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InternetCoach
InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1450
Erfahrung:  Familientherapeutin, Drogenberatung, Erziehungsberatung
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Ich habe heute festgestellt, dass sich mein Azubi gestern in

Kundenfrage

Ich habe heute festgestellt, dass sich mein Azubi gestern in beide Arme geritzt hat. Sie hat es in der Praxis versucht zu verstecken, es ist trotzdem ersichtlich geworden. In einem ruhigen, aber auch emotionalen Gespräch habe ich erfahren, dass sie es auch schon als junge Jugendliche bereits mehrfach getan hat. Ihre Eltern (geschieden) wissen von dem Thema nichts, wohnen 500 km entfernt und haben eher sporadischen Kontakt. Ich habe ihr empfohlen eine Therapie zu beginnen und wäre ihr auch gern behilflich entsprechenden Kontakt herzustellen. Aber wohin können wir uns wenden? Soll ich ihre Mutter davon unterrichten? Das Mädel wird bereits 20 Jahre, also volljährig.
Sie hat Angst, dass sie in ihrem Umfeld bloßgestellt wird, wenn es publik wird. Sie ist eher ein labiler, unsicherer Typ, stellt sich aber dennoch sehr gern vor ihren Kolleginnen dar, um in den Mittelpunkt zu stehen. Ihr Bekanntenkreis wechselt sehr häufig, hat nie längerfristige Beziehungen.
Bitte geben Sie mir ein Rat. Ich kann sie nicht einfach in ihr Unglück laufen lassen.
Danke
D. Güttler
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 5 Jahren.
Sehr geehrter Fragesteller,
vielen Dank fuer Ihre Frage. Sie beschreiben eine schwierige Situation. Sie moechten Ihrem Azubi helfen, wissen aber nciht wie. Da Ihr Azubi erwachsen ist, waere es wahrscheinlich problematisch, wenn Sie die Eltern benachrichtigen - es sei denn Sie haben im Azubi =Vertrag eine Klausel, die so einen Kontakt erlaubt. Ansonsten koenntn Sie sich da weiteren Problemen oeffnen, wenn Sie "unbefugterweise" so etwas weitergeben.

Das Ritzen kann viele Ursachen und Ziele haben und ist fuer viele Jugendliche heutzutage so etwas wie eine "Problemloesungsstrategie." Im Zusammenhang mit einer moeglichen Essstoerung ist das Ritzen oft ein Weg mit Angst, dem Gefuehl von Kontrollverlust und der Unzufriedenheit mit sich selbst und den eigenen Leistungen umzugehen.



Hier ein paar Hintergrundinformationen zum Ritzen und den moeglichen Ursachen:





Die beliebteste Methode ist das Ritzen, bei dem sich die Jugendlichen mit einem Messer, einer Rasierklinge oder einer Nagelschere selbst Schnitte zufügen. Andere beißen sich, knabbern die Nägel bis aufs Blut ab oder drücken sich brennende Zigarretten auf dem Körper aus.
Für Außenstehende ist das Phänomen der Autoaggression kaum nachzufühlen und auch die betroffenen Kinder selbst können kaum erklären, was in ihnen vorgeht. Eine Gemeinsamkeit scheint in den meisten Fällen die zu sein, dass sich der Betroffene durch den Schmerz selbst spüren kann, seelischer Schmerz wird mit körperlichem überlagert – denn der ist klarer zu erfassen und tut anders, weniger weh. Die Probleme, die zur Selbstverletzung führen können ein geringes Selbstwertgefühl oder Depressionen sein; Schulfrust, familiäre Schwierigkeiten, Liebeskummer oder die Unfähigkeit, die eigenen Gefühle auszudrücken, suchen sich ein Ventil. In einigen Fällen ist gerade das Ritzen allerdings tatsächlich auch nur eine Modeerscheinung. Die Medien, hier insbesondere das Internet, machen aus der Selbstverletzung etwas Aufsehenerregendes und Besonderes. Auf dieser Welle schwimmen nicht wenige Jugendliche, um sich von der Masse abzuheben. Natürlich entspringt auch hier das Ritzen letztendlich aus einem mangelnden Selbstbewusstsein.

Jedes Mal, wenn ein Jugendlicher sich selbst verletzt, hat das Auswirkungen. Nicht selten wirkt das Ritzen beruhigend und ausgleichend und kann somit in kurzer Zeit zum Suchtmittel werden. Wo andere eine Zigarette rauchen oder mal eben um den Block rennen, wird hier das Ritzen genutzt, denn es „hilft“, zumindest für den Moment. Dieser Mechanismus greift, egal, welche Motivation vorhanden ist. Wenn das Blut fließt oder der Schmerz am größten ist, dann lässt der Druck, unter dem der Betroffene leidet nach und fühlt sich besser. Manche Betroffene berichten, dass es ihnen hilft, das Blut zu sehen. Mit dem Blut fliesst die Spannung aus dem Koerper. Andere berichten, dass sie ihre inneren "unsichtbaren" Schmerzen sichtbar machen moechten - und dass die Seele weniger weh tut, wenn der Koerper schmerzt.

Auf verschiedenen Selbsthilfeseiten wird im Internet eine Vielzahl von Informationen bereitgestellt. Darunter sind auch Alternativen,die man ausprobieren kann, um sich vom Ritzen abzulenken. Allerdings sollte man allzu langes Experimentieren vermeiden. Autoaggression kann auf schwere psychische Störungen hinweisen und es ist wichtig, die tiefere Ursache zu ergründen und an ihrer Auflösung zu arbeiten.



Hier ein Artikel zum Ritzen:

http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,524757,00.html

Letztendlich wird es sinnvoll sein, dass sich Ihr Azubi professionelle Hilfe besorgt. Ein Psychologe wird am Anfang den Schwerpunkt darauf legen, eine Ersatzhandlung zu finden, um den Druck nicht zu groß werden zu lassen und Entzugserscheinungen zu vermeiden. Gleichzeitig wird in Therapiesitzungen am eigentlichen Problem gearbeitet. Ziel ist, die Gründe für die Selbstverletzung zu finden und bewusst zu machen. Ein wichtiger Schritt ist die Entwicklung von Selbstliebe, die bei Jugendlichen, die zur Selbstverletzung greifen, kaum vorhanden ist. In schweren Fällen der Autoaggression sollte die Behandlung stationär durchgeführt werden, um Menschen vor sich selbst zu schützen und eine dauerhafte Überwachung zu ermöglichen.

Die Krankenkassen in Deutschland bezahlen nur drei Therapieformen, die Psychoanalyse, die Verhaltenstherapie und die tiefenpsychologisch fundierte Therapieform. (Eine neuere Therapieform, die eine Mischung aus Verhaltenstherapie und tiefenpsychologischen Therapie darstellt, ist die Schematherapie. Auch diese oft von Krankenkassen bezahlt www.schematherapie.de). Wenn Sie eine andere Therapieformen wählen, dann gestaltet sich eine Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen meist schwierig.


Es gibt mehrere Moeglichkeiten, einen Therapeuten zu finden. Um relativ schnell einen Termin zur Diagnostik und/oder zur Therapie zu bekommen, wenden Sie sich am besten an eine nahegelegene psychotherapeutische/ psychiatrische ambulante Fachklinik, an eine Universitätsklinik mit einer psychotherapeutischen/ psychiatrischen Ambulanz oder

an ein psychotherapeutisches Ausbildungsinstitut. Es dauert oft recht lange, um einen Termin bei einem niedergelassenen Psychologen zu bekommen, aber auch das waere eine Moeglichkeit. Fragen Sie dazu bei Ihrer Krankenkasse nach einer Liste von geeigneten Therapeuten.



Auch hier finden Sie Therapeuten (mit und ohne Kassenzulassung) nach PLZ geordnet:

http://www.psychotherapiesuche.de/therapeutensuche

http://www.netzwerk-psychotherapie.de/

http://www.therapeuten.de/

http://www.therapeutenfinder.com/therapeuten/



Die empfohlenen Therapieformen fuer Ritzen sind die Verhaltenstherapie und Traumatherapien (wie z.B. die dialektische behaviorale Therapie, EMDR). Aber auch andere Therapieformen koennen helfen. Jeder Mensch spricht anders auf eine Therapie an.

Die weiteren Symptome, die Sie beschreiben, koennten auf eine moegliche Borderline Stoerung hinweisen.

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine schwere Persönlichkeitsstörung, welche sich durch sehr wechselhafte Stimmungen, gestörte zwischenmenschliche Beziehungen, mangelndes Selbstvertrauen und autoaggressive Verhaltensweisen äußert.

Personen mit einer Borderline -Persönlichkeitsstörung tendieren dazu, die Welt nur in schwarzen und weißen Farben zu zeichnen.
Andere Menschen sind entweder nur und ausschließlich gut oder abgrundtief böse.
Sie schwanken häufig zwischen den Extremen, und ein Mensch, den sie heute anhimmeln, ist morgen für sie vielleicht schon der letzte Mensch. Entsprechend instabil sind in der Regel ihre zwischenmenschlichen Beziehungen. Zwischen heißem Liebesrausch und eiskaltem Hass steht mitunter nur ein falsches Wort oder ein missverständlicher Blick.

Diese Instabilität der Wahrnehmung und des Erlebens bezieht sich nicht nur auf andere Menschen, sondern auch auf das eigene Selbstbild. Vereinzelt haben die Betroffenen nur ein sehr verschwommenes Bild von sich selbst. Unrealistische und daher unerreichbare Ziele führen oft zur Selbstentwertung.

Menschen mit Borderline sind häufig extrem impulsiv, haben sich nicht unter Kontrolle. Besonders schwer fällt es ihnen, ihre Wut zu kontrollieren. In der Regel leiden Borderline- Betroffene unter heftigen Stimmungsschwankungen. Viele Borderline- Erkrankte sind hochgradig selbstmordgefährdet.

Wie bei den meisten psychischen Störungen sind die Ursachen noch nicht geklärt. Zu den wichtigsten Ursachen zählen Erfahrungen aus schmerzhafter Trennung, bedrohlicher Vernachlässigung oder auch massiver Traumatisierung durch sexuellen Missbrauch, körperliche Misshandlung oder emotionale Quälereien.
Neuere neurobiologische Forschungen deuten darauf hin, dass Borderline mit Hirnstörungen verbunden ist. Diese sind offenbar für die Übererregung und den emotionalen Kontrollverlust mitverantwortlich.



Typische Symptome sind:

  • Angst (Vernichtungs-, Verlassenheits-, Trennungsangst)

  • autoaggressives Verhalten

  • Depersonalisations- und Derealisationsgefühle

  • Depressionen

  • Drogenkonsum

  • delinquentes Sozialverhalten

  • extreme Idealisierungen oder Entwertungen

  • Eßstörungen

  • Gefühlsstörungen

  • Hysterien

  • Identitätsdiffusion

  • innere Leere

  • impulsive Reaktionsweisen

  • Impulskontrollverlust

  • Kontaktvermeidung - plötzliche Kontaktabbrüche

  • Polymorphe Sexualität (stark schwankend in der Ausprägung)

  • Präventivangriffe

  • psychosomatische Symptome

  • Realitätsverlust

  • Rituale und Zwänge

  • Schwarz-Weiß-Denken

  • starkes Kontrollbedürfnis über andere Menschen

  • Sucht

  • Suizidalität

  • Zwangssymptome



Menschen mit einer Borderline Persoenlichkeitsstoerung geraten sehr schnell in heftige Gefühlszustände, die sie häufig nur schwer oder gar nicht kontrollieren können. Es kann zu einem intensiven Erleben etwa von Verzweiflung, Einsamkeit, Ärger oder abgrundtiefer Angst kommen. Kleine Auseinandersetzungen im Kontakt mit Anderen können zu heftiger Wut führen. Betroffene neigen dazu, die Menschen ihrer Umgebung in Schwarz und Weiss einzuteilen: Entweder ist ein Mensch nur gut oder nur schlecht. Grautöne wahrzunehmen fällt ihnen schwer. Dies führt zu Problemen im Kontakt mit anderen Menschen. Beziehungen können schnell sehr intensiv werden, sie werden aber ebenso schnell wieder abgebrochen. Einige Symptome sind auch als missglückte Selbsthilfeversuche zu verstehen: Beispielsweise Süchte oder Selbstverletzungen. Die Betroffenen versuchen, sich damit vor unerträglichen Gefühlen zu schützen. Viele leiden so schwer unter ihren Gefühlen und Stimmungen, dass sie versuchen, sich umzubringen, Etwa 10 Prozent aller Menschen mit der Diagnose Borderline nehmen sich das Leben. Borderline ist also häufig eine tödlich verlaufende Erkrankung, die nicht unterschätzt werden darf.
Aber mit Borderline sind nicht nur Schwierigkeiten, sondern häufig auch besondere Fähigkeiten verbunden: Die Betroffenen sind oft sehr kreativ, lebendig und begeisterungsfähig. Nicht nur negative Gefühle werden sehr intensiv erlebt, sondern auch positive Gefühle wie Freude oder Liebe. Aber diese Gefühle können schnell wechseln, und so kann innerhalb kürzester Zeit aus Freude Verzweiflung oder aus Liebe Wut werden.

Es gibt Symptome, die bei vielen Betroffenen sehr häufig auftreten und andere, die relativ selten sind. Rund drei Viertel aller Borderline-Betroffenen haben sich selbst schon einmal verletzt. Meist fügen sie sich mit Rasierklingen oder anderen Schneidewerkzeugen Schnittverletzungen an den Armen, Beinen oder am Bauch zu. Aber auch verschiedene andere Formen der Selbstverletzung wie sich brennen oder Körperteile gegen harte Gegenstände schlagen, kommen immer wieder vor. Heute werden Borderline-Störung und Selbstverletzungen fälschlicherweise häufig gleich gesetzt. Wer sich selbst verletzt hat aber nicht zwangsläufig auch eine Borderline-Störung. Trotzdem sind Selbstverletzungen wohl ein typisches Borderline-Symptom wie kein anderes. Meist beginnt die Erkrankung in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter. Zunächst werden häufig andere psychische Erkrankungen wie etwa Essstörungen, Suizidalität oder Sucht diagnostiziert. Da die Symptome immer wieder wechseln können, werden sie nicht gleich als Borderline-Störung erkannt. Zeitweise leidet jemand beispielsweise an starken Panikattacken, dann treten Symptome einer Magersucht auf und später kommt es zu Selbstverletzungen Viele Borderline-Betroffene haben daher verschiedene Diagnosen erhalten, was auf sie häufig sehr verunsichernd wirkt. Daher erleben viele von ihnen die Diagnose "Borderline" als Entlastung. Erstmals ergeben all ihre psychischen Schwierigkeiten zusammen genommen einen Sinn.


Vielleicht waere es hilfreich, in Foren und bei Selbsthilfegruppen nachzuschauen, ob diese Diagnose zutrifft denn dann ist die Behandlung relativ komplex.

http://www.borderlineselbsthilfe.de/

http://www.borderlinecommunity.de/

http://www.borderline-angehoerige.de/



http://www.borderline-selbsthilfe.de/Index/Kliniken/kliniken.html



Ich hoffe, dass Ihnen meine Antwort in ihrer Kürze geholfen hat und beantworte auch gerne eine Anschlussfrage. Ich wünsche Ihnen viel Mut und Erfolg bei den nächsten Schritten.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

Wenn meine Antwort Ihren Vorstellungen entspricht, bitte ich Sie, nicht zu vergessen das Honorar (durch Anklicken von "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank.