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InternetCoach
InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1449
Erfahrung:  Familientherapeutin, Drogenberatung, Erziehungsberatung
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Hallo! Ich habe eine Problem oder vielmehr eine Frage: Vor

Kundenfrage

Hallo! Ich habe eine Problem oder vielmehr eine Frage: Vor ca. einem monat habe ich mich von meiner Freundin nach 2 Jahren Beziehung, die irgendwie mehr schlecht als recht war im guten getrennt. Seit dem gehts mir besser und ich bereue es auch nicht mehr :) Trotzdem verstehe ich nicht warum ich mich jetzt so schnell verliebe auch wenn mir nur irgendwas an einer gefällt. Zur zeit bin ich wahnsinnig fasziniert von einer 21 jährigen die ich seit kurzem kenne, mit der ich mich sehr gut verstehe, von der ich aber weiss dass sie im moment keine beziehung warum auch immer will! Eigendlich kein Poblem, aber warum komm ich so schwer von ihr los? Und warum verliebe ich mich so leicht? Ich selbst bin 27.
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage. Sie beschreiben eine interessante Situation. Die Verliebtheit ist eine seltsame Sache. Manchmal wirkt sie fast wie eine "Droge" und tatsächlich treten dann Symptome auf, die mehr oder wenige auf eine Krankheit schließen lassen könnten. Das augenfälligste Symptom ist die stark getrübte Wahrnehmung. Tatsächlich fanden Wissenschaftler heraus, dass Menschen, die frisch verliebt sind, nur sehr bedingt zurechnungsfähig sind. Psychologisch gesehen ist Verliebtheit eine besonders starke Form der Sympathie, die zusätzlich mit Sehnsucht einhergeht.

Es liegt in der Natur der Wissenschaft, alles messbar zu machen und mit Zahlen zu untermauern. Daher begann man dieses Phänomen aus physiologischer Sicht zu untersuchen, indem man die Blutwerte frisch verliebter Menschen genauer unter die Lupe nahm.

Die Ergebnisse waren erstaunlich. So fand man heraus, dass der Zustand des verliebt seins nichts anderes bedeutet, als dass der Hormonspiegel nahezu komplett aus der Balance gekommen ist.

Ein erstaunliches Ergebnis dieser Untersuchungen ist auch, dass der Spiegel des Glückshormons Serotonin nicht, wie man annehmen sollte steigt, sondern, ganz im Gegenteil, fällt. Der Grund dafür ist, dass der Verliebte extrem auf die geliebte Person fixiert ist, ganz so, wie es bei einer Zwangsneurose der Fall ist.

Auch bei Menschen, die unter diesen seelischen Störungen leiden, ist der Anteil von Serotonin im Blut auffallend niedrig. Neuere Forschungen haben gezeigt, dass die Frage, ob man sich verliebt, sehr stark vom Körpergeruch des Gegenübers abhängt.

Es wird angenommen, dass das Gehirn sich unbewusst mithilfe des Geruches ein Bild vom Immunsystem des potentiellen Partners machen kann und auf diese Weise entscheidet, ob die jeweilige Person mit dem eigenen Immunsystem kompatibel ist und daher die Zeugung gesunder Nachkommen gesichert ist.

Aus diesem Blickwinkel bekommt die Redewendung” ich kann ihn nicht riechen “eine ganz neue Qualität. Die Biologen jedoch messen der Verliebtheit noch eine ganz andere Funktion zu. Für sie ist dieser Zustand einzig und allein ein Instrument der Natur, sexuelle Kontakte anzubahnen.

Im Großen und Ganzen betrachtet, versetzt Verliebtheit den gesamten Körper in eine Ausnahmesituation. Ausgehend vom vegetativen Nervensystem treten “Störungen” in beinahe allen Bereichen des menschlichen Körpers auf.

So kommt es zu Schwitzen, Händezittern und da die Verdauung ebenfalls vom vegetativen Nervensystem gesteuert wird, zu Appetitlosigkeit. In extremen Fällen führt Verliebtheit sogar zu Durchfallerscheinungen.

Eine "Rebound-Beziehung" nach einer Trennung ist oft nichts ungewoehnliches. Denn auch wenn Sie die Trennung nicht bereuen, dann ist eine Trennung doch mit Veraenderung verbunden und jede Veraenderung ist mit Trauer verbunden (auch "gute" Veraenderungen wie eine Hochzeit, eine Befoerderung, ein Kind bedeuten "Verlust" von etwas altem und damit Trauer).

Und Trauer ist mit unangenehmen Gefühlen verbunden. Die Gefühle, die man nach einem Verlust durchläuft, scheinen sich an eine bestimmte Ordnung zu halten. Die erste Reaktion auf Verlust ist oft der Versuch, die Realität wegzuleugnen. Man kann und will nicht glauben, dass das Geschehene wirklich passiert ist. Typische Gedanken sind: “Das ist alles nur ein Traum.” “Morgen ist alles wieder in Ordnung.” “Das kann einfach nicht wahr sein.” „Ist das wirklich passiert?“

Die Phase des Verleugnens kann von ein paar Minuten bis hin zu einigen Wochen dauern, je nach der Größe des Verlusts. Danach folgt normalerweise eine Zeit des Verhandelns. Man versucht mit Gott, der Welt, dem Universum, sich selbst oder anderen Menschen zu verhandeln, um das Geschehene ungeschehen zu machen. Typische Gedanken sind: “Wenn ich nur hart genug arbeite, wird keiner merken, was wirklich passiert ist.” “Wenn ich von jetzt an alles richtig mache, dann wird er wieder zurückkommen.” “Ich muss nur wirklich danach suXXXXX, XXXXXn werde ich es schon finden.” „Es wird schon besser werden, wenn ich nur....“ Für Erwachsene und Jugendliche, die in der Regel einen recht guten Realitätssinn haben, dauert die Zeit des Verhandelns normalerweise nicht besonders lange. Sie merken schnell, dass man noch so viel versprechen kann, letztendlich kann man den Verlust nicht ungeschehen machen. Jüngere Kinder, die noch eine rege Fantasiewelt haben, brauchen oft etwas länger, um den Verlust als Tatsache anzuerkennen.

Nach dem Verhandeln kommen Wut und Trauer. Diese beiden Gefühle wechseln sich oft ab. Vielen Menschen fällt es leichter, wütend zu sein als traurig. Wut gibt Energie und beschützt. Wenn man wütend ist, kann man wenigstens morgens aufstehen und zur Arbeit gehen. Man kann sich gegen die unbedachten Worten der Menschen wehren, die den Verlust nicht verstehen. Trauer dagegen nimmt Energie. Man kann sich kaum bewegen und es ist schwer, die einfachen Aufgaben des täglichen Lebens zu erfüllen. Manchmal führt Trauer zu Depressionen. Depressionen machen es nicht nur schwer sondern fast unmöglich morgens aufzustehen, zu essen, sich anzuziehen, zur Arbeit zu gehen, und im täglichen Leben zu funktionieren. Menschen, die nach einem Verlust in Depressionen verfallen, brauchen oft professionelle Hilfe, um den Weg zurück zu finden. Die Länge dieses Prozesses hängt natürlich von der Grösse des Verlusts ab. Wenn ein Kind oder ein Partner unerwartet stirbt, ist es normal 4-5 Jahre lang zwischen Wut und Trauer hin- und herzuschwanken. Sollten die Gefühle des Trauerns dann noch immer so stark sein wie gleich nach dem Verlust, ist es wahrscheinlich eine gute Idee, um Hilfe zu bitten. Das Gefühl von Verlust und Leere wird vor allem an Verjährungsdaten wiederkommen. Aber es sollte mit der Zeit weniger akut und intensiv werden. Sowohl Trauer als auch Wut sind nötig, um den Verlust zu verarbeiten. Die Anteile der beiden Gefühle variieren von Mensch zu Mensch, aber Menschen, die nur eins dieser Gefühle zulassen, werden es schwer finden, den Verlust wirklich zu akzeptieren.

Nach der Zeit der Trauer und Wut, folgt dann irgendwann die Akzeptanz. Man muss akzeptieren, dass das Leben nie wieder so sein wird wie zuvor. Aber im Gegensatz zur Resignation, die den Verlust zwar akzeptiert, aber zwangsläufig entscheidet, dass damit das Leben schlechter und weniger lebenswert ist, bedeutet wahre Akzeptanz, dass man von ganzem Herzen glaubt, dass das Leben zwar anders, aber trotzdem im grossen und ganzen gut ist. Akzeptanz ist nicht nur ein Gefühl sondern auch, und vielleicht sogar vor allem, eine Entscheidung. Es gibt Verluste im Leben, bei denen man sich eine lange Zeit lang jeden Tag neu entscheiden muss, sie zu akzeptieren. Erst dann folgt irgendwann das Gefühl und macht das Akzeptieren etwas leichter. Nachdem man den Verlust tatsächlich akzeptiert hat, kann man sich erneut auf das Leben einlassen. Erst dann kann man neue Beziehungen knüpfen und die kleinen Freuden des Lebens wieder geniessen. Viele Menschen bemerken zu diesem Zeitpunkt, dass sie wieder unbedarft lachen, dass sie sich am Geruch einer Blume erfreuen, dass ihnen das Essen wieder schmeckt, dass sie wieder Lust haben, Zeit mit anderen Menschen zu verbringen.

Leider erlauben sich nur wenige Menschen, dem Prozess des Trauerns seinen Lauf zu lassen. Es gibt so viele gute Gründe, schnell wieder funktionieren zu wollen. Da sind die Arbeit, die Erwartungen der Familie und der Freunde, die zeitgebundenen Projekte, die Bedürfnisse der Menschen um einen herum. Sechs Monate nach dem Tod einer geliebten Person bekommt man keine Karten mehr zugeschickt oder Worte der Anteilnahme zu hören. Es wird normalerweise erwartet, dass man seinen Verlust „weggesteckt“ hat. Und wenn sich dann doch jemand nach dem persönlichen Befinden erkundigt, sagt man, dass man über den Verlust hinweg ist, denn man hat sich mittlerweile selbst davon überzeugt, dass sechs Monate mehr als genug sind, um zu trauern. In einer Gesellschaft, die wenig Raum zum Trauern lässt, ist es darum kein Wunder, dass viele Menschen versuchen, diesen Prozess abzukürzen oder ganz zu vermeiden.

Man kann sich einreden, dass der Verlust gar nicht so schlimm war, dass man jetzt mit dem Trauern fertig sein sollte, dass man keine Zeit hat, dass das Leben einfach weitergehen muss. Damit verdrängt man die Gefühle, stopft sie tief in sich hinein und hofft, dass sie irgendwie verschwinden. Wenn man sich weit genug von seinen Gefühlen abgegrenzt hat und nur auf den Kopf und nicht auf die Seele hört, dann kann man sich oft selbst davon überzeugen, dass man nicht wirklich trauern muss. Oder man kann versuchen, sich von seinen Gefühlen abzulenken. Drogen, Alkohol, Essen, Arbeit, Glücksspiele oder Sport sind beliebte Wege, von den den unangenehmen Gefühlen abzulenken und sie nicht spüren zu müssen. Menschen werden oft sehr kreativ, um diese Gefühle zu vermeiden. Leider funktioniert keine der beiden Strategien wirklich. Entweder kann man irgendwann die Gefühle nicht mehr unterdrücken oder die Ablenkungsmanöver haben einen zu hohen Preis. Die unterdrückten oder ignorierten Gefühle kommen einem dann mit voller Kraft ins Bewusstsein. Man spürt sie so klar und deutlich, als ob der Verlust gerade erst passiert sei. So kann es sein, dass ein Alkoholiker, der endlich clean ist, 30 Jahre nach dem Tot eines geliebten Menschen auf einmal weint und trauert als ob der Mensch gestern gestorben sei. Wenn sich jemand jahrelang durch unermüdliche Arbeit davon abgelenkt hat, dass er ein Kind verloren hat, kann es passieren, dass er während des nächsten Urlaubs (auf den er sich nur widerwillig eingelassen hat) auf einmal Gefühle von Wut und Traurigkeit spürt, die keine wirkliche Ursache zu haben scheinen. Die unverarbeiteten Verluste machen es ihm unmöglich den Urlaub zu geniessen. Ohne sich auf seine Arbeit konzentrieren, und dadurch von seinen Gefühlen ablenken zu können, erlebt man auf einmal Gefühle, die man verloren gehofft hatte. Oder eine Rebound-Beziehung. In anderen Worten, man kann das Trauern aufschieben, aber nicht wirklich vermeiden. Irgendwann wird man sich den Gefühlen stellen müssen.

Achten Sie darauf, dass Sie sich vielleicht gerade auch Wut und Frustration erlauben, denn Sie haben immerhin 2 Jahre in diese Beziehung investiert gehabt.


Ich hoffe, dass meine Antwort Ihnen hilft zu verstehen, warum Sie sich so leicht verlieben und warum das Verliebtsein zu einer solchen "Bindung" fuehrt.





Ich hoffe, dass Ihnen meine Antwort in ihrer Kürze geholfen hat und beantworte auch gerne eine Anschlussfrage. Ich wünsche Ihnen viel Mut und Erfolg bei den nächsten Schritten.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

Wenn meine Antwort Ihren Vorstellungen entspricht, bitte ich Sie, nicht zu vergessen das Honorar (durch Anklicken von "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank.

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Kunde: hat geantwortet vor 4 Jahren.
Vielen Dank!
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.
Gern geschehen und vielen Dank fuer die akzeptierte Antwort.

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