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diplompsychologe
diplompsychologe, Dipl- Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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meine tochter(24)liegt seid mitte januar wegen einer manisch

Kundenfrage

meine tochter(24)liegt seid mitte januar wegen einer manisch depressiven Phase und borreliose und erhöhtem vitamin D mangel im bett und ist kaum noch in der lage am leben teilzunemen,unser arzt hat sie in eine klinik eingewiesen,doch dies wurde von ihrer krankenkasse sie ist in der schweiz versichert,sie arbeitet und wohnt in basel,doch zur zeit ist sie bei uns in betreuung,doch ich kann und will mir das nicht länger mitansehen,wie eine so junge frau langsam vor die hunde geht!was kann ich tun???????bin am verzweifeln......
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen und die offene Fragestellung. Ich möchte mich bemühen Ihnen punktuell eine Hilfestellung zu geben,

Ich verstehe Ihr Problem und es ist auch ganz wichtig dass Sie sich Wissen zu dieser Störung aneignen um besser mit Ihrer Tochter umgehen zu können und auch die Möglichkeit haben sich ein Stück weit davon abzugrenzen.

Bei affektiven Störungen handelt es sich um Erkrankungen, die mit einer Störung des Affekts (Stimmungslage, affektus lat. =Gemütsverfassung) einhergehen. Diese können sich in zwei entgegengesetzte Richtungen manifestieren, als Manie (manie gr. =Wahnsinn; Sucht) oder Depression (deprimere lat. = niederdrücken, herabziehen) Affektive Störungen werden auch als affektive Psychosen bezeichnet. Diese Störungen können unipolar oder bipolar auftreten. Bei der bipolaren Störung wechseln sich depressive und manische Phasen ab. Die Dauer einer Phase variiert sehr stark-sie kann zwischen einigen Wochen bis zu einigen Monaten betragen. Man geht bei der bipolaren Störung von einem multifaktoriellen Geschehen aus, relevant sind genetische Faktoren, Störungen des Neurotransmitterhaushalts, kritische Lebensereignisse als auslösende ( nicht ursächliche )Faktoren, psychodynamische Faktoren und erlerntes (Fehl-)Verhalten. Die Symptomatik ist identisch mit der Depression und Manie mit dem Unterschied, dass beide Pole der affektiven Störung abwechselnd auftreten können. Nur selten sind beide Formen gleichzeitig anzutreffen. Meistens treten depressive und manische Schübe hintereinander auf. In depressiven Fällen ist häufig die vorhandene Suizidalität zu berücksichtigen und in manischen Phasen kann stark selbstgefährdendes Verhalten vorliegen. Auf Grund der Suizidalität in der depressiven Phase oder wegen selbstschädigenden verhalten in der manischen Phase kann eine stationäre Therapie notwendig sein. Leichtere Verläufe können mittels einer langfristigen Dauermedikation mit Lithium verbessert werden. Bei entsprechender Motivation ist auch eine Psychotherapie möglich und sinnvoll entsprechend der im Vordergrund stehenden Episode. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass lang anhaltende unbehandelte affektive Störungen mit strukturellen Veränderungen und funktionellen Störungen des Gehirns einhergehen. Das Ziel der Behandlung besteht darin diese Veränderungen rückgängig zu machen. Dieser Prozess ist langwierig und eine Langzeitbehandlung ist unumgänglich. Bei der medikamentösen Behandlung rezidivierender affektiver Störungen unterscheidet man zwischen Akuttherapie, Erhaltungstherapie und Rezidivprophylaxe. Wenn nach erfolgreicher Behandlung der akuten Symptomatik die Behandlung beendet wird, bevor es dem natürlichen Krankheitsverlauf entsprechend zum vollständigen Abklingen der Krankheitsphase gekommen ist, muss mit einem Widerauftreten der Symptomatik gerechnet werden. In der Regel wird empfohlen, einer Akkutherapie eine Erhaltungstherapie über ca., 6 Monate anzuschließen. Und somit einen Rückfall in die gegenwärtige Krankheitsphase zu verhindern. Die Rezidivprophylaxe soll dann das Auftreten zukünftiger Phasen verhüten. Eine Akuttherapie schwerer manischer Episoden gestaltet sich auf Grund der mangelnden Krankheitseinsicht des Patienten häufig schwierig und eine Behandlung im Rahmen eines stationären Settings ist oft nicht zu vermeiden. Die pharmakologische Therapie steht an erster Stelle bei der Behandlung bipolarer Störungen, allerdings gibt es auch weitere psychotherapeutische Ansätze( Psychoedukation)als zusätzliche Behandlungsstrategien um hier beim Patienten Aufklärung über die Krankheit zu leisten und auch die Gründe für eine fehlende Compliance( Mitarbeit)seitens des Patienten- durch Angst vor unerwünschten Nebenwirkungen des Medikaments , fehlende Krankheitseinsicht in manischen Phasen usw. , entgegenzuwirken.

Im Fall des Vorliegens einer schweren psychischen Störung kann manchmal eine Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus notwendig sein. Wenn der Betroffene nicht dazu in der Lage ist seine gesundheitliche Situation realistisch einzuschätzen, kann es notwendig sein, Ihn gegen seinen Willen einer stationären Behandlung zuzuführen. Dies wird durch die Unterbringungsgesetze der Länder geregelt.(PsychKG) Vorrausetzung für eine Zwangseinweisung ist neben dem Vorliegen einer psychischen Erkrankung das Vorhandensein einer akuten Gefahr für die eigene Person oder andere Personen ( Eigen- und Fremdgefährdung) Diese Unterbringung wird von der Polizei veranlasst und das Amtsgericht verfügt über die Einweisung nach ärztlichem Gutachten. Sie haben dann die Möglichkeit im Rahmen der von Ihnen beschriebenen Symptome auch den Notarzt für Ihre Tochter zu rufen, wenn es zu einer Eskalation im Rahmen der Manie/Depression kommt um eine Einweisung über den Notarzt nach PsychKG zu veranlassen). Sie wird dann 24h dort verbracht und es erfolgt im Anschluss eine Begutachtung durch einen Psychiater und es ist möglich bei Eigen/Fremdgefährdung dass sie nach Begutachtung dort in der Psychiatrie zwangsweise behandelt wird. Sie können auch bei der zuständigen Betreuungsbehörde (AMTSGERICHT) Eilbetreuung einrichten lassen, die entsprechend auch mit einer zwangsweisen psychiatrischen Begutachtung der Betreffenden endet und eine Therapie nach sich ziehen wird. Dies sei nur am Rande erwähnt wenn die Ausmaße der Manie zu groß werden. Manche haben sich in diesem Zustand schon um Haus und Hof gebracht. Ich gehe jetzt aber davon aus, dass Ihre Tochter sich im Rahmen der depressiven Phase befindet, daher würde ich Ihnen an dieser Stelle empfehlen zu versuchen sich davon abzugrenzen und Ihre Tochter zu motivieren sich in Behandlung zu begeben. Sie können Sie wie ich schon ausführte über den Notarzt in Behandlung bringen, dies jedoch nur bei akuter Eigen/Fremdgefährdung oder Sie organisieren die Aufnahme in eine psychiatrische Klinik an dem Wohnort Ihrer Tochter, wenn die Krankenkasse ihrer Tochter hier eine Einweisung in Deutschland verweigert. Eine weitere Möglichkeit ist eine vorübergehende Medikation mit Antidepressiva , dies kann jedoch nur bei einem Facharzt für Psychiatrie erfolgen, hier sollte sich die Krankenkasse Ihrer Tochter nicht querstellen dürfen. Wichtig ist aber auf jeden Fall eine weiterführende psychotherapeutische Behandlung und gegebenenfalls je nach Schwere ein Klinikaufenthalt.

Da Wie Sie schreiben Ihre Tochter sich im Moment eher in der depressiven Phase befindet möchte ich Ihnen einige Verhaltensmöglichkeiten gegenüber depressiv erkrankten Angehörigen nahelegen:

Oftmals fühlen sich Angehörige, die eng mit Depressiven zusammenleben, verunsichert. Einerseits weckt das depressive Leiden Mitgefühl, Anteilnahme und den Wunsch zu helfen, andererseits können stereotype Klagen auch ablehnende Gefühle wachrufen, ständiges sich zurückziehen, insbesondere wenn sie in bittergereiztem Ton vorgebracht werden. Auch vergebliches Bemühen um Aufhellung der trostlosen Gemütsverfassung kann bei Partnern Gefühle ärgerlicher Hilflosigkeit auslösen; sie spüren, dass sie die Betroffenen „trotz guter Argumente" gefühlsmäßig nicht erreichen. Da viele Depressive an quälendem Grübeln und an einer motorischen Gehemmtheit leiden, können Unterhaltungen schwierig und einsilbig verlaufen. Aufgrund ihrer starken Selbstverunsicherung meiden die Betroffenen Blickkontakt, reden leise und mit monotoner Stimme, wodurch sich die Angehörigen kalt behandelt oder sogar abgelehnt fühlen. In Zeiten schwerer Bedrücktheit ist Unterstützung durch Geduld, Anteilnahme und Ermutigung eine wichtige Hilfe. Kritik und Abwertung sind möglichst zu vermeiden, da die Erkrankten meist sich selbst als versagende, schuldige und liebensunwerte Menschen sehen. Dem schwärzesten Pessimismus soll ein „und dennoch" entgegengehalten werden. Auch wenn Betroffene auf die Ermutigungen ihrer Umgebung keine sichtbare Reaktion zeigen, darf man davon ausgehen, dass sie in ihrem Inneren die wohltuende Zuwendung schätzen. Die größte Angst ist ja gerade, dass die anderen sie so negativ einschätzen wie sie sich selbst. Man soll sich vor Augen führen, dass Depressive sich nicht absichtlich ängstlich, klagsam oder verärgert verhalten, sondern momentan (noch) keine andere Möglichkeit besitzen. Die Depression darf nicht mit Willen- oder Disziplinlosigkeit verwechselt werden. Appelle an den Willen, sich anders zu verhalten, wirken entmutigend, da sie nicht erfüllt werden können und die Betroffenen in ihrem Versagergefühl bestätigen. Auch Aufmunterungsversuche mit Hinweis auf die schönen Seiten des Lebens sind meist eher belastend als nützlich, da Erkrankte sich oftmals schämen, nicht „normal" empfinden zu können.

In einer kurzen Zusammenfassung, ohne jedoch hier den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben wie man am besten mit dem depressiv erkrankten Partner /Angehörigen umgehen sollte

  • Depressive Verstimmung (negative Gefühlszustände) nicht sofort gleich Hinterfragen oder beschönigen
  • Dem Partner gegenüber die Depression nicht interpretieren bzw. keinen Sinn zuschreiben (das kann die depressive Person nur für sich selber tun)
  • Statt Ratschläge zu erteilen, lieber an den depressiven Schwierigkeiten Anteil nehmen
  • Ständige Aufheiterungsversuche unterlassen, aber sich selber Mut machen
  • Nicht an die Willenskraft (oder an Verantwortung, Glaube etc.) appellieren
  • Keine einschneidenden Veränderungen der bisherigen Lebensgewohnheiten empfehlen, eher regelmäßige Gliederung des Tagesablaufs unterstützen (morgens aufstehen, regelmäßig essen, abends zu Bett gehen)
  • Verständnis dafür zeigen, dass die depressive Person keine positiven Gefühle zeigen kann und auch die sexuelle Lust verloren geht
  • Gefühle, welche die depressive Person zeigt, möglichst anerkennen und fördern: z.B. ausweinen lassen (um die Selbstbeherrschung, welche der depressive Mensch von sich fordert, nicht noch zu fördern)
  • Die ärztliche Behandlung des depressiven Partners und die Einnahme antidepressiver Medikamente unterstützen
  • Wenn nötig selbst Arztbesuche organisieren (nur jedoch
  • Zu gemeinsamen Spaziergängen oder anderen gemeinsamen Tätigkeiten anregen (die depressive Person profitiert von Schrittmacherdiensten, weil sie selber schwer Initiativen entwickeln kann)
  • Lebenswichtige Entscheidungen während der depressiven Episode (z.B. Berufswechsel, Scheidung) möglichst zurückstellen, aber nicht unbedingt ausreden, denn so beginnt die schrittweise Angleichung an die Realität durch Erarbeitung (meist in der Therapie) von Zukunftsperspektiven
  • Sich selber etwas gönnen, nicht nur in Sorge um den depressiven Menschen aufgehen
  • Kontakte mit anderen (im Beruf, Freundeskreis) und eigenen Lebensrhythmus möglichst aufrecht erhalten, um nicht selber ins depressive Loch hineingezogen zu werden

Ihnen würde ich empfehlen sich an einer Selbsthilfegruppe für Angehörige mit bipolarer Störung zu beteiligen um von anderen Betroffenen auch Bewältigungsmöglichkeiten und weitere Informationen zu dieser Störung zu erhalten im Umgang mit Ihrer Lebensgefährtin

http://www.dgbs.de/

http://bipolar-shg-nt.jimdo.com/

http://www.manic-depressive.de/

Ich hoffe ich konnte Ihnen in der Kürze der Ausführung etwas helfen und wünsche Ihnen viel Kraft und alles Gute auf Ihrem Weg

Mit freundlichen Grüßen

Die Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.

Ich möchte Sie bitten, so Ihnen die Antwort meinerseits, entsprechend Ihrer Vorstellungen zugesagt hat, nicht zu vergessen das fällige Honorar(durch Klick auf den Button Akzeptieren) anzuweisen. Vielen Dank

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