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InternetCoach
InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1449
Erfahrung:  Familientherapeutin, Drogenberatung, Erziehungsberatung
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Habe ich ein Borderline Syndrom, nur weil ich in meiner Vergangenheit

Kundenfrage

Habe ich ein Borderline Syndrom, nur weil ich in meiner Vergangenheit sexuell missbraucht wurde, wenn ich aber seit Jahren kaum Einschränkungen in meinem Leben verspüre?
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage. Sie fragen sich, ob aufgrund von sexuellem Missbrauch, die Diagnose "Borderline Stoerung" auf Sie zutrifft.


Viele - aber nicht alle - Menschen, die eine Borderline Stoerung haben, wurden in ihrer Vergangenheit missbraucht. Das bedeutet nicht zwangslaeufig, dass jemand der missbraucht wurde, die Stoerung entwickelt.


Jeder Mensch geht mit Krisen im Leben anders um. Dabei spielt der Begriff "Resilienz" eine grosse Rolle. Früher bezeichnete er nur eine spezielle Eigenschaft von Personen (besonders Kindern), die ihre psychische Gesundheit unter Bedingungen erhielten, unter denen die meisten Menschen zerbrochen wären. Oft wurden etwa Kinder so bezeichnet, die – trotz Bedingungen wie Armut oder Flüchtlingssituation in der Kindheit – im Erwachsenenalter eine qualifizierte Berufstätigkeit ausübten, nicht mit dem Gesetz in Konflikt kamen und psychisch unauffällig waren. Später wurde die Bedeutung ausgeweitet. Dies ist mit der Erkenntnis verbunden, dass psychische Widerstandsfähigkeit nicht nur in Extremsituationen, sondern immer von Vorteil ist. Heute werden Menschen mit diesem Merkmal oft allgemein als resilient bezeichnet. Er wird nun zum Beispiel auch für Menschen verwendet, die mit Belastungen der Arbeitswelt in angemessener Weise umgehen und so ihre psychische Gesundheit erhalten.

Ursprünglich wurde mit Resilienz nur die Stärke eines Menschen bezeichnet, Lebenskrisen wie schwere Krankheiten, lange Arbeitslosigkeit, Verlust von nahestehenden Menschen oder ähnliches ohne anhaltende Beeinträchtigung durchzustehen. Diese Verwendung des Wortes ist auch heute noch häufig. So werden zum Beispiel Kinder als resilient bezeichnet, die in einem sozialen Umfeld aufwachsen, das durch Risikofaktoren wie zum Beispiel Armut, Drogenkonsum oder Gewalt gekennzeichnet ist, und sich dennoch zu erfolgreich sozialisierten Erwachsenen entwickeln. Resiliente Personen haben erlernt, dass sie es sind, die über ihr eigenes Schicksal bestimmen. Sie vertrauen nicht auf Glück oder Zufall, sondern nehmen die Dinge selbst in die Hand. Sie ergreifen Möglichkeiten, wenn sie sich bieten. Sie haben ein realistisches Bild von ihren Fähigkeiten.

Auch Menschen, die nach einem Trauma, wie etwa Vergewaltigung, Missbrauch, dem plötzlichen Verlust nahestehender Angehöriger oder Kriegserlebnissen nicht aufgeben, sondern die Fähigkeit entwickeln, weiterzumachen, werden als resilient bezeichnet.

Wesentliche Faktoren, die Resilienz beeinflussen, sind die Familie des Betroffenen, seine Kultur, seine schulische Umgebung, seine Intelligenz, seine emotionale Intelligenz und seine mehr oder weniger aktive Einstellung zu Problemen.

Es kann also gut sein, dass Sie eine sehr "resiliente" Person sind und darum trotz einer schwierigen Biographie keine groesseren Probleme haben.

 

Ich gehe davon aus, dass Sie sich ueber die Symptome der Borderlinestoerung informiert haben und vielleicht auch ein paar Selbsttests gemacht haben. Wenn nicht, dann hier etwas zusaetzliche Information.

 

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine schwere Persönlichkeitsstörung, welche sich durch sehr wechselhafte Stimmungen, gestörte zwischenmenschliche Beziehungen, mangelndes Selbstvertrauen und autoaggressive Verhaltensweisen äußert.

Personen mit einer Borderline -Persönlichkeitsstörung tendieren dazu, die Welt nur in schwarzen und weißen Farben zu zeichnen. Andere Menschen sind entweder nur und ausschließlich gut oder abgrundtief böse. Sie schwanken häufig zwischen den Extremen, und ein Mensch, den sie heute anhimmeln, ist morgen für sie vielleicht schon der letzte Mensch. Entsprechend instabil sind in der Regel ihre zwischenmenschlichen Beziehungen. Zwischen heißem Liebesrausch und eiskaltem Hass steht mitunter nur ein falsches Wort oder ein missverständlicher Blick.

Diese Instabilität der Wahrnehmung und des Erlebens bezieht sich nicht nur auf andere Menschen, sondern auch auf das eigene Selbstbild. Vereinzelt haben die Betroffenen nur ein sehr verschwommenes Bild von sich selbst. Unrealistische und daher unerreichbare Ziele führen oft zur Selbstentwertung.

Menschen mit Borderline sind häufig extrem impulsiv, haben sich nicht unter Kontrolle. Besonders schwer fällt es ihnen, ihre Wut zu kontrollieren. In der Regel leiden Borderline- Betroffene unter heftigen Stimmungsschwankungen. Viele Borderline- Erkrankte sind hochgradig selbstmordgefährdet.

Wie bei den meisten psychischen Störungen sind die Ursachen noch nicht geklärt.
Zu den wichtigsten Ursachen zählen Erfahrungen aus schmerzhafter Trennung, bedrohlicher Vernachlässigung oder auch massiver Traumatisierung durch sexuellen Missbrauch, körperliche Misshandlung oder emotionale Quälereien.
Neuere neurobiologische Forschungen deuten darauf hin, dass Borderline mit Hirnstörungen verbunden ist. Diese sind offenbar für die Übererregung und den emotionalen Kontrollverlust mitverantwortlich.

 

 

Typische Symptome sind:

  • Angst (Vernichtungs-, Verlassenheits-, Trennungsangst)

  • autoaggressives Verhalten

  • Depersonalisations- und Derealisationsgefühle

  • Depressionen

  • Drogenkonsum

  • delinquentes Sozialverhalten

  • extreme Idealisierungen oder Entwertungen

  • Eßstörungen

  • Gefühlsstörungen

  • Hysterien

  • Identitätsdiffusion

  • innere Leere

  • impulsive Reaktionsweisen

  • Impulskontrollverlust

  • Kontaktvermeidung - plötzliche Kontaktabbrüche

  • Polymorphe Sexualität (stark schwankend in der Ausprägung)

  • Präventivangriffe

  • psychosomatische Symptome

  • Realitätsverlust

  • Rituale und Zwänge

  • Schwarz-Weiß-Denken

  • starkes Kontrollbedürfnis über andere Menschen

  • Sucht

  • Suizidalität

  • Zwangssymptome (überwertige Ideen)

 

Aber mit Borderline sind nicht nur Schwierigkeiten, sondern häufig auch besondere Fähigkeiten verbunden: Die Betroffenen sind oft sehr kreativ, lebendig und begeisterungsfähig. Nicht nur negative Gefühle werden sehr intensiv erlebt, sondern auch positive Gefühle wie Freude oder Liebe. Aber diese Gefühle können schnell wechseln, und so kann innerhalb kürzester Zeit aus Freude Verzweiflung oder aus Liebe Wut werden.

http://www.borderline-borderliner.de/selbsttest/borderline-selbsttest.htm
http://www.psychotherapiepraxis.at/surveys/test_borderline.phtml

Eine posttraumatische Belastungsstoerung ist oft eine Reaktion auf traumatische Ereignisse im Leben, wie z.B. Missbrauch. Allerdings sind auch da die Symptome recht massiv und da Sie keine wirklichen Symptome zu haben scheinen, ist die Diagnose unwahrscheinlich. Trotzdem hier eine Liste typischer Symptome zu Ihrer Information:
Die Symptome von PTBS wurden und werden immer noch mißverstanden oder gar nicht diagnostiziert. Es gibt Schätzungen, daß bis zu 10% der Bevölkerung (diese Zahl ist aus den USA) einmal im Leben unter PTBS leiden. Bei manchen verschwinden die Symptome von selber im Verlauf der Zeit, bei anderen bleiben sie über viele Jahre erhalten. Spätestens dann ist eine fachmännische Hilfe durch einen Psychologischen Psychotherapeuten oder einen Psychiater erforderlich.

 

Zentrales Gefühl ist die Hilflosigkeit (nicht: Streß, Angst, Trauer)

 

Selbstvertrauen und Vertrauen werden erschüttert

 

Schuld: Gefühl, für das Ereignis oder seinen Ausgang verantwortlich zu sein

 

Ärger: Gefühl der Ungerechtigkeit oder Verletzung persönlicher Regeln durch Andere

 

Scham: Gefühl, eigene bedeutsame Regeln verletzt zu haben

 

Trauer: Gefühl etwas bedeutsames verloren zu haben

 

Flashbacks: Man handelt oder fühlt so, als ob sich das traumatisierende Ereignis gerade (wieder) ereignen würde (dazu gehört z. B. das Gefühl, das Ereignis wiederzuerleben - 'ein Film läuft immer in mir ab' - , Illusionen, Halluzinationen

 

 

Kernsymptomatik

Intrusionen: sich aufdrängende, belastende Traumaerinnerungen in Form von Bildern, Empfindungen, Flashbacks und Alpträumen: plötzliche und 'lebendige' Erinnerungen, die 'mich überwältigen'.
Vermeidung von Orten, Tätigkeiten, Stichworten, die etwas mit dem Ereignis zu tun haben:
Vermeidung von Gedanken, Gefühlen, oder Gesprächen, die das Trauma zum Thema haben
Vermeidung von Tätigkeiten, Orten oder Menschen, die an das Trauma erinnern
Die Unfähigkeit, sich an wichtige Details der Situation zu erinnern.
Die Unfähigkeit, Trauer, Verlust oder Ärger während des traumatisierenden Ereignisses bewirkt, daß das Trauma auch weiterhin nachwirkt, ohne daß das dem Opfer bewußt wäre. Depression und sogar Schuldgefühle (weil man z.B. als einziger einen Unfall überlebt hat) sind oft die Folgen.
Numbing (emotionale Taubheit): Enge emotionale Bindungen mit Familie, Freunden und Kollegen werden vermieden. Die Gefühle sind allgemein vermindert, eingeschränkt, allenfalls werden routinemäßige und 'mechanische' Aktivitäten zu Ende geführt.
Hyperarousal: Symptome der Übererregung: z.B. Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, erhöhte Reizbarkeit, mangelnde Affektintoleranz
Schwierigkeiten einzuschlafen
Irritierbarkeit oder Ausbrüche von Ärger
Konzentrationsschwierigkeiten
Hypervigilanz (erhöhte Aufmerksamkeit)
Erhöhte Schreckreaktion (startle response)

Man lebt so, als ob man immer noch aktuell durch das traumatisierende Ereignis bedroht würde. Man wird dadurch irritierbar oder 'explosiv', auch wenn man gar nicht provoziert wurde.
Viele Opfer versuchen sich selber zu 'behandeln' , indem sie ihre Einsamkeit und ihre Panikattacken mit Alkohol oder anderen Drogen bekämpfen.
Dissoziationen: Das Ereignis und das oder die dazugehörigen Gefühle werden voneinander gespalten.
Dissoziationen ermöglichen als Abwehr- oder Bewältigungsmechanismus einen Schutz vor ansonsten überwältigenden Gefühlserfahrungen. Diese Abwehr selber birgt aber die Gefahr von grundlegenden Veränderungen des Selbst- und Identitätsgefühls, der Störung der Funktionen des Gedächtnisses und auch der Selbst- und Umweltwahrnehmung. Durch all dies kann eine konstruktive Bewältigung und Überwindung des Traumas beeinträchtigt werden. Das Ausmaß von Dissoziation kann z.B. durch die DES-Skala (Dissociative Experiences Scale von Bernstein und Putnam) erfaßt werden.
Wie bei praktisch allen psychischen Phänomenen gibt es auch bei der Dissoziation ein breites Spektrum, das von als 'normal' verstandenen bis zu pathologischen Dissoziationsphänomenen geht.
Traumaerfahrung kann sich in verschiedener Form der Dissoziation zeigen:
- Bei der primären Dissoziation ist die normale, integrative Gedächtnisfunktion beeinträchtigt. Es entstehen isolierte Gedächtnisanteile, die oft mit affektiven, somato-sensorischen oder auch visuellen Intrusionen einhergehen. Diese Gedächtnisanteile werden dann oft durch spezifische Auslöser ('Trigger') wieder hervorgerufen und wirken dann bedrängend.
- Bei sekundärer oder peritraumatischer Dissoziation kommt es zu Bewußtseinszuständen, die vom Gefühl der Depersonalisation bis hin zum Gefühl des 'Heraustretens' aus dem eigenen Körper reichen können. Hier trennt sich dann das erlebende oder handelnde Selbst vom beobachtenden Selbst. Auch dieser Mechanismus ist ein Schutz gegen die ansonsten unerträglichen Gefühle in der traumatisierenden Situation.
- Bei tertiärer Dissoziation handelt es sich um eine Reaktionsbildung auf wiederkehrende Traumatisierungen. Sie führt zur Ausbildung von verschiedenen Persönlichkeitsfragmenten, die ganz unterschiedliche komplexe Muster auf affektiver, kognitiver und Verhaltensebene repräsentieren.
Die PTBS Symptomatik kann unmittelbar oder auch mit z.T. jahre- bzw. jahrzehntelanger Verzögerung nach dem traumatischen Ereignis auftreten!

Eine Diagnose ist letztendlich nur ein Hilfsmittel, um entsprechende Interventionen vorzuschlagen. Wenn Sie keine groesseren Probleme haben, also keinen grossen Leidensdruck spueren, dann ist eine Diagnose nicht wirklich notwendig oder hilfreich. Sie scheinen einen Weg gefunden zu haben, mit sich selbst und Ihrer Vergangenheit (mehr oder weniger) Frieden geschlossen zu haben und dadurch in der Gegenwart ein relativ zufriedenes Leben zu leben. Das ist letztendlich das, was zaehlt. Manchmal passiert das auch, weil man "vergibt" oder loslaesst und sich damit von der Vergangenheit befreit. Dazu hier Information zum Vergebungsprozess:

Als erstes ist da die verletzende Tat oder das Vergehen. Es wurde einem etwas angetan, das falsch, ungerecht und schmerzhaft war. Dabei ist es unwichtig, wie schwerwiegend die Tat war. Die erste Reaktion des Verletzten ist es, den Schuldigen zur Verantwortung ziehen zu wollen. Die meisten Menschen haben ein tiefes Bedürfnis nach Gerechtigkeit und Wiedergutmachung. Darum widerstrebt Vergebung dem gesunden Menschenverstand erst einmal. Redensarten wie „Vergeben und vergessen“ helfen da wenig, denn sie bestätigen (zu Unrecht), dass Vergeben gleichzusetzen ist mit dem Ignorieren eines Unrechts. Wenn man vergibt, tut man so als ob das Unrecht nie passiert wäre. Warum sollte man da vergeben? Weil Vergeben in keinster Weise bedeutet, dass man die Tat vergisst oder einfach über sie hinwegsieht. Das menschliche Gehirn ist ohnehin nicht in der Lage, ein erlebtes Unrecht zu vergessen, und damit ist diese Redensart unsinnig.

Manchmal wird ein Täter bestraft und dadurch das Bedürfnis des Verletzten nach Gerechtigkeit zumindest teilweise gestillt. Ein Gerichtsprozess, eine Haftstrafe oder ein Urteil, das das geschehene Unrecht öffentlich macht, helfen da oft ein bisschen. Aber letztendlich fühlt der Täter weder den Schmerz, den er einem anderen zugefügt hat, noch kann er die Tat zurücknehmen. Der Schmerz und die Verletzung bleiben und beeinflussen das Leben, das Verhalten und die Entscheidungen des betroffenen Menschen oft noch jahrelang. Eine Frau, die vor ihrer Ehe vergewaltigt wurde, kann manchmal 20 Jahre später ihrem Mann immer noch nicht vertrauen, obwohl er sie nie schlecht behandelt hat. Ein Kind, das den Unfalltod eines Freundes beobachtet hat, wird auch als junger Mensch noch mit der Angst leben, dass alle Menschen, die ihm nahestehen, ständig in Gefahr sind und sich darum vielleicht nicht auf eine intime Beziehung einlassen. Ein Mann, der in der Armut der Nachkriegszeit aufwuchs, wird niemals verstehen, wie andere so unbedacht mit Lebensmitteln umgehen oder Dinge wegschmeissen, die vielleicht noch benutzt werden können. Diese Erlebnisse prägen einen Menschen und machen Vergebung damit zu einem wichtigen Thema.

Wenn man ein Unrecht erlebt, spürt man als erstes Schmerz. Von einem leichten Ziehen im Brustbereich bis hin zur rohen Verzweiflung. Je nach Art des Vergehens spürt man diesen Schmerz nur, wenn man sich an die Tat erinnert, oder er ist so überwältigend, dass er zum Teil des täglichen Lebens wird. Vielen Menschen wird dieses Gefühl des Verletztseins zu viel, und sie werden wütend. Diese Wut ist angebracht und oft hilfreich. Sie beschützt einen davor, sich wieder in eine ähnliche Situation zu begeben und nochmals verletzt zu werden. Sie erlaubt es einem sich gegen den lähmenden Schmerz zu wehren und im täglichen Leben zu funktionieren. Die Wut macht stark genug, den Täter zu konfrontieren, die Polizei zu rufen, oder während der Gerichtsverhandlung etwas zu sagen.

Und dann? Dann bleibt man entweder im Schmerz oder in der Wut stecken. Diese Gefühle prägen dann das Leben. Sie beeinflussen alle Erlebnisse und Beziehungen. Oft scheint sich die Person gar nicht mehr erinnern zu können, dass das Leben einmal anders aussah und sich vor allem anders anfühlte. Sind Sie schon einmal jemandem begegnet, der in der Wut steckengeblieben war? Wollten Sie Zeit mit diesem Menschen verbringen? Wahrscheinlich nicht. Diese Menschen sind normalerweise bitter und pessimistisch. Sie sehen nur das schlechte im Leben und in anderen Menschen. Sie kritisieren alles und jeden und finden auch an einem wunderschönen sonnigen Sommertag etwas auszusetzen. Sie haben keine wirklichen Freunde und können sich über nichts von Herzen freuen. Sie hegen ständig Rachegedanken und sehen auch in unschuldigen Missverständnissen böse Absichten. Aus Menschen, für deren Schicksal man Mitleid empfand, sind Menschen geworden, die keiner wirklich mag. Kennen Sie einen solchen Menschen? Sind Sie es vielleicht sogar selbst?

Dann gibt es diejenigen, die nach der Verletzung im Schmerz stecken bleiben. Sind Sie da schon einmal jemandem begegnet? Diese Menschen sind normalerweise deprimiert, depressiv, müde, und erschöpft. Und wenn man Zeit mit ihnen verbringen, fühlt man sich danach genauso. Sie sehen sich als ständige Opfer und haben das Gefühl, dass die Welt darauf aus ist, ihnen wehzutun oder ihnen weiteres Unrecht zuzufügen. Jedesmal wenn man ihnen vorschlägt, wie sie ihr Leben verbessern oder sich einfach nur besser fühlen könnten, dann antworten sie: „Ja, aber....“ Und beschreiben ausführlich, warum der Vorschlag sowieso nicht umsetzbar ist, warum deine Idee von Anfang an unsinnig war, und warum alle Versuche, etwas Freude in ihr Leben zu bringen, ganz sicher fehlschlagen werden. Nach einem solchen Gespräch fühlt man sich hilflos, frustriert, entmutigt und ausgelaugt und man hat das Gefühl im Bauch, dass diese Menschen sich nicht wirklich besser fühlen wollen, dass sie irgendwie ganz zufrieden sind in ihrer Misere. Kennen Sie einen solchen Menschen? Erkennen Sie sich in dieser Beschreibung?

Wenn jemand bitter, wütend und unglücklich ist und sich dann entscheiden würde, seine Rachegedanken loszulassen und zu vergeben, würde er damit demjenigen helfen, der ihm wehgetan hat oder sich selbst? Und jemand, der traurig, unzufrieden, einsam und erschöpft ist – wenn er sich dazu entscheiden würde, die Opferrolle aufzugeben, würde er damit demjenigen helfen, der ihn zum Opfer gemacht hat oder sich selbst? Normalerweise weiss der Täter nicht einmal, dass die verletzte Person wütend oder traurig ist und falls er es weiss, dann betrifft es ihn oft wenig. Ein weiser Mensch sagte einmal, dass Rachegedanken wie ein Gift sind, das man selbst trinkt, in der Hoffnung, dass es den anderen umbringt. Leider vergiftet man damit nur sich selbst und sein Leben.

Um vergeben zu können, muss man sich erlauben, das Vergehen in einem größeren Zusammenhang zu betrachten. Was bewegte den Täter? Hat man selbst in irgendeiner Art und Weise zu der Tat beigetragen? Könnte ein Missverständnis zu der Tat beigetragen haben? Gibt es mildernde Umstände? Wiederholte der Täter etwas, das ihm angetan wurde? Diese Fragen und die entsprechenden Antworten entschuldigen weder den Täter noch die Tat. Was geschah, ist auch weiterhin falsch, ungerecht und schmerzhaft. Vergebung bedeutet weder, dass man die Tat vergisst noch dass man so tut, als ob sie nie geschehen sei. Man versucht auch nicht, die entsprechenden Reaktionen und Gefühle „wegzuerklären.“ Wenn man vergibt, dann trifft man die Entscheidung, sein Recht auf Rache nicht länger einzufordern. Man entscheidet sich lediglich, die verständlichen und gerechtfertigten Rachegedanken loszulassen, damit man nicht länger im Schmerz oder in der Wut steckenbleibt. Das eigene Leben wird dadurch besser. Dabei ist es eigentlich unwichtig, ob man dem Täter mitteilt, dass man ihm vergeben hat oder nicht. Vergebung ist ein einseitiger Prozess, eine Einbahnstrasse. Die Beziehung zum Täter wird durch das Vergeben nicht automatisch repariert. Wenn der Täter eine Strafe ableistet, bedeutet Vergebung nicht, dass die Strafe erlassen wird. Wenn es ein Urteil gab, dass den Täter schuldig sprach, dann bedeutet Vergebung nicht, dass er freigesprochen wird. Vergebung bedeutet, dass das Leben des Verletzten nicht mehr ausschliesslich von dem Bedürfnis bestimmt wird, dass der Täter den gleichen Schmerz empfindet, den der Verletzte spüren muss.




Ich hoffe, dass Ihnen meine Antwort in ihrer Kürze geholfen hat und beantworte auch gerne eine Anschlussfrage. Ich wünsche Ihnen viel Mut und Erfolg bei den nächsten Schritten.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

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