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diplompsychologe
diplompsychologe, Dipl- Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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diplompsychologe ist jetzt online.

Guten Tag!Mein Sohn ist 8j.10m. alt und in der 4. Klasse.Er

Kundenfrage

Guten Tag! Mein Sohn ist 8j.10m. alt und in der 4. Klasse.Er ist ein sehr mitfühlendes intelligentes und beliebtes Kind. Probleme hat er wenn er sich konzentrieren soll. Im Unterricht zuhören, Hausaufgaben machen, seine Schulsachen sortieren, Kleidung wegräumen. Wir lernen für ein Diktat und er mach so gut wie keine Fehler, in der Schule klappt es dann nicht und er schreibt was zwischen 3-4 und 4-5. Bei Mathearbeiten hat er letztes Jahr häufig vergessen einfache!!! Aufgaben zu rechnen, Antworten zu den richtigen Rechnungen zu schreiben usw. In Englisch hatten wir alles von 2+ bis zur 5. Er ist im allgemeinen sehr verträumt und speziell beim fernsehen kaum ansprechbar. Spricht das alles für ADS? Wie können wir ihm helfen seine Noten zu verbessern, außer geregelter Tagesablauf. Z.B. die Konzentration während des Unterrichts zu verbessern? Vielen Dank
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 5 Jahren.

Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage.

Wie viele Eltern geht es auch Ihnen im Umfeld von Kindern, die oft Hilflos und mit Nichtverstehen („er versteht einfach nicht was ich Ihm sage bzw. kann das Verhalten nicht erklären") diesen und anderen Verhaltensweisen die zum Teil auffällig sind gegenüberstehen. Es ist erst ein Mal sehr löblich von Ihnen, dass Sie sich Sorgen machen um Ihren Sohn und dazu besteht aus meiner Sicht auch auf Grund der Verhaltensweisen (auch wenn diese ganz unbedeutend erscheinen mögen) und der berufspraktischen Erfahrung berechtigter Anlass. Denn allzu oft, werden doch schwer nachvollziehbare Verhaltensweisen z.T. auch allgemein nicht so auffälliges Verhalten wie z.B. Tagträumerien, Konzentrationsmangel zu leichtfertig mit den Worten "das ist doch Normalität " auch gerade von Lehrern oder Betreuern beschrieben. Jedoch können diese Verhaltensmuster auch auf tiefgreifende unverarbeitete psychische Belastungen hinweisen oder als Ursache für eine noch nicht behandelte psychische Störung sein.

Das Problem ist nämlich, dass psychische Störungssymptome immer wieder auftreten können, auch wenn es den Betroffenen im Moment gut geht (Besserung in Sicht ist) und Sie keinerlei Beschwerden im Rahmen Ihrer Störungsreaktionen (Verhaltensreaktionen) haben und niemand kann sagen wann es das nächste Mal sein wird. Zum Teil potenzieren sich die Störungssymptome häufig und Sie werden unbehandelt schlimmer und halten länger an und bitte bedenken Sie dabei immer, jetzt ist Ihr Sohn noch zu einem gewissen Maße steuerbar sowie beeinflussbar, es hat noch keine weiterführenden Konsequenzen wegen des Alters gegeben. Aber bitte was ist, wenn Ihr Sohn z.B. 14 wird oder noch Älter ist, was ist dann mit der Schule ect.

Leicht fällt es da den Eltern problembelastete Lehrerbeziehungen heranzuziehen und über einen Schulwechsel nachzudenken. Jedoch sind das nur oberflächliche Reaktionsmuster die nichts mit der ursächlichen Behandlung zu tun haben.
Eine eventuell in Frage kommende Störung (neben einer vielleicht auch eventuellen Entwicklungsstörung oder Wahrnehmungsstörung im Kindesalter) möchte ich mich auf eine Diagnose (die Sie ja Selbst in Ihrer Frage formulierten) beschränken. Diese Diagnose nennt sich ADS (bitte nicht zu verwechseln mit ADHS) und nennt sich Aufmerksamkeit Defizit Syndrom.

ADS - Kinder wirken permanent reizüberflutet und auch wenn es nach außen nicht so erscheint d.h. Sie leiden unter dauerhaftem Stress. Die Fähigkeit zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen zu "filtern" scheint nicht wirklich vorhanden zu sein.
ADS - Kinder reagieren auf diese Reizüberflutung unbewusst und nahezu automatisch mit einem "Abschalten", einer Flucht in die Abwesenheit, d.h. reagieren auch oft mit nicht Zuhören.

Es gibt einige Symptome, die sowohl bei ADS als auch bei ADHS - Kindern in Erscheinung treten können. Diese sind beispielsweise:

  • kurze Aufmerksamkeitsphasen, Konzentrationsschwäche und damit verbunden: schnelle Ablenkbarkeit, Vergesslichkeit und wechselhaftes, streckenweise sehr launisches Verhalten.
  • geringe Ausdauer
  • Probleme im feinmotorischen Bereich (verkrampfte und fehlerhafte Stifthaltung)
  • Raumlagelabilität (Verwechseln der Seiten (rechts - links; u.U. Verbindung mit Dyskalkulie) und damit verbunden auch das Verwechseln von Buchstaben, ähnlich klingenden Lauten etc.; u.U. Verbindung mit Legasthenie)
  • Entwicklungsverzögerungen im motorischen Bereich (spätes Erlernen des Krabbelns, Laufens, ...)
  • Kontaktschwierigkeiten, bzw. unbeständige Freundschaften (Distanzlosigkeit, Isoliertheit, häufige Konflikte, ...)
  • Probleme, alltägliche Handlungen in einer kontrollierten Abfolge zu tätigen, Vergesslichkeit, Zerstreutheit
  • Probleme, Angefangenes zu beenden
  • mangelndes Selbstwertgefühl
  • Aufgrund ständig mangelhafter Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit können sich die Probleme auf andere schulische Bereichen ausweiten, woraus sich z.B. eine Lese- Rechtschreibschwäche, Rechenschwäche ausbilden kann.

Über jene Symptome, die sowohl ADHS als auch ADS - typisch sein können hinweg, treten bei Kindern mit einem ADS häufig noch andere Symptome / Verhaltensauffälligkeiten in Erscheinung.

  • Tagträume / Tagträumerein bei offenen Augen
  • geistige Abwesenheit auch beim direkten Ansprechen è die Kinder sind irgendwo aber nicht da wo Sie gerade sein sollten in hren Gedanken
  • "Nicht-Zuhören" im Sinne von abwesend sein
  • Die Fähigkeit des Ausführen von Arbeiten in zeitlich angemessenem Rahmen fällt schwer.
  • Vergesslichkeit
  • Details werden nur unpräzise wahrgenommen.
  • Viele Flüchtigkeitsfehler
  • Vermeiden von anstrengenden (konzentrationsintensiven) Aufgaben
  • sehr ruhig, erweckt dadurch häufig auch den Anschein, dass "alles egal" ist.
  • leichte Beeinflussbarkeit
  • Abhängigkeit von anderen Personen

Aufgrund der Tatsache, dass sich diese Symptome nicht nur auf einen Lebensbereich beschränken, ist auch verständlich, weshalb sich die Diagnostik nicht nur auf einen Lebensbereich beschränken kann. Neben den genannten Hauptsymptomatiken (Primärsymptomen) machen sich sehr häufig auch zusätzliche Symptome (Sekundärsymptome) bemerkbar, die durch diverse diagnostische Maßnahmen ermittelt und festgehalten werden müssen. Erst die Diagnostik der Symptome und Auffälligkeiten aus verschiedenen Lebensbereichen in Kombination mit möglichen diagnostischen Maßnahmen ermöglichen ein umfassendes Bild. Deshalb ist es unbedingt notwendig sich hier an eine geeignete Stelle zu wenden und eine Diagnostik umgehend durchführen zu lassen. Dies kann bei einem Kinder- und Jugendpsychiater oder bei einem Kinder- und Jugendpsychologen bzw. Psychotherapeuten durchgeführt werden. Es ist auch wichtig eine unabhängige weitere Diagnose einzuholen, denn zurzeit ist es auffällig, das scheinbar nichts problemloser geschieht als die Diagnose ADS oder ADHS zu stellen. Eine Diagnosestellung rein von einem Kinderarzt der dann gleich die "richtigen Medikamente" verschreibt wie z.B. das "Wunbdermittel Ritalin", kann ich aus praktischer Erfahrung nur abraten, da hier oft der richtige Ausbildungshintergrund vor allem im Bereich der Testpsychologie besteht. Zur Erstdiagnose und weiterführenden Überweisung ist ein Kinderarzt aus meiner Sicht ausreichend. Es Sei angemerkt und das mag in Südtirol anders sein, in Deutschland sind nur Dipl.- Psychologen berechtigt normierte und zugelassene Testverfahren (also auch IQ- Tests) durchzuführen, jedoch nie ein Kinderarzt (dieser kann somatische Untersuchungen vornehmen). Weiterführende Informationen erhalten Sie über Ihre Krankenkasse d.h. wo sich ein Arzt oder Psychologe in Ihrer Nähe befindet.

Sollte sich dann eine Diagnose ADS sich bestätigen können unter anderem diverse psychotherapeutische Behandlungsformen greifen. Diese zielen auf die Behandlung der Seele ab und umfassen verschiedene Maßnahmen und Methoden, die versuchen, psychische und emotionale Verhaltensstörungen mit Hilfe klassischer psychologischer Therapieformen zu behandeln. Durch diese Ansätze soll sowohl der Leidensdruck des ADS Patienten als auch der Leidensdruck der Umwelt reduziert werden.
In Bezug auf das ADS könnnen dies unter anderem sein.

  • tiefenpsychologische,
  • verhaltenstherapeutische, bzw.
  • systemische Behandlungsformen

Sie können sich an einen ambulant niedergelassenen Kollegen (Psychologin oder Psychologen) mit einer Zusatzqualifikation für Kinder u.- Jugendpsychologie oder Jugendpsychiatrie in Ihrer Nähe wenden und einen Termin ausmachen. Die Kosten dafür werden im Regelfall von der Krankenkasse übernommen. Über die Krankenkasse erfahren Sie auch ohne Probleme welche Kollegen für eine Diagnostik (Abklärung um welche Form es sich genau handelt im Rahmen der psychischen Störung) und psychotherapeutische Behandlung (eventuell verhaltenstherapeutisch oder tiefenpsychologisch) in Ihrem Umfeld hierfür in Frage kommen.
Des Weiteren können Sie und meist geht es da mit Terminen wesentlich schneller, sich an ein in der Nähe befindliches psychotherapeutisches Ausbildungsinstitut für Kinder und Jugendpsychotherapie wenden (einfach in eine Suchmaschine eingeben z.B. verhaltenstherapeutisches oder tiefenpsychologisches Ausbildungsinstut für Kinder und Jugend + größere Orte in der Umgebung z.B. Botzen) und diese Institute haben in der Regel immer eine Institutsambulanz oder Sie können auch an jeder größeren Universitätsklinik (glaube bei Ihnen heisst es Universitätsspital) einen Termin in einer psychotherapeutischen/ psychiatrischen Ambulanz vereinbaren und dort mit Ihrem Sohn vorstellig werden.

Es besteht für Sie auch die Möglichkeit sich einer Selbsthilfegruppe für Eltern auch für von Kinder und Jugendliche anzuschließen und von anderen Eltern und deren Erfahrungen zu lernen. Oft werden solche Elterngruppen über die Erziehungsberatungsstelle angeboten bzw. Sie erfahren hierzu weiteres über eine Selbsthilfekontaktstelle oder Krankenkasse, wo sich eine Gruppe in der Nähe befindet. Natürlich können Sie sich auch im Internet bestimmten hierzu bestehenden Foren im Internet besuchen u.a. http://www.ads-selbsthilfe.de/, http://www.adhs-selbsthilfepool.de/, www.ads-gruppe.de, http://www.selbsthilfenetz.de/, http://www.eltern.de/ u.a.
Es ist wichtig, wenn Sie Ihrem Sohn entsprechend helfen wollen sich Informationen zu beschaffen und wenn Sie dies zu sehr belasten sollte, sich auch umgehend z.B. psychologische Hilfe zur Begleitung suchen. Dies kann auch über eine Erziehungsberatungsstelle in Ihrer Nähe geschehen und die Beratung ist hier in der Regel kostenlos. Bitte tun Sie etwas und haben Sie keine Angst davor, was vielleicht die Umwelt meinen könnte, Sie wären vielleicht "schlechte Eltern" oder gar "Eltern die versagt haben in der Erziehung". Nein das sind Sie ganz und gar nicht, sondern Sie scheuen weder Kosten und Mühen um Ihrem Sohn adäquat zu helfen. Denn bei fachlich korrekter Behandlung auch in Südtirol ist eine Genesung bzw. Verbesserung der Symptomatik, was es auch letztendlich am Ende auch für eine Diagnose sein mag, realisierbar.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meinen Ausführungen weiter helfen und wünsche Ihnen für Ihren weiteren Weg alles Gute.

Mit freundlichem Gruß

 

Die Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.

 

Ich möchte Sie bitten, so Ihnen die Antwort meinerseits, entsprechend Ihrer Vorstellungen zugesagt hat, nicht zu vergessen das fällige Honorar(durch Klick auf den Button "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank

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