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InternetCoach
InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1450
Erfahrung:  Familientherapeutin, Drogenberatung, Erziehungsberatung
62882398
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Guten Abend, ich habe durch einen wiederkehrenden Kontrollverlust

Kundenfrage

Guten Abend,

ich habe durch einen wiederkehrenden Kontrollverlust aufgrund von Alkohol Probleme in der Partnerschaft. Ohne Alkohol bin ich einfühlsam, diplomatisch, sehr treu (noch nie fremdgegangen in meinen 3 Beziehungen) und habe ein Haufen andere positive Eigenschaften(laut meinem näheren Umfeld). Mein größtes Problem ist mein Drang nach Aufmerksamkeit der durch Alkohol noch verstärkt wird, dass geht soweit das ich aggressiv auf meine Freundin reagiere wenn sie Dinge tut oder sagt die nicht meinen Vorstellungen entsprechen. Lieben Gruß Milan G.
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 5 Jahren.

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage. Sie beschreiben eine schwierige Situation. Sie fragen sich, woher diese Sucht nach Alkohol kommt. Alkohol ist ein "logisches" Mittel, um negative Gedanken und Gefuehle abzuschwaechen. Auf emotionaler Ebene hat der Alkohol seine positive Wirkung im Abbau von Spannungs- und Angstzuständen. Bereits bei einer für die meisten nicht wahrnehmbaren Menge von 0,2 Promille verringern sich Angst- und Spannungszustände – die Person wird lockerer und Situationen, die vorher noch Angst verursachten und daher gemieden wurden, können nun vielfach angegangen und bewältigt werden.Ihr Ma ximum erreicht diese Wirkung bei einer Menge von 0,3 Promille. Ab 0,6 Promille wandelt sich diese positive Wirkung jedoch in eine negative. D.h. es kommt leichter zu Angst- und Beklemmungsgefühlen, die schon von sonst eher belanglosen Sachen ausgelöst werden können, und zu viele Hemmungen und damit natürliche Schranken fallen, was für die Umwelt äußerst unangenehme Folgen (Prügeleien, sexuelle Belästigung bis hin zu Gewaltverbrechen) haben kann (daher wahrscheinlich der Konflikt mit Ihrer Freundin)

Falls Sie sich die Frage stellen, ob Ihr Alkoholkonsum zur Alkoholabhaengigkeit wird, dann gibt es einige online Frageboegen, die Ihnen da vielleicht erste Hinweise geben koennten. Z.B. http://www.psychotherapiepraxis.at/surveys/test_alkoholismus.phtml oder http://www.alkoholismus-hilfe.de/alkoholismus-diagnose.html

Eine Alkoholabhängigkeit entsteht sowohl auf körperlicher als auch auf psychischer Ebene. Dabei ist es keine Frage der Menge, ob jemand Alkoholiker ist oder nicht: Während manche Alkoholiker ihren täglichen Alkoholkonsum gut kontrollieren können, es jedoch nicht schaffen, abstinent zu bleiben, trinken andere tagelang, ohne ihren Konsum kontrollieren zu können. Die Symptome einer Alkoholabhängigkeit können also variieren.

Charakteristische Symptome von Alkoholismus sind zum Beispiel:

  • der starke Wunsch/Drang, Alkohol zu sich zu nehmen

  • die Unfähigkeit, Beginn und Ende des Trinkens zu kontrollieren beziehungsweise zu kontrollieren, wie viel getrunken wird.

  • körperliche Entzugserscheinungen

  • Toleranzentwicklung: Der Alkoholiker benötigt immer höhere Dosen, um sich gut zu fühlen

  • Interessenverlust; Dinge, die früher Spaß gemacht haben, rücken in den Hintergrund

  • Unfähigkeit, den Konsum zu stoppen, obwohl es bereits zu körperlichen, psychischen und sozialen Folgen gekommen ist

Entzugserscheinungen

Alkoholismus führt zu Entzugserscheinungen, wenn die Droge fehlt. Trinkt ein Alkoholiker keinen Alkohol, kommt es nach vier bis zwölf Stunden zum Alkoholentzugssyndrom. Bei fortgeführter Abstinenz klingen die Entzugserscheinungen innerhalb einer Woche ab.

Als Entzugserscheinungen treten zum Beispiel folgende Symptome auf:

Es gibt verschiedene "Typen" von Trinkern (nach Prof. E.M. Jellinek). Nur Sie koennen letztlich entscheiden, in welche Kategorie Sie fallen:

Alpha - Trinker
sind Erleichterungstrinker, die mit Alkohol ihre Probleme zu lösen versuchen. Sie sind zwar einer fortschreitenden Abhängigkeit ausgesetzt, können aber ihren Alkoholkonsum unter Kontrolle halten.

Beta - Trinker
sind Gelegenheitstrinker ohne eine eingetretene Abhängigkeit. Bei ihnen treten vor allem Beschwerden durch Folgekrankheiten auf, z.B. Leberschäden, Magenleiden ( Gastritis ) u.a.

Gamma - Alkoholiker
sind die eigentlichen Alkoholiker, die vom Alkohol seelisch und körperlich abhängig sind. Sie haben über ihren Alkoholkonsum keine Kontrolle mehr.

Delta - Alkoholiker
sind " Spiegeltrinker ", sie können ihren Alkoholkonsum relativ lange unter Kontrolle halten. Sie sind zwar körperlich, aber nicht seelisch abhängig. Bei schleichender Dauerintoxikation sind sie eher unauffällig.

Epsilon - Alkoholiker
werden als " Quartalssäufer " bezeichnet. Nach wochenlanger Abstinenz trinken sie tagelang völlig unkontrolliert.

Hier ein Fragebogen dazu: http://www.alkohol-hilfe.de/suchthilfen/jellinek.htm

Oft bedingen sich Depressionen und Alkohol. Süchtige greifen zur Flasche, um ihre Depression zu therapieren, und der Alkoholkonsum macht durch seine schädigende Wirkung selbst depressiv. Drogen reduzieren das Bewusstsein und wirken somit schmerzlindernd - nicht nur im körperlichen, sondern auch im psychischen Sinne. Besonders Alkohol wirkt stark dämpfend und ist deshalb die bevorzugte Droge vieler Menschen mit Angststörungen.

Depressionen erzeugen ein negatives Weltbild. Sie machen aggressiv, lustlos und stumpf. Alle Gefühle sterben ab, das Leben wird unerträglich fade und erscheint sinnlos. Alkohol dagegen 'macht Stimmung' -, auch wenn sie negativ ist. Euphorie und Wohlgefühl münden bald in Gereiztheit und Unwohlsein, aber der 'Kater' bietet wenigstens ein sozial akzeptiertes (und für das Ego noch erträgliches) Erklärungsmuster für Trübsinn und Antriebslosigkeit

Gute zusaetzliche Informationen zu dem Zusammenhang von Alkohol und Depressionen (inklusive den Veraenderungen im Gehirn) finden Sie hier: http://www.alkoholismus-hilfe.de/alkoholismus-depressionen.html

Oft haengt ein Drang nach Aufmerksamkeit mit einer Angst vor Ablehnung oder dem Alleinsein zusammen.

Die meisten Menschen, die Angst vorm Alleinsein haben, haben irgendwann in ihrem Leben entschieden, dass sie minderwertig, nicht liebenswert, unwichtig oder wertlos sind, wenn sie alleine sind. Darum setzen sie alles daran, nicht alleine zu sein, denn dann koennen sie vermeiden, sich so zu fuehlen. Oft fuehrt das dazu, dass sie versuchen, anderen deren Wuensche und Beduerfnisse vom Gesicht abzulesen und oft entsprechend handeln bevor ein Wunsch ausgesprochen wurde. Oder, dass sie sich nie eigene Beduerfnisse goennen, denn das koennte ja dazu fuehren, dass die andere Person einen als Last empfindet und verlaesst.
Oft leben Menschen, die diese Schlussfolgerung gezogen haben, in staendiger Angst, etwas falsch zu machen und darum verlassen zu werden. Diese Menschen sind auch bewundernswert sensibel und haben ein riesengrosses Einfuehlungsvermoegen, was sie zu wunderbaren Freunden macht. Andererseits, werden sie auch oft ausgenutzt.
Was kann man tun, um diese Angst loszuwerden? Eine kognitive Therapie zeigt oft recht gute Erfolge, denn da findet man herau, warum man diese Schlussfolgerung gezogen hat (Allein = Wertlos), und kann diese Glaubenssaetze dann herausfordern und aendern. Denn oft hat man diese Glaubenssaetze als Kind gelernt und verinnerlicht. Und nicht alles, was man als Kind glaubt, erweist sich als hilfreich, wenn man erwachsen ist.





Hier finden Sie Informationen zur Kognitiven Verhaltenstherapie:

http://www.gesundheitsinformation.de/merkblatt-kognitive-verhaltenstherapie.491.de.html





Wenn Sie denken, dass Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen moechten, um den Gruenden Ihres Alkoholkonsums auf den Grund zu gehen, dann koennen Sie sich an eine Suchtberatungsstelle in Ihrer Naehe wenden.


Weitere Informationen, auch Selbsthilfegruppen und Online-Foren zum Thema finden Sie hier:

http://www.alkohol-hilfe.de/
http://www.forum-alkoholiker.de/

http://www.ipsis.de/adressen/adressselbsthilfe.htm

http://www.imedo.de/


http://www.netdoktor.at/krankheiten/fakta/alkoholismus.htm





Ich hoffe, dass Ihnen meine Antwort in ihrer Kürze geholfen hat und beantworte auch gerne eine Anschlussfrage. Ich wünsche Ihnen viel Mut und Erfolg bei den nächsten Schritten.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

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