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diplompsychologe
diplompsychologe, Dipl- Psychologe
Kategorie: Psychologie
Zufriedene Kunden: 1254
Erfahrung:  Dipl.- Psychologe (Uni) & Verkehrspsychologe
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diplompsychologe ist jetzt online.

Unsere Tochter, 8 1/2 Jahre alt, verh lt sich bei der t glichen

Kundenfrage

Unsere Tochter, 8 1/2 Jahre alt, verhält sich bei der täglichen Trennung von der Mutter (morgens Abschied nehmen, wenn die Mutter zur Arbeit, die Tochter zur Schule geht) extrem klammernd. Sie möchte nicht loslassen, will immer noch einen letzten Kuss haben und es endet meistens mit Tränen und oft auch mit Geschrei. Sie muss teilweise mit Gewalt von der Mutter losgelassen werden.
Randbedingungen: Wir, die Eltern sind seit ca. 1.5 Jahren getrennt, betreuen die Kinder jedoch gemeinsam. Wir wohnen lediglich 5 min. Fussweg voneinander entfernt, die Kinder sind abwechselnd bei beiden Elternteilen. Wir haben den Eindruck, dass wir trotz der Trennung eine sehr gute Lösung gefunden haben. Es herrscht grundsätzlich eine sehr innigen Verhältnis zu beiden Elternteilen und das Verhältnis zwischen den Eltern ist ebenfalls gut.
Wie kann es sein, das trotzdem solche Trennungsängste bei der Tochter herrschen? Übersehen wir etwas? Wie können wir sie beruhigen?
Bemerkung: unser 6 jähriger Sohn hat damit keinerlei Probleme.
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Psychologie
Experte:  diplompsychologe hat geantwortet vor 5 Jahren.

Sehr geehrte Fragestellerin,

Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre offen und ehrlich gestellte Frage.

Ihre Sorgen kann ich verstehen und Ihre Tochter kann wohl sich zurecht glücklich Schätzen, dass Sie eine Mutter hat die sich auch im Alter von 8,5 Jahren Gedanken macht und Ihre Tochter begleitet sowie auch der Kindesvater. Leider ist es nicht immer so und leichtfertig werden Trennungsprobleme (ängste) mit vorübergehender Verhaltensauffälligkeiten erklärt ohne dabei zu bedenken, dass daraus weitreichende Schwierigkeiten auch letztendlich Schulprobleme wie eine Schulphobie entstehen kann (nicht zwangsläufig muss).
Hinter einer massiven Tennungsangst steckt immer eine Ursache d.h. ein ernstzunehmendes und behandlungsbedürftiges Problem.

Es ist jedoch immer darauf zu achten, dass man im Rahmen der Angst man wesentliche Dinge unterscheidet, die auch für die Behandlung oder Nichtbehandlung von gravierender Bedeutung sind.

Im folgenden möchte ich Ihnen ein Mal versuchen, etwas Licht ins Dunkel dieser Thematik zu bringen und vielleicht können Sie ja dadurch schon durch den besseren Umgangs bzw. dem "Mehrwissen" Ihrer Tochter besser hilfreich zur Seite stehen.

Trennungsängste sind zunächst ganz normale Ängste und sind in jeder kindlichen Entwicklung, aber auch bei Erwachsenen (z.B. Trennung vom Lebenspartner) Bestandteil gewöhnlicher Lebenserfahrung. Insbesondere Kleinkinder haben Trennungsängste. Trennungsängste vermindern sich mit zunehmendem Alter (Sechsjährige leiden doppelt so viel unter Trennungsängsten, wie Zehnjährige.)

In der beobachtbaren kindlichen Entwicklung treten am frühesten Separationsängste (Trennungsängste und Verlustängste) bei Kindern auf. Mit der Vergrößerung des Wahrnehmungsbereiches ergeben sich auch zusätzliche Angstreize. Das heisst, die angstmachenden Situationen werden mehr. Die Trennungsangst wird besonders stark im Dunkeln und beim Alleinsein (Einschlafschwierigkeiten, Schlafstörungen, nächtliche Angstattacken). Nach Freud ist die Trennungsangst der Schlüssel für alle neurotischen Ängste. Nach Bolwby ist die Trennung von der geliebten Person oder deren Verlust der möglicher Schlüssel für alltägliche Ängste des Kindes. Weitere Psychologen gehen davon aus, dass alleine Eltern dafür verantwortlich sind und unbewusst bzw. durch bewusste Handlungen (zu langes klammern und nicht los lassen wollen) Ihre eigene Angst (die vlt. auch schon seit der Kindheit oder durch eine aktuelle Trennungsproblematik bei den Eltern vorliegen könnte) übertragen wird und das Kind damit völlig überfordert ist. Hat das Kind schon einen gewissen Grad an Autonomie erlangt, dominiert die Angst davor, die Zuneigung der Eltern verlieren zu können. Nach und nach kommt die Angst vor Strafe dazu. Darüber hinaus verinnerlicht das Kind im Laufe der Entwicklung die Forderungen der Eltern und die sozialen Regeln ("ich meine als Kind es allen Elternteilen Recht machen zu müssen, ansonsten fühle ich mich schlecht" oder ich muss die Verantwortung für das Wiedergelingen des Elternzusammenlebens = eine glückliche Familie übernehmen").

Angst steht manchmal versteckt hinter der Konkurrenz und dem Wettbewerb etwa durch die Notenzensur aber auch durch Geschwisterrevalität, die bei vielen Kindern nur deshalb "motivierend" wirken, weil diese - meist sozialisationsbedingt - Angst haben vor dem Verlieren oder dem Unterliegen, Angst vor einer Blamage oder gar Angst vor der Einschränkung ihrer existentiellen Möglichkeiten in Form von Zukunftsangst haben bzw. als "Außenseiterin" da zu stehen.

  • Angst haben müssen, verlassen zu werden (real oder weil Mutter/Vater selbst diese Angst hat, darüber spricht, oder weil die Phantasie darüber besteht),
  • Angst haben, sich selbst überlassen zu werden (real oder weil Eltern diesbezüglich Schuldgefühle äußern).
  • häufig am Tag mit Gewalt und Bedrohungen konfrontiert werden (real oder z. B. im Fernsehen und diese nicht verarbeitet werden können).

Die Ängste werden stärker, wenn das Kind für sie bestraft oder verspottet wird, oder wenn es dafür übermäßig viel Zuwendung erfährt.

Was können Sie tun?

Sie können versuchen mit der Sozialtherapeutin/ Sozialarbeiterin an der Grundschule sprechen und eventuell bekommen Sie ja dort auch zumindest erst ein Mal zeitnahe Unterstützung vor allem im Rahmen der Prävention, denn eine Trennungsangst kann bis hin zu einer sich manifestierenden Schulphobie führen. Natürlich können Sie sich auch an den zuständigen Schulpsychologen wenden, meist sind hier der Name und die Anschrift in der Schule vorhanden. Eine weitere Möglichkeit ist die Hilfe über den Sozialpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamtes meist untergleidert in Kinder u. Jugendbereich und/ oder Erwachsenenbereich zu erhalten, denn dort sind speziell ausgebildete Psychologen vor Ort ggf. auch schnell einen Termin zu bekommen.

Sie haben, bedingt durch das Lebensalter Ihrer Tochter, d.h. unter 18 Jahre noch das alleinige Mitsprachrecht und sollten dies auch nutzen. Hier ist jedoch immer die Voraussetzung, dass Ihre Tochter bereit ist sich helfen zu lassen, zur Einsicht gelangt, dass sich Ihr Verhalten verändern sollte und Sie dahingehend auch von Ihnen motiviert werden kann (auch begleitet und unterstützt).

Wichtig ist erst ein Mal aus meiner Sicht, die Ursachen fachlich adäquat diagnostisch abklären zu lassen. Denn irgendwoher müssen die Verhaltensauffälligkeiten/ Ängste und Problem ja herkommen. Jedoch muss man erst ein Mal konkret Wissen, worum es sich genau handelt (z.B. liegt schon eventuell eine psychische Störung vor oder nicht ect.) um dann entsprechende weiterführende Behandlungen durchführen zu können.

Sie können sich auch an einen ambulant niedergelassenen Kollegen (Psychologin oder Psychologen für Kinder- und Jugendpsychotherapie) in Ihrer Nähe wenden und einen Termin ausmachen. Aus meiner Sicht eher im verhaltenstherapeutischen Therapiekontext. Die Kosten dafür werden im Regelfall von der Krankenkasse übernommen. Über die Krankenkasse erfahren Sie auch ohne Probleme welche Kollegen für eine psychotherapeutische Behandlung in Ihrem Umfeld hierfür in Frage kommen. Des Weiteren können Sie und meist geht es da mit Terminen wesentlich schneller, sich an ein in der Nähe befindliches psychotherapeutisches Ausbildungsinstitut für verhaltenstherapeutische Psychotherapie im Bereich Kinder und Jugend wenden (einfach in eine Suchmaschine eingeben z.B. psychotherapeutische Ausbildung für Kinder und Jugend Verhaltenstherapie + entsprechendem Ort in Ihrer Nähe z.B. München) und diese Institute haben in der Regel immer eine Institutsambulanz oder Sie können auch an jeder größeren Universitätsklinik einen Termin in einer psychotherapeutischen/ psychiatrischen Ambulanz vereinbaren.

Es besteht für Sie auch die Möglichkeit sich einer Selbsthilfegruppe für Angehörige (Eltern) auch für z.B. verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche anzuschließen. Hierzu erfahren Sie mehr über Gruppen in Ihrer Nähe über sogenannte Selbsthilefkontaktstellen und Ihre Krankenkasse. Natürlich können Sie sich auch im Internet bestimmten hierzu bestehenden Foren im Internet besuchen u.a. http://www.schule-und-familie.de/, www.selbsthilfenetz.de/, www.eltern.de/, www.angstportal.de/Trennungsangst.de, http://www.imedo.de/

Es ist wichtig, wenn Sie Ihrer Tochter weiter helfen wollen sich Informationen zu beschaffen und wenn Sie dies zu sehr belasten sollte, sich auch umgehend z.B. psychologische Hilfe zur Begleitung suchen. Dies kann auch über eine Erziehungsberatungsstelle in Ihrer Nähe geschehen und die Beratung ist hier in der Regel kostenlos und es gibt dort häufig sehr schnell einen Termin. Des Weiteren ist der Weg über das Jungendamt der richtige, denn Sie haben auch ein Recht als Eltern auf die Hilfe zur Erziehung (Erziehungsbeistand).

Als letzten Hinweis den ich mir noch erlauben möchte zu geben ist Ihnen ein gutes Buch zu diesem Thema zu empfehlen. Es heisst ganz einfach Trennungsangst und ist von Franz Petermann.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meinen Ausführungen weiter helfen und wünsche Ihnen für Ihren weiteren Weg alles Gute.

Mit freundlichem Gruß

 

Die Ausführungen und Meinungen des Antwortgebers ersetzen weder eine fachlich ausreichende psychologische Diagnostik oder Therapie, sondern beinhalten nur punktuell Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze bei unterschiedlichen Problemen sowie Konflikten.

 

Ich möchte Sie bitten, so Ihnen die Antwort meinerseits, entsprechend Ihrer Vorstellungen zugesagt hat, nicht zu vergessen das fällige Honorar(durch Klick auf den Button "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank

 

 

 

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