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InternetCoach
InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1449
Erfahrung:  Familientherapeutin, Drogenberatung, Erziehungsberatung
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Hallo! Ich habe bei mir ein Verhaltensmuster bei der Anwandlung

Kundenfrage

Hallo!
Ich habe bei mir ein Verhaltensmuster bei der Anwandlung mit Frauen zu einer Beziehung festgestellt, dass ich alleine nicht lösen kann. Ich neige dazu so euphorisch auf Frauen zu zugehen, dass diese es als erdrückend empfinden und sich mir verschließen. Nicht das ich auch schon Frauen wegen eines solchen Verhaltens abgelehnt habe aber ich bin seit einigen Jahren nicht in der Lage eine tiefe, liebevolle Beziehung aufzubauen. Es gelingt mir nicht aus meiner Selbstreflexion die richtigen Schlüsse für mein Verhalten zu ziehen. Was kann ich bei so einem Verhalten tun?
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage. Sie beschreiben eine schwierige Situation. Sie beschreiben zwei Themen. Einmal moechten Sie ein Verhaltensmuster aendern, das sich als nicht hilfreich erwiesen hat und ausserdem fragen Sie sich nach der Ursache dieses Verhaltensmusters.


Als Menschen haben wir die Eigenart, wegzulaufen wenn uns etwas verfolgt. Darum erleben Sie wahrscheinlich Ablehnung, wenn Sie so euphorisch auf Frauen zugehen. Viele Frauen finden es immer noch schoen, erobert zu werden und zu sehen, dass ein Verehrer "um sie kaempft" ohne sie zu ueberrollen. Aber das wissen Sie ja schon und darum moechten Sie Ihr Verhalten aendern. Darum ist es wahrscheinlich wenig sinnvoll, wenn ich Ihnen konkrete Tipps gebe, was Sie anders machen sollten, um mehr Erfolg in Ihren Beziehungen zu haben.


Meine Vermutung ist, dass diese Verhaltensweise etwas mit Angst und Kontrolle zu tun hat. Als Menschen reagieren wir mit "Kontrolle" auf das Gefuehl von Angst. Wenn wir in einem Bereich unseres Lebens Angst haben, dann versuchen wir in einem anderen Bereich etwas zu kontrollieren. Wenn man z.B. auf der Arbeit verunsichert ist, dann raeumt man zu Hause die Garage auf oder mistet das Auto aus. Es ist wahrscheinlich, dass Sie irgendwo in Ihrem Leben Angst haben und dafuer kompensieren, indem Sie versuchen, Ihre Beziehungen zu kontrollieren. Um dieser Angst auf die Spur zu kommen waere es wahrscheinlich sinnvoll, eine Therapie zu machen.

Es kann evtl. auch sein, dass Sie unter einer Persoenlichkeitsstoerung leiden. Oft stammen diese von Aengsten, Traumata und Unsicherheiten in der Kindheit. Wenn Sie mehr darueber wissen wollen, lesen Sie vielleicht einmal die Beschreibungen von Persoenlichkeitsstoerungen auf Wikipedia und wenn davon etwas auf Sie zutrifft, dann stellen Sie gerne eine Anschlussfrage:

http://de.wikipedia.org/wiki/persoenlichkeitsstoerung


Eine Angst, die oft zu grossen Unsicherheiten in Beziehungen fuehrt ist die Angst vor Ablehnung.

Wenn wir uns abgelehnt fühlen, dann bewerten wir eine Reaktion, eine Aussage oder ein Verhalten eines anderen als Ablehnung. Die meisten Menschen haben Angst vor Ablehnung und fühlen sich verletzt, wenn sie sich abgelehnt fühlen. Warum ist das so?

Die Angst vor Ablehnung ist eng mit der Selbstablehnung verbunden. Je mehr wir uns selbst ablehnen, je mehr wir uns selbst für minderwertig oder nicht liebenswert halten, je mehr wir an unserem Wert zweifeln, umso mehr haben wir Angst vor Ablehnung, umso mehr leiden wir unter einer negativen Bewertung unserer Mitmenschen und umso schmerzlicher empfinden wir eine Ablehnung durch diese.

 

Woher kommt die Angst vor Ablehnung?

In den meisten Fällen entsteht die Angst vor Ablehnung schon in unserer Kindheit, genauer gesagt in den ersten 7 Lebensjahren. In dieser Zeit lernen viele von uns:

  • Ich werde nur akzeptiert, wenn ich lieb bin.

  • Ich bin nur liebenswert, wenn ich lieb bin.

  • Ich werde nur akzeptiert, wenn ich eine gute Leistung bringe.

Wenn wir von unseren Eltern nur angenommen und gelobt werden, wenn wir uns so verhalten, wie sie es sich wünschen, und sie uns ablehnen, wenn wir uns anders verhalten, dann lernen wir: gemocht werde ich nur dann, wenn ich tue, was andere von mir verlangen. Tue ich, was ich will, stoße ich auf Ablehnung.

Dabei reicht es schon, dass wir als Kinder den Eindruck haben, nicht um unserer Selbstwillen gemocht zu werden. Es müssen keine Worte fallen und wir müssen nicht geschlagen werden, um das Gefühl zu haben, nicht in Ordnung zu sein und abgelehnt zu werden. Schon ein strafender oder tadelnder Blick reichte vielleicht, um uns in Lebensgefahr zu sehen.

Warum nehmen wir uns als Kinder solche Worte so zu Herzen und warum reagieren wir als Erwachsene immer noch so verängstigt? Der Grund ist: Wir sind als Kinder völlig abhängig von der Zuwendung und Fürsorge unserer Eltern. Ohne sie können wir nicht überleben. Eine Ablehnung empfinden Kinder immer als ein im Stich-Gelassen- und Verstoßen-Werden. Und das kommt für ein drei- oder fünfjähriges Kind gefühlsmäßig einem Todesurteil gleich.

Haben wir als Kind kein Grundvertrauen, dass man für uns sorgen wird, dann entwickeln wir eine große Angst vor Ablehnung.

Als Erwachsene hängt unser Leben nicht mehr vom Urteil anderer Menschen ab. Dennoch empfinden wir bei Ablehnung reflexartig so, wie das drei- oder fünfjährige Kind, das seinen Eltern auf Gedeih und Verderben ausgeliefert war. Der Grund ist: Wir tragen quasi immer noch den kleinen verängstigten Jungen oder das kleine verängstigte Mädchen in uns, die eine Ablehnung als existenzielle Bedrohung empfinden.

Eine andere Lektion in unserer Kindheit und Jugendzeit bestand vielleicht darin, uns auf sehr persönliche und verletzende Weise auf unsere Fehler und Schwächen aufmerksam zu machen. Wir mussten uns vielleicht häufig anhören: Du taugst nichts. Du bist ein Tollpatsch. Du bist so was von blöd. Wegen dir muss man sich schämen.

Dadurch haben wir gelernt, an uns zu zweifeln und haben kein Selbstvertrauen entwickelt. Wir haben Angst zu versagen oder nicht zu genügen und deshalb abgelehnt zu werden.

Und natürlich hatten auch Erfahrungen mit unseren Spiel- und Schulkameraden einen Einfluss auf unsere seelische Entwicklung. Vielleicht wurden wir in der Schule gemobbt. Vielleicht hatten wir eine körperliche oder persönliche Auffälligkeit und wurden deshalb zur Zielscheibe von Spott und Hänseleien, die an unserem Selbstwertgefühl genagt haben und von denen wir uns nie mehr erholt haben.

Was tun gegen die Angst vor Ablehnung?

Wenn wir lernen, unseren Selbstwert und damit unser Selbstwertgefuehl zu stärken, dann machen wir uns unabhängiger von der Reaktion anderer und erleben eine Ablehnung nicht mehr als Todesurteil. Eine Ablehnung ist dann nur noch bedauerlich und schade, aber nicht mehr bedrohlich. Und damit verlieren wir unsere Angst vor der Ablehnung.

Und noch eines ist sehr wichtig: in der Regel fühlen wir uns durch die Worte oder das Verhalten des anderen als ganzer Mensch abgelehnt, fühlen wir unseren Wert herabgesetzt. D.h. wir beziehen seine Reaktion auf uns und nicht auf unser Verhalten. Dies ist ein großer Denkfehler. Es mag ja sein, dass einem anderen nicht gefällt, was wir sagen oder tun oder er unsere Ansichten ablehnt. Aber warum sind wir dann als Mensch ablehnenswert, wenn dem anderen an uns ein bestimmtes Verhalten nicht gefällt?

Das ist genauso, als würde man einen Apfelbaum verurteilen, der neben schönen Äpfeln auch wurmstichtige Äpfel trägt, weil man sagt: ein Baum, der wurmstichige Äpfel trägt ist minderwertig. Und selbst wenn ein Baum nur wurmstichige Äpfel tragen würde, käme wohl niemand auf die Idee, ihn deshalb zu fällen.

Und noch eines sollten Sie bedenken: über wen sagt eine Ablehnung etwas aus? Über den Abgelehnten oder den Ablehnenden? Letztlich nur über den Ablehnenden. Seine Ablehnung ist Ausdruck seiner Werte, seiner Ansichten, seiner Moral, seines Geschmacks, seiner Weltanschauung.

Wenn Sie ein modernes Gemälde schrecklich finden, heißt das, dass dieses Bild wertlos ist? Nein, es gibt viele, denen dieses Gemälde gefällt. Folglich sagt Ihre Ablehnung nichts über den Wert oder die Qualität des Bildes aus, sondern lediglich etwas über Ihren Geschmack.

Die meisten Menschen, die Angst vorm Alleinsein haben, haben irgendwann in ihrem Leben entschieden, dass sie minderwertig, nicht liebenswert, unwichtig oder wertlos sind, wenn sie alleine sind. Darum setzen sie alles daran, nicht alleine zu sein, denn dann koennen sie vermeiden, sich so zu fuehlen. Oft fuehrt das dazu, dass sie versuchen, anderen deren Wuensche und Beduerfnisse vom Gesicht abzulesen und oft entsprechend handeln bevor ein Wunsch ausgesprochen wurde. Oder, dass sie sich nie eigene Beduerfnisse goennen, denn das koennte ja dazu fuehren, dass die andere Person einen als Last empfindet und verlaesst.
Oft leben Menschen, die diese Schlussfolgerung gezogen haben, in staendiger Angst, etwas falsch zu machen und darum verlassen zu werden. Diese Menschen sind auch bewundernswert sensibel und haben ein riesengrosses Einfuehlungsvermoegen, was sie zu wunderbaren Freunden macht. Andererseits, werden sie auch oft ausgenutzt.
Was kann man tun, um diese Angst loszuwerden? Eine kognitive Therapie zeigt oft recht gute Erfolge, denn da findet man herau, warum man diese Schlussfolgerung gezogen hat (Allein = Wertlos), und kann diese Glaubenssaetze dann herausfordern und aendern. Denn oft hat man diese Glaubenssaetze als Kind gelernt und verinnerlicht. Und nicht alles, was man als Kind glaubt, erweist sich als hilfreich, wenn man erwachsen ist.

 

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Angst:

http://www.lebenshilfe-abc.de/angst-panik-therapie.html

http://www.palverlag.de/Panikattacken.html

http://www.angst-panik-hilfe.de/

www.angstportal.de



 

Meine Empfehlung waere, dass Sie eine tiefenpsychologische Therapie machen, um herauszufinden, woher Ihre Angst kommt. Die Krankenkassen in Deutschland bezahlen drei Therapieformen: die Psychoanalyse, die Verhaltenstherapie und die tiefenpsychologisch fundierte Therapie. Die Schematherapie hat in letzter Zeit immer mehr Anhaenger gefunden. Es handelt sich dabei um eine Kombination von Verhaltenstherapeutischen und tiefenpsychologischen Interventionen. Auch diese wird in der Regel von den Krankenkassen bezahlt. (www.schematherapie.de). Wenn Sie eine andere Therapieformen wählen, dann gestaltet sich eine Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen meist schwierig.

Bei dem ersten Termin ist es wichtig, dass Sie einen Eindruck gewinnen, ob Sie sich eine Therapie mit dem betreffenden Therapeuten/Therapeutin vorstellen koennen, denn wenn Sie nicht denken, dass Sie dieser Person vertrauen koennen, erreicht die Therapie oft wenig. Nicht jeder Therapeut passt für jeden Menschen.

Es gibt mehrere Moeglichkeiten, einen Therapeuten zu finden. Um relativ schnell einen Termin zur Diagnostik und/oder zur Therapie zu bekommen, wenden Sie sich am besten an eine nahegelegene psychotherapeutische/ psychiatrische ambulante Fachklinik, an eine Universitätsklinik mit einer psychotherapeutischen/ psychiatrischen Ambulanz oder an ein psychotherapeutisches Ausbildungsinstitut. Es dauert oft recht lange, um einen Termin bei einem niedergelassenen Psychologen zu bekommen, aber auch das ist eine Moeglichkeit. Fragen Sie dazu bei Ihrer Krankenkasse nach einer Liste von geeigneten Therapeuten. Hier finden Sie ebenfalls Listen von Therapeuten (mit und ohne Kassenzulassung) nach Postleitzahl geordnet:

http://www.psychotherapiesuche.de/therapeutensuche
http://www.netzwerk-psychotherapie.de/
http://www.therapeuten.de/

http://www.therapeutenfinder.com/therapeuten/




 



Ich hoffe, dass Ihnen meine Antwort in ihrer Kürze geholfen hat und beantworte auch gerne eine Anschlussfrage. Ich wünsche Ihnen viel Mut und Erfolg bei den nächsten Schritten.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

Wenn meine Antwort Ihren Vorstellungen entspricht, bitte ich Sie, nicht zu vergessen das Honorar (durch Anklicken von "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank.

InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
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Kunde: hat geantwortet vor 4 Jahren.
Danke XXXXX XXXXX!
Das ist ein guter Ansatz auf dem ich aufbauen kann. Glücklicherweise verfüge ich über über einen stabilen Freundeskreis, liebevolle und großzügige Familie. und meine Bekannte hat das Scheitern der Beziehung auch in erster Linie mit sich selber begründet, da sie Versagensängste hat. Da bin ich noch in der glücklichen Lage, dass ich mich nicht in einer wirklichen Lebenskrise befinde sondern mich analytisch mit mir auseinandersetzten will (da sind wir wieder bei der Kontrolle ;-))
Das Thema Kontrolle wegen Angst ist ein Punkt, den ich noch nicht auf dem Schirm hatte. Wenn ich mal so nachdenke, komme ich da vielleicht sehr stark nach meiner Mutter. Aber ich kann mich auch ad-hoc nicht erinnern wann ich mal in der Kindheit wirklich abgelehnt wurde. Das Elternhaus war/ist stabil, liebevoll und vertrauensbildend. Mit meinen Eltern versteh ich mich besser denn je und die waren/sind immer stolz auf mich... die haben mir auch immer die Freiheit gelassen, dass zu tun was ich wollte... komisch :-) Ich habe mir schon eine Überweisung bei meinem Internisten geholt und meine Eltern wollen mich finanziell bei einer Therapie auch unterstützen. Das wir bestimmt eine interessant, spannende Erfahrung, die mir helfen wird mich ungezwungener auftreten zu lassen!
Vielen Dank XXXXX XXXXX!
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.
Sehr geehrte/r Fragesteller/in,
vielen Dank fuer die akzeptierte Antwort. Oft ist die Ablehnung nichts "grosses" gewesen. Kinder interpretieren die Welt einfach anders. Da kann z.B. auch das Kranksein der liebevollen Mutter oder das haeufige Reisen eines bemuehten Vaters dazu fuehren, dass man "Regeln" aufstellt fuer sich: "Wenn ich immer meine Hausaufgaben machen, dann wird die Mutti nicht mehr krank." Im Rahmen der kindlichen Logik macht das alles Sinn. Von einer erwachsenen Perspektive natuerlich nicht und trotzdem muss man diese Glaubenssaetze ganz bewusst aendern, um nicht mehr danach zu leben.

Ich wuensche Ihnen viel Erfolg bei der Therapie.
Mit freundlichem Gruss,
Annegret Noble

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