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InternetCoach
InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1449
Erfahrung:  Familientherapeutin, Drogenberatung, Erziehungsberatung
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Ich bin "esssüchtig"- könnte dauerhaft essen- besonders süßes.

Kundenfrage

Ich bin "esssüchtig"- könnte dauerhaft essen- besonders süßes. Möchte aber eigentlich eine Diät anfangen und abnehmen. Ich esse oft aus Kummer. Ich bräuchte eine gute Ablenkung- eine Beschäftigung, die mich den Gedanken an das Essen vergessen lässt.
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage.Sie moechten Ihren Lebensstil und Ihre Beziehung zum Essen aendern. Ablenkung ist nicht schlecht, aber wahrscheinlich nur bedingt erfolgreich. Oft wird das Gegenteil empfohlen, naemlich das achtsame Essen und der achtsame Umgang mit Gefuehlen, damit man nicht essen muss.

 

Die verstärkte Lust auf Süßes ist kein Zufall: Amerikanische Forscher fanden jüngst heraus, dass bei nervlicher Anstrengung vermehrt das Stresshormon CRH (Corticotropin Releasing Hormone) ausgeschüttet wird. Dies kurbelt das Verlangen nach Zucker um das Dreifache an. Gummibärchen, Lakritze und der Trostspender Nummer eins, die Schokolade, scheinen nun das beste Heilmittel zu sein. Kein Wunder, sorgt der enthaltene Zucker dafür, dass im Hirn der Botenstoff Serotonin freigesetzt wird, der gute Laune erzeugt. Dadurch scheinen alle Anstrengungen plötzlich nur noch halb so schlimm.
Die positive Wirkung der Leckerei hält allerdings nur kurz an. Süßes lässt zwar den Blutzuckerspiegel in die Höhe schnellen und steigert dadurch vorübergehend die Leistung. Danach fällt der Wert jedoch ebenso zügig wieder ab – und der nächste Griff zum Schokoriegel ist vorprogrammiert. Nicht selten wird so aus dem kleinen Trostpflaster ein echtes Ernährungsproblem. Denn die Köstlichkeiten liegen hartnäckig auf den Hüften und lassen sich nur schwer wieder loswerden. Außerdem können sie Karies, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen hervorrufen – ein hoher Preis für die kleine Belohnung zwischendurch.

Die Ursache für das Stress-Essen entsteht also im Kopf. Aus diesem Grund reicht es nicht aus, hinterher eine Diät zu machen. Damit lässt sich zwar kurzzeitig wieder das Wunschgewicht erreichen, aber bei der nächsten Gelegenheit steht man wieder vor demselben Problem. Um dem Phänomen dauerhaft entgegenzuwirken, muss der Auslöser für die Zuckerlust bekämpft werden, wozu achtsames Essen und verbessertes Stressmanagement gehoeren:

Tipp 1: Realistische Ziele festlegen. Morgens joggen, nach der Arbeit mit den Kindern zum Fußball und abends die perfekte Köchin – meistens verlangen wir zu viel von uns. Die Folge: Am Ende schafft man nicht einmal mehr das normale Pensum. Wer seine Möglichkeiten realistisch einschätzt und sich konkrete Ziele steckt, schützt sich vor Enttäuschungen. Das Erreichen eines realistischen Ziels ist immer noch die beste Belohnung – dann ist die Schokolade oft gar nicht mehr nötig.

Tipp 2: Bewegung baut Stress ab. Kaum etwas hilft so gut gegen Stress wie Sport, denn regelmäßige Bewegung macht den Kopf frei. Und auch, wenn die Zeit fürs Fitnessstudio einmal fehlt: Zwischendurch aufstehen und ein paar Schritte gehen, lässt die Anspannung weichen. Denn wer läuft, baut direkt Stresshormone ab – der Heißhunger verschwindet oft. Wer danach wirklich Hunger hat, darf sich natürlich etwas Bekömmliches gönnen, am besten ein Stueck Obst, was zwar suess ist, aber nicht zu einem "Zucker-Crash" fuehrt.

Tipp 3: Bewusst essen. Stress-Essern ist oft gar nicht bewusst, dass sie unter Belastungen süßer und fettiger essen als sonst. Daher ist es ratsam, alle Schokoladenvorräte zu verbannen und durch Joghurt, Früchte und Vollkornbrot zu ersetzen. Denn wer nichts Verlockendes in der Nähe hat, kommt gar nicht erst in Versuchung.

 


Tipp 4: Das Trinken nicht vergessen. Viel Wasser oder ungesuessten Fruechtetee trinken. (Keine Saefte)

 

Achtsamkeit bedeutet, dass man sich der Gefuehle, die dem Essen zugrunde liegen bewusst wird. Dazu wuerde ich die folgenden Buecher empfehlen:

Essen, trinken, achtsam genießen: Praxisübungen für ein Leben im Gleichgewicht von Susan Albers und Nakine Konrad von Arbor-Verlag (15. Oktober 2010)
Ein Leben im Gleichgewicht: Buddhas Weg achtsamen Genießens, Susan Albers , Nakine Konrad

Hier ist finden Sie dazu mehr Information: http://www.mbsr-achtsam-essen.ch/achtsam-essen/

 

Achtsam sein bedeutet, innere und äußere Vorgänge mit ungeteilter, entspannter Aufmerksamkeit zu beobachten und "das ganze Bild" aufnehmen. Dabei basiert Achtsamkeit auf den folgenden vier Voraussetzungen:

  • Über-Bewusstheit: Wir verlieren uns nicht in einer Tätigkeit, sondern sind uns bewusst, dass wir etwas Bestimmtes tun
  • Nicht abgelenkt sein: Unsere Wahrnehmung wird nicht beeinträchtigt durch Grübeleien, Zukunftssorgen, Gefühle oder andere Störungen
  • Neutralität: Wir beurteilen oder bewerten nicht das Wahrgenommene, auch wenn uns etwas bereits bekannt vorkommt und wir gerne auf Vorurteile oder Erfahrungen zurückgreifen möchten. Wir registrieren die Geschehnisse, ohne Gedanken oder Gefühle einzuklinken
  • Perspektivenwechsel: Wir sind uns bewusst, dass unsere Sichtweise falsch, beschränkt oder einengend sein kann, weil Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden können

Achtsamkeit ist mehr als nur Konzentration: Konzentration heißt, sich auf einen Gedanken oder ein Objekt zu fokussieren, sie wird z.B. gebraucht beim Lösen von Rechenaufgaben. Achtsamkeit dagegen brauchen wir bei neuen oder kreativen Aufgaben, wenn wir also nicht auf Bekanntes beziehen können.

Achtsam sind wir nicht, wenn wir mehrere Dinge gleichzeitig oder automatisiert erledigen, wenn eingeschliffene Gewohnheiten uns steuern oder wir Lösungswege nur aus einer Quelle beziehen. Die Möglichkeit von Veränderung wird dabei ausgeblendet. Immer wenn wir glauben, etwas schon zu wissen, sind wir nicht mehr präsent.
Achtsamkeit / Mindfulness ist eine offene, akzeptierende und gleichmütige Einstellung gegenüber allen Emotionen und Gedanken, die in der Wahrnehmung, im Bewusstsein auftreten. Hierzu zählen sowohl echte Gedanken und Überlegungen, wie auch Gefühle von Angst, Trauer, Haß, Freude, Euphorie etc. wie auch körperliche Gefühle. Achtsam handelt, wer sich voll und ganz dem zuwendet, was er gerade macht bzw. was gerade passiert, ohne die Geschehnisse oder Gedanken zu bewerten. Wirklich im Hier und Jetzt zu sein, stoppt das Affengeschnatter und reduziert somit nachhaltig den Streß. Ruhe und Gelassenheit verstärken sich. Durch das Erlernen der Achtsamkeit ohne ständige Bewertung von Gedanken und Gefühlen gewinnt man den weiten Blick auf die Dinge, kann sich aber andererseits leichter von einzelnen Themen leichter lösen, in die wir uns üblicherweise verbeißen, was zu Streß, Ängsten und Unwohlsein führt. Aus diesem Grund wird die Achtsamkeit auch mittlerweile in der Psychotherapie eingesetzt. Sie ist aber für jeden Menschen gewinnbringend einsetzbar. Achtsam sein bedeutet konkret, im Jetzt zu bleiben und den Moment umfassend zu erleben und im Idealfall zu genießen. Dadurch kreiiert man Abstand zu den Problemen, man installiert im Kopf sozusagen einen inneren Beobachter. Je mehr dieser innere Beobachter aktiv ist, desto leiser wird das Affengeschnatter und so langsamer der Gedankenstrom und man wird nicht mehr von Gedanken und Gefühlen mitgerissen. Auf diese Weise lassen sich sogar heftige Gefühle wie Panik, Angst, Wut und Agression mildern. Man sollte daher nicht gegen diese Gefühle kämpfen, sonden sie schlicht beobachten und warten bis sie vorübergehen - und damit auch das Beduerfnis nach Suessigkeiten.

Eine ausgewogene Ernaehrung ist letztendlich immer besser als "keine" Kohlenhydrate, "nur" Gemuese usw. Wenn man das Stressessen aufhoert, dann kann man oft alles essen, was man moechte, ohne dass man gross zunimmt, weil man nicht so viel davon ist.

Versuchen Sie ausserdem, die zuckrigen Lebensmittel durch Obst oder Gemuese zu ersetzen. Manchmal hilft etwas "knackiges" (mit Achtsamkeit) oder etwas salziges, um die Geschmacksnerven zu befriedigen. Je weniger man Zucker isst, desto weniger moechte man ihn.

Ich wuerde Ihnen ausserdem Yoga als Sport empfehlen. Da lernen Sie Achtsamkeit und bewegen sich. Ausserdem macht man das Ganze in einer Gruppe, in der man sich dann gegenseitig anspornen kann. Alleine ins Fitnessstudio zu gehen, ist relativ schwer.



Ich hoffe, dass Ihnen meine Antwort in ihrer Kürze geholfen hat und beantworte auch gerne eine Anschlussfrage. Ich wünsche Ihnen viel Mut und Erfolg bei den nächsten Schritten.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

Wenn meine Antwort Ihren Vorstellungen entspricht, bitte ich Sie, nicht zu vergessen das Honorar (durch Anklicken von "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank.





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