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InternetCoach
InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1450
Erfahrung:  Familientherapeutin, Drogenberatung, Erziehungsberatung
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Guten Abend, ist Ihnen Synästhesie bekannt? MfG

Kundenfrage

Guten Abend,
ist Ihnen Synästhesie bekannt?
MfG
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 5 Jahren.

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage. Synästhesie ist keine Erkrankung, keine Halluzination oder Einbildung. Untersuchungen zeigen, dass bestimmte Phänomene gehäuft bei Synästhetikern vorkommen. Dazu gehören Hochbegabung und erhöhte Kreativität ebenso wie Geräuschsensibilität und Aufmerksamkeitsstörungen. Auch Autisten scheinen einen hoeheren Anteil an Synästhesie zu haben.
Synästhesien können auch krankheitsbedingt, wie Sie erwaehnen z. B. als Teil von Schizophrenie, oder drogeninduziert (beispielsweise durch Halluzinogene) auftreten, sind für sich alleine aber kein Symptom einer Störung. Synästhesie koennte also eines der Symptome sein, die bei Schizophrenie auftreten, aber die Synästhesie alleine bedeutet nicht, dass jemand schizophren ist.

Bei Schizophrenie liegt eine Kombination verschiedener Symptome vor. Für sich allein genommen kann jedes Symptom auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten.

Bei der Schizophrenie klassifizieren Mediziner die Symptome folgendermaßen:

  • Positivsymptome: vor allem Wahn und Halluzinationen (auch produktive Symptomatik genannt)
  • Negativsymptome: z.B. Antriebsmangel und Gefühlsarmut

Je nachdem, welche Form der Schizophrenie vorliegt, sind bestimmte Symptome besonders stark ausgeprägt. So ist zum Beispiel die paranoide Schizophrenie – also die Schizophrenie vom paranoid-halluzinatorischen Typ – vor allem durch die Symptome Wahn und Halluzinationen geprägt. Betroffene, bei denen eine paranoide Schizophrenie vorliegt, haben dafür keine oder weniger starke Störungen des Denkens, der Gefühlsäußerungen (sog. affektive Störungen) oder der mit der seelischen Befindlichkeit verbundenen Bewegungen (sog. psychomotorische oder katatonische Symptome).

 

Bei Wahnvorstellungen als typische Schizophrenie-Symptome handelt es sich um eine falsche Beurteilung der Realität. Etwa 80 Prozent der Menschen mit Schizophrenie haben im Verlauf der Erkrankung Wahnvorstellungen, vor allem Verfolgungs- und Beziehungswahn, bei dem der Betroffene das Verhalten anderer wahnhaft auf sich selbst bezieht. Das Besondere an Wahnideen als Schizophrenie-Symptome ist, dass sie für Außenstehende sehr bizarr sind und oft einen magisch-mystischen Charakter haben.

 

Halluzinationen sind ebenfalls häufige Schizophrenie-Symptome, die bei etwa der Hälfte der Betroffenen auftreten. Eine Halluzination ist eine Sinnestäuschung. Hierbei empfinden Menschen mit Schizophrenie etwas als real, für das kein tatsächlicher Sinnesreiz vorhanden ist. Sie sehen beispielsweise Gesichter in Wänden, die gar nicht vorhanden sind (optische Halluzination); oder sie hören Stimmen, die sonst niemand wahrnimmt (akustische Halluzination). Akustische Halluzinationen kommen sehr häufig als Schizophrenie-Symptome vor. Oft äußern sie sich durch Stimmen, die dem Erkrankten Befehle erteilen (sog. imperative Stimmen) oder ihr Verhalten kommentieren (sog. kommentierende Stimmen). Manche Betroffene hören auch Stimmen, die sich untereinander unterhalten (sog. dialogisierende Stimmen). Auch das sogenannte Gedankenlautwerden gehört zu den akustischen Halluzinationen. Dabei glauben Betroffene, die eigenen Gedanken zu hören. Generell können Halluzinationen als Schizophrenie-Symptome jedes Sinnesorgan betreffen, also auch das Riechen und Schmecken.

 

Ich-Störungen als Schizophrenie-Symptome kommen ebenfalls bei fast jedem zweiten Schizophrenen vor. Dabei verschwimmen für den Betroffene die Grenzen zwischen "Ich" und "Umwelt". Die Psychiatrie unterscheidet bei Schizophrenie folgende Ich-Störungen als Symptome:

  • Depersonalisation: Eigene Gedanken, Gefühle oder Körperteile empfindet der Betroffene als fremd, als nicht zu sich gehörig.
  • Derealisation: Die Umwelt wird als unwirklich und andersartig erlebt.
  • Gedankenausbreitung: Der Schizophrene hat das Gefühl, dass sich seine Gedanken im Raum ausbreiten und andere sie hören können.
  • Gedankenentzug: Betroffene glauben, dass ihre Gedanken von außen entzogen bzw. weggenommen werden.
  • Gedankeneingebung: Der Betroffene glaubt, dass seine Gedanken von außen eingegeben sind.
  • Fremdbeeinflussung: Eigenes Handeln wird als von außen gesteuert erlebt. Betroffene fühlen sich wie eine Marionette.

Formale Denkstörungen sind Schizophrenie-Symptome, die bei etwa zwei von drei Schizophrenen auftreten. Dabei ist der Denkablauf verzerrt.

Die Betroffenen verschmelzen zum Beispiel verwandte Sachverhalte (sog. Kontamination). Teilweise erfinden sie Wörter neu, die völlig absurd klingen können und keinen Sinn zu haben scheinen (sog. Neologismen).

Das Denken von Menschen mit Schizophrenie ist zerfahren und zusammenhangslos, mit sprunghaften und unlogischen Gedankengängen (Zerfahrenheit) bis hin zu willkürlichen Verknüpfungen von Worten (Wortsalat, Schizophasie). So können sie zum Beispiel in einem Satz über völlig unterschiedliche Dinge reden, sodass der Zuhörer gar nicht weiß, worüber der Betroffene gerade spricht. Oder sie sagen einfach Wörter vor sich hin, ohne Sinn, Grammatik und besonderen Inhalt.

Bei manchen Betroffenen äußern sich formale Denkstörungen als Schizophrenie-Symptome dadurch, dass ihr Denken in einem Gespräch plötzlich ohne erkennbaren Grund abbricht (sog. Gedankensperrung).

 

Bei fast allen Menschen mit Schizophrenie treten affektive Störungen als Symptome auf – die Schizophrenie wirkt sich also auch auf die Gefühlswelt der Betroffenen aus. Besonders die hebephrene Schizophrenie äußert sich durch affektive Störungen.

Im Gespräch wirken von Schizophrenie Betroffene zum Beispiel emotional abwesend oder gefühlsarm (sog. mangelnder affektiver Rapport). Sie können mit unangemessenen Äußerungen auf Situationen und Dinge reagieren, die man ihnen erzählt (sog. Parathymie). Beispielsweise können sie auf eine traurige Geschichte mit Freude reagieren und umgekehrt. Auch ihre Mimik passt häufig nicht zu der Situation (sog. Paramimie). Sie verhalten sich manchmal albern und läppisch heiter (sog. läppischer Affekt).

Weitere Schizophrenie-Symptome sind völlig entgegengesetzte Gefühle, die Schizophrene gleichzeitig erleben können – insbesondere die hebephrene Schizophrenie ruft bei Betroffenen gegensätzliche Emotionen hervor. Sie lieben und hassen zum Beispiel zur selben Zeit oder können etwas wollen und gleichzeitig nicht wollen (sog. psychotische Ambivalenz).

Besonders wenn die akute Phase der Schizophrenie abgeklungen ist, bleibt bei den Betroffenen häufig eine Gefühlsarmut bestehen.

 


Selbst wenn also Synaesthesie zu Halluzinationen wuerde, dann bedeutet das noch nicht, dass jemand schizophren ist. Um diese Diagnose zu bekommen, muessen mehrere der oben erwaehnten Symptome auftreten. In Deutschland wird in der Regel nach ICD 10 diagnostiziert. Wenn Sie Interesse daran haben, dann finden Sie z.B. hier die Ausfuehrungen zur Schizophrenie: http://www.psychotherapie.de/psychodiagnostik/icd-10/f20-f29.html

 

 

 

Ich hoffe, dass Ihnen meine Antwort in ihrer Kürze geholfen hat und beantworte auch gerne eine Anschlussfrage.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

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