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diplompsychologe
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Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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Sehr geehrter Doktor! Es geht um einen Jugendlichen, 16

Kundenfrage

Sehr geehrter Doktor!

Es geht um einen Jugendlichen, 16 Jahre, meinem Stiefsohn. Seit über 10 Jahren spielt sich folgendes ab. Das Kind geht in die Schule, arbeitet 3 Tage mit und ab dem 4. Tag macht er nur noch Mist. Dann bekommt er Verweise von der Schule, der Ärger wird mit nach Hause gebracht u.s.w. Er sagt er wird ab jetzt alles anders machen und dann geht das Spiel von vorne los. In den Tagen wo er sich dann so daneben benimmt, hat er auch keine Einsicht warum sein Verhalten ein falsches sein soll. Er sieht sein Verhalten als das richtige und das was ihm entgegenkommt (Verweise, schlechte Noten, Sitzenbleiben, Ärger mit der Polizei) kann er so gar nicht verstehen. Erst wenn es dann richtig "knallt" gelobt er Besserung. Dann bemüht er sich wieder für ein paar Tage aber spätestens am 4. Tag geht es von vorne los.
Mittlerweile ist er von 3 Schulen verwiesen worden, war untergebracht für ein halbes Jahr in einem Heim für Problemkinder. Dort wollten sie ihn auch nicht mehr. Er sollte dann in eine Art geschlossenes Heim, was mit hohen Kosten verbunden ist. Das ging nicht mehr umzusetzen, da die Familie in die Schweiz gezogen ist. Er hat zwei kleine Geschwister, seine Mutter starb vor 7 Jahren. Ich habe ihn kennengelernt als er 5 Jahre alt war und schon da hatte er genau diese Auffälligkeit, nur noch nicht so hervorstechend.
Er hat keinen Abschluss. Der Vater versucht ihm näher zu bringen einen Onlineabschluss zu machen. Selbst das ist schwer. Er sieht es für 3 Tage ein, die Notwendigkeit und am 4. "trickst" er wieder alle aus. Er empfindet sich als ganz gross, den Erwachsenen "überlegen" zu sein.
Die Psychologen in Deutschland sagten das er keine wirkliche Störung hat. Er ist vielleicht Grenzwertig aber man kann nicht sagen das er ein bestimmtes Krankheitsbild entwickelt hat.
Wir haben im Moment keinen Ansatzpunkt was zu tun ist. Wie mit ihm umgehen auch in Betracht das er 2 kleine Geschwister hat.
Manchmal denke ich, es ist ein verstecktes Borderline. Also ohne Ritzen. Aber er bringt sich selbst immer wieder in Situationen in welchen er dann negativ bewertet wird. Und im Gegensatz zu "normalen" Menschen reagiert er äusserlich auf dieses gar nicht. Er verzieht keine Miene, er sieht einen einfach nur an. Wenn man ihn nach seiner Meinung dazu fragt, kommt entweder nichts oder nur sehr wenig und meistens so " Jaaaa, ich werde mich bessern." Es scheint ihn auch nicht weiter zu belasten das er in Ärger verwickelt ist. Im Gegenteil. Ein paar Minuten später ist er fröhlich und ausgelassen wie sonst auch immer. Er erzählt (er redet auch sonst den ganzen Tag. Er redet über alles was in seinem Kopf gerade ist, er denkt seine Gedanken laut. Er hält sich auch für sehr wichtig in seinen Aussagen. Auch wenn er nur über das Toilettenpapier redet, macht er einen Vortrag daraus....im Gegensatz dazu dieses Schweigen wenn er doch mal sagen soll warum es soviel Ärger um ihn gibt) ,er lacht....Da denk ich mir, diese negativen Situationen tun ihm gut. Ritzen entspannt ja auch den Borderliner.
Ist Ihnen sowas bekannt?

Mit freundlichen Grüssen
Katja M.
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 5 Jahren.

Sehr geehrte Fragestellerin, vielen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen und die offene Fragestellung. Ich möchte mich bemühen Ihnen punktuell eine Hilfestellung zu geben.

Die von Ihnen beschriebenen Symptome bei Ihrem Stiefsohn können durchaus ein Anzeichen einer Borderline Störung sein jedoch darf eine Persönlichkeitsstörung erst im Erwachsenenalter gestellt werden. Die Persönlichkeitsstörungen entstehen definitionsgemäß in der Adoleszenz (in der Pubertät) bis spätestens dem Beginn des zweiten Lebensjahrzehnts. Es kann aber durchaus auch sein, dass sich eine andere psychische Störung dahinter verbirgt wie z.B. ADHS aber auch die Pubertät stellt sowohl für die Jugendlichen als auch die Eltern eine enorme Herausforderung dar und Ihr Stiefsohn hat noch keine geeigneten Möglichkeiten für sich entdeckt hat, darauf angemessen zu reagieren. Ich würde daher, wenn weitere nachfolgend beschriebenen Symptome dazukommen eine diagnostischen Abklärung vor Ort bei einem Kinder/Jugendpsychiater empfehlen.

Nachfolgend der Versuch kurz umrissen für Sie dargestellt Symptombeschreibungen einer Borderlinestörung, zu Ihrer eigenen Überprüfung

BS (Borderlinestörung) ein seelisches Grenzgebiet/-Linie (border im engl. Grenze) zwischen Psychose und Neurose ABER auch zu anderen Persönlichkeitsstörungen ( z.B. narzisstische oder dissozialer Persönlichkeitsstörung ) eine Vermischung aus ALLEM und NICHTS

· nach Außen hin wirken die Betroffenen äußerst angepasst, gesund und „gut im Leben stehend"

· nach Innen hingegen handelt es sich um eine tiefgreifende Persönlichkeitsstörung mit fehlendem Realitätsbezug und Störung des Erlebens und Empfindens

· bei einer Borderline-Störung handelt es sich immer um eine Persönlichkeitsstörung mit charakteristischen Merkmalen von:

1. Instabilität in verschiedenen Bereichen

2. weitreichende Probleme im zwischenmenschlichen Bereich

3. Probleme mit dem Selbstbild und der eigenen Identität

Weitere damit verbunden Merkmale sind oft:

Angstsymptome chronisch frei flottierende Angst (ein Grundproblem der Borderline-Störung) und Multiple Phobien ( Angst nicht mehr ungerichtet sondern gerichtet ) Zwangssymptome z.B. Kaufzwang, d.h. Versuch Mangel an innerer Struktur durch äußere Strukturen zu begegnen

Konversionssymptome nicht „ Show der Simulation " sondern ernstzunehmende Symptome die einem Wechsel im Erleben des eigenen Körpergefühls widerspiegeln Dissoziative Symptome Tagträumereien, Gedankenabwesenheit... sich in Sicherheit bringen in eine „ heile Welt "

Depressive Symptome Gefühl von großer Leere und Sinnlosigkeit, Abwehr von innerer Wut und Aggression gegen sich selbst ohne dabei in der Lage zu sein Hilfe anzunehmen

Selbstverletzungs/ Suizidsymptome oft als Hilfeschrei oder als endgültiger Ausweg mit den Problemen fertig zu werden von den Betroffenen gesehen ABER auch benutzt um zu agieren

Psychosomatische Symptome (Somatisierungen) Ausdruck eines inneren psychogenen Schmerzes auf somatischer Ebene è „das halte ich im Kopf nicht aus" = Kopfschmerzen

Psychotische Symptome im Gegensatz zur Psychose gehen diese Episoden VOLLSTÄNDIG zurück = Minipsychose oder Pseudohalluzinationen

Impulskontrollverlustsymptom Verlust der Kontrolle über sich selbst, kein erkennbarer Zusammenhang zwischen Auslöser und Reaktion/ Handlung

Soziale Symptome Trennungsproblematik, oft meiden Borderliner die Nähe um den Verlust nicht die Trennung erleben zu müssen è Isolation oder sie haben das Bedürfnis nach übermäßigen Kontakt (oberflächlich) um der Einsamkeit zu entfliehen (viele lose sexuelle Partnerschaften) Zusammenhang zwischen Borderline-Störung und Delinquenz

Suchtsymptome oft als Mittel benutzt um der Leere zu entfliehen, negative Gefühle zu verdrängen, oft z.B. bei Drogen jedoch nicht um einen Rausch zu erzeugen bei Essstörungen enger Bezug zur gestörten eigenen Körperwahrnehmung, Hungergefühlen usw.

Aus meiner Sicht ist es sehr wichtig für Sie Selbst, nämlich sich durch den Besuch einer Selbsthilfegruppe

http://www.borderline-angehoerige.de/, usw. Anregungen und Hilfestellungen zum Umgang mit der Borderlinestörung zu holen um auch besser mit dem Stiefsohn umgehen zu können und es nicht zweit an sich selbst herankommen zu lassen.

Bitte bedenken Sie, dass es sich hierbei um eine sehr tiefgreifende Störung der Persönlichkeit handelt und eine Heilung nur bedingt erfolgen kann bzw. lediglich eine Linderung der Symptome.

Wesentlich hierbei möchte ich noch anfügen, dass bei einer Persönlichkeitsstörung sehr häufig gravierende diagnostische Fehler gemacht werden und allzu oft es sich um gar keine Persönlichkeitsstörung handelt bzw. um eine kombinierte Persönlichkeitsstörung oder einfach, weil es am einfachsten erscheint die Diagnose Borderline gestellt wird. Es ist eine differenzierte psychiatrisch/ psychologische Abklärung bei Ihrem Stiefsohn zu empfehlen, dies aber vorzugsweise bei einem Facharzt für Kinder/Jugendpsychiatrie.

Ich möchte an dieser Stelle ein Mal versuchen Ihnen ein paar ausgewählte Denkanstöße zu geben, die ich durch meine langjährige Arbeit mit Borderlinern gesammelt habe und Ihnen so eventuell ermöglicht ein Umfeld aufzubauen, worin Sie durch Hilfe bestimmte Aspekte realisieren können. Diese Hilfsmöglichkeiten entstanden unter aktiver Beteiligung von Betroffenen.

MERKSATZ = 3 x „S" des Borderliners

S = Struktur in der äußeren Umwelt des Borderliners Regeln, Normen und daraus entstehende Konsequenzen

S = Stabilität und unbedingte Konstanz sowie Aufrichtigkeit in der emotionalen Beziehung

S = Sicherheit geben, dass eine Veränderung des Verhaltens und des Verstehens des Selbst ohne Angst vollzogen werden kann

HILFSMÖGLICHKEITEN FÜR ANGEHÖRIGE

Akzeptanz des Borderliners wie er ist und nicht wie wir ihn sehen wollen

Mut mit dem Borderliners zur Veränderung und zum Teil auch mit paradoxen Methoden ( z.B. Einsatz von Metaphern )

Aufgabe der dichotomen Denkweise ( „entweder-oder" hin zu einem „sowohl-als auch" )==> Stärkung der eigenen Wahrnehmungsfähigkeit seiner Selbst und seiner Umgebung ==> Spiegelungstechnik

Vermittlung der Sinnhaftigkeit und der bestehenden Dysfunktionalität des eigenen Erlebens und Verhaltens auf dem Hintergrund der Vergangenheit wird durch eine beschriebene Situation im „ Hier und Jetzt " verdeutlicht ==> wesentlicher therapeutischer Fortschritt, da dadurch psychoanalytische-tiefenpsychologisch Denkweisen und verhaltenstherapeutische Ansätze kombiniert werden

Erarbeitung neuer Problemlösungsstrategien durch eine sich ständig wiederholende Bedingungsanalyse ( Warum ) und dem Versuch mit dem Betroffenen neue Verhaltensweisen auszuprobieren

Respektlose Kommunikation ==> teilweise Unter- oder Übertreibung von falschen Affekten auf denen der Betroffene beharrt ==> d.h. authentisch und echt wirkende komplementäre Reaktionen die trotzdem frei von Ironie und Sarkasmus sind und Wärme und Sorge beinhalten

Sie können eigentlich nur versuchen in einer "guten Phase" Ihren Sohn immer nur ständig aufs neue motivieren etwas zu tun, denn ohne äußere Hilfe bzw. so eine Borderlinestörung wirklich vorliegt, wird es nicht gehen und achten Sie dabei stets auf Ihre Grenzen der emotionalen und physischen Belastung. Wichtig ist noch ein Mal zu betonen, lassen Sie sich niemals auf eine emotionale Erpressung ein und schützen Sie sich ggf. selbst rechtzeitig, denn Borderliner kennen keine Grenzen anderer Personen.

Das heißt holen Sie sich rechtzeitig professionelle Hilfe bei einem Psychologen/Psychiater, wenn der Druck so groß wird, dass Sie feststellen ihre Kraft reicht nicht. Auch eine Erziehungshilfe könnte eine Alternative für Sie sein, Sie haben einen Anspruch darauf da Ihr Sohn noch nicht volljährig ist. Hierzu können Sie sich an das Jugendamt an Ihrem Wohnort wenden und gegebenenfalls wird Ihnen ein Sozialarbeiter zur Seite gestellt.

http://www.borderline-selbsthilfe.ch/

http://www.borderline-plattform.de/

Ich hoffe, mit meinen Ausführungen konnte ich Ihnen weiter helfen und wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen

Die Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.

Ich möchte Sie bitten, so Ihnen die Antwort meinerseits, entsprechend Ihrer Vorstellungen zugesagt hat, nicht zu vergessen das fällige Honorar (durch Klick auf den Button "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank

diplompsychologe und weitere Experten für Psychologie sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 5 Jahren.

Vielen Dank für diese ausführliche Antwort.

 

Er wurde bereits von Ärzten untersucht die sagten, das sie keine Störung erkennen können, wenn dann grenzwertig. Angenommen er hat keine Störung. Wie gehen wir dann damit um?

 

Herzlichen Gruss

Katja M.

Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 5 Jahren.

Sehr geehrte Fragestellerin, vielen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen und die erneute Frage. Wie ich schon in meinen Ausführungen erwähnte haben Sie einen Anspruch auf Erziehungshilfe von Jugendamt. Sie können auch eine Erziehungsberatungsstelle aufsuchen und sich da gegebenenfalls weitere Hinweise zum Umgang mit Ihrem Sohn während der Pubertät einholen. Letztendlich bleibt Ihnen nur Ihm klare Grenzen zu setzen, positive Handlungen verstärken indem Ihm dann die Freiheiten erweitert werden. Es besteht für Sie auch die Möglichkeit sich einer Selbsthilfegruppe für Eltern auch für von Kinder und Jugendliche anzuschließen und von anderen Eltern und deren Erfahrungen zu lernen. Oft werden solche Elterngruppen über die Erziehungsberatungsstelle angeboten bzw. Sie erfahren hierzu weiteres über eine Selbsthilfekontaktstelle oder Krankenkasse, wo sich eine Gruppe in der Nähe befindet. Natürlich können Sie sich auch im Internet bestimmten hierzu bestehenden Foren im Internet besuchen u.a. www.selbsthilfenetz.de/, www.eltern.de/
Es ist wichtig, wenn Sie Ihrem Sohn entsprechend helfen wollen sich Informationen zu beschaffen und wenn Sie dies zu sehr belasten sollte (auch vor allem emotional), sich auch umgehend z.B. psychologische Hilfe zur Begleitung suchen, denn sonst unterliegen Sie schnell der Gefahr der Co.- Abhängigkeit (Sie nehmen dann Ihrem Sohn alle Verantwortung ab usw.). Dies kann auch über eine Erziehungsberatungsstelle in Ihrer Nähe geschehen und die Beratung ist hier in der Regel kostenlos. Zum Teil werden hier auch familientherapeutische Begleitungen angeboten, die aus der Erfahrung heraus oft sehr nützlich sein können.

Ich hoffe ich konnte Ihnen etwas weiterhelfen und wünsche Ihnen viel Kraft und alles Gute auf Ihrem weiteren Weg

Mit freundlichen Grüßen