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diplompsychologe
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Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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Guten abend! Mein Onkel hat Schizophrenie,und er will nicht

Kundenfrage

Guten abend! Mein Onkel hat Schizophrenie,und er will nicht mehr zum Arzt gehen um seine Spritzen zu holen und seine Medikamente möchte er auch nicht mehr nehmen! Was kann man jetzt noch machen? Er geht seit 2wochen garnicht mehr aus dem Haus,und hat angst umgebracht zu werden!
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 5 Jahren.

Sehr geehrte Fragestellerin,

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre offene und vertrauensvoll gestellte Frage.

Es ist sehr lobenswert, dass Sie sich so um Ihren Onkel Sorgen machen und in Anbetracht der Diagnose ist hier auch drinender Handlungsbedarf gegeben.

Leider ist es nach den allgemein gültigen Regeln so, dass der Betroffene selber seine Bereitschaft erklären muss und somit in die "Behandlung und Hilfe" einwilligen muss (auch sollte). Sollte jedoch eine akute Eigen- und Fremdgefährdung durch Ihren Onkel bestehen, so haben Sie stets die Möglichkeit den Sozial Psychiatrischen Dienst des Wohnorts (Landkreises) zu informieren bzw. in ganz akuten Fällen den Notarzt zu rufen und Ihren Onkel nach PsychKG (in Deutschland) auch gegen seinen Willen einweisen zu lassen. Bitte bestehen Sie mit allem Nachdruck darauf, denn Polizei nur bedingt, jedoch der Notarzt auf jeden Fall kann/ muss auch Zwangseinweisen auf Grund seiner fachlichen Berechtigung. Dieser Notarzt ist ggf. auch berechtigt, mit der Polizei, so sich Ihr Onkel weigern sollte die Tür auf zu machen, die Tür gewaltsam zu öffnen.

Es ist ungeheuer wichtig und auch um weitere Gefährdungssituationen auszuschließen, dass Ihr Onkel seine Medikation nimmt. Wenn er dazu nicht mehr in der Lage ist auf Grund schizophrenieypischer Wahnvorstellungen und ähnlichem, ist hieraus ein weiterer Eigengefährdungsgrund abzuleiten und wenn es zu einer völligen Realitätsverkennung kommt, verkennt vlt. Ihr Onkel Sie noch und meint Sie wollten Ihn auch umbringen. Bitte achten Sie hier auch auf Ihre Belastungsgrenzen im psychischen sowie im physischen Bereich.

Aus meiner Erfahrung in der praktischen Arbeit hat sich sehr oft gezeigt, das ein "mit schwimmen" im Wahn (Psychose) häufig besser ist, als gegen den Wahn des Angehörigen (Partners) anzukämpfen und eventuell noch eine Eskalation zu riskieren. Sie sollten Wissen, dass Ihr Mann an das was er sagt glaubt und davon überzeugt ist und Sie können nur das Eine tun, z.B. die regelmäßige Medikamenteneinnahme kontrollieren. Viel darüber zu streiten, vlt. noch Vorhaltungen zu machen in Form, "das ist doch alles nicht die Wahrheit bzw. es gibt doch keinen Gott usw." hilft rein gar nichts.

 

Anhand meiner Erfahrungen habe ich Ihnen nachfolgend ein klein wenig Hilfsmaterial zusammengestellt und Sie können vlt. dies für den alltäglichen Umgang mit Ihrem Mann nutzen.

 

1. Auf sich selbst achten und Orientierung geben
Wenn eine Psychose mit einer Verunsicherung des inneren Selbst, vielleicht auch mit dem Verlust der eigenen Grenzen einhergeht, dann macht es keinen Sinn, wenn Mitmenschen „selbstlos" sind und handeln. Es ist zwar wichtig, Rücksicht zu nehmen und die Erkrankten immer wieder so selbstverständlich wie möglich ins Familienleben einzubeziehen.

 

2. Gleichzeitigkeit beachten auf die Entwicklung
Wenn eine Psychose auch so etwas ist wie ein Rückgriff auf frühere Entwicklungsstufen ist, die aktuell (scheinbar) mehr Sicherheit bieten, dann wird so möglicherweise ein tieferer seelischer Konflikt vorübergehend unterlaufen, zugleich aber auch verschärft.

 

3. Chancen sehen das Rätsel zu verstehen
Wenn Psychosen Rätsel aufgeben, dann steckt darin auch für Angehörige die Chance, mehr über sich selbst, die Wahrnehmungen des anderen und die Bedingungen des Zusammenlebens zu erfahren. Das kann schmerzhaft und befreiend sein. Die psychotische Kommunikation ist vielleicht der einzige Ausweg.

 

4. Standhaft sein bei Existenzgefährdung
Wenn eine Psychose zum Verlust der eigenen Grenzen führt, kann das große Gefahr bedeuten. Eher für den Betreffenden selbst, seltener auch für andere.

 

5. Dabei sein (Antel nehmen) durch Geduld und Gelassenheit
Wenn Psychosen mit panischen Ängsten verbunden sind, dann können sich diese quasi "durch die Poren" auf andere übertragen. Das macht es schwer, Notwendiges zu verwirklichen: zuversichtliche Gelassenheit und Geduld, räumliche Geborgenheit, Ruhe ohne neue angstauslösende Reize, körperliche Nähe ohne Grenzüberschreitung, Anwesenheit ohne Forderung.

 

6. Kontakt durch Rückzug als Schutz
Wenn eine Psychose zum Abbruch (fast) aller Kontakte führt, dann kann man das auch als Flucht oderSchutz vor Überforderung durch ein Zuviel an Beziehung(en) verstehen. Das jeweils bekömmliche Maß an Nähe und Distanz kann jeder Mensch nur für sich selbst herausfinden und immer wieder ins Gleichgewicht bringen.

 

7. Balance von Nähe und Distanz
Wenn eine Psychose aus menschlicher Isolation erwächst oder sich darin verstärkt, dann folgt daraus die Notwendigkeit und Schwierigkeit, den Kontakt zu halten oder (wieder) herzustellen. Dazu braucht es oft ein langwieriges Ringen. Angehörige sind in dieser Situation besonders gefordert. Auch scheinbar banale Kontakte können bedeutsam sein, wenn sie „selbstverständlich" sind. Auch seltene Kontakte können Halt geben, wenn sie verlässlich sind. Alltägliche Kontakte zu Nachbarn, zum Postboten oder zu einer Verkäuferin usw. haben den Vorteil, dass sie „ungefährlich" sind.

 

8. Grenzen des Verstehens respektieren
Wenn ein Mensch sich in der Psychose unverständlich macht, so schützt er sich damit auch vor dem Verstandenwerden: Er prüft gewissermaßen das Bemühen der anderen um Verständnis und entflieht gleichzeitig in einen Bereich, in den letztlich niemand folgen kann. Um Verständnis zu ringen, ohne Verstehbarkeit zu fordern, Eigenheit und Schutzbedürfnis zu respektieren, ohne den anderen zu bedrängen, erfordert Gelassenheit und innere Ruhe.

 

Ich hoffe, mit meinen Ausführungen konnte ich Ihnen weiter helfen und wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute.

 

Mit freundlichem Gruß

 

Die Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.

 

Ich möchte Sie bitten, so Ihnen die Antwort meinerseits, entsprechend Ihrer Vorstellungen zugesagt hat, nicht zu vergessen das fällige Honorar (durch Klick auf den Button "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank

 

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