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InternetCoach
InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1449
Erfahrung:  Familientherapeutin, Drogenberatung, Erziehungsberatung
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Suizidgefahr... komplette Isolierung angemessen?

Kundenfrage

Hallo, mein Partner / ExPartner ist seit etwa zwei wochen in Psyschologischer behandlung. Wir haben drei gemeinsame Kinder. Sind aber wohnlich zur zeit getrennt, hatten jedoch täglich kontakt einerseits wegen den kindern andererseits weil wir voneinander nicht loslassen können. Allerdings hat er zusätzlich noch eine "Freundin" die aber auch sehr weit weg wohnt und zu der er nur telefonischen kontakt hat. Ich weiß das er Suizidgedanken hat. Er war heute vormittag wieder bei seinem Arzt und laut der aussage von meinem Exfreund wollte der arzt ihn in die klinik einweisen, er weigerte sich und bekam nun Antidepressiva verordnet. Und die Aussage vom Arzt, das er wohl jeglichen Kontakt zu aussenwelt abbrechen solle. Ich frage mich jetzt ob das wirklich gut ist für ihn sich so zu isolieren? Ich mache mir große Sorgen um ihn . Den Symptomen zufolge ist er manisch depressiv.
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage. Sie beschreiben eine schwierige Situation. Sie machen sich verstaendlicherweise Sorgen um Ihren Ex-Partner. Suizidgedanken sind weiter verbreitet als man denkt und solange diese Gedanken bleiben und nicht in die Tat umgesetzt werden, zeigen sie uns, dass etwas in unserem Leben verbesserungsbeduerftig ist.


Sie sagen, dass Ihr Ex-Partner wahrscheinlich eine bipolare Stoerung hat (Manisch Depressiv). Da aber Suizidgedanken ja eher mit Depressionen zusammenhaengen - werde ich mich darauf konzentrieren. Zuvor aber noch etwas Information zu Antidepressiva bei Menschen mit bipolarer Stoerung. Diese koennen naemlich dazu fuehren, dass man in eine manische Phase wechselt und auch dazu, dass man schneller hin- und herwechselt zwischen manischen und depressiven Phasen. Darum wird meist ein stimmungsstabilisierendes Medikament zusammen mit einem Antidepressivum verschrieben, wenn man eine bipolare Stoerung vermutet.

 

Depressionen gehen einher mit einem besonders negativen Erleben der Welt, mit sog. katastrophisierenden Gedanken, in denen man sich ausmalt, welche schlimmen Dinge passieren könnten. Der Wahrnehmungsfokus liegt auf dem: Was fehlt noch? Was habe ich noch nicht erreicht? Was kann ich noch nicht? Was läuft schief in meinem Leben? Es gibt immer Dinge, die noch nicht so gut laufen, die noch fehlen und die schief laufen, aber depressive Menschen sehen vor allem diese negativen Tatsachen und verlernen mit zunehmender Krankheitsdauer immer mehr, die positiven Dinge auch wahrzunehmen und zu fühlen. Dies führt zu andauernden negativen Gefühlszuständen, starker Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Energielosigkeit. Häufig kommt es auch zu einer Gewichtszunahme oder Abnahme, zu sexuellen Störungen und Libidostörungen. Das Morgentief erleben besonders viele Patienten als große Belastung. Der Tag beginnt schwer, es ist nur mit großer Mühe möglich, das Bett zu verlassen und das Tagewerk zu beginnen. Bei besonders schweren Depressionen schaffen die Patienten es nicht mehr, das Bett zu verlassen.

Bei einer Depression kommt es oft zu kognitiven Verzerrungen. In depressiven Phasen kommt es zu Fehlinterpretationen der Wirklichkeit, die zu einer pessimistischen Sichtweise der Welt, der eigenen Möglichkeiten und der Zukunft führt. Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge werden verwechselt. Unangemessene Verallgemeinerungen (Depressionen kann doch niemand heilen) oder übertreibungen (die Sprechstundenhilfe hat mich abweisend behandelt, als sie sagte, dass ich noch etwas länger warten muss), emotionale Beweisführung (ich habe das Gefühl, dass sie mir nicht helfen kann, also stimmt das) und das weit verbreitete Gedankenlesen (ich weiss, dass sie mich nicht leiden kann) sind typische kognitive Verzerrungen. Depressive Patienten haben eine Neigung zum kognitiven Verzerren. Man weiß jedoch nicht, ob die Depression die kognitiven Verzerrungen auslöst oder ob die kognitiven Verzerrungen die Depression auslösen. Kognitive Verzerrungen könnten z.B. auch erlernt sein. Das Bewusstmachen von kognitiven Verzerrungen und das Auflösen dieser Verzerrungen führen zu einer Verbesserung des subjektiven Erlebens. Depressive Patienten können lernen, ihre Gedanken selbst zu überprüfen und zu verändern. Dies ist ein wichtiger Bestandteil der Kognitiven Verhaltenstherapie. Irrationale Einstellungen werden verändert und wirken sich damit auf das konkrete Verhalten aus.

Um dieses "depressive Denken" zu veraendern, hilft es oft, andere Menschen um sich zu haben, die dabei helfen. Denn wenn man mit seinen Gedanken alleine ist, dann ist es oft sehr schwer, etwas an ihnen zu aendern. Darum wuerde es mich sehr erstaunen, dass ein Arzt empfiehlt, dass Ihr Ex-Partner alleine sein sollte. Meist ist die Empfehlung fuer jemanden, der Suizidgedanken hat und/oder der neue Medikamente anfaengt, eher das Gegenteil: Man sollte nicht alleine sein, damit man schnell Hilfe hat, wenn es einem schlechter geht.

Haben Sie direkt mit dem Arzt gesprochen oder hat Ihr Ex-Partner Ihnen das nur mitgeteilt? Koennte er etwas missverstanden haben? Koennte er Sie vielleicht sogar anluegen, damit er alleine ist und moeglicherweise einen Suizidplan umsetzen koennte? Das sind natuerlich alles nur Vermutungen und ich moechte Ihnen auch keine Angst machen. Es scheint nur eine ungewoehnliche Empfehlung.





Hier finden Sie viele Tipps und Empfehlungen zur Selbsthilfe bei Depressionen, von denen einige "andere Menschen" mit einbeziehen.

http://www.depression-behandeln.de/depression-sport.html

http://www.depression-behandeln.de



Viele Angehörige und Freunde wissen nicht, wie sie sich einem Depressiven gegenüber verhalten sollen. Sie fühlen sich unsicher und hilflos, wollen Beistand leisten und dem Kranken nicht noch zusätzlich zur Last fallen. Zusätzlich fürchten sie sich vor den Beleidigungen, dem Schmerz, der Trauer und der Einsamkeit des Depressiven. Zudem sagt man, daß eine Depression auch ansteckend sein kann. Das bedeutet jedoch nicht, daß sie ebenfalls eine Depression bekommen, sondern vielmehr, daß die Angehörigen ihr Verhalten ändern und Gefühle wie Wut, Angst, Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit oder eine Müdigkeit und innere Leere entwickeln.

Als Angehöriger unterschätzt man auch manchmal die Krankheit. Man macht oft zwar gutgemeinte, aber dennoch für den Erkrankten negative Floskeln wie zum Beispiel:

  • Jedem geht es mal schlecht

  • Kopf hoch, das wird schon wieder

  • Du brauchst nur mal Urlaub

  • Dir geht es doch eigentlich gut

  • Reiß dich mal zusammen

  • Du brauchst nur etwas Abwechslung

Diese Floskeln erreichen einen Erkrankten nicht, eher im Gegenteil. Der Erkrankte glaubt, daß er noch nicht einmal diese einfachen Sachen erreichen kann und das negative Gefühl in seinem Kopf verstärkt sich dadurch noch mehr.

Sie müssen verstehen, daß Aggressionen und Zurückhaltung nur durch die Krankheit entstehen, nichts mit der fehlenden Liebe oder Zuneigung des Erkrankten zu tun haben. Außerdem müssen Sie wissen, daß diese Krankheit geheilt werden kann und der Depressive nach der Heilung wieder so ist wie vor der Krankheit. Die einzige wirkliche Hilfe, die Sie leisten können, ist, den Erkrankten zu motivieren. Bleiben Sie an seiner Seite und unterstützen Sie ihn in seinem Alltag. Achten Sie darauf, daß er seine Medikamente regelmäßig einnimmt und seine Arzttermine immer einhält. Setzen Sie ihn dabei aber nicht unter Druck, sondern motivieren Sie ihn durch die Aussicht auf eine Heilung.

Lustlosigkeit ist ein häufiges Symptom bei Burnout- oder Depessions-Patienten. Sie können sich kaum zu Unternehmungen aufraffen und sind mit den meisten Situationen überfordert. Versuchen Sie dem Betroffenen eine Abwechslung zu bieten, doch achten Sie darauf, dass sie nicht zu sehr anstrengt. Sport eignet sich besonders gut, da Stresshormone abgebaut werden. Ziel ist es, einen gewissen Belastbarkeitsgrad wieder herzustellen. Motivieren Sie ohne zu überfordern.



Vergessen Sie Ihre eigenen Beduerfnisse nicht. Tun Sie Dinge, die Ihnen gut tun und Ihren “Energie-Tank” aufladen. Oft haben Angehoerige ein schlechtes Gewissen, wenn sie lachen oder Spass haben waehrend es dem Betroffenen so schlecht geht. Es hilft dem Betroffenen aber nicht, wenn Sie sich Freude und schoene Dinge versagen. Im Gegenteil, Betroffene koennen sich oft nicht mehr vorstellen, dass irgendetwas im Leben Spass machen kann. Darum hilft es manchmal, einfach daran erinnert zu werden, dass es schoene Dinge gibt, auch wenn man sie selbst nicht so sehen kann.

 


Wenn es eine Moeglichkeit gibt, bei dem Arzt direkt nachzufragen, dann wuerde ich das empfehlen. Vielleicht hat er die Isolation aus einem anderne Grund empfohlen?

 

Wenn Sie sich Sorgen machen, dass sich Ihr Ex-Partner etwas antut, dann koennen Sie auch bei der Polizei anrufen und um einen "Wohlfahrtscheck" bitten, damit jemand an seine Tuer klopft und fragt, wie es ihm geht und ob er Hilfe braucht.

 

Meiner professionellen Meinung nach, ist Isolation nicht hilfreich, wenn jemand depressiv ist.

 













Ich hoffe, dass Ihnen meine Antwort in ihrer Kürze geholfen hat und beantworte auch gerne eine Anschlussfrage. Ich wünsche Ihnen viel Mut und Erfolg bei den nächsten Schritten.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

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