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diplompsychologe
diplompsychologe, Dipl- Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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Meine Tochter, Ärztin , 44 J., leidet seit Dez.2011, an Hörminderung,

Kundenfrage

Meine Tochter, Ärztin , 44 J., leidet seit Dez.2011, an Hörminderung, li.Ohr, vereitertes Auge li.. Sie hat alles bislang auf eine Verschleppte Infektion geschoben. Seit Januar 2012 klagt sie über Schwindel , Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, sie friert dauernd, hat Zittern in den Armen (einmal sogar Zuckungen). Untersuchungen beim Neurologen und HNO-Arzt ergaben keine negativen Befunde.
Sie ist erkennbar von einer Unrast getrieben, möchte einerseits alles machen , ist dann aber auch wieder antriebslos Ich mache mir Sorgen und vermute ein Burnout.
Die aufgesuchten Fachärzte habe meine Tochter bislang krankgeschrieben.
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 4 Jahren.
Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage und Ihre Bemühungen eine solche nämlich die Stuation Ihrer Tochter zu beschreiben. Ihre Verunsicherung aber auch Ihre Angst sind nachvollziehbar und aus meiner fachlichen Sicht auch gerachtfertigt (egal um welche Diagnose es sich hier handelt).

Wie vielen Patienten in meiner Praxis geht es auch vielleicht Ihrer Tochter, es scheint alles körperlich in Takt zu sein (siehe neurologische Untersuchung, HNO Untersuchung), jedoch treten wie bei Ihnen diverse somatische Symptome auf wie unerklärliche Krankheiten trotzdem weiter auf und Tabletten (die Sie ja vlt. als Ärztin selber einnimmt) sind oft nicht hilfreich bzw. führen nur zu einer sekundären Linderung. Wenn somatische Ereignisse wie z.B. eine Hörminderung, Schwindelgefühle, verändertes Wärme und Kälteempfinden auftreten macht sich unbewusst schon eine gewisse Form von Angst breit, nämlich die Angst vor der Angst, d.h. man "erwartet" schon die üblichen Anzeichen und Symptome irgendwann wieder kommen z.B. den Schwindel, keinen Hunger zu haben bzw. nicht schlafen zu können.

In Ihrem Falle könnte es sich um eine eventuelle Somatisierungsstörung handeln (früher bekannt unter dem Namen psychosomatische Störung). Diese Störung wird sehr häufig, da ähnliche Symptome vorhanden sein können mit einer Burnouterkrankung verwechselt. Kurz um gesagt bzw. erklärt, kommt es zu einer psychosomatischen Störung, wenn unbewusste Konflikte (z.B. durch emotionale Überforderung im Rahmen von Beziehungen, Erziehungsaufgaben die nicht bewältigt werden können, negativ erlebten Veränderungen z.B. im beruflichen Kontext, unbewältigte Konflikte aus der Vergangenheit usw.) nicht adäquat bewältigt werden (verarbeitet werden von der Psyche) und sich dann durch somatische Symptome zeigen. Quasi ist dies ein Warnsignal der Psyche. Jedoch dürfen als Grundvoraussetzung keinerlei organische Ursachen vorhanden sein und ein gutes Beispiel hierfür wäre ja vlt. auch, dass der HNO- Arzt nichts gefunden hat.

Erst ein Mal möchte ich versuchen, um Ihnen das Verständnis für diese psychische Störung etwas näher zu bringen (was in den meisten Fällen sehr schwierig ist in der Anfangsphase und viele oft meinen "ich bin doch nicht verrückt oder irre und muss doch nicht in die Klapse" ==> jedoch geht es wirklich in keinster Weise darum.
Die wesentlichsten Symptome möchte ich halt versuchen zusammenfassend darzustellen.

 

Am Anfang möchte ich Ihnen ein Zitat mit auf den Weg geben, der Glaube den Umstand einer Somatisierungsstörung (psychosomatischen Störung = Psychosomatik) sehr gut beschreibt.

„Geh du vor, sagt die Seele zum Körper. Auf mich hört er nicht. Vielleicht hört er auf dich. Ich werde krank, dann wird er Zeit für dich haben, sagt der Körper."

 

Mit Psychosomatik (altgr. Zusammensetzung psycho für Atem, Hauch und Seele und soma für Körper, Leib und Leben) wird in der Medizin die Betrachtungsweise und Lehre bezeichnet, in der die geistig-seelischen Fähigkeiten und Reaktionsweisen von Menschen in Gesundheit und Krankheit in ihrer Eigenart und Verflechtung mit körperlichen Vorgängen und sozialen Lebensbedingungen in Betracht gezogen werden.

 

Bei psychosomatischen Störungen handelt sich um zumindest erheblich psychogen (von der Psyche her ausgehend) verursachte aber organisch anmutende körperliche Symptome.

 

Die Psychosomatik umfasst den gesamten Bereich diffuser körperlicher Missempfindungen bis hin zu nachweisbaren organischen Schäden mit psychogener Beteiligung (u.a. diverse Schmerzen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, Verlust des Sehens oder des Hörens usw.)

 

Psychosomatik = Syndrome ohne fassbaren pathologischen Organbefund, d.h. der psychische Anteil ist immer von unterschiedlicher Art und Gewicht für jeden einzelnen Patienten, was der Psychosomatik immer etwas sehr individuelles gibt und somit nicht immer allgemeingültig sein kann.

 

Wesentlich hierbei ist, das körperliche Symptom tritt auf, da die Person unfähig ist, ihre Konflikte psychisch zu verarbeiten.

 

In der heutigen Betrachtung der Psychosomatik geht man von einem bestehenden TRIAS (Dreiecksbeziehung) zwischen dem Individuum, seinen Beziehungsgestaltungen sowie seiner Umwelt aus ==> der psychosomatische Trias besteht immer aus drei Ebenen (personelle Ebene, zwischenmenschliche Ebene und soziokulturelle Ebene) die auch für sich wiederum einen Einfluss auf die Entstehung, den Verlauf sowie die Prognose der Krankheitsproblematik haben und in Wechselwirkung miteinander stehen.

 

Es stellt sich auch für Sie berechtigt die Frage, ab wann kann man eine Diagnose Somatisierungsstörung (somatoforme Störung oder auch psychosomatische Störung) stellen?

 

Grundlage der Diagnose sind natürlich erst Mal das Vorliegen vegetativer Beschwerden
alle sog. klassischen psychosomatischen Erkrankungen (z.B. „holy seven" z.B. Zwölffingerdarmgeschwüre, Bluthochdruck u.a. Hörsturz usw.).

 

Das Auftreten der Symptome in Zeiten besonderer Belastung oder körperlicher Reifungsprozesse wie Schuleintritt, Pubertät, Berufseintritt, Todesfälle, Wechseljahre, Midlife-Krise, Ehe etc.

Das frühere oder gegenwärtige Vorliegen neurotischer Symptome (z.B. Angst, Depression, Zwanghaftigkeit usw.).

Fehlender organischer Befund trotz intensiver Untersuchung.

Wenn zum hauptsächlichen Leiden (Leitsymptom) weitere vorwiegend funktionelle Symptome (z.B. diffuse Beschwerden Herz-Kreislauf, Magenbeschwerden, Kopfschmerzen usw.) hinzukommen.

Wechselnde, unbeständige Beschwerden auftreten.

Direkt oder indirekt (unbewusst) ersichtliche psych. Konflikte des Patienten ersichtlich sind.

Der Krankheitsverlauf entspricht den Vorstellungen des Patienten von der Krankheit und nicht dem "normalen" Krankheitsverlauf einer organaisch zu behandelnden Erkrankung.

Das Fehlen nachweisbarer organischer Ursachen alleine berechtigt aber noch nicht zur Unterstellung einer psychosomatischen Erkrankung perse.

 

ACHTUNG dazu müssen möglichst konkrete Hinweise auf mögliche psych. Belastungen vorliegen z:b. in der Familie, im Berufsalltag und anderen sozialen Kontexten (Interaktionen und Beziehungen) vorliegen.

 

Sie merken vlt. selbst, das einige dieser Symptome auf Ihre Tochter zutreffen können oder auch andere wiederum gar nicht. Hier ist eine diagnostische und fachgerechte Abklärung (auch differenzieldiagnostisch) unbedingt erforderlich, jedoch bitte von einem Psychologen bzw. Psychiater, aber nicht von einem Hausarzt o.ä.

Ihre Tochter könnte sich an einen ambulant niedergelassenen Kollegen (Psychologin oder Psychologen) mit einer Zusatzqualifikation für tiefenpsychologisch/ psychoanalytische Therapie oder psychosomatische Medizin in Ihrer Nähe wenden und einen Termin ausmachen. Des Weiteren können Sie und meist geht es da mit Terminen wesentlich schneller, sich an ein in der Nähe befindliches psychotherapeutisches Ausbildungsinstitut wenden (einfach in eine Suchmaschine eingeben z.B. "tiefenpsychologisch/ analytische Ausbildung + Ort oder Facharzt für psychosomatische Medizin ==> Düsseldorf, Köln usw.) und diese Institute haben in der Regel immer eine Institutsambulanz oder Sie können auch an jeder größeren Universitätsklinik einen Termin in einer psychotherapeutischen Ambulanz vereinbaren und dort vorstellig werden.

Des Weiteren können Sie auch Hilfe bekommen durch eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe. wo sich eine Gruppe mit dieser Beschwerdesymptomatik befindet erfahren Sie über Ihre Krankenkasse oder sogenannte Selbsthilfekontaktstellen (gibt es in jeder größeren Stadt). Natürlich können Sie sich auch einem Selbsthilfeforum im Internet anschließen u.a. http://www.psychosomatik.de/, http://www.shg-psychosomatik.de/ usw.

Bitte denken Sie daran, diese beschriebene Symptomatik kann viele Ursachen haben, diese können sehr weit zurückliegen, aber es liegt alleine an Ihrer Tochter genügend Mut zu finden das genau heraus zu finden um sich dann damit auseinander setzen zu können. Dieser Umstand wird vor allem dadurch erschwehrt, da vor allem Ärztinnen und Ärzte ein Problem haben mit allem psychischen bzw. psychischen Zusammenhängen und liber endlos nach somatischen Erklärungen suchen.

Eventuell könnte sich Ihre Tochter ggf. auch über eine stationäre psychosomatische Behandlung nachdenken. Dort ist "fern vom Alltag" eine intensive Aufarbeitung der Hintergrundkonfliktproblematik sehr gut möglich. Sie hat es letztendlich Selbst in der Hand etwas zu tun und Ihre ersten Schritte auf einem neuen Feld, nämlich der Psychosomatik/ Psychotherapie zu gehen.

 

Ich hoffe, mit meinen Ausführungen konnte ich Ihnen weiter helfen und wünsche Ihnen für Ihren weiteren Weg alles Gute.

Mit freundlichem Gruß

 

Die Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.

 

Ich möchte Sie bitten, so Ihnen die Antwort meinerseits, entsprechend Ihrer Vorstellungen zugesagt hat, nicht zu vergessen das fällige Honorar(durch Klick auf den Button Akzeptieren) anzuweisen. Vielen Dank

 

diplompsychologe, Dipl- Psychologe
Kategorie: Psychologie
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Erfahrung: Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
diplompsychologe und weitere Experten für Psychologie sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 4 Jahren.

Kann man unter diesen Umständen weiter im Krankenhaus eine verantwortungsvolle Arbeit (Operationen , onkologische-gynäkologische Tätigkeit) nachgehen?

Ist die bei meiner Tochter beschriebene Symptomatik medikamentös behandelbar. Ich befürchte, dass meine Tochter trotz erkennbarer psychischer und physischer Belastung weiterhin die eigentliche Ursache (hauptsächlich Stress im Beruf) herunterspielt.

Mit freundlichen Grüssen

Wilfried Hasse

Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 4 Jahren.
Sehr geehrter Fragesteller, vielen Dank für die Akzeptanz und das entgegengebrachte Vertrauen. Mit Medikamenten , vor allem starken Schmerzmitteln und Beruhigungsmitteln ist auch bei massiven Druck seitens des Patienten zurückhaltend umzugehen, um eine Gefahr der Suchtentwicklung und der Verstärkung des Krankheitskonzepts entgegenzuwirken. Es können phasenweise aber Anxiolytika oder Antidepressiva angezeigt sein um den mit somatoformen Störungen einhergehenden depressiven und ängstlichen Phasen entgegenzuwirken. Grundsätzlich ist das Hauptaugenmerk auf eine tragfähige therapeutisch Beziehung zu legen .Im Vordergrund stehen psychotherapeutische Maßnahmen, die dem Patienten auch ein angemessenes Erklärungsmodell liefern, indenen das organmedizinische Krankheitsmodell vorsichtig ersetzt wird durch ein Modell das sowohl biologische, seelische und soziale Faktoren begünstigt. Dabei legt die kognitive Verhaltenstherpie Wert auf Maßnahmen zur Wiedererlangung der Eigenkontrolle über das körperliche Wohlbefinden und auch Übungen zur Schmerzbewältigung. In der Psychoanalyse wird daran gearbeitet unbewusste Konflikte aufzuarbeiten und auch die auslösenden Ereignisse zu finden. Grundsätzlich könnte nach einer Behandlung nichts dagegen sprechen in Ihrem Beruf weiterzuarbeiten, jedoch ist hier abzuwägen inwiefern der Auslöser direkt im Zusammenhang mit der Arbeit Ihrer Tochter zu sehen ist.
Ich hoffe ich konnte Ihnen etwas helfen und wünsche Ihnen viel kraft und alles Gute auf Ihrem weiteren Weg
Mit freundlichen Grüßen

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