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InternetCoach
InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1449
Erfahrung:  Familientherapeutin, Drogenberatung, Erziehungsberatung
62882398
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Hallo, ich habe eine Frage an einen Kinderpsychologen: Ich

Kundenfrage

Hallo,
ich habe eine Frage an einen Kinderpsychologen:

Ich habe einen 10-jährigen Sohn und bin seit über 2 Jahren von seinem Vater getrennt.
Zu Anfang schien es so, dass mein Sohn die Trennung (augenscheinlich) ganz "gut" verkraftet (im Gegensatz zu seinem Vater, das mein Sohn leider auch teilweise mitbekommen hat). Er hat Kontakt zu seinem Vater (alle 14-Tage oder öfter) und das Verhältnis zwischen uns ist mittlerweise ganz o.k. Allerdings darf er bei seinem Vater wesentlich mehr als bei mir. Fernseh schauen, auf dem I-Phone spielen, lange wach bleiben etc. Das alles gibt es bei mir nicht !

In letzter Zeit häuft es sich allerdings, dass wir immer öfter Streit haben, er schnell gereizt ist (ich auch!) und auch die Schulleistungen im letzten halben Jahr sich um ca. 1 Note (in fast allen Fächern) verschlechtert hat, teilweise auch durch sein Verhalten im Unterricht.
In der Schule ist er auch "aufmüpfig" und hört nicht. Er kann auch sehr provokant sein und unendlich diskutieren.
Allerdings ist er fast immer der Ansicht, dass er nicht Schuld ist, sondern die andern.
Die Lehrer wären so streng und ich bin auch immer gleich schlecht gelaunt und die strengste Mutter der Welt.
So eskaliert es häufig und ich möchte Sie fragen, was ICH tun kann, damit wir besser miteinander klar kommen.
Seine Situation ist sicherlich nicht einfach, aber ich muss auch ab und zu was für mich tun (1x pro Woche Yoga). In der Zeit hat er einen "Babysitter" und mit dem ist es letzte Woche auch eskaliert und ich musste mein Yoga abbrechen und nach Hause fahren.
Vielleicht haben Sie einen Rat für mich.
Vielen Dank.
Mit freundlichen Grüßen
Susanne Rieger
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage. Sie machen sich verstaendlicherweise Sorgen um Ihren Sohn. Sie haben schon ein paar Sachen ausprobiert, um ihm zu helfen, aber die Situation scheint sich nicht wirklich zu beruhigen.


Kinder werden nicht mit Vorstellungen davon, wie das Leben sein sollte, geboren. Deswegen passen sich Kinder leichter an als Erwachsene. Kinder leiden normalerweise solange nicht, wie ihr Bedürfnis nach Liebe und Sicherheit befriedigt wird. Erwachsene hingegen haben eine Vorstellung von Richtig und Falsch, davon, wie die Dinge immer waren und sein sollten, und finden es daher oft schwierig, sich anzupassen. Plötzliche Veränderungen allerdings, wie eine Scheidung, sind schwer zu ertragen, sowohl für einen Erwachsenen als auch für ein Kind.

Eine Scheidung ist häufig eine traumatische Erfahrung. Ganz gleich ob man ein Kind ist oder ein Erwachsener, ob man selbst die Scheidung gewollt hat oder nicht: Man durchlebt eine emotionale Achterbahnfahrt von Chaos, Schuld Frustration und Hilflosigkeit. Jede Scheidung ist anders, doch sie haben alle eines gemeinsam, sie alle sind für einen längeren oder kürzeren Zeitraum mehr oder weniger schmerzhaft. Mit der Scheidung kommen eine Menge Veränderungen. Neue Gewohnheiten ersetzen alte. Sie verlieren möglicherweise alte Familienmitglieder und bekommen neue. Möglicherweise müssen Sie aus Ihrem alten Zuhause ausziehen, und die finanzielle Situation wird auch nicht dieselbe sein. Doch eine Sache, die immer die gleiche bleibt, ist die Tatsache, dass eine Scheidung stets von den Erwachsenen angebahnt wird. Die intime Beziehung eines Paares wird nun durch eine Eltern-Beziehung ersetzt. Dies kann für viele Eltern sehr schwierig sein, da sie so in ihren eigenen emotionalen Prozessen gefangen sind. Es ist wichtig, dass Sie Ihre Kinder wissen lassen, dass es nicht ihre Schuld ist. Ebenfalls bedeutend ist, dass die Kinder nicht für den elterlichen Konflikt missbraucht werden. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Kinder als Botschafter zwischen den Elternteilen agieren müssen. Ein Kind ist sehr loyal gegenüber beiden Eltern. Es fühlt sich häufig schuldig, wenn es Zeit mit dem einen verbringt, während der andere allein ist. Als Mutter oder Vater müssen Sie dann Ihre eigenen Bedürfnisse beiseite stellen und dem Kind vermitteln, dass Sie Verständnis dafür haben, dass es beide Eltern braucht und sie es ihm nicht übel nehmen, wenn es Zeit mit dem Anderen verbringt. Es ist auch wichtig, keine schlechten Dinge über Ihren Ex-Partner zu sagen. Ein Kind weiß, dass es ein Produkt zweier Elternteile ist. Wenn Sie Ihren Ex kritisieren, kritisieren Sie also gleichzeitig Ihr Kind.

Kinder reagieren immer auf eine Scheidung. Es ist nur eine Frage, des Wie und Wann. Wie diese Reaktion aussieht, hängt vom Alter, Geschlecht und der Persönlichkeit des Kindes ab. Gefühle von Wut, Niedergeschlagenheit und Trauer sind häufig. Wenn ein Kind gar keine Reaktion zeigt, benötigen sie möglicherweise Hilfe beim Ausdruck ihrer Gefühle, sonst könnten sie später eine Depression erleiden.

Die meisten Kinder hegen heimlich den Wunsch, ihre Eltern wieder zusammen zu bringen. Wenn Sie ein Kind danach fragen, möchte es fast immer, dass Vater und Mutter wieder zusammen sind, selbst wenn ihre Ehe schwierig war. Sie sind bereit, alles zu tun, damit Mama und Papa wieder ein Paar werden.

 

Nur weil alle Vereinbarungen getroffen sind und der ganze Papierkram erledigt ist, heißt das noch nicht, dass die Scheidung vorbei ist. Das Ende einer Beziehung bringt viele Veränderungen mit sich. Nicht nur die intime Beziehung ist vorbei, sondern auch gemeinsame Freunde, Schwiegereltern, Orte, die Sie oft gemeinsam besucht haben, sie alle verschwinden oder ändern sich. Eine Menge Menschen durchleben eine Krise, wenn eine lange Beziehung endet. Eine Krise, die durch eine Scheidung ausgelöst wurde, ist etwas, durch das man normalerweise allein durchkommt, aber eben nicht immer. Es ist durchaus nicht ungewoehnlich, dass ein Kind erst ein paar Jahre spaeter auf die Scheidung reagiert. Bei Ihrem Sohn kommt ja noch dazu, dass er jetzt gerade in das Alter kommt, wo er abstrakter denken kann und somit die Scheidung, die Unterschiede in den beiden Haushalten usw. auf einer neuen Ebene wahrnimmt und interpretiert. Wenn kleine Kinder anfangen, "neue Fertigkeiten" auszuprobieren (wie laufen, nein sagen, Dinge verstecken usw.) findet man das eher "suess" - wenn werdende Jugendliche anfangen ihre neuen Fertigkeiten - abstraktes Denken, diskutieren, Widersprueche finden und ausnutzen usw - auszuprobieren, ist das weniger "suess" und eher frustrierend - aber eigentlich aehnlich.

 

Es koennte durchaus sein, dass Ihr Sohn Symptome einer postraumatischen Belastungsstoerung entwickelt. Andererseits sagen Sie ja, dass aehnlich Symptome schon vor der Trennung existierten - und jetzt auf der hoeheren kognitiven Ebene erneut auftreten. Eine weitere Vermutung ist, dass Ihr Sohn an Depressionen leidet, die sich bei Kindern oft eher durch Wut, Aggressionen (auch verbal) und allgemeiner Unzufriedenheit zeigt, als durch depressive Stimmungen. Allerdings koennte es sich auch um eine dissoziale Stoerung handeln, wenn Ihrem Sohn die Gefuehle der anderen Menschen tatsaechlich relativ egal sind. Um da genauer zu wissen, was mit Ihrem Sohn los ist, waere es wahrscheinlich sinnvoll, einen Termin zur Diagnostik bei einem Psychologen oder Facharzt fuer Psychiatrie/Psychosomatik zu machen. Denn je nachdem, was fuer eine Diagnose Ihr Sohn hat bieten sich verschiedene Interventionen an. Wenn Sie Fragen zu den einzelnen Stoerungen haben, beantworte ich diese gerne.

 

Wenn Ihr Sohn tatsaechlich sehr intelligent ist, dann faengt oft auch die Pubertaet auf der kognitiven Ebene frueher an und Sie koennen ihn in einigen Bereichen wie einen Jugendlichen behandeln. Dazu wuerde ich vorschlagen, dass Sie einen "Vertrag" mit ihm abschliessen, wie der Alltag gestaltet wird, was fuer Grenzen und Konsequenzen es gibt usw. Damit vermeiden Sie Diskussionen und damit oft die Frustration und emotionale Erschoepfung, die man als Erwachsener spuert, wenn man der endlosen Energie eines jungen Menschen gegenueber steht, der das gleiche Argument auch in der 100sten Variation immer noch spannend findet, wenn man als Erwachsener nach 3x genug hatte. Sie koennen ein moegliches Format fuer einen "Vertrag" hier runterladen: http://neu.annegret-noble.com/buecher/

 

Es ist nicht ungewoehnlich, dass die Regeln und Erwartungen in den beiden Elternhaeusern nach der Scheidung unterschiedlich sind. Dafuer muessen Sie sich nicht rechtfertigen. Die beste Antwort ist da eher: "Ja, das ist unfair und hier machen wir das so" (ohne sich auf eine Diskussion einzulassen).

 

Sie haben absolut Recht, dass Sie Zeit fuer sich brauchen, denn wenn sie gestresst sind, wird es schwer ruhig zu bleiben wenn Ihr Sohn "provoziert." Wenn Ihr Sohn Ihnen diese durch sein Verhalten nicht goennt, dann sollte er Sie fuer Ihre Zeit "bezahlen" - Sie entscheiden, was eine Stunde Ihrer Zeit kostet, und das z.B. vom Taschengeld abziehen oder etwas verkaufen, was ihm gehoert, um Sie dafuer zu bezahlen, dass Sie "Ihre" Zeit mit ihm verbringen muessen. Dabei sollte es auch "seine Zeit" geben, in der es um ihn und seine Beduerfnisse geht - wo Sie z.B. gemeinsam fernsehen oder kochen oder etwas anderes zusammen tun (ausser Probleme diskutieren).

 

Je weniger Ihr Sohn Ihre Emotionen bestimmen kann, je emotional distanzierter Sie also sein koennen, desto einfacher wird es fuer Sie alle sein. Das ist nicht "kalt" und bedeutet nicht, dass Sie ihn nicht liebhaben. Es bedeutet nur, dass Sie fuer sich, Ihr Leben, Ihre Gefuehle und Ihre Reaktionen verantwortlich sind - nicht Ihr Sohn. Einerseits moegen Kinder das Gefuehl von "Macht" wenn sie sehen, ,dass sie die Gefuehle der Eltern "bestimmen" koennen, andererseits ist das etwas beaengstigendes, dass man die Eltern so "leicht" manipulieren kann (denn die Eltern sollen ja die Starken sein, diejenigen, die einen beschuetzen und all die Antworten haben). Dabei ist es auch wichtig, dass Sie alle eventuellen Schuldgefuehle loslassen, denn Eltern mit Schuldgefuehlen sind hochwertig manipulierbar. Die meisten Kinder wissen schon im Alter von 2-3 Jahren, dass man alles bekommt, was man will, wenn man die Mutter dazu bringt, sich schuldig zu fuehlen. Vergeben Sie sich selbst fuer die Dinge, die Sie falsch gemacht haben koennten. Sie sind menschlich. Sie haben Fehler gemacht und Sie haben wahrscheinlich auch sehr viel richtig gemacht. Darum hier Information zur Vergebung:

 

 

Manchmal macht alleine die Erinnerung an bestimmte Menschen wütend. Das bedeutet normalerweise, dass diese Menschen einem in der Vergangenheit ein Unrecht angetan oder einem wehgetan haben. Die Erfahrung, dass der Gedanke XXXXX XXXXX Menschen einen wütend macht, bedeutet, dass diese Menschen immer noch eine gewisse Macht über jemanden und seine Gefühle ausüben. Diese Macht kann man einem Menschen nur wieder wegnehmen, wenn man ihm vergibt. „Moment,“ sagen Sie jetzt wahrscheinlich, „Ich will diesen Menschen aber gar nicht vergeben. Sie haben mir weh getan. Warum sollte ich ihnen vergeben?“ Natürlich musst man einem Menschen, der einem ein Unrecht antut nicht vergeben, aber wenn man ihm nicht vergibt, dann gibt man ihm Macht über die eigenen Gefühle und damit über das eigene Leben. Viele Menschen denken, dass Vergebung ein Gefühl ist, und dass man nicht vergeben kann, wenn man dieses Gefühl nicht hat. Diese Annahme stimmt aber so nicht. Vergebung ist zwar auch ein Gefühl, aber vor allem ist Vergebung eine Entscheidung. Und die Entscheidung zu vergeben hilft demjenigen, der vergibt, sehr viel mehr als demjenigen, dem vergeben wird. Hier die Phasen des Vergebungsprozesses:

Als erstes ist da die verletzende Tat oder das Vergehen. Es wurde einem etwas angetan, das falsch, ungerecht und schmerzhaft war. Dabei ist es unwichtig, wie schwerwiegend die Tat war. Die erste Reaktion des Verletzten ist es, den Schuldigen zur Verantwortung ziehen zu wollen. Die meisten Menschen haben ein tiefes Bedürfnis nach Gerechtigkeit und Wiedergutmachung. Darum widerstrebt Vergebung dem gesunden Menschenverstand erst einmal. Redensarten wie „Vergeben und vergessen“ helfen da wenig, denn sie bestätigen (zu Unrecht), dass Vergeben gleichzusetzen ist mit dem Ignorieren eines Unrechts. Vergeben bedeutet aber in keinster Weise , dass man die Tat vergisst oder einfach über sie hinwegsieht. Das menschliche Gehirn ist ohnehin nicht in der Lage, ein erlebtes Unrecht zu vergessen, und damit ist diese Redensart unsinnig.

Manchmal wird ein Täter bestraft und dadurch das Bedürfnis des Verletzten nach Gerechtigkeit zumindest teilweise gestillt. Ein Gerichtsprozess, eine Haftstrafe oder ein Urteil, das das geschehene Unrecht öffentlich macht, helfen da oft ein bisschen. Aber letztendlich fühlt der Täter weder den Schmerz, den er einem anderen zugefügt hat, noch kann er die Tat zurücknehmen. Der Schmerz und die Verletzung bleiben und beeinflussen das Leben, das Verhalten und die Entscheidungen des betroffenen Menschen oft noch jahrelang.

Wenn man ein Unrecht erlebt, spürt man als erstes Schmerz. Von einem leichten Ziehen im Brustbereich bis hin zur rohen Verzweiflung. Je nach Art des Vergehens spürt man diesen Schmerz nur, wenn man sich an die Tat erinnert, oder er ist so überwältigend, dass er zum Teil des täglichen Lebens wird. Vielen Menschen wird dieses Gefühl des Verletztseins zu viel, und sie werden wütend. Diese Wut ist angebracht und oft hilfreich. Sie beschützt einen davor, sich wieder in eine ähnliche Situation zu begeben und nochmals verletzt zu werden. Sie erlaubt es einem sich gegen den lähmenden Schmerz zu wehren und im täglichen Leben zu funktionieren. Die Wut macht stark genug, den Täter zu konfrontieren, die Polizei zu rufen, oder während der Gerichtsverhandlung etwas zu sagen.

Und dann? Dann bleibt man entweder im Schmerz oder in der Wut stecken. Diese Gefühle prägen dann das Leben. Sie beeinflussen alle Erlebnisse und Beziehungen. Oft scheint sich die Person gar nicht mehr erinnern zu können, dass das Leben einmal anders aussah und sich vor allem anders anfühlte. Sind Sie schon einmal jemandem begegnet, der in der Wut steckengeblieben war? Wollten Sie Zeit mit diesem Menschen verbringen? Wahrscheinlich nicht. Diese Menschen sind normalerweise bitter und pessimistisch. Sie sehen nur das schlechte im Leben und in anderen Menschen. Sie kritisieren alles und jeden und finden auch an einem wunderschönen sonnigen Sommertag etwas auszusetzen. Sie haben keine wirklichen Freunde und können sich über nichts von Herzen freuen. Sie hegen ständig Rachegedanken und sehen auch in unschuldigen Missverständnissen böse Absichten. Aus Menschen, für deren Schicksal man Mitleid empfand, sind Menschen geworden, die keiner wirklich mag.

Dann gibt es diejenigen, die nach der Verletzung im Schmerz stecken bleiben. Diese Menschen sind normalerweise deprimiert, depressiv, müde, und erschöpft. Und wenn man Zeit mit ihnen verbringen, fühlt man sich danach genauso. Sie sehen sich als ständige Opfer und haben das Gefühl, dass die Welt darauf aus ist, ihnen wehzutun oder ihnen weiteres Unrecht zuzufügen. Jedesmal wenn man ihnen vorschlägt, wie sie ihr Leben verbessern oder sich einfach nur besser fühlen könnten, dann antworten sie: „Ja, aber....“ Und beschreiben ausführlich, warum der Vorschlag sowieso nicht umsetzbar ist, warum deine Idee von Anfang an unsinnig war, und warum alle Versuche, etwas Freude in ihr Leben zu bringen, ganz sicher fehlschlagen werden. Nach einem solchen Gespräch fühlt man sich hilflos, frustriert, entmutigt und ausgelaugt und man hat das Gefühl im Bauch, dass diese Menschen sich nicht wirklich besser fühlen wollen, dass sie irgendwie ganz zufrieden sind in ihrer Misere.

Wenn jemand bitter, wütend und unglücklich ist und sich dann entscheiden würde, seine Rachegedanken loszulassen und zu vergeben, würde er damit demjenigen helfen, der ihm wehgetan hat oder sich selbst? Und jemand, der traurig, unzufrieden, einsam und erschöpft ist – wenn er sich dazu entscheiden würde, die Opferrolle aufzugeben, würde er damit demjenigen helfen, der ihn zum Opfer gemacht hat oder sich selbst? Normalerweise weiss der Täter nicht einmal, dass die verletzte Person wütend oder traurig ist und falls er es weiss, dann betrifft es ihn oft wenig. Ein weiser Mensch sagte einmal, dass Rachegedanken wie ein Gift sind, das man selbst trinkt, in der Hoffnung, dass es den anderen umbringt. Leider vergiftet man damit nur sich selbst und sein Leben.

Um vergeben zu können, muss man sich erlauben, das Vergehen in einem größeren Zusammenhang zu betrachten. Was bewegte den Täter? Hat man selbst in irgendeiner Art und Weise zu der Tat beigetragen? Könnte ein Missverständnis zu der Tat beigetragen haben? Gibt es mildernde Umstände? Wiederholte der Täter etwas, das ihm angetan wurde? Diese Fragen und die entsprechenden Antworten entschuldigen weder den Täter noch die Tat. Was geschah, ist auch weiterhin falsch, ungerecht und schmerzhaft. Vergebung bedeutet weder, dass man die Tat vergisst noch dass man so tut, als ob sie nie geschehen sei. Man versucht auch nicht, die entsprechenden Reaktionen und Gefühle „wegzuerklären.“ Wenn man vergibt, dann trifft man die Entscheidung, sein Recht auf Rache nicht länger einzufordern. Man entscheidet sich lediglich, die verständlichen und gerechtfertigten Rachegedanken loszulassen, damit man nicht länger im Schmerz oder in der Wut steckenbleibt. Das eigene Leben wird dadurch besser. Dabei ist es eigentlich unwichtig, ob man dem Täter mitteilt, dass man ihm vergeben hat oder nicht. Vergebung ist ein einseitiger Prozess, eine Einbahnstrasse. Die Beziehung zum Täter wird durch das Vergeben nicht automatisch repariert. Wenn der Täter eine Strafe ableistet, bedeutet Vergebung nicht, dass die Strafe erlassen wird. Wenn es ein Urteil gab, dass den Täter schuldig sprach, dann bedeutet Vergebung nicht, dass er freigesprochen wird. Vergebung bedeutet, dass das Leben des Verletzten nicht mehr ausschliesslich von dem Bedürfnis bestimmt wird, dass der Täter den gleichen Schmerz empfindet, den der Verletzte spüren muss.

Manchmal ist Versöhnung möglich und wünschenswert. Zur Versöhnung gehören aber zwei. Im Idealfall entschuldigt sich der Täter und bittet um Vergebung. Dann vergibt der Betroffene und die Beziehung kann repariert und erneuert werden. Manchmal ist Versöhnung nicht möglich oder vielleicht sogar unklug. Wenn der Täter die Tat nicht bereut oder gar die Tat rechtfertigt, dann ist Versöhnung nicht wirklich möglich. In diesem Fall ist es ausserdem wahrscheinlich, dass die Person in Zukunft die gleiche oder eine ähnliche Tat begehen wird. Je nach Tat kann es darum unklug sein, sich mit dem Täter zu versöhnen und sich damit einer erneuten Verletzung auszusetzen. Frauen, die von ihren Partnern geschlagen werden, vergeben oft schnell und wollen sich sofort wieder versöhnen. Nur um dann wieder geschlagen zu werden. Vergebung ist nötig, damit das Leben für den Verletzten weitergehen kann. Versöhnung ist ein möglicher nächster Schritt, wenn alle betroffenen Personen bereit sind, sich und ihr Verhalten zu ändern, um eine gesunde Beziehung zu schaffen, in der es nicht regelmässig zu Verletzungen kommt.

 

 

 

Und wenn mann sich selbst vergeben muss, weil man selbst der- oder diejenige ist, dem man am meisten wehgetan hat? Der Prozess ist genau der gleiche. Als erstes muss man aufhören, sich selbst bestrafen zu wollen. Menschen werden sehr kreativ, wenn es darum geht, sich selbst zu bestrafen. Manche sind eher offensichtlich, sie ritzen sich, sprechen über Selbstmord, gönnen sich nichts gutes, machen sich alle positiven Beziehungen kaputt und umgeben sich mit negativen und gemeinen Menschen. Andere sind schwerer zu erkennen. Da ist die Mutter, die darin aufgeht, dass sie für andere sorgt, sich aber ständig die eigenen Bedürfnisse untersagt. Sie wird für ihre Selbstaufopferung bewundert. Da ist der harte Arbeiter, der von allen respektiert wird. Er ist morgens da bevor die Kollegen kommen und geht abends als letzter nach Hause. Aber eigentlich tut er das alles nur damit er keine Zeit hat, darüber nachzudenken, was für ein schlechter Mensch er seiner Meinung nach wirklich ist. Selbstbestrafung ist sehr viel weiter verbreitet als man oft annimmt. Manchmal können Menschen nicht annehmen, dass ihnen vergeben worden ist. Auch wenn andere keine Rachegedanken mehr hegen, können sie sich selbst ihr Verhalten nicht vergeben. In diesem Fall kann man die Vergebung eines anderen erst akzeptieren, wenn man sich selbst vergeben hat.

Wie vergibt man sich also selbst? Als erstes gibt man zu, dass das eigene Verhalten falsch war. Dann spürt man den Schmerz, die Trauer, die Wut und die Frustration, die das eigene Verhalten hervorgerufen hat. Danach entscheidet man, sich zu vergeben. Dazu muss man sich die Umstände der Tat genauer anschauen und verstehen, was passierte. Was waren die Beweggründe? Die mildernden Umstände? Wenn man sich dann entscheidet zu vergeben, muss man gleichzeitig akzeptieren, dass einem vergeben wurde. Dazu gehört oft auch, dass man akzeptiert, dass man ein Mensch ist, der es Wert ist und es verdient hat, dass ihm vergeben wird. Gibt es Menschen, denen nicht vergeben werden kann? Bedenken Sie dabei, dass Vergebung nicht wirklich demjenigen hilft, dem vergeben wird, sondern demjenigen, der vergibt. Wenn es Menschen gibt, denen nicht vergeben werden kann, gibt es Menschen, die niemals vergeben dürfen und damit keinen Ausweg haben aus der Misere ihrer Wut oder ihres Opferdaseins. Wenn sie nicht vergeben dürfen, sind sie dazu verurteilt, zu bitteren oder hilflosen Menschen zu werden – und das alles nur weil ihnen wehgetan wurde. Falls Sie an dieser Stelle das Gefühl haben, steckengeblieben zu sein und nicht weiterzukommen, sollten Sie das Thema der Vergebung und vor allem der Selbstvergebung wahrscheinlich mit Hilfe eines Therapeuten oder Seelsorgers durcharbeiten.

Falls Sie entscheiden, dass Vergebung tatsächlich die beste Lösung ist, dann sollten Sie im Fall der Selbstvergebung immer auch auf Versöhnung hinarbeiten. Sie sollten sich darum bei sich selbst entschuldigen und diese Entschuldigung natürlich auch annehmen. Danach koennen Sie dann mit sich selbst aussöhnen, mit sich selbst Frieden schliessen und letztendlich mit sich selbst ins Reine kommen. Fehler sind menschlich. Wenn Sie sich für Fehler nicht vergeben koennen, werden Sie wahrscheinlich in Ihrem Schmerz oder Ihrer Wut steckenbleiben und Ihr Leben (und das Leben der Menschen in Ihrer Umwelt) wird recht unglücklich sein.

 

Auch wenn die letzte Erfahrung mit einem Kinderpsychologen nicht hilfreich war, waere es wahrscheinlich sinnvoll, das nocheinmal zu probieren - mit jemand anderem.

Um relativ schnell einen Termin zur Diagnostik und/oder zur Therapie zu bekommen, wenden Sie sich am besten an eine nahegelegene psychotherapeutische/ psychiatrische ambulante Fachklinik, an eine Universitätsklinik mit einer psychotherapeutischen/ psychiatrischen Ambulanz oder an ein psychotherapeutisches Ausbildungsinstitut. Es dauert oft recht lange (wie Sie wahrscheinlich wissen), um einen Termin bei einem niedergelassenen Psychologen zu bekommen, aber auch das waere eine Moeglichkeit. Fragen Sie dazu bei Ihrer Krankenkasse nach einer Liste von geeigneten Therapeuten. Hier finden Sie ebenfalls Listen von Therapeuten (mit und ohne Kassenzulassung) nach Postleitzahl geordnet:

http://www.psychotherapiesuche.de/therapeutensuche
http://www.netzwerk-psychotherapie.de/
http://www.therapeuten.de/

http://www.therapeutenfinder.com/therapeuten/


Wenn Sie weitere Fragen zu konkreten Massnahmen haben, wie man den Alltag mit einem werdenden Jugendliche einfacher macht, beantworte ich die gerne, aber Ihre Frage war ja, was SIE machen koennen, damit Sie besser mit Ihrem Sohn umgehen koennen, darum habe ich mich in meiner Antwort darauf konzentriert.



Ich hoffe, dass Ihnen meine Antwort in ihrer Kürze geholfen hat und beantworte auch gerne eine Anschlussfrage. Ich wünsche Ihnen viel Mut und Erfolg bei den nächsten Schritten.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

Wenn meine Antwort Ihren Vorstellungen entspricht, bitte ich Sie, nicht zu vergessen das Honorar (durch Anklicken von "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank.



InternetCoach, Psychologin
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1449
Erfahrung: Familientherapeutin, Drogenberatung, Erziehungsberatung
InternetCoach und weitere Experten für Psychologie sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 4 Jahren.
Guten Morgen Frau Noble,
vielen Dank für Ihre Antwort. Da ich mich von meinem Lebenspartner getrennt habe und gar keine großartige Wut auf ihn habe, ist ihre Antwort darauf nicht für mich zutreffend.

Der Rat mit dem Vertrag finde ich sehr gut, das werde ich auf jeden Fall ausprobieren.
Ihre Vermutung bzgl. Depressionen kam mir auch schon in den Sinn. Er ist oft schlecht gelaunt, kein wirklich fröhliches Kind (noch nie!). Allerdings hat er viele Freunde, obwohl sein soziales Verhalten nicht gut ist. Er hat einen extrem starken Willen und wenn was nicht nach seinem Kopf geht, kann er richtig "ausflippen", bis hin zu gegen die Tür springen, Sachen werfen etc. Er weint auch oft vor Wut und Zorn. Da kommt auch keiner mehr an ihn ran. Dieses Verhalten ging allerdings schon mit 2 Jahren los und im Kindergarten hatten wir ja auch schon diese Probleme. Da er sich in dem letzten Halbjahr um eine Note in fast jedem Fach verschlechtert hat, muss dies ja auch eine Ursache haben und da dachte ich evtl. an die Folgen der Trennung. Die schlechten Noten machen ihm auch nicht viel aus. Er ärgert sich kurz und dann ist auch gut.
Früher waren ihm die anderne Menschen ziemlich egal, mittlerweile hat sich dies schon geändert, allerdings ist er immer noch sehr "ich-bezogen".
Da es Unmengen an Psychologen gibt, bitte ich Sie, mir vielleicht eine Fachrichtung
zu empfehlen. Wie soll man bei dem "Angebot" den richtigen Therapeuten finden ?

Vielen Dank.
Susanne Rieger
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.
Sehr geehrte Fragestellerin,
vielen Dank fuer die akzpetierte Antwort.
ich wuerde Ihnen eine/n Kinder- und Jugendpsycholog/in mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie empfehlen. Wie gesagt, bei einem Ausbildungsinstitut oder einer Ambulanz bekommt man oft schneller einen Termin als wenn Sie bei der Krankenkasse nachfragen.
Mit freundlichem Gruss, Annegret Noble

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