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diplompsychologe
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Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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diplompsychologe ist jetzt online.

ich kann nicht mehr ich komme einfach nicht mehr an meine tochter

Kundenfrage

ich kann nicht mehr ich komme einfach nicht mehr an meine tochter ran. sie ist krank! Hört stimmen ,das sie an ihrem geburtstag sterben wird und der war am mittwoch ! Sie ist in der tagesklinik , heute ist sie nicht hin. Ich komme einfach nicht mehr an sie ran, ich weiss nicht wie ich mich verhalten soll!!!! Ich bin selber fertig stehe allein da meine eltern schreien mich an,weil ich nichts gesagt habe.vor 1 1/2 jahren war es genauso da ist sie über nacht nicht nach hause gekommen, war polizei grosseinsatz am nächsten tag.mein sohn will nicht arbeiten wird 22 sitzt nur zu hause rum wohnt aber erst seit 2 jahren bei mir meine eltern haben ihn rausgeschmissen weil sie nicht mehr mit ihm klar kamen .ich heule nur noch tag und nacht hab schmerzen ohne ende. ich kann und will einfach nicht mehr. sehe bald keinen ausweg mehr. bin nur noch ein häufchen elend mir macht das leben kein spass mehr.bekomm nicht mal beim doktor hilfe niemand hilft mir. Im gegenteil
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 5 Jahren.

Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage.
Bei einem Vorliegen einer akuten Eigengefährdung auf Grund einer bekannten z.B. schizophrenen-psychotischen Erkrankung besteht umgehend Handlungsbedarf und man sollte mit einer Entscheidung, die auch ggf. gegen den Willen der betroffenen Person getroffen werden muss nicht zu lange warten, da sich leider bei schizophrenen Schüben die Negativssymptome häufig sehr schnell verstärken und das auch auf dem Hintergrund der häufigen Unfähigkeit (z.B. die Tabletteneinnahme zu kontrollieren, alle Gefahren den ganzen Tag über vom Betroffenen fern zu halten usw.). Wichtig ist in diesem Zusammenhang anzumerken, dass wenn Sie merken, dass Sie es alleine nicht mehr aushalten mit der permanenten psychischen Belastung (sogar nicht adäquater Bewältigung die Arbeit aufgeben wollen) sich Selbst professionelle Hilfe suchen. Dies kann auch ein Psychologe oder ein Psychiater in Ihrer Nähe sein.

Eine Zwangseinweisung ist die gegen den Willen des Betroffenen durchgeführte rechtlich vollzogene Unterbringung eines Menschen mit psychischen Auffälligkeiten oder Störungen in einer geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik erfolgt immer durch den Notarzt nach jeweiligem PsychKG des Bundeslandes und nur dann, wenn durch eine schwere psychische Erkrankung ein hoher Grad an Eigen- und Fremdgefährdung von Ihrer Tochter ausgeht und teileweise wird dies auch im Zusammenhang mit Polizeibehörden durchgesetzt und Ihre Tochter wird zwangsweise in einer geschlossenen Psychiatrie untergebracht.

Wie vielen Angehörigen von Betroffenen Psychotikern geht es auch Ihnen, es ist unheimlich schwer auf dem Hintergrund der schwerwiegenden Erkrankung nicht Co- abhängig zu werden. Das heisst, die Verantwortung trotz vlt. schon bestehender Betreuungsverhältnisse usw. nicht komplett abnimmt unter aller Aufbietung aller eigenen psychischen Kräfte. Sie sollten sich in diesem Punkt eventuell auch geeignete Hilfe durch einen Dipl.- Psychologen zu suchen, denn nur wenn Sie auch stark genug sind, können Sie Ihre Tochter auch entsprechend begleiten.

Einen wirklich richtigen Rat kann ich Ihnen auf Grund der sehr geringen Explorationsdatenlage nicht wirklich geben und dies ist auch fachlich nicht gerechtfertigt.

Jedoch möchte ich Ihnen vielleicht auf eine andere Weise zu versuchen zu helfen.

Aus meiner Erfahrung in der praktischen Arbeit hat sich sehr oft gezeigt, das ein "mit schwimmen" im Wahn (Psychose, Schizophrenie) häufig besser ist, als gegen den Wahn des Angehörigen (Tochter) anzukämpfen und eventuell noch eine Eskalation zu riskieren. Sie sollten Wissen, dass Ihre Tochter an das was Sie sagt bzw, macht glaubt und davon überzeugt ist und Sie können nur das Eine tun, z.B. die regelmäßige Medikamenteneinnahme kontrollieren (besser kontrollieren lassen). Viel darüber zu streiten, vlt. noch Vorhaltungen zu machen in Form, "das ist doch alles nicht die Wahrheit bzw. es gibt doch keinen Gott usw." hilft rein gar nichts.

Anhand meiner Erfahrungen habe ich Ihnen nachfolgend ein klein wenig Hilfsmaterial zusammengestellt und Sie können vlt. dies für den alltäglichen Umgang mit Ihrer Tochter nutzen.

 

1. Auf sich selbst achten und Orientierung geben
Wenn eine Psychose mit einer Verunsicherung des inneren Selbst, vielleicht auch mit dem Verlust der eigenen Grenzen einhergeht, dann macht es keinen Sinn, wenn Mitmenschen „selbstlos" sind und handeln. Es ist zwar wichtig, Rücksicht zu nehmen und die Erkrankten immer wieder so selbstverständlich wie möglich ins Familienleben einzubeziehen.

 

2. Gleichzeitigkeit beachten auf die Entwicklung
Wenn eine Psychose auch so etwas ist wie ein Rückgriff auf frühere Entwicklungsstufen ist, die aktuell (scheinbar) mehr Sicherheit bieten, dann wird so möglicherweise ein tieferer seelischer Konflikt vorübergehend unterlaufen, zugleich aber auch verschärft.

 

3. Chancen sehen das Rätsel zu verstehen
Wenn Psychosen Rätsel aufgeben, dann steckt darin auch für Angehörige die Chance, mehr über sich selbst, die Wahrnehmungen des anderen und die Bedingungen des Zusammenlebens zu erfahren. Das kann schmerzhaft und befreiend sein. Die psychotische Kommunikation ist vielleicht der einzige Ausweg.

 

4. Standhaft sein bei Existenzgefährdung
Wenn eine Psychose zum Verlust der eigenen Grenzen führt, kann das große Gefahr bedeuten. Eher für den Betreffenden selbst, seltener auch für andere.

 

5. Dabei sein (Anteil nehmen) durch Geduld und Gelassenheit
Wenn Psychosen mit panischen Ängsten verbunden sind, dann können sich diese quasi "durch die Poren" auf andere übertragen. Das macht es schwer, Notwendiges zu verwirklichen: zuversichtliche Gelassenheit und Geduld, räumliche Geborgenheit, Ruhe ohne neue angstauslösende Reize, körperliche Nähe ohne Grenzüberschreitung, Anwesenheit ohne Forderung.

 

6. Kontakt durch Rückzug als Schutz
Wenn eine Psychose zum Abbruch (fast) aller Kontakte führt, dann kann man das auch als Flucht oderSchutz vor Überforderung durch ein Zuviel an Beziehung(en) verstehen. Das jeweils bekömmliche Maß an Nähe und Distanz kann jeder Mensch nur für sich selbst herausfinden und immer wieder ins Gleichgewicht bringen.

 

7. Balance von Nähe und Distanz
Wenn eine Psychose aus menschlicher Isolation erwächst oder sich darin verstärkt, dann folgt daraus die Notwendigkeit und Schwierigkeit, den Kontakt zu halten oder (wieder) herzustellen. Dazu braucht es oft ein langwieriges Ringen. Angehörige sind in dieser Situation besonders gefordert. Auch scheinbar banale Kontakte können bedeutsam sein, wenn sie „selbstverständlich" sind. Auch seltene Kontakte können Halt geben, wenn sie verlässlich sind. Alltägliche Kontakte zu Nachbarn, zum Postboten oder zu einer Verkäuferin usw. haben den Vorteil, dass sie „ungefährlich" sind.

 

8. Grenzen des Verstehens respektieren
Wenn ein Mensch sich in der Psychose unverständlich macht, so schützt er sich damit auch vor dem Verstandenwerden: Er prüft gewissermaßen das Bemühen der anderen um Verständnis und entflieht gleichzeitig in einen Bereich, in den letztlich niemand folgen kann. Um Verständnis zu ringen, ohne Verstehbarkeit zu fordern, Eigenheit und Schutzbedürfnis zu respektieren

 

Lassen Sie bitte nicht zu viel Zeit verstreichen (auch wegen des Kindes) und tun Sie schnellstmöglich etwas, auch ggf. gegen den Willen und das Einverständnis Ihres Sohnes, damit Ihr adäquat geholfen werden kann bzw. beauftragen Sie einen Rechtsanwalt vor Ort der ggf. Ihre Rechte wahrnimmt.

 

Es besteht für Sie auch die Möglichkeit sich einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Psychotikern anzuschließen und von anderen Angehörigen (Eltern) und deren Erfahrungen zu lernen und das auch weiterhin, d.h. auch keine Wunderlösungen erwarten, denn Selbst auch an Ihnen liegt ein Großteil (siehe das Problem der Co.- Abhängigkeit) in den Griff zu bekommen. Oft werden solche Elterngruppen auch über die Erziehungsberatungsstelle angeboten bzw. Sie erfahren hierzu weiteres über eine Selbsthilfekontaktstelle oder Krankenkasse, wo sich eine Gruppe in der Nähe befindet. Natürlich können Sie sich auch im Internet bestimmten hierzu bestehenden Foren im Internet besuchen u.a. http://www.selbsthilfenetz.de/, http://www.selbsthilfeschizophrenie.de/, www.psychose.de/angehoerige

 

 

Ich hoffe, mit meinen Ausführungen konnte ich Ihnen weiter helfen und wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute.

 

Mit freundlichem Gruß

 

Die Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.

 

Ich möchte Sie bitten, so Ihnen die Antwort meinerseits, entsprechend Ihrer Vorstellungen zugesagt hat, nicht zu vergessen das fällige Honorar (durch Klick auf den Button "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank