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diplompsychologe
diplompsychologe, Dipl- Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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diplompsychologe ist jetzt online.

Mein Freund hatte vor knapp 3 Wochen einen Auffahrunfall bei

Kundenfrage

Mein Freund hatte vor knapp 3 Wochen einen Auffahrunfall bei dem er bis auf ein leichtes Schleudertrauma keine Verletzungen hatte. Seitdem hat er sich aber zusehens von mir entfernt, isoliert sich und stellt sein ganzes Leben, u.a. auch unsere Beziehung vollkommen in Frage und ist völlig gefühls- und regungslos. Er schläft schlecht, kann sich nicht konzentieren und empfindet keine Freude mehr. Ausgelöst wurde es vermutlich, da ich mich nach dem Unfall ebenfalls zurück gezogen habe, da unser Auto erst 5 Wochen alt war. Er hat meinen Rückzug nicht verstanden und stellt jetzt unsere Liebe in Frage. Wir sind seit 3,5 Jahren zusammen. Kann durch den Unfall eine depressive Verstimmung hervorgerufen worden sein? Vorher bestand in unserer Beziehung keinerlei Probleme.
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 5 Jahren.

Sehr geehrte Fragerstellerin

Vielen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen und die offene Fragestellung. Ich verstehe Ihr Problem und finde es sehr positiv, dass Sie sich um Ihren Freund sorgen und Ihm auch durch Ihre Frage helfen möchten. Ihr Partner war vor kurzem einer außergewöhnlichen körperlichen und seelischen Belastung ausgesetzt und dies kann eine akute Belastungsreaktion hervorrufen die sich in polymorphen (unterschiedliche) Symptomen zeigt. Hervorzuheben ist hier insbesondere Angststörung und Depression. Entscheidend ist das keins der Symptome über längere Zeit vorhält und ein Abklingen der Symptome innerhalb von wenigen Tagen (ggf. wenigen Wochen) zu beobachten ist. Demgegenüber steht die dissoziative Reaktion sowie vorübergehende Symptome der posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD): Auch hier müssen die Symptome vorübergehend sein, angegeben wird eine Dauer von mindestens zwei Tagen und höchstens 4 Wochen. Die Symptomatik muss innerhalb von 4 Wochen nach dem traumatischen Ereignis (kann z.B. der Autounfall durchaus sein) auftreten. Wichtige Symptome die während oder kurz nach dem belastenden Ereignis auftreten können sind nach ICD-10 Bewusstseinseinengungen; sowie die Unfähigkeit Reizte zu verarbeiten bis hin zu dissoziativen Verhaltenssymptomen z.B. Flashbacks. Die anfängliche Betäubung kann jedoch auch in einen Ruhe- und Überaktivitätszustand (Fluchtreaktion) übergehen. Im kurzen Verlauf kann es zu PTSD-ähnlichen Symptomen kommen, die aber entgegen der posttraumatischen Belastungsstörung halten diese Symptome nur ca. 3 Tage bzw. höchstens 4 Wochen an. Aus einer akuten Belastungsstörung kann sich eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln. Da währen der akuten Belastungsreaktion ein konfrontatives Vorgehen ( Konfrontation mit dem traumatischen Ereignis im Rahmen einer Therapie ) kontraindiziert ist, wird eine vorübergehende medikamentöse Dämpfung mittels Benzodiazepinen eingesetzt. In der Mehrzahl der Fälle klingen die genannten Symptome innerhalb des beschriebenen Zeitrahmens wieder ab. Erst bei Anhalten der Symptomatik und Übergang in eine posttraumatische Belastungsstörung sollte dringend längerfristig ambulant und /oder stationär eine Psychotherapie bei einem entsprechend ausgebildeten Therapeuten erfolgen. Bei der Posttraumatischen Belastungsstörung ist der Verlauf wechselhaft. In 50% der Fälle gehen die Symptome nach einigen Monaten allein zurück, in einem Drittel der Fälle nimmt jedoch die Störung einen chronischen Verlauf. Bei sehr langem Verlauf oder nach langandauernden extremen Belastungen kann es auch zum Übergang in eine dauernde Persönlichkeitsstörung kommen.icd10 F62.0. Die Symptome zeigen sich dann in einer misstrauischen und feindlichen Haltung gegenüber der Umwelt, dem sozialen Rückzug, einer chronischen Nervosität als wenn eine ständige Bedrohung vorhanden ist, Gefühle der Leere und der Hoffnungslosigkeit. Für die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung auf Grund des Traumatischen Erlebnisses müssen dies Symptome jedoch mindestens über 2 Jahre bestehen. In der Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen haben sich in den letzten Jahren effektive therapeutische Ansätze entwickelt jedoch sollte die Behandlung Psychotherapeuten vorbehalten sein, die hierfür speziell ausgebildet sind. Häufig fordern die Patienten selbst eine Bearbeitung der traumatischen Erlebnisse, jedoch kann eine unsachgemäße Therapie ohne ausreichende Vorbereitung auch zu einer Retraumatisierung führen.

http://www.traumatherapie.de/service

Das Traumazentrum in Berlin befasst sich hauptsächlich mit der Traumabehandlung schwerverletzter Patienten Sie können telefonisch nachfragen ob die Möglichkeit besteht Ihnen zu helfen, aber vielleicht finden Sie hier eine Klinik in Ihrer Nähe

http://trauma-cbf.charite.de/klinik/rettungsstelle_traumazentrum/

http://www.blumenwiesen.org/kliniken.html

Eine weitere spezifische Therapieform für Traumabehandlungen die in den 90 ziger Jahren entwickelt wurde ist EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing); der Wirkungsmechanismus ist jedoch noch nicht endgültig erforscht. Weitere Möglichkeiten bietet die Hypnotherapie nach Erickson. Mittels imaginativer Techniken und Suggestionen lernt der Patient eine Kontrolle über die Flashbacks zu erlangen. Als letzte Option sind dann noch die Unterstützung der Therapie mit Psychopharmaka, zeitlich begrenzte Antidepressiva bzw. Anxiolytika.

Im Rahmen der von Ihnen beschriebenen Symptome würde ich Ihnen eine Konsultation eines Psychiaters z.B. in einer psychiatrischen Institutsambulanz Notfallambulanz an einer Uniklinik oder in einem Fachkrankenhaus für Psychiatrie zu empfehlen wenn die Symptome auch nach 4 Wochen bei Ihrem Partner noch weiterhin so bestehen um auch eine Unterstützung im Rahmen einer Psychotherapie zu ermöglichen. Des Weiteren können Sie und meist geht es da mit Terminen wesentlich schneller, sich an ein in der Nähe befindliches psychotherapeutisches Ausbildungsinstitut wenden (einfach in eine Suchmaschine eingeben) und diese Institute haben in der Regel immer eine Institutsambulanz oder Sie können auch an jeder größeren Universitätsklinik einen Termin in einer psychotherapeutischen/ psychiatrischen Ambulanz vereinbaren und dort vorstellig werden. In der Regel tragen die Krankenkassen auch die Kosten.


So Ihr Partner dazu bereit ist, könnte auch ggf. eine Paartherapie durchaus hilfreich sein und weitere Informationen finden Sie vor allem in Hinblick auf Therapeuten in Ihrer Nähe unter www.paartherapie.de.

Ich hoffe ich konnte Ihnen etwas helfen und wünsche Ihnen alles Gute auf Ihrem weiteren Weg

Mit freundlichem Gruß

Die Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.

Ich möchte Sie bitten, so Ihnen die Antwort meinerseits, entsprechend Ihrer Vorstellungen zugesagt hat, nicht zu vergessen das fällige Honorar (durch Klick auf den Button "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank