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Dr. G. Gleich
Dr. G. Gleich, Arzt
Kategorie: Psychiatrie
Zufriedene Kunden: 191
Erfahrung:  Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie, kognitive Verhaltenstherapie, Hypnose, Paartherapie
61964095
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Dr. G. Gleich ist jetzt online.

habe Angst meine Frau umzubringen

Kundenfrage

hallo, Ich hatte ein sehr besch... Kindheit voller emotionaler Ablehnung.In meiner Jugend war mir dann das Leben anderer egal. Wenn mir einer zu nahe kam, konnte es sein dass ich diesen ernsthaft verletzte. Im Bereich liebe war es so das mir meine Partnerin in bestimmten Situationen nicht zu nahe kommen durfte, ich hatte Angst diese Nähe auszuhalten und meine Partnerin umzubringen. Wir haben uns getrennt weil ich sie strangulierte als sie mir unpassend zu nahe kam. Mir war das Leben anderer egal.

Dies ist jetzt 18 Jahre her. Ich bin seit 16 Jahren mit meiner jetzigen Frau zusammen. Wir haben vor 6 Monaten ein Pflegekind aufgenommen. Haben seit 9 Jahren ein Unternehmen welches mich in den letzten Wochen sehr gefordert hat. Seit ein paar Tagen kann ich die Nähe meiner Frau nicht ertragen. Ich beginne zu schwitzen und habe Angst ihr weh zu tun. Habe Kopfschmerzen, schlafe sehr schlecht bin sehr früh wach und fühle mich wie nicht geschlafen. Wenn Sie mich in den Arm nehmen will suche ich bereits das Messer im Kopf. Was kann ich tun? Ich habe ernsthaft Angst sie umzubringen. Ich weiß wie ich vor 18 Jahren war und fühle das alles hochkommt. Ich bin damals mit einer Axt, ein anderes mal mit einem Messer auf jemanden losgegangen und wusste nicht warum. Ich habe sehr vielen Menschen damals körperlich Schaden zugefügt und war mehrfach des wegen vor Gericht.

Gepostet: vor 3 Jahren.
Kategorie: Psychiatrie
Experte:  Dr. G. Gleich hat geantwortet vor 3 Jahren.

Hallo,
oje, Ihre Kindheit muss sehr übel gewesen sein, soviel kann man aus Ihrer aktuellen Symptomatik schon schließen. Und klasse, was Sie alles geschafft haben.
Mit der Aufnahme des Pflegekinds könnte Sie die Vergangenheit allerdings langsam wieder eingeholt haben, Sie versuchen natürlich, das Kind unter anderem dadurch zu verstehen, indem Sie es unterbewusst mit Sich im gleichen Alter vergleichen. Davon kriegen Sie aber nichts mit, ist ja eben unterbewusst. Hinzu kommt, dass wir unsere Lebenspartner dann unterbewusst gefühlsmäßig zum Teil mit unseren gegengeschlechtlichen Elternteilen verwechseln, sobald wir die Lebenspartner in der Elternrolle erleben. Ihre Frau bekommt also gefühlsmäßig Anteile Ihrer Mutter.
Gut möglich, dass Sie Ihre Mutter schlecht behandelt hat. Oder dass sie Sie zwar gut behandelt hat, aber nicht gegen den Vater geschützt hat. Und viele weitere Variationen sind natürlich denkbar.
Langer Rede kurzer Sinn: Sie stehen aus verschiedenen Gründen unter hoher Anspannung: Die aktuell hohen Herausforderungen der Selbstständigkeit, das Pflegekind. Ihre gute Problembewältigungskompetenz schwindet, weil die Anforderungen hoch sind, wodurch entsprechend das Gefühl stärker wird, das Leben nicht mehr so gut steuern zu können wie in den letzten Jahren. Geringere Steuerungsfähigkeit erinnert Sie emotional an Ihre Situation in der Kindheit, wodurch Sie emotional zum Teil in die Kindrolle zurückfallen, getriggert durch das Pflegekind.
Sie müssen nun, wie als Kind, aufpassen, emotional zu überleben, eventuell überhaupt zu überleben, sich vor Übergriffen schützen. So wie als Kind und Jugendlicher.
Also sich klar machen: Die Kindheit hat Sie eingeholt, gefühlsmäßig. Auch die Jugend, mit dem Umsichschlagen.
Die gute Nachricht: Sie sind kein Jugendlicher mehr. Die Wut ist etwas verraucht, das Frontalhirn (u.a. Selbstkontrollinstanz) hat den in der Jugend bestehenden Entwicklungsrückstand seit mindestens 13 Jahren aufgeholt (mit 23 Jahren ist der Frontallappen spätestens nachgereift). Sie würden jetzt sicher nicht mehr die Kontrolle verlieren und Ihrer Frau derart Schaden zufügen, wie Sie es befürchten. Keinesfalls. Sonst hätten Sie ja auch keine Angst davor.
Aber: Wichtig ist jetzt, dass Sie sich nicht eingeengt fühlen. Sie müssen es Ihrer Frau erklären, dass Sie derzeit in einer Art Selbstverteidigungsmodus sind, der an sich gar nichts mit ihr zu tun hat, sondern eine Konsequenz der aktuellen Lebenssituation ist. Sie selbst müssen entscheiden können, wann Sie Nähe brauchen.
Diese Situation bietet jede Menge Entwicklungschancen für Sie, mit Ihrer Kindheit annähernd ins Reine zu kommen (ganz geht das leider eh nicht).
Wichtig ist, dass Sie sich nicht in die Opferrolle gedrängt fühlen. Auch wenn Sie heute nicht mehr um sich schlagen würden.
Also versuchen, die Chance so gut wie möglich zu nutzen, von sich aus auch mal versuchen (auch gegen eine spürbare Abneigung), Körperkontakt zur Frau aufzunehmen. Sie entscheiden, wann, wie, wo, warum und weshalb usw. Sie wären dann nicht mehr ausgeliefert, wie als Kind. Ihre Frau muss das akzeptieren. Versuchen Sie Sich klarzumachen, inwiefern sich die aktuelle Gesamtsituation von Ihrer Kindheit, mit den Gefühlen von Ausgeliefertsein, unterscheidet (Ehefrau versus Mutter etc.).

Ganz wichtig: Sich unbedingt in Psychotherapie begeben. Gerade jetzt können Sie mit Hilfe einer Psychotherapie relevante innerpsychische Konflikte bewältigen.
Also die KV (Kassenärztliche Vereinigung) in Ihrem Bundesland anrufen und sich nach Therapieplätzen bei Psychotherapeuten möglichst in Ihrer Nähe erkundigen.
Gut wäre, wenn die angebotene Psychotherapie eine verhaltenstherapeutische Komponente hätte, weil eine Besserung am besten durch korrigierende reale Erfahrungen, zu der Sie Anleitung erhalten würden, erreicht werden kann.

Das heisst, dass sowohl Verhaltenstherapeuten (die auch tiefenpsychologisch arbeiten) als auch verhaltenstherapeutisch orientierte Tiefenpsychologen oder verhaltenstherapeutisch orientierte Psychoanalytiker geeignet sind. Die Schulorientierungen der Therapeuten lösen sich erfreulicherweise immer weiter auf, die Therapeuten nutzen die Techniken, die jeweils am besten helfen, egal, ob Analytiker oder Tiefenpsychologe oder Verhaltenstherapeut.
Also: Ihrer bisher schon sehr guten Entwicklung nochmals einen Booster geben und eine Therapie machen (auch wenn Sie schon eine gemacht haben, die Situation ist jetzt günstig).
Und keine Angst, dass Sie Ihrer Frau was tun könnten. Aber vorübergehend das Ruder in die Hand nehmen, wenn es um Nähe und Distanz geht.

Gutes Gelingen wünscht



Experte:  Dr. G. Gleich hat geantwortet vor 3 Jahren.
Ich hoffe, Ihre Frage zu Ihrer Zufriedenheit beantwortet zu haben. In diesem Fall freue ich mich über eine gute Bewertung.