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InternetCoach
InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
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Erfahrung:  Familientherapeutin, Drogenberatung, Erziehungsberatung
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Psychologie

ich habe doxepin von mir aus von 100mg pro tag verteilt auf

25mg runtergesetzt nd schwindelanfälle mein... Mehr anzeigen
25mg runtergesetzt nd schwindelanfälle mein kopf hat verrückt gespielt unerträglich habe es wieder auf 150mg pro tag erhöht und bin immer noch benommen und leichte schwindel fühle mich nicht gut z.z geht das allmählich wieder zurück habe doxepin wegen angstzustände bekommen weil ich vor 3 jahren einen herzinfarkt hatte
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Psychologie
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hat geantwortet vor 5 Jahren.

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage.Sie machen sich Sorgen wegen Ihrer Medikamente. Im allgemeinen ist es meist keine gute Idee, ohne aerztliche Begleitung Medikamente abzusetzen oder die Dosis zu erhoehen. Meine Empfehlung waere es deshalb, dass Sie so schnell wie moeglich mit dem Arzt, der Ihnen das Doxepin verschrieben hat, ueber Ihre Schwierigkeiten sprechen. In der Zwischenzeit kann ich Ihnen die folgende Information geben:


Die erwünschte Stimmungsaufhellung tritt erst nach einer Einnahmedauer von ca. 2–3 Wochen ein. Oft treten die nicht so angenehmen Nebenwirkung allerdings sofort auf, was leider oft bedeutet, dass es einem erst "schlechter" geht, weil man die ganzen Nebenwirkungen spuert (die dann meist weniger werden) bis man die positiven Wirkungen spuert, es einem also besser geht.

 


Typische Nebenwirkungen bei Doxepin sind: Schwindel, Benommenheit, Übelkeit, Appetitverlust, Verstopfung, Durchfall, Mundtrockenheit, übermäßige Schweißbildung, Kopfschmerzen, Sodbrennen, gesteigerter Appetit, Verdauungsstörungen, Übelkeit, unangenehmer Geschmack im Mund, Schwierigkeiten beim Harnlassen, Erbrechen, Schwäche, Gewichtszunahme.

Weniger haeufige, aber durchaus auftretende schwere Nebenwirkungen koennen sein:
Schwere allergische Reaktionen (Hautausschlag - oft bei direkter Sonneneinstrahlung, Nesselsucht, Juckreiz, Atemnot, Engegefühl in der Brust, Schwellungen im Mund-, Gesichts-, Lippen oder Zunge), Denkstörungen; Verhaltenveränderungen, Verwirrung, Ohnmacht, Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen, Halluzinationen ; Gedächtnisverlust oder -probleme, Stimmungsschwankungen (zB Aggression, Unruhe, Angst, Depression); Panikattacken, starke Kopfschmerzen oder Schwindel, Selbstmordgedanken oder-handlungen, ungewöhnliche Blutungen oder Blutergüsse; Schlafstoerungen.

Doxepin erreicht 2-4 Stunden nach Einnahme seinen hoechsten Wert im Blut - das ist oft der Zeitpunkt der staerksten Nebenwirkungn. Die
Halbwertszeit des unveränderten Doxepins beträgt 17 (8–24) Stunden. Das bedeutet, dass nach 17 Stunden die Haelfte des Wirkstoffes ausgeschieden ist und es damit zu Entzugserscheinungen kommen kann. Das bedeutet ebenfalls, dass es fast jeden Tag zu Entzugserscheinungen kommen kann, wenn man das Medikament nur einmal am Tag nimmt und wenn man es einmal vergisst. (Zum Vergleich: manche Depressiva haben Halbwertszeiten von 3-5 Tagen, da waere es dann nicht so schlimm, wenn man mal eine Tablette vergisst).

Die optimale Erhaltungsdosis liegt gewöhnlich zwischen 30–50 mg/Tag, aber 100-150mg/Tag sind durchaus nicht ungewoehnlich. Aber Ihr Arzt kennt Ihre Krankengeschichte und hat darum wahrscheinlich gute Gruende, warum er eine hoehere Dosis verschrieb.

Typische "Entzugserscheinungen" beim Absetzen von Doxepin sind: Unruhe, Schweißausbrüchen, Übelkeit, Erbrechen und Schlafstörungen, Angst, verstaerkte depressive Stimmung. Es wird anscheinend sogar empfohlen ein Benzodiazepine zu verschreiben, wenn ein Patient das Medikament abrupt absetzen muss um die Absetzsymptome zu regulieren. Das von Ihnen beschriebene Schwindelgefuehl und das "Verruecktspielen" Ihres Kopfes sind also durchaus im Rahmen dieser Absetzsymptome. Die Symptome, die Sie jetzt erleben koennten in die Kategorie der Nebenwirkungen fallen, weil Sie das Medikament so schnell in so grosser Menge genommen haben.

Es kann sein, dass sich das alles wieder reguliert (keine Absatzsymptome mehr und abnehmende Nebenwirkungen), aber ich wuerde Ihnen trotzdem empfehlen so schnell wie moeglich mit Ihrem Arzt zu sprechen.

Sie sagen, dass das Doxepin gegen Angstzustaende verschrieben wurde. Haben Sie eine begleitende Therapie gemacht oder in Erwaegung gezogen, um mit dieser Angst umzugehen? Diese besteht in der Regel aus mehreren Elementen.


In der Therapie lernen Betroffene den Zusammenhang zwischen ihren Angstgedanken und Angstgefühlen kennen. Sie erfahren, wie sie durch ihre ängstlichen Gedanken und ihre Angstgefühle schnell in einen Teufelskreis gelangen können, der oft in Panikattacken endet. In der kognitiven Verhaltenstherapie lernt man Methoden der Gedankenkontrolle, um Angstgedanken und den Teufelskreis der Angst während einer Attacke zu kontrollieren oder zu unterbrechen.

Das Konfrontationstraining ist zusammen mit den kognitiven Verfahren der wichtigste Baustein jeder Behandlung bei Angst- und Panikstörungen. Dabei geht es darum, dass sich Betroffene den Situationen stellen, vor denen sie Angst haben.

Ziel des Konfrontationstrainings ist, dass sie erkennen, dass ihre Angst und Panik ungefährlich sind, dass das Befürchtete nicht eintritt und dass ihre Angst nachlässt, wenn sie sich der Angst stellen. Das größte Problem bei fast allen Angststörungen ist nämlich, dass die Betroffenen verständlicherweise alle Situationen meiden, in denen ihre Angst und Panik auftreten könnten. Gerade aber durch die Meidung werden die Angst- und Panikgefühle am Leben erhalten und gestärkt. Das Konfrontationstraining ist anstrengend, aber unumgänglich und sehr wirksam.

Man kann Angst im Allgemeinen, und Panikattacken im Besonderen, nur überwinden, wenn man sich den Situationen stellt, vor denen man Angst hat.

Tue, was du fürchtest, und die Furcht stirbt. Jede Meidung, jedes Davonlaufen, festigt und vergrößert die Angst vor den Angstattacken. Erst, wenn man erlebt, dass eine Panikattacke zwar sehr unangenehm, aber ungefährlich ist, verliert man die Angst vor ihr.

Und wenn man die Angst vor den Panikattacken verliert, also keine Erwartungsangst mehr hat, dann treten die Panikattacken immer seltener auf und verschwinden mit der Zeit ganz. Die Reduzierung der Erwartungsangst ist ein ganz wichtiges Therapieziel, das bei keiner Therapie fehlen darf.


Ebenfalls fester Bestandteil jeder Angst Therapie ist das Erlernen eines Entspannungsverfahren. In der Regel wird die Progressive Muskelentspannung empfohlen, da diese Methode sehr leicht und schnell zu erlernen ist. Vor allem aber: dieses Entspannungsverfahren wirkt zuverlässig und ohne langes und lästiges Üben.

Im Zustand der Muskelentspannung ist es unmöglich, Angst oder Ärger zu empfinden. Das bedeutet aber auch, dass Muskelentspannung gleichbedeutend ist mit einer seelischen Entspannung. Mit anderen Worten: die Muskelentspannung ist das natürlichste Beruhigungsmittel, das es gibt.


Je nach Angststörung lernen Betroffene auch allgemeine Strategien, wie sie mit Stress, seelischen, familiären und beruflichen Belastungen umgehen können. Sie lernen vielleicht soziale Fertigkeiten wie Small Talk, lernen auf andere zuzugehen, lernen mentale Stressbewältigungsstrategien, lernen Nein zu sagen, sich durchzusetzen, usw.


Je nach Angststörung erfolgt die Psychotherapie in Einzelsitzungen und/oder Gruppensitzungen. Die Therapie kann ambulant erfolgen. Bestehen die Angst- und Panikstörungen schon viele Jahre, kann der Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik angebracht sein. Es gibt in vielen Städten auch sogenannte Sozialambulanzen und Tageskliniken, die eine ambulante Therapie anbieten. Die Kosten für eine ambulante oder stationäre Therapie werden von den Kassen übernommen. Da Psychotherapeuten meist sehr ausgelastet sind, muss in der Regel mit einer Wartezeit gerechnet werden.

Generell sind die Erfolgschancen einer Behandlung umso größer, je früher psychologische Hilfe gesucht wird. Eine medikamentöse Therapie sollte bei Angst- und Panikstörungen generell nur zum Einstieg in eine Psychotherapie erfolgen. Der Grund hierfür ist, dass Medikamente, die therapiebegleitend genommen werden, den Erfolg einer Psychotherapie gefährden können. Nach Absetzen der Medikamente kommt es häufig zu Rückfällen. Meist wird eine Kombination von Antidepressiva, die auch bei Angst angemessen sind, und Benzodiazepinen, die recht schnell wirken und wenn rechtzeitig genommen, eine Panikattacke verhindern koennen, vorgeschlagen.


Die Erfolgschancen einer Angst Therapie mit Hilfe der kognitiven Verhaltenstherapie sind sehr gut. Für viele Betroffene ist auch der Austausch in einem Angstforum sehr hilfreich und entlastend. Sie erfahren nicht nur, dass andere dieselben Probleme haben, sie bekommen dort auch Zuspruch und Hilfestellungen. Und nach einer Therapie hilft der Austausch in einem Forum, das Gelernte zu festigen. Indem man anderen hilft, hilft man auch sich selbst.



Zusaetzlich empfehle ich Ihnen, Yoga und Meditation in Erwaegung zu ziehen. Vor allem durch die Meditation lernt man, seine Atmung zu kontrollieren. Vielen Menschen mit Angststoerungen hilft es, wenn sei im Anfangsstadium von Angst Ihre Atmung ganz bewusst verlangsamen, und damit der Teufelskreis aus emotionalen (Angst vor der Angst, Depression), gedanklichen ("nicht schon wieder") und koerperlichen (Herzrasen usw.) Symptomen unterbrochen wird.




Ich hoffe, dass Ihnen meine Antwort in ihrer Kürze geholfen hat und beantworte auch gerne eine Anschlussfrage. Ich wünsche Ihnen viel Mut und Erfolg bei den nächsten Schritten.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

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