar (durch Klick auf den Button "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank

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