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InternetCoach
InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1449
Erfahrung:  Familientherapeutin, Drogenberatung, Erziehungsberatung
62882398
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Guten Abend, ich habe da eine Frage. Unser Sohn, 21 Jahre,

Kundenfrage

Guten Abend,
ich habe da eine Frage. Unser Sohn, 21 Jahre, ist des öfteren sehr aufbrausend und bekommt auch schnell Wutausbrüche, wenn es nicht so geht wie er es möchte. In der Schule wurde er gehänselt, bis er einen Wutausbruch bekam. Er stieß einen Tisch und zwei Stühle um, beschädigte auch einen Fahrradhelm vom Mitschüler der am Ausbruch unseres Sohnes beteiligt war.
Heute wurde er von 15 bis 17Jährigen Kindern/Jugendlichen angegangen. Erst nur verbal beim Durchsetzen von Anweisungen in einem Jugendclub. Nach lautstarken Auseinandersetzungen verließ er den Club und wurde von den jugendlichen vor der Tür weiter verbal angegriffen. Daraufhin fasste er einen der Jugendlichen etwas härter am Kinn an, und wurde von weiteren vier Jugendlichen angegriffen. Verletzt wurde gott sei dank keiner, unser Sohn meinte er hätte aber fast dann zugeschlagen. An was könnte es liegen, dass er des öfteren Wutausbrüche bekommt und kann man dieses trainieren, um dies in Zukunft zu verhindern?
MfG Petra
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage. Sie beschreiben eine schwierige Situation. Sie moechten Ihrem Sohn helfen, seine Wut in den Griff zu bekommen und wissen nicht genau wie. Es scheint ja auch, dass Ihr Sohn durchaus auch schon oefter bewusst von anderen provoziert wurde und daraufhin aggressiv wurde. Oft werden ja die Jugendlichen angegriffen, die irgendwie "anders" sind. Es ist schwer zu erkennen von dem, was Sie sagen, ob Ihr Sohn dieses Problem schon sein ganzes Leben lang hat oder ob es erst im Jugendalter angefangen hat.


Gerade bei jungen Maennern ist aggressives Verhalten oft dazu da, um andere Gefuehle zu "verstecken". Es ist einfacher aggressiv zu werden als zuzugeben, dass man Angst hat oder traurig ist. Während sich Depressionen vornehmlich durch Ängste, Selbstzweifel, Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit ankündigen, zeigen sich bei Männern oft andere Symptome: Sie spüren zwar einen inneren Druck, fühlen sich aber nicht krank. Sie zeigen plötzlich untypische Reaktionen, reagieren gereizt, werden aufbrausend, verhalten sich aggressiv, z. B. im Verkehr, treiben extrem Sport, flüchten sich im Alkohol oder verkriechen
sich vor dem Fernseher. Hinter diesen Symptomen verstecken Männer ihr Problem. Gedanken an eine Depression kommen häufig gar nicht erst auf oder werden verdrängt. Schließlich gelten Depressionen noch immer als unmännlich und werden schlicht als Weiberkram abgetan.


Es gibt eine Form der Depression, die sich Dysthymie nennt, eine chronische milde depressive Verstimmung, die nie dazu fuehrt, dass man morgens nicht aus dem Bett kann oder Suizidgedanken hat, die einem aber das Leben sehr erschwert. Alltaegliche Dinge, die bei anderen Menschen "nebenherlaufen", kosten einen Menschen mit Dysthymie viel Kraft. Darum sind diese Menschen chronisch muede und erschoepft. Es fuehlt sich so an, als ob die "Autopilot"-Funktion des Koerpers kaputt ist. Dinge, die man eigentlich weiss und kann, laufen nie ganz ohne Anstrengung, man muss trotz allem nachdenken und Energie investieren, um sie zu erledigen. Ausserdem ist es ebenfalls anstrengend, gute Dinge im Leben zu geniessen - wie z.B. eine Beziehung, das Elternsein, eine Befoerderung, einen Erfolg. All diese Dinge sind "nett" , aber man spuert nie die wirklich tiefe Freude, die andere Menschen zu empfinden scheinen. Ausserdem scheint man oefter in Konflikte verwickelt zu werden, einmal weil man einfach zu erschoepft ist, um Probleme zu loesen, aber auch weil man in der "Wut" oder der "Frustration" zusaetzliche Energie findet. Wenn man wuetend ist, ist man nicht muede. Diese "Energietankstelle Konflikt" hat natuerlich langfristig sehr negative Auswirkungen auf wichtige Beziehungen.

Die Dysthymie faengt oft im Jugendalter an und wird dann zu einer Gewohnheit. Man kann sich gar nicht mehr vorstellen, dass das Leben auch weniger anstrengend sein kann - man sieht es nur in anderen Menschen, und fragt sich manchmal, was man denn falsch macht oder warum man so anders zu sein scheint. Menschen mit einer Dysthymie werden selten als depressiv wahrgenommen - sie schaffen ja alles und sie lachen auch mal. Erst wenn man eine Behandlung macht - die oft Medikamente und Therapie beeinhaltet - merkt man auf einmal, wie sehr man die ganzen Jahre hat kaempfen muessen. Ein Satz, den ich oft hoere, ist: "Ich wusste gar nicht, dass das Leben so einfach sein kann." Da die Dysthymie oft v.a. physiologisch bedingt und spricht daher gut auf Medikamente an.


Wenn Ihr Sohn schon sein ganzes Leben lang "anders" war, dann keonnte es z.B. auch sein, dass er eine Diagnose auf dem Autismusspektrum hat. Hauptcharakteristikum von Asperger Autismus ist das Sozialisationsdefizit. Obwohl Kinder mit AS von Lehrern und Eltern oft als 'irgendwie in ihrer eigenen Welt', und hauptsächlich mit ihrer eigenen Tagesordnung beschäftigt, bezeichnet werden, sind sie doch selten unnahbar. Tatsächlich drücken die meisten Kinder mit AS mindestens wenn sie ins Schulalter kommen den Wunsch aus, gesellschaftlich dazuzugehören und Freunde zu haben. Sie werden aber oft von ihren sozialen Schwierigkeiten tief frustriert und enttäuscht. Dieses Problem ist nicht so sehr ein Fehlen der Interaktion, sondern eher ein Fehlen an Effektivität in Interaktion. Sie scheinen Schwierigkeiten zu haben, zu wissen, wie man 'gesellschaftliche Beziehungen' knüpft. Es liegt eine 'Störung der Empathie' vor, die Unfähigkeit, effektiv die Bedürfnisse und Sichtweisen des anderen zu 'lesen', und entsprechend darauf zu reagieren. Als Resultat scheinen Kinder mit AS soziale Situationen misszuverstehen, und ihre Interaktionen und Reaktionen werden von anderen häufig als 'absonderlich' angesehen. Dabei kommt es oft zu Konflikten. Ausserdem sehen Menschen mit Aspergers die Welt oft sehr selbstbezogen, darum geraten sie oft in Schwierigkeiten, wenn Sie nicht das bekommen, was Sie moechten. Konflikt und Gewalt sind leider nicht ungewoehnlich wenn "nein" gesagt wird oder wenn etwas unvorhergesehenes eintrifft, denn Veraenderung ist sehr schwer zu akzeptieren fuer eine Person mit AS. Wenn Sie da etwas weiterlesen moechten, weil Sie denken, dass dies vielleicht das Problem Ihres Sohnes ist, dann finden Sie hier weitere Informationen:

 

 

http://www.intakt.info/246-0-asperger-syndrom.html

 

www.aspies.de

www.aspergia.de

www.autismus.de

www.aspiana.de

www.aspiana.de/neben/Aspie.htm – Positiver Blick auf das Asperger Syndrom

www.asperger-online.de




Aggressives Verhalten steht eng im Zusammenhang mit Verhaltensweisen wie Angriff, Flucht und Verteidigung. Die Stärke des aggressiven Verhaltens ist auf das Zusammenwirken einer aktivierten inneren Bereitschaft und einer äußeren aggressionsauslösenden Situation zurückzuführen.


Menschliches aggressives Verhalten ist von verschiedenen Faktoren abhängig, welche sich gegenseitig beeinflussen:

Eine Untersuchung auf Hormonstoerungen koennte bei Ihrem Sohn hilfreich sein, um eine koerperliche Ursache der Aggressionen auszuschliessen.

 

 

Ich kann hier nur ein paar Vermutungen aussprechen, warum Ihr Sohn so aggressiv wird, darum waere es wahrscheinlich hilfreich, einen Termin zur Diagnostik zu machen. Um relativ schnell einen Termin zur Diagnostik und/oder zur Therapie zu bekommen, wenden Sie sich am besten an eine nahegelegene psychotherapeutische/ psychiatrische ambulante Fachklinik, an eine Universitätsklinik mit einer psychotherapeutischen/ psychiatrischen Ambulanz oder an ein psychotherapeutisches Ausbildungsinstitut. Es dauert oft recht lange, um einen Termin bei einem niedergelassenen Psychologen zu bekommen, aber auch das ist eine Moeglichkeit. Fragen Sie dazu bei Ihrer Krankenkasse nach einer Liste von geeigneten Therapeuten. Hier finden Sie ebenfalls Listen von Therapeuten (mit und ohne Kassenzulassung) nach Postleitzahl geordnet:

http://www.psychotherapiesuche.de/therapeutensuche
http://www.netzwerk-psychotherapie.de/
http://www.therapeuten.de/

http://www.therapeutenfinder.com/therapeuten/



Zum Abbauen von Aggressionen ist Sport meist die beste Loesung, das muss nicht unbedingt ein Kampfsport sein. Alles, wobei man Energie los wird und hinterher gut muede ist hilft. Dazu kommt auf der intellektuellen Ebene ein Analysieren und Veraendern von aggressiven Gedanken - man fuehlt sich z.B. angegriffen, weil man einen Angriff erwartet ("Menschen wollen mir immer was boeses. Darum schlage ich lieber zu bevor jemand mich schlaegt"). Jemand, der keinen Angriff erwartet, koennte das gesagte darum auch anders interpretieren ("Menschen sind grundsaetzlich nett und man kann Dinge friedlich loesen").

 

Mehr dazu finden Sie unter Seiten zur Kognitiven Verhaltenstherapie und z.b. in diesem Buch:

Gedanken verändern Gefühle: Fertigkeiten, um Stimmungen, Verhalten und Beziehungen grundlegend zu verbessern von XXXXX XXXXXberger, Christine A. Padesky, Theo Kierdorf und Hildegard Höhr von Junfermann (Oktober 2007)).

 

http://www.gesundheitsinformation.de/merkblatt-kognitive-verhaltenstherapie.491.de.html



 

 



Ich hoffe, dass Ihnen meine Antwort in ihrer Kürze geholfen hat und beantworte auch gerne eine Anschlussfrage. Ich wünsche Ihnen viel Mut und Erfolg bei den nächsten Schritten.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

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