So funktioniert JustAnswer:
  • Fragen Sie einen Experten
    Tausende Experten in über 200 Kategorien.
  • Erhalten Sie eine professionelle Antwort
    Per E-Mail oder sofortiger Benachrichtigung, während Sie auf unserer Website warten.
    Stellen Sie ggf. weitere Anschlussfragen.
  • 100%ige Zufriedenheit garantiert
    Bewerten Sie die erhaltene Antwort.
Stellen Sie Ihre Frage an InternetCoach.
InternetCoach
InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1450
Erfahrung:  Familientherapeutin, Drogenberatung, Erziehungsberatung
62882398
Geben Sie Ihre Frage in der Kategorie Psychologie hier ein
InternetCoach ist jetzt online.

Hallo zusammen und jetzt schon danke XXXXX XXXXX ich bin

Kundenfrage

Hallo zusammen und jetzt schon danke XXXXX XXXXX ich bin alkoholikerin und habe vor einem halben jahr einen mann kennengelernt, der seit 3 jahren trocken ist und aktiv auch in einer selbsthilfegruppe teilnimmt. klar ist, dass unser zusammenleben nicht ganz einfach ist, wenn ich die finger von meinem wein nicht lassen kann und er dabei ist. nun mache ich mir immer mehr sorgen um ihn, aber auch um mich. gibt es spezielle literatur oder links für solche konstellationen???
LG franziska P.
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 5 Jahren.

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll und offen gestellte Frage. Sie beschreiben eine schwierige Situation. Sie moechten, dass Ihre Beziehung funktioniert, muessen sich dabei aber verstellen.

Am besten waere es natuerlich, wenn Sie sich Hilfe fuer Ihren Alkoholismus besorgen, denn als zwei trockene Alkoholiker kann man eine Beziehung einfacher schaffen, als wenn einer weiter trinkt.


Da Alkoholismus meist eine "Erbkrankheit" ist, ist es wahrscheinlich, dass einer (wenn nicht beide) von Ihnen in einer Familie mit Alkoholismus aufwuchsen.Kinder aus Familien mit Alkoholproblemen entwickeln regelrechte Überlebensstrategien für sich, dabei verlieren sie aber etwas ganz Entscheidendes, nämlich ihre eigene Kindheit. Sie übernehmen unbewusst "Rollen" um das Familienleben wieder in die Balance zu bringen.

  • Das "Heldenkind" übernimmt Aufgaben der Erwachsenen (z.B. Haushaltsarbeiten). Es ist leistungsorientiert, überverantwortlich, es braucht Zustimmung und Anerkennung von anderen.
    Mögliche Folgen im Erwachsenenleben: Workaholic, kann Fehler oder Misserfolg nicht ertragen, zwanghaftes Verhalten, kann nicht "nein" sagen, sucht sich später einen suchtmittelabhängigen Partner. Übertriebene Verantwortlichkeit, extreme Zuverlässigkeit auch wenn diese nicht angebracht ist.

  • Der "Sündenbock" fällt negativ auf, beispielsweise durch schlechte Schulleistungen, Aufsässigkeit oder Straftaten. Dieses Kind lenkt die Familie von den eigentlichen Problemen ab. Das Fehlverhalten ist aber nichts anderes als ein Hilfeschrei.
    Mögliche Folgen im Erwachsenenleben: Suchtkrankheit, Straffälligkeit, Teenager-Schwangerschaft sowie allgemeine Lebensprobleme. Verantwortungsloses Verhalten.

  • Das "verlorene Kind" wird zum Einzelgänger, fühlt sich minderwertig, ist still und gehorsam. Es ist ein extrem "pflegeleichtes" Kind, das keine Probleme macht.
    Mögliche Folgen im Erwachsenenleben: Keine Lebensfreude, häufig Beziehungsstörungen, kann nicht "nein" sagen und kann keine Veränderungen eingehen. Gnadenlose Selbstverurteilung.

  • Das "Maskottchen" überspielt die Spannungen in der Familie durch fröhliches Herumkaspern. Es tut alles, um Lachen oder Aufmerksamkeit hervorzurufen, vielfach auch nur um von den eigentlichen Problemen abzulenken. Wirkliche Gefühle kann es nicht zeigen, diese werden unterdrückt.
    Mögliche Folgen im Erwachsenenleben: Kann Stress nicht ertragen, lebt eng an der Grenze zum Hysterischen. Sucht sich als Partner "Beschützerpersönlichkeiten". Ständig auf der Suche nach Anerkennung und Bestätigung.

Erwachsene Kinder von Alkoholkranken tragen meist die schmerzlichen Gefühle aus der Vergangenheit in sich. Sie neigen zum Perfektionismus oder kümmern sich bis zur Selbstaufgabe um andere. Gerade in Partnerbeziehungen kommen diese Probleme zum Tragen. Sie suchen Nähe und finden sie nicht, da sie meist Partner wählen, die selbst abhängig, unerreichbar oder nicht bindungsfähig sind. Sie erleben immer wieder, dass sie allein gelassen werden und fühlen sich überfordert, wie in ihrer eigenen Kindheit. Diese Erwachsenen sind selbst hochgefährdet, in eine Abhängigkeit zu geraten, da sie es nicht anders kennengelernt haben, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Wahrscheinlich spielen diese Dynamiken in Ihrer Beziehung eine Rolle.

http://www.a-connect.de/familie.php


Hier ist eine Seite, die aus der Sicht des Partners beschreibt, was passiert, wenn man mit einem Alkoholkranken zusammen ist:

http://www.trocken-leben.de/Seiten/Angehoerige.htm

 

Wahrscheinlich kennen Sie die Seite des Co-abhaengigen auch, denn wie schon gesagt, die meisten Alkoholiker haben irgendwann als Co-abhaengige mit einem Alkoholiker gelebt. Alkoholismus und Co-abhaengigkeit sind die zwei Seiten der gleichen Medaille - oder "wenn man unter die Oberflaeche eines Alkoholikers schaut, findet man einen Co-abhaengigen."

 

Die Gefahr ist gross, dass entweder Ihr Partner wieder anfaengt zu trinken, weil es einfacher ist oder dass er Sie verlaesst, weil er sonst in co-abhaengiges Verhalten verfaellt (und seine Selbsthilfegruppe wird ihm dazu raten, damit er sich vor einen Rueckfall schuetzen kann) - oder Sie hoeren mit dem Trinken auf und geben Ihrer Beziehung eine echte Chance. Das ist wahrscheinlich nicht die Antwort, die Sie hoeren moechten, aber Sie moechten ja weder, dass der Mann, den Sie lieben, rueckfaellig wird und damit seine Freiheit verliert, noch dass er Sie als Co-abhaengiger immer wieder "rettet" und dann irgendwann so frustriert und wuetend ist, dass er Sie verlaesst. Darum ist die einzige "echte" Loesung, dass Sie Hilfe bekommen. Eine schwere aber ehrliche Antwort von jemandem, der aus eigener Erfahrung weiss, wie schrecklich und zerstoererisch Alkoholismus ist. Ich hoffe, Sie entscheiden sich fuer Hilfe und damit Freiheit - und die Chance auf eine Beziehung.

Eine Drogenberatungsstelle in Ihrer Naehe kann Ihnen da weiterhelfen und auch entsprechende Rehakliniken vorschlagen.

 

Wenn Sie denken, dass Sie ambulante professionelle Hilfe in Anspruch nehmen moechten, um den Gruenden Ihres Alkoholkonsums auf den Grund zu gehen und einen Termin zur Diagnostik und eine Therapie in Erwaegung ziehen, dann gibt es mehrere Moeglichkeiten, einen Therapeuten zu finden. Um relativ schnell einen Termin zur Diagnostik und/oder zur Therapie zu bekommen, wenden Sie sich am besten an eine nahegelegene psychotherapeutische/ psychiatrische ambulante Fachklinik, an eine Universitätsklinik mit einer psychotherapeutischen/ psychiatrischen Ambulanz oder an ein psychotherapeutisches Ausbildungsinstitut. Es dauert oft recht lange, um einen Termin bei einem niedergelassenen Psychologen zu bekommen, aber auch das waere eine Moeglichkeit. Fragen Sie dazu bei Ihrer Krankenkasse nach einer Liste von geeigneten Therapeuten. Ausserdem finden Sie hier Listen von Therapeuten nach Postleitzahl geordnet:

http://www.psychotherapiesuche.de/therapeutensuche
http://www.netzwerk-psychotherapie.de/
http://www.therapeuten.de/

http://www.therapeutenfinder.com/therapeuten/

 

 

Weitere Informationen, auch Selbsthilfegruppen und Online-Foren zum Thema finden Sie hier:

http://www.alkohol-hilfe.de/
http://www.forum-alkoholiker.de/

http://www.alkohol-hilfe.de/Co/co.htm

http://www.al-anon.de/

http://www.ipsis.de/adressen/adressselbsthilfe.htm

http://www.imedo.de/

http://www.netdoktor.at/krankheiten/fakta/alkoholismus.htm



Ich hoffe, dass Ihnen meine Antwort in ihrer Kürze geholfen hat und beantworte auch gerne eine Anschlussfrage. Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute und viel Mut und Erfolg bei den nächsten Schritten.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

Wenn meine Antwort Ihren Vorstellungen entspricht, bitte ich Sie, nicht zu vergessen das Honorar (durch Anklicken von "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank.

InternetCoach und weitere Experten für Psychologie sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 5 Jahren.
Sehr geehrte Frau Noble,
vielen Dank für die doch recht ausführliche Antwort. Die Gefahren für unsere Beziehung, die Sie angesprochen haben, befürchte ich ja auch und habe deshalb Ihre Hilfe gesucht. Und ich habe gestern noch einen Termin bei einer Caritasberatung ausgemacht, auch wenn mir das echt Angst macht. Da es noch lange hindauert, werden mir die links die Wartezeit überbrücken helfen.
Nochmals dankeschön!
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 5 Jahren.
Sehr geehrte Fragestellerin,
Ich wuensche Ihnen von Herzen alles Gute bei den naechsten - leider schwierigen - Schritten. Ich bewundere Ihren Mut, diesen Schritt zu gehen und wuensche Ihnen viel Erfolg. Es gibt Menschen, die ohne Behandlung, nur durch die Unterstuetzung durch andere Menschen in Selbsthilfegruppen trocken werden und bleiben. Darum halte ich Ihren Plan fuer hilfreich. Auch Rueckfaelle sind nicht das Ende - sondern nur eine Huerde auf dem Weg. Wenn Sie es nicht gleich schaffen, geben Sie bitte nicht auf. Das ist der normale Prozess (wie Ihnen die anderen Menschen in Selbsthilfegruppen bestaetigen werden).
Herzliche Gruesse,
Annegret Noble