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diplompsychologe
diplompsychologe, Dipl- Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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Liebes Team, mein Sorgenkind ist meine 11-jährige Tochter.

Kundenfrage

Liebes Team,
mein Sorgenkind ist meine 11-jährige Tochter. Sie ist schon immer ein relativ ängstliches Kind. Daher suchte sie auch nachts häufig die Nähe von uns als Eltern. Leider wurde es mit zunehmendem Alter immer gravierender, sodass sie mit acht Jahren eigentlich ständig im Bett von uns als Eltern schlafen wollte. Vor einem Jahr versuchten wir immer und immer wieder, sie davon zu überzeugen, dass sie in ihrem Bett schlafen solle, wir haben uns zu ihr gelegt bis sie eingeschlafen war. Ab Frühjahr schlief sie dann sogar allein in ihrem Bett ein. Nun haben mein Mann und ich uns im Sommer letzten Jahres getrennt und unsere Tochter als auch wir leben das Wechselmodel, eine Woche ist Anna bei mir, eine Woche bei meinem Mann. Wir waren uns alle einig, dass jeder in seinem Bett schläft. Seit September habe ich mit Anna von Woche zu Woche größere Probleme hinsichtlich des Schlafens. Sie ist nicht bereit, allein ins Bett zu gehen geschweige denn allein dort zu schlafen. Gestern bekam ich von ihr die Antwort, dass sie bei Papa ja auch mit in seinem Bett schlafen darf, was er mir heute auch bestätigte. Anna kommt in die Pubertät und ich finde es nicht normal, dass ein Kind in dem Alter noch bei Vater oder Mutter im Bett schlafen möchte, bzw. gar nicht allein schlafen kann. In der Woche, in der sie bei mir ist, sind wir leider inzwischen wieder soweit, dass sie nur einschläft, wenn ich neben ihr liege. Wird sie nachts munter, ruft sie und ich muss wieder so lange bei ihr bleiben bis sie eingeschlafen ist. Seit einigen Wochen verlangt sie eben nun auch, dass ich gänzlich bei ihr schlafe und sie weigert sich regelrecht in den Schlaf zu finden. Sie begründet die Angst vorm Einschlafen mit Angst, dass jemand in die Wohnung einbrechen könnte. Wir haben ihr mehrfach erklärt und auch gezeigt, dass diese Angst nicht begründet ist und wir immer in ihrer Nähe sind. Ich weiß nicht mehr weiter, wie ich ihr helfen kann. Dass sie insbesondere in der Zeit der Trennung die Nähe ihrer Eltern sucht, verstehe ich. Wir kuscheln und reden auch sehr viel. Jedoch bin ich der Meinung, dass das Schlafproblem dringend gelöst werden muss. Haben sie einen Tipp für uns?
Herzliche Grüße,

Sandra H.
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte Fragestellerin,

Vielen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen und die offene Fragestellung. Ich möchte mich bemühen Ihnen punktuell eine Hilfestellung zu geben.

Ich kann Ihre Sorgen verstehen und Ihre Tochter kann wohl sich zu Recht glücklich schätzen, dass Sie eine Mutter hat die sich Gedanken macht und Ihre Tochter begleitet. Leider ist es nicht immer so und leichtfertig werden Trennungsprobleme bzw. in diesem Zusammenhang stehende Ängste mit vorübergehender Verhaltensauffälligkeiten erklärt ohne dabei zu bedenken, dass daraus weitreichende Schwierigkeiten auch letztendlich Schulprobleme wie eine Schulphobie entstehen kann (nicht zwangsläufig muss).
Hinter einer massiven Trennungsangst, um die es sich hier eventuell handeln könnte = Angst allgemein zu verstehen, steckt immer eine Ursache d.h. ein ernstzunehmendes und behandlungsbedürftiges Problem.

Es ist jedoch immer darauf zu achten, dass man im Rahmen der Angst man wesentliche Dinge unterscheidet, die auch für die Behandlung oder Nichtbehandlung von gravierender Bedeutung sind.

Im Folgenden möchte ich Ihnen ein Mal versuchen, etwas Licht ins Dunkel dieser Thematik zu bringen und vielleicht können Sie ja dadurch schon durch den besseren Umgangs bzw. dem "Mehrwissen" Ihrer Tochter besser hilfreich zur Seite stehen.

Trennungsängste sind zunächst ganz normale Ängste und sind in jeder kindlichen Entwicklung (Angst vorm Dunkeln, vor dem Einschlafen und schlechten Träumen usw.), aber auch bei Erwachsenen (z.B. Trennung vom Lebenspartner) Bestandteil gewöhnlicher Lebenserfahrung. Insbesondere Kleinkinder haben Trennungsängste. Trennungsängste vermindern sich mit zunehmendem Alter (Sechsjährige leiden doppelt so viel unter Trennungsängsten, wie Zehnjährige.)

In der beobachtbaren kindlichen Entwicklung treten am frühesten Separationsängste (Trennungsängste und Verlustängste) bei Kindern auf. Mit der Vergrößerung des Wahrnehmungsbereiches ergeben sich auch zusätzliche Angstreize. Das heißt, die angstmachenden Situationen werden mehr. Die Trennungsangst wird besonders stark im Dunkeln und beim Alleinsein (Einschlafschwierigkeiten, Schlafstörungen, nächtliche Angstattacken). Nach Freud ist die Trennungsangst der Schlüssel für alle neurotischen Ängste. Nach Bolwby ist die Trennung von der geliebten Person oder deren Verlust, der mögliche Schlüssel für alltägliche Ängste des Kindes. Weitere Psychologen gehen davon aus, dass alleine Eltern dafür verantwortlich sind und unbewusst bzw. durch bewusste Handlungen (zu langes klammern und nicht los lassen wollen) Ihre eigene Angst (die vlt. auch schon seit der Kindheit oder durch eine aktuelle Trennungsproblematik bei den Eltern vorliegen könnte) übertragen wird und das Kind damit völlig überfordert ist. Hat das Kind schon einen gewissen Grad an Autonomie erlangt, dominiert die Angst davor, die Zuneigung der Eltern verlieren zu können. Nach und nach kommt die Angst vor Strafe dazu. Darüber hinaus verinnerlicht das Kind im Laufe der Entwicklung die Forderungen der Eltern und die sozialen Regeln ("ich meine als Kind es allen Elternteilen Recht machen zu müssen, ansonsten fühle ich mich schlecht" oder "ich als Kind muss die Verantwortung für das Gelingen des Elternzusammenlebens = eine glückliche Familie übernehmen").

Angst steht manchmal versteckt hinter der Konkurrenz und dem Wettbewerb etwa durch die Notenzensur aber auch durch Geschwisterrivalität, die bei vielen Kindern nur deshalb "motivierend" wirken, weil diese - meist sozialisationsbedingt - Angst haben vor dem Verlieren oder dem Unterliegen, Angst vor einer Blamage oder gar Angst vor der Einschränkung ihrer existentiellen Möglichkeiten in Form von Zukunftsangst haben bzw. als "Außenseiterin" da zu stehen.

· Angst haben müssen, verlassen zu werden (real oder weil Mutter/Vater selbst diese Angst hat, darüber spricht, oder weil die Phantasie darüber besteht),

· Angst haben, sich selbst überlassen zu werden (real oder weil Eltern diesbezüglich Schuldgefühle äußern).

· häufig am Tag mit Gewalt und Bedrohungen konfrontiert werden (real oder z. B. im Fernsehen und diese nicht verarbeitet werden können).

Die Ängste werden stärker, wenn das Kind für sie bestraft oder verspottet wird, oder wenn es dafür übermäßig viel Zuwendung erfährt.

Was können Sie tun?

Sie können versuchen mit der Pädagogin in der Schule zu sprechen und eventuell bekommen Sie ja dort auch zumindest erst ein Mal zeitnahe Unterstützung vor allem im Rahmen der Prävention, denn eine Trennungsangst kann bis hin zu einer sich manifestierenden Schulphobie führen. Eine weitere Möglichkeit ist die Hilfe über den Sozialpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamtes meist untergliedert in Kinder u. Jugendbereich und/ oder Erwachsenenbereich zu erhalten, denn dort sind speziell ausgebildete Psychologen vor Ort ggf. auch schnell einen Termin zu bekommen.

Sie haben, bedingt durch das Lebensalter Ihrer Tochter, d.h. unter 18 Jahre noch das alleinige Mitspracherecht und sollten dies auch nutzen. Hier ist jedoch immer die Voraussetzung, dass Ihre Tochter bereit ist sich helfen zu lassen, zur Einsicht gelangt, dass sich Ihr Verhalten verändern sollte und Sie dahingehend auch von Ihnen motiviert werden kann (auch begleitet und unterstützt).

Wichtig ist erst ein Mal aus meiner Sicht, die Ursachen fachlich adäquat diagnostisch abklären zu lassen. Denn irgendwoher müssen die Verhaltensauffälligkeiten/ Ängste und Problem ja herkommen. Jedoch muss man erst ein Mal konkret wissen, worum es sich genau handelt (z.B. liegt schon eventuell eine psychische Störung vor oder nicht ect.) um dann entsprechende weiterführende Behandlungen durchführen zu können.

Sie können sich auch an einen ambulant niedergelassenen Kollegen (Psychologin oder Psychologen für Kinder- und Jugendpsychotherapie) in Ihrer Nähe wenden und einen Termin ausmachen. Aus meiner Sicht eher im verhaltenstherapeutischen Therapiekontext. Die Kosten dafür werden im Regelfall von der Krankenkasse übernommen. Über die Krankenkasse erfahren Sie auch ohne Probleme welche Kollegen für eine psychotherapeutische Behandlung in Ihrem Umfeld hierfür in Frage kommen. Des Weiteren können Sie und meist geht es da mit Terminen wesentlich schneller, sich an ein in der Nähe befindliches psychotherapeutisches Ausbildungsinstitut für verhaltenstherapeutische Psychotherapie im Bereich Kinder und Jugend wenden (einfach in eine Suchmaschine eingeben z.B. psychotherapeutische Ausbildung für Kinder und Jugend Verhaltenstherapie + entsprechendem Ort in Ihrer Nähe z.B. München) und diese Institute haben in der Regel immer eine Institutsambulanz oder Sie können auch an jeder größeren Universitätsklinik einen Termin in einer psychotherapeutischen/ psychiatrischen Ambulanz vereinbaren.

Es besteht für Sie auch die Möglichkeit sich einer Selbsthilfegruppe für Angehörige (Eltern) auch für z.B. verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche anzuschließen. Hierzu erfahren Sie mehr über Gruppen in Ihrer Nähe über sogenannte Selbsthilfekontaktstellen und Ihre Krankenkasse. Natürlich können Sie sich auch im Internet bestimmten hierzu bestehenden Foren im Internet besuchen u.a.

www.selbsthilfenetz.de/,

www.eltern.de/,

www.angstportal.de/Trennungsangst.de,

http://www.imedo.de/

Es ist wichtig, wenn Sie Ihrer Tochter weiter helfen wollen sich Informationen zu beschaffen und wenn Sie dies zu sehr belasten sollte, sich auch umgehend z.B. psychologische Hilfe zur Begleitung suchen. Dies kann auch über eine Erziehungsberatungsstelle in Ihrer Nähe geschehen und die Beratung ist hier in der Regel kostenlos und es gibt dort häufig sehr schnell einen Termin. Des Weiteren ist der Weg über das Jungendamt der richtige, denn Sie haben auch ein Recht als Eltern auf die Hilfe zur Erziehung (Erziehungsbeistand).

Als letzten Hinweis den ich mir noch erlauben möchte zu geben ist Ihnen ein gutes Buch zu diesem Thema zu empfehlen. Es heißt ganz einfach Trennungsangst und ist von Franz Petermann und befasst sich genau mit dieser Thematik.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meinen Ausführungen weiter helfen und wünsche Ihnen für Ihren weiteren Weg alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen

Die Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.

Ich möchte Sie bitten, so Ihnen die Antwort meinerseits, entsprechend Ihrer Vorstellungen zugesagt hat, nicht zu vergessen das fällige Honorar (durch Klick auf den Button "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank

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