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diplompsychologe
diplompsychologe, Dipl- Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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diplompsychologe ist jetzt online.

Ich komme von meinem Exfreund nicht los. Ich melde mich immer

Kundenfrage

Ich komme von meinem Exfreund nicht los. Ich melde mich immer wieder und besuche ihn oft. Er will keine Beziehung mehr mit mir, und ich weiß nicht was ich noch will bin manchmal sehr verzweifelt. Wie komme ich von ihm los?
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 5 Jahren.

Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen und die offene Fragestellung. Ich möchte mich bemühen Ihnen punktuell eine Hilfestellung zu geben.

Ich verstehe Ihr Problem; Sie befinden sich auf Grund der Trennung in einer Trauerphase. Gerade langjährige Beziehungen die auseinandergehen sind nicht einfach so zu verarbeiten und brauchen Ihre Zeit , das seelische Wunden heilen, das man den anderen auch aus seinem Leben gehen lassen kann, man sich neu in Richtung Zukunft orientiert usw.

Eine Trauer wird von jedem Menschen unterschiedlich verarbeitet, insofern ist es eine normale Reaktion wenn Sie im Moment auch noch nicht wahrhaben wollen, das die Beziehung beendet ist, aber es ist wichtig um von Ihm loszukommen die Trauer zuzulassen und das mit all Ihren Facetten. Trauerbewältigung bei Verlust einer nahestehenden Person, kann man in 4 Phasen aufteilen.

1. Phase: bezeichnend ist hier der Schock zustand , das verleugnen und nicht- wahr –haben Wollen-, der Verlust wird nicht als Realität akzeptiert, die Symptome: Betäubung; Empfindungslosigkeit, Starre, Unglauben, Unwirklichkeit, stilles weinen, lautes Schluchzen, (einige Stunden bis zu 3 Wochen)

2. Phase: das Aufbrechen der Gefühle, der Trauerschmerz wird erfahren, die Symptome: Gefühlschaos von Trauer, Angst, Wut, Hilflosigkeit, Schuldgefühle, unbegründete Heiterkeit, Ruhelosigkeit, Gewichtsverlust, Schlafstörungen, Hilfe: Erlaubnis sich selbst geben, die Gefühle auch zuzulassen, zu wissen, dass das emotionale Chaos der „Normalität „ entspricht, problematisch wäre hier eine andauernde Gefühlslosigkeit und Unterdrückung der Gefühle mit Gedankenstop, die Flucht aus der Trauer durch Überaktivität , verschweigen des Verlustes usw.-

3. Phase : sich anpassen an eine Umwelt in der die/der Verstorbene fehlt, Symptome: die Suche nach dem verstorbenen in Träumen, an Orten die mit Ihm/Ihr zu tun hatten, die Erfahrung des Sich- Trennen- Müssens, Erkennen des Ausmaßes des Verlustes, beginnende Neudefinition der Lebensziele , Problematisch: Exzessives Suchtverhalten; Intensivierung des Suchens , Rückzug aus der Welt , Verweigerung des Abschieds, beharren in eigener Hilflosigkeit

4. Phase: eine neue Beziehung zu sich selbst finden, die starken gefühlsmäßigen Bindungen zu dem Verstorbenen lösen sich und in neue Beziehungen wird investiert, Symptome: DER Verlust wird akzeptiert, neue Aufgaben und Rollen werden übernommen. Neues Selbstvertrauen und neue Selbstachtung, Problematisch: neue Beziehungen und neuer Selbststand wird als Untreue gegenüber dem Verstorbenen empfunden und verhindert, Rückfälle werden nicht einprogrammiert und führen zu tiefen Enttäuschungen, Vermeidung neuer Beziehungen aus Ängste vor neuen Verlusten oder der Reaktion der Umwelt. Abwendung vom Leben , den Lebenden und der Liebe

Bitte beachten Sie Trauer braucht Zeit und die Phasen laufen nicht linear ab. Ob eine Trauerreaktion „normal „ oder „pathologisch“ ist, hängt von der Dauer und ihrer Intensität ab.

Ich würde Ihnen empfehlen sich eventuell einer Selbsthilfegruppe Trauer oder Trennung anzuschließen um hier von der Unterstützung und Hilfe anderer Betroffener zu profitieren.

http://www.trennung.org/index.htm

http://www.ipsis.de/adressen/adressselbsthilfe.htm

Natürlich ist auch eine Vorstellung bei einem Psychiater vor Ort möglich um sich medikamentös unterstützen zu lassen. Wichtig ist auf jeden Fall eine begleitende professionelle Hilfe um die Weiterentwicklung zu einer schweren Depression zu verhindern wenn Sie einen zu großen Leidensdruck verspüren und sich Probleme (wie oben aufgeführt) einstellen.

Nachfolgend möchte ich einmal versuchen Ihnen den einen oder anderen Vorschlag zu unterbreiten, was Sie in Ihrer momentanen Situation tun könnten mit auf den Weg zu geben. Ohne jedoch hier Anspruch auf den Erfolg und Vollständigkeit zu erheben, aber vlt. etwas helfen können in Ihrer schwierigen emotionalen Situation.

  • Schrauben Sie Aktivitäten und Verpflichtungen (z.B. bei der Arbeit oder auch im Haushalt) zurück und passen Sie diese ihrer verminderten Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit an ==> d.h. Sie müssen nicht immer und überall Leistung bringen und so vermeiden Sie künstlich Enttäuschungssituationen zu schaffen, diese haben Sie durch den Verlust genug erlebt in letzter Zeit
  • Vermeiden Sie wichtige Entscheidungen oder schwerwiegende Veränderungen auch vor allem im Beruf und in der Partnerschaft, für weitreichende Entscheidungen, die oft in einem emotionalen Chaos getroffen werden ist die Zeit nicht günstig
  • Gehen sie sorgsam mit sich um und vermeiden sie Stress und wenn dieser da sein sollte, schaffen Sie sich geeignete Ausgleichsmöglichkeiten z.B. im kreativen Bereich u.a. Malerei, Musik, Tanz usw. und dort können und müssen Sie auch gar nicht die Beste sein, sondern können dort frei und unbekümmert Ihre Gefühle nach außen richten, anstatt immer nur destruktiv zum Teil nach Innen
  • Sagen sie sich selbst, dass die eventuelle depressive Phase nicht ewig anhalten wird sondern eine vorrübergehende Phase bzw. Erkrankung ist und lassen Sie sich ggf. auch durch Medikamente helfen (diese machen in der heutigen Zeit nur mehr auf anderen Symptomebenen abhängig und Sie können ja auch erst ein Mal ein leichtes stimmungsaufhellendes und nicht abhängig machendes Medikament nehmen z.B. Opaprimol oder Insidon)
  • Nutzen sie eine passende Gelegenheit Sorgen und Gedanken mit der Familie oder guten Freunden zu besprechen. Vielleicht werden Probleme dann nicht gelöst, aber ein Gespräch und der Kontakt können bereits entlastend wirken.
  • Versuchen sie ein vernünftiges Maß an Aktivitäten und positiven Dingen in den Tag einzuplanen - gerade so viel, wie sie ohne Überanstrengung machen können. Hierzu würden Kontakte zu Freunden und Familienangehörigen gehören, die vielleicht auch nur wenige Minuten dauern müssen ==> lernen Sie einfach das Leben wieder ein Stück zu genießen und auch ein schönes Essen kann da auch schon helfen
  • Achten sie auf ihre Körperhygiene, Ernährung und körperliche Gesundheit
  • Begrenzen sie den Konsum von Alkohol und Nikotin

Wenn Sie feststellen dass Sie nicht in der Lage sind die Beziehung abschließend zu verarbeiten, dann empfiehlt es sich professionelle Hilfe hinzu zu nehmen. Dies kann im Rahmen eines Gesprächs bei einem niedergelassenen Psychologen erfolgen oder Sie können sich auch an eine nahegelegene psychotherapeutische/psychiatrische Fachklinik wenden (an Unikliniken) und um eine Notaufnahme(Behandlung)bitten, um dort viel schneller als bei den niedergelassenen Kolleginnen oder Kollegen einen Termin zu bekommen. Auch psychotherapeutische Ausbildungsinstitute vergeben Termine zur Diagnostik.

Ich hoffe ich konnte Ihnen in der Kürze der Ausführung etwas helfen und wünsche Ihnen viel Kraft und alles Gute auf Ihrem weiteren Weg

Mit freundlichen Grüßen


Die Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.

Ich möchte Sie bitten, so Ihnen die Antwort meinerseits, entsprechend Ihrer Vorstellungen zugesagt hat, nicht zu vergessen das fällige Honorar (durch Klick auf den Button "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank