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InternetCoach
InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1449
Erfahrung:  Familientherapeutin, Drogenberatung, Erziehungsberatung
62882398
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Ich fühle mich gereizt, müde, traurig, überfordert, ausgelaugt,

Kundenfrage

Ich fühle mich gereizt, müde, traurig, überfordert, ausgelaugt, krank, hoffnungslos und am Ende. Sitze hier vor dem Rechner, starre Löcher in die Wand und schreibe verzweifelt irdendwelchen Experten, die ich ergooglet habe, um HIlfe zu bekommen. Wie armseelig ist das denn, wenn man nun sowiet gekommen ist? Was soll hier denn noch helfen? Mit Medikamenten einem vorspielen, das Leben ist doch nun super lustig und froh? Selbstbetrug also? Sich durch Gespräch einreden lassen, alles wäre toll? Alles eigentlich doof, oder? Vielleicht sind manche Menschen einfach "lebensunfähig". Oder wo liegt der Trick?
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage. Sie beschreiben eine schwierige Situation. Sie wissen, dass irgendetwas mit Ihren Gefueheln nicht stimmt, wissen aber nicht was und wie man es aendern kann.

Von den Symptomen, die Sie beschreiben, koennte es sich bei Ihnen um eine Form der Depression handeln, die sich Dysthymie nennt, eine chronische milde depressive Verstimmung, die nie dazu fuehrt, dass man morgens nicht aus dem Bett kann oder Suizidgedanken hat, die einem aber das Leben sehr erschwert. Alltaegliche Dinge, die bei anderen Menschen "nebenherlaufen", kosten einen Menschen mit Dysthymie viel Kraft. Darum sind diese Menschen chronisch muede und erschoepft. Es fuehlt sich so an, als ob die "Autopilot"-Funktion des Koerpers kaputt ist. Dinge, die man eigentlich weiss und kann, laufen nie ganz ohne Anstrengung, man muss trotz allem nachdenken und Energie investieren, um sie zu erledigen. Ausserdem ist es ebenfalls anstrengend, gute Dinge im Leben zu geniessen - wie z.B. eine Beziehung, das Elternsein, eine Befoerderung, einen Erfolg. All diese Dinge sind "nett" , aber man spuert nie die wirklich tiefe Freude, die andere Menschen zu empfinden scheinen. Ausserdem scheint man oefter in Konflikte verwickelt zu werden, einmal weil man einfach zu erschoepft ist, um Probleme zu loesen, aber auch weil man in der "Wut" oder der "Frustration" zusaetzliche Energie findet. Wenn man wuetend ist, ist man nicht muede. Diese "Energietankstelle Konflikt" hat natuerlich langfristig sehr negative Auswirkungen auf wichtige Beziehungen.

Die Dysthymie faengt oft im Jugendalter an und wird dann zu einer Gewohnheit. Man kann sich gar nicht mehr vorstellen, dass das Leben auch weniger anstrengend sein kann - man sieht es nur in anderen Menschen, und fragt sich manchmal, was man denn falsch macht oder warum man so anders zu sein scheint. Menschen mit einer Dysthymie werden selten als depressiv wahrgenommen - sie schaffen ja alles und sie lachen auch mal. Erst wenn man eine Behandlung macht - die oft Medikamente und Therapie beeinhaltet - merkt man auf einmal, wie sehr man die ganzen Jahre hat kaempfen muessen. Ein Satz, den ich oft hoere, ist: "Ich wusste gar nicht, dass das Leben so einfach sein kann."

Falls etwas von dem, was Sie hier gelesen haben, auf Sie zutrifft, empfehle ich Ihnen, mit Ihrem Hausarzt zu sprechen. Denn obwohl eine Therapie wichtig ist, um die Denkfehler zu erkennen und herauszufordern, die oft mit einer Depression einhergehen, ist eine Dysthymie oft v.a. physiologisch bedingt und spricht daher gut auf Medikamente an. Sie sind etwas skeptisch, was Medikamente angeht, darum vielleicht ein Vergleicht, den ich hilfreich finde. Wenn man eine Erkaeltung hat und nichts richen kann, dann kann man auch nicht schmecken. Wenn einen jemand jetzt zu einer Gourmetessen einlaedt, kann man es nicht wirklich geniessen. Aber wenn man wieder riechen kann, dann schmeckt das Essen sehr gut. Aehnlich ist es mit der Depression und den Medikamenten. Sie aendern die Stimmung nicht wirklich. Man kann nur das Schoene im Leben, das ja da ist, wieder geniessen.

In einer Therapie wuerden Sie sich wahrscheinlich vor allem die Glaubenssaetze und Mottos anschauen, die Sie sich angewoehnt haben, um trotz einer chronischen Depression zu funktionieren. Dazu gehoeren z.B. unrealistische Erwartungen an sich selbst und andere, perfektionistische Tendenzen, Angst vorm Versagen oder das Gefuehl, minderwertig (weil anders) zu sein. Es gibt mittlerweile auch gute Buecher, die einem dabei helfen, seine Glaubenssaetze zu hinterfragen (z.B. Gedanken verändern Gefühle: Fertigkeiten, um Stimmungen, Verhalten und Beziehungen grundlegend zu verbessern von Dennis Greenberger, Christine A. Padesky, Theo Kierdorf und Hildegard Höhr von Junfermann (Oktober 2007)).

Symptome von einer depressiven Episode sind:

  • depressive Menschen sprechen oft leise und langsam, sie klingen eintönig

  • sie haben oft einen ernsten Gesichtsausdruck, wirken erstarrt oder verbissen

  • sie bewegen sich oft kraftlos, schleppend oder unmotiviert

  • der Gang ist nach vorn gebeugt, die Schultern hängen

  • sie ziehen oft den Kopf ein, sehen jämmerlich aus

  • es hat den Anschein, als ob sich der Betroffene ueber nichts freuen kann

Stimmungen von depressiven Menschen

  • sie sind bedrückt, traurig, verzweifelt

  • sie haben ein andauerndes Elendigkeitsgefühl

  • Minderwertigkeitskomplexe

  • ängstlich, Angst vor dem Leben

  • hoffnungslos, Gefühl von Hilflosigkeit

  • sie wollen sich verkriechen

  • lebensmüde Gedanken, nicht mehr aufwachen wollen, alles Sch...

  • man sieht alles negativ

  • das Leben scheint sinnlos

  • Hemmungen

  • Schuldgefühle

  • Schwinden des Selbstwertgefühls

  • Interessenverlust

  • Unruhe

  • Gefuehlslosigkeit

Die Hauptsymptome einer Depression sind:

  • eine andauernd gedrückte Stimmung

  • eine andauernde Freudlosigkeit

  • ein Verlust von Interesse an Dingen, die den Erkrankten vorher interessiert haben

  • eine grundsätzliche Antriebslosigkeit

Oft auftretende koerperliche Symptome

  • Appetitverlust

  • es kann eine Appetitlosigkeit mit starkem Gewichtsverlust auftreten

  • gelegentlich Zunahme des Appetits (Heißhunger vor allem auf Kohlenhydrate, Schokolade)

  • starkes Bedürfnis nach sehr salzigen oder süßen Lebensmitteln, da der Geschmackssinn durch die Krankheit beeinträchtigt ist.

Atmung

  • der Betroffene spürt eine Enge im Brustkorb

  • der Betroffene verspürt einen Druck auf der Brust

  • er atmet schwer, keucht oder atmet flach und kaum merklich

Augen

  • der Erkrankte klagt über schlechte Augen, kann aber keine passende Sehhilfe finden

  • Entzündete Augen können auftreten

  • schlechtes Sehen (ohne nachweislicher Ursache)

  • Lichtüberempfindlichkeit

Blasenstörungen

  • es treten Schmerzen beim Wasserlassen auf

  • häufiger Harndrang

  • die Blase ist gereizt

Schlafstörungen

  • Störungen beim Einschlafen

  • Störungen beim Durchschlafen

  • Nächtliches Erwachen

  • öfters Alpträume

  • als Flucht vor dem Leben: gesteigertes Schlafbedürfnis

  • frühes Erwachen am Morgen

  • Startschwierigkeiten am Morgen

Herzbeschwerden

  • Stechen im Herzen, Brennen oder Druck

  • Herzklopfen, Herzrasen

Hals-, Nasen-, Ohrenbereich

  • man verspürt einen Kloß im Hals

  • der Hals ist wie zugeschnürt

  • man fühlt ein Druckgefühl auf den Ohren

  • es können Ohrgeräusche auftreten (ähnlich Tinnitus)

  • Schmerzen in den Ohren

  • schlechteres Hörvermögen (ohne körperlich nachweisbare Ursache)

  • Der Mund brennt und ist trocken

Kreislauf

  • Schwindelanfälle

  • man hat öfters "weiche Knie"

  • ein erhöhter Blutdruck ohne körperlich nachweisbare Ursache


Kopf- und Nackenbereich

  • diffuse Schmerzen oder Druck

  • Verspannungen im Schulter- oder Nackenbereich

Magen-Darm-Beschwerden

  • es können Übelkeit, Brechreiz, Erbrechen auftreten

  • verstärkt Blähungen

  • es kommt zu Sodbrennen oder Magendruck

  • häufig Verstopfung oder Durchfall

  • Probleme mit dem Magen, Uebelkeit, Verdauungsstoerungen

Vegetatives Nervensystem

  • der Betroffene verspürt Hitzewallungen oder Kälteschauer

  • er zittert ungewöhnlich

  • er errötet schnell

  • er bekommt oft kalte Hände oder Füße

  • er ist sehr temperaturempfindlich, schnell ist es ihm zu kalt oder zu warm

  • er hat Blutdruckschwankungen

Zahnbereich

  • häufig Schmerzen ohne Grund

  • Gefühl eines schlecht sitzenden Gebißes

  • "Zähne zusammenbeißen" oder Zähneknirschen

Und

  • Selbstschädigung

  • Keine Lust auf Sexualitaet

  • Man kann nichts mehr entscheiden

  • Verlust des Zeitgefuehls

  • Die Angst, immer duemmer zu werden

  • Man ist wie ausgebrannt

  • Man hat Angst, unheilbar krank zu sein

http://www.depressionen-depression.net/symptome-einer-depression/symptome-einer-depression.htm

WEnn Sie also die obigen Symptome haben, dann sind Sie nicht "doof" oder lebensunfaehig sondern depressiv.



Depressionen gehen einher mit einem besonders negativen Erleben der Welt, mit sog. katastrophisierenden Gedanken, in denen man sich ausmalt, welche schlimmen Dinge passieren könnten. Der Wahrnehmungsfokus liegt auf dem: Was fehlt noch? Was habe ich noch nicht erreicht? Was kann ich noch nicht? Was läuft schief in meinem Leben? Es gibt immer Dinge, die noch nicht so gut laufen, die noch fehlen und die schief laufen, aber depressive Menschen sehen vor allem diese negativen Tatsachen und verlernen mit zunehmender Krankheitsdauer immer mehr, die positiven Dinge auch wahrzunehmen und zu fühlen. Dies führt zu andauernden negativen Gefühlszuständen, starker Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Energielosigkeit. Häufig kommt es auch zu einer Gewichtszunahme oder Abnahme, zu sexuellen Störungen wie erektiler Dysfunktion, Orgasmusstörungen und Libidostörungen. Das Morgentief erleben besonders viele Patienten als große Belastung. Der Tag beginnt schwer, es ist nur mit großer Mühe möglich, das Bett zu verlassen und das Tagewerk zu beginnen. Bei besonders schweren Depressionen schaffen die Patienten es nicht mehr, das Bett zu verlassen.


Bei einer Depression kommt es oft zu kognitiven Verzerrungen. In depressiven Phasen kommt es zu Fehlinterpretationen der Wirklichkeit, die zu einer pessimistischen Sichtweise der Welt, der eigenen Möglichkeiten und der Zukunft führt. Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge werden verwechselt. Unangemessene Verallgemeinerungen (Depressionen kann doch niemand heilen) oder übertreibungen (die Sprechstundenhilfe hat mich abweisend behandelt, als sie sagte, dass ich noch etwas länger warten muss), emotionale Beweisführung (ich habe das Gefühl, dass sie mir nicht helfen kann, also stimmt das) und das weit verbreitete Gedankenlesen (ich weiss, dass sie mich nicht leiden kann) sind typische kognitive Verzerrungen. Depressive Patienten haben eine Neigung zum kognitiven Verzerren. Man weiß jedoch nicht, ob die Depression die kognitiven Verzerrungen auslöst oder ob die kognitiven Verzerrungen die Depression auslösen. Kognitive Verzerrungen könnten z.B. auch erlernt sein. Das Bewusstmachen von kognitiven Verzerrungen und das Auflösen dieser Verzerrungen führen zu einer Verbesserung des subjektiven Erlebens. Depressive Patienten können lernen, ihre Gedanken selbst zu überprüfen und zu verändern. Dies ist ein wichtiger Bestandteil der Kognitiven Verhaltenstherapie. Irrationale Einstellungen werden verändert und wirken sich damit auf das konkrete Verhalten aus.

Wie oben erwaehnt, auch die Gehirnchemie ist bei depressiven Patienten verändert. Bestimmte Neurotransmitter wie Noradrenalin und Serotonin sind entweder zu wenig oder zu viel verfügbar. Genau hier setzen Psychopharmaka an. Leider weiß man bis heute nicht genau, wie diese wirken. Man weiß auch nicht, ob die Verschiebung der Neurotransmitterhaushalte die Depression verursacht oder ob die Depression die Neurotransmitterhaushalte negativ beeinflusst. Tatsache ist, dass viele depressive Patienten sehr gut auf die Behandlung mit Antidepressiva reagieren. Die Kombination von Antidepressiva und Kognitiver Verhaltenstherapie gibt heute als die Methode der Wahl für die Behandlung der Depression.







Interessante Seiten zur Selbsthilfe finden Sie hier:

http://www.depression-behandeln.de/depression-sport.html



http://www.depression-behandeln.de



Ich hoffe, dass ich Ihnen mit dieser Information etwas weiter helfen kann und Sie deshalb vielleicht in Erwaegung ziehen, mit Ihrem Hausarzt zu reden und Hilfe zu bekommen.

Um relativ schnell einen Termin zur Diagnostik und/oder zur Therapie zu bekommen, wenden Sie sich am besten an eine nahegelegene psychotherapeutische/ psychiatrische ambulante Fachklinik, an eine Universitätsklinik mit einer psychotherapeutischen/ psychiatrischen Ambulanz oder an ein psychotherapeutisches Ausbildungsinstitut. Es dauert oft recht lange, um einen Termin bei einem niedergelassenen Psychologen zu bekommen, aber auch das ist eine Moeglichkeit. Fragen Sie dazu bei Ihrer Krankenkasse nach einer Liste von geeigneten Therapeuten. Hier finden Sie ebenfalls Listen von Therapeuten (mit und ohne Kassenzulassung) nach Postleitzahl geordnet:

http://www.psychotherapiesuche.de/therapeutensuche
http://www.netzwerk-psychotherapie.de/
http://www.therapeuten.de/

http://www.therapeutenfinder.com/therapeuten/









Ich hoffe, dass Ihnen meine Antwort in ihrer Kürze geholfen hat und beantworte auch gerne eine Anschlussfrage. Ich wünsche Ihnen viel Mut und Erfolg bei den nächsten Schritten.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

Wenn meine Antwort Ihren Vorstellungen entspricht, bitte ich Sie, nicht zu vergessen das Honorar (durch Anklicken von "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank.

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