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diplompsychologe
diplompsychologe, Dipl- Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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diplompsychologe ist jetzt online.

mein Schwager leidet seid zwei Monaten an einer schweren Dep

Kundenfrage

mein Schwager leidet seid zwei Monaten an einer schweren Depression und ist nun zu uns gezogen. einmal die Woche hat er Therapie. Davor war er für 6 Wochen in einer Tagesklinik untergebracht. Wie können wir ihn weiterhin unterstützen? Weis man wirklich, ob es ihm besser geht oder nicht.

Was können wir konkret für ihn tun? Wie lange ungefähr wird die Erkrankung dauern? Sollte er weiterhin "engen" Kontakt zu seinen Eltern haben?


Angefangen hat alles mit der Trennung von seiner Verlobten und anschließend Stress im neuen Job. Er lebt eigentlich in London und ist nun für unabsehbare Zeit uns uns nach Berlin gezogen. Zu meinem Mann (seinem Bruder) und mit hat er immer einen sehr guten Kontakt gehabt.
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen und die offene Fragestellung, Ich möchte mich bemühen Ihnen punktuell eine Hilfestellung zu geben.

Den Verlauf einer Depression kann man in zwei Phasen unterteilen, d.h. gesunde Phasen wechseln sich mit depressiven Episoden ab, dabei können die einzelnen Phasen zwischen einigen Wochen bis über ein Jahr anhalten. Bei mehrmaligem Auftreten der Symptome spricht man von einer rezidivierenden Erkrankung. Sie schreiben nicht, ob Ihr Schwager Medikamente nimmt (ich setze voraus das es sich dann um verschriebene Antidepressiva handelt) und beziehen Ihn in Ihren Tagesablauf mit ein, dies ist vollkommen richtig und sollte auch dazu beitragen den Gesundheitszustand zu verbessern. Meine Frage wäre jetzt, inwieweit auch eine weitere ambulante psychotherapeutische Behandlung als Unterstützung von Ihm in Anspruch genommen wird. Zur Ermittlung des Schweregrades einer Depression werden z.B: auch spezielle Tests wie z.B. der BDI (Becks Depression Inventory) oder der HAMD(Hamilton- Depression- Scale) herangezogen. Eine weitere therapeutische Maßnahme zur Behandlung der Depression ist eine Schlafentzugstherapie, Lichttherapie auch Ergotherapie wird bspw. bei stationären Patienten in der Klinik eingesetzt um neue Ressourcen kennenzulernen und positiv zu nutzen. Auch die Ausarbeitung einer Tagesstrukturierung wie Sie es beschreiben, durch sinnvolle, aktivierende und nicht überfordernde Aktivitäten wirkt sich positiv aus. Eine genaue Vorhersage wann bei Ihm der Gesundheitszustand wieder erreicht ist, kann ich Ihnen leider nicht geben. Entscheidend ist auch immer der diagnostizierte Schwereregrad der Depression, die Bedingungen im sozialen Umfeld des Erkrankten (z.B. sind auch häufig belastende Lebensereignisse Auslöser der Depression); Chrobobiologische Faktoren ( hier z.B: Störungen im biologischen Rhythmus das Auftreten der Depression zu bestimmten Jahreszeiten ( Herbst/Winterdepression) oder durch Schichtarbeit bedingt weil gestörter Schlaf/WachRhytmus); körperliche Erkrankungen oder Medikamente können ebenfalls Auslöser sein . Ich kann Ihnen nur empfehlen, wenn noch nicht erfolgt, eine fortführende ambulante psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen und wenn es gar nicht geht, eventuell auch eine erneute stationäre Behandlung in Erwägung zu ziehen. Oftmals fühlen sich Angehörige, die eng mit Depressiven zusammenleben, verunsichert. Einerseits weckt das depressive Leiden Mitgefühl, Anteilnahme und den Wunsch zu helfen, andererseits können stereotype Klagen auch ablehnende Gefühle wachrufen, ständiges sich zurückziehen, insbesondere wenn sie in bittergereiztem Ton vorgebracht werden. Auch vergebliches Bemühen um Aufhellung der trostlosen Gemütsverfassung kann bei Partnern Gefühle ärgerlicher Hilflosigkeit auslösen; sie spüren, dass sie die Betroffenen „trotz guter Argumente" gefühlsmäßig nicht erreichen. Da viele Depressive an quälendem Grübeln und an einer motorischen Gehemmtheit leiden, können Unterhaltungen schwierig und einsilbig verlaufen. Aufgrund ihrer starken Selbstverunsicherung meiden die Betroffenen Blickkontakt, reden leise und mit monotoner Stimme, wodurch sich die Angehörigen kalt behandelt oder sogar abgelehnt fühlen. In Zeiten schwerer Bedrücktheit ist Unterstützung durch Geduld, Anteilnahme und Ermutigung eine wichtige Hilfe. Kritik und Abwertung sind möglichst zu vermeiden, da die Erkrankten meist sich selbst als versagende, schuldige und liebensunwerte Menschen sehen. Dem schwärzesten Pessimismus soll ein „und dennoch" entgegengehalten werden. Auch wenn Betroffene auf die Ermutigungen ihrer Umgebung keine sichtbare Reaktion zeigen, darf man davon ausgehen, dass sie in ihrem Inneren die wohltuende Zuwendung schätzen. Die größte Angst ist ja gerade, dass die anderen sie so negativ einschätzen wie sie sich selbst. Man soll sich vor Augen führen, dass Depressive sich nicht absichtlich ängstlich, klagsam oder verärgert verhalten, sondern momentan (noch) keine andere Möglichkeit besitzen. Die Depression darf nicht mit Willen- oder Disziplinlosigkeit verwechselt werden. Appelle an den Willen, sich anders zu verhalten, wirken entmutigend, da sie nicht erfüllt werden können und die Betroffenen in ihrem Versagergefühl bestätigen. Auch Aufmunterungsversuche mit Hinweis auf die schönen Seiten des Lebens sind meist eher belastend als nützlich, da Erkrankte sich oftmals schämen, nicht „normal" empfinden zu können.

In einer kurzen Zusammenfassung, ohne jedoch hier den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben wie man am besten mit dem depressiv erkrankten Angehörigen/Partner umgehen sollte

  • Depressive Verstimmung (negative Gefühlszustände) nicht sofort gleich Hinterfragen oder beschönigen
  • Dem Partner gegenüber die Depression nicht interpretieren bzw. keinen Sinn zuschreiben (das kann die depressive Person nur für sich selber tun)
  • Statt Ratschläge zu erteilen, lieber an den depressiven Schwierigkeiten Anteil nehmen
  • Ständige Aufheiterungsversuche unterlassen, aber sich selber Mut machen
  • Nicht an die Willenskraft (oder an Verantwortung, Glaube etc.) appellieren
  • Keine einschneidenden Veränderungen der bisherigen Lebensgewohnheiten empfehlen, eher regelmäßige Gliederung des Tagesablaufs unterstützen (morgens aufstehen, regelmäßig essen, abends zu Bett gehen)
  • Verständnis dafür zeigen, dass die depressive Person keine positiven Gefühle zeigen kann und auch die sexuelle Lust verloren geht
  • Gefühle, welche die depressive Person zeigt, möglichst anerkennen und fördern: z.B. ausweinen lassen (um die Selbstbeherrschung, welche der depressive Mensch von sich fordert, nicht noch zu fördern)
  • Die ärztliche Behandlung des depressiven Partners und die Einnahme antidepressiver Medikamente unterstützen
  • Wenn nötig selbst Arztbesuche organisieren (nur jedoch
  • Zu gemeinsamen Spaziergängen oder anderen gemeinsamen Tätigkeiten anregen (die depressive Person profitiert von Schrittmacherdiensten, weil sie selber schwer Initiativen entwickeln kann)
  • Lebenswichtige Entscheidungen während der depressiven Episode (z.B. Berufswechsel, Scheidung) möglichst zurückstellen, aber nicht unbedingt ausreden, denn so beginnt die schrittweise Angleichung an die Realität durch Erarbeitung (meist in der Therapie) von Zukunftsperspektiven
  • Sich selber etwas gönnen, nicht nur in Sorge um den depressiven Menschen aufgehen
  • Kontakte mit anderen (im Beruf, Freundeskreis) und eigenen Lebensrhythmus möglichst aufrecht erhalten, um nicht selber ins depressive Loch hineingezogen zu werden

Natürlich können Sie auch eine Angehörigen-Selbsthilfegruppe für depressiv Erkrankte besuchen und wo sich eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe befindet, dies erfahren Sie über Ihre Krankenkasse bzw. sogenannte Selbsthilfekontaktstellen.

Bitte achten Sie aber auch auf Ihre Grenzen der emotionalen Belastbarkeit und werden nicht durch eventuelles Co.- abhängiges Verhalten Selbst noch krank.

Ich hoffe ich konnte Ihnen in der Kürze der Ausführung etwas helfen und wünsche Ihnen viel Kraft und alles Gute auf Ihrem weiteren Weg

Mit freundlichen Grüßen

Die Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.

Ich möchte Sie bitten, so Ihnen die Antwort meinerseits, entsprechend Ihrer Vorstellungen zugesagt hat, nicht zu vergessen das fällige Honorar (durch Klick auf den Button "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank

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