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Dr. med. St. Berghem
Dr. med. St. Berghem, Arzt
Kategorie: Psychiatrie
Zufriedene Kunden: 159
Erfahrung:  15 Jahre Erfahrung in stationärer psychosomatischer Rehabilitation Erwachsene und Kinder
65728183
Geben Sie Ihre Frage in der Kategorie Psychiatrie hier ein
Dr. med. St. Berghem ist jetzt online.

Lieber Experte, seit etwa 2 Jahren leide ich an massiven

Kundenfrage

Lieber Experte,

seit etwa 2 Jahren leide ich an massiven Zwangsgedanken und -handlungen. Die Gedanken drehen sich eigentlich immer darum, ob ich anderen oder mir selbst schaden zugefügt habe und äußern sich sowohl in Kontroll- als auch Putzzwängen.
Vor Beginn der Zwangssymptomatik hatte ich schon fünf Jahre Depressionen, die nach einem einjährigen Auslandsaufenthalt in Bolivien begannen.
Ich habe für beide Störungen Medikamente bekommen (Venlafaxin), die ich aber vor etwa fünf Monaten abgesetzt habe (ich dachte, ich schaffe es ohne...). Ich muss dazu sagen, dass ich seit 10 Monaten das zweite Mal für längere Zeit in Lateinamerika bin. Ich mache gerade ein Austauschstudium in Brasilien und kehre im Juli zurück nach Deutschland.

Nach Absetzen der Medikamente ging es mir nicht besonders gut, aber ich habe trotz teilweise schwieriger Umstände, das Leben hier in Brasilien einigermaßen meistern können. Vor etwa zwei Wochen ist mir aber dann der Boden unter den Füßen etwas weggeglitten. Es war so, dass ich mich im Internet über Würmer und Parasiten des Menschen erkundigt habe. Dabei bin ich auf eine Krankheit namens Neurozystizerkose gestoßen. Dabei befallen Eier eines Bandwurmes das Gehirn und befallen das zentrale Nervensystem. Die Eier bilden Zysten und sind meistens über Jahre bzw. Jahrzehnte im Gehirn bevor sich Symptome (vor allem Kopfschmerzen, epileptische Anfälle, Übelkeit, Erbrechen, Sehverluste) äußern. Der Mensch kann sich entweder selbst infizieren, wenn er die Bandwürmer in sich trägt (Infektion über Schweinefleisch) und oralen Kontakt mit seinem Kot hat (schlechtes Hände waschen reicht schon) oder er isst etwas, was mit den Eiern kontaminiert ist z.B. mit infiziertem Schweine-Dung gespritztes Gemüse oder Obst. Die Krankheit ist vor allem in armen Ländern u.a. Lateinamerikas verbreitet. Da ich nun schon zweimal längere Zeit in Lateinamerika war und dort wirklich alles Mögliche gegessen habe, denke ich jetzt, dass ich mich damals vielleicht mit den Eiern infiziert habe. Meine psychischen Probleme könnten ja Symptome der Krankheit sein. Die Symptome der Krankheit überstimmen nicht ganz mit den meinen überein, aber es könnte sich ja um ein Vorstadium oder so halten.

Die Diagnose der Neurozysterzikose erfolgt auf verschiedene Art und Weise. Sie kann mit einem CT oder MRT gemacht werden

Aufgrund der unerträglichen Zweifel bin ich vor zwei Wochen zu einem erfahrenen Neurologen hier in Brasilien. Ich wollte nicht warten, bis ich in Deutschland bin, weil dort die Krankheit so gut wie nicht vorkommt und die Ärzte in der Diagnose vielleicht keine Erfahrung haben. Der Arzt meinte, ich müsste mir keine Gedanken machen, meine Symptome stimmen nicht mit denen einer Neurozystizerkose überein und ein MRT/CT würde nur meinen Zwang füttern. Er sagte deshalb, dass er keine MRT/CT machen würde und verschrieb mir wieder meine alten Medikamente (die werde ich auch wieder nehmen). Bis heute klang mir das auch einleuchtend, aber was ist, wenn das doch nicht stimmt? Ich meine es könnte doch sein, dass die Zysten bei mir so sitzen, dass sie genau diese Zwänge und Ängste hervorrufen. Wäre das möglich?

Ich habe im Laufe der Zeit mit vielen Zwangsgedanken umzugehen. Aber dieses Mal ist es anders. Bei anderen Zwangsgedanken stellt sich irgendwann eine Akzeptanz bei mir ein, aber in diesem Fall denke ich vielleicht die Ursache für meine psychischen Probleme gefunden zu haben und diese Probleme erst los zu werden, wenn ich Eindeutigkeit darüber habe, ob ich diese Krankheit habe oder nicht. Doch was ist, wenn ich diese Eindeutigkeit nicht finde? Würde ich dann nicht ewig darüber grübeln, ob meine Zweifel nicht doch von einer organischen Krankheit herrühren? Zudem werde ich denken, dass ich selbst nichts gegen meine Probleme machen kann, weil die Ursache ja von außen kommt. Ich fühle mich gerade sehr machtlos und lasse mich hängen.

Ich würde ehrlich gesagt gerne ein CT oder MRT machen. Hier in Brasilien müsste ich aber die Kosten komplett vorlegen. Wenn die Untersuchung in Deutschland gemacht würde, dann würde vielleicht nicht richtig untersucht, weil die Krankheit dort kaum verbreitet ist und die Ärzte keine Erfahrung in der Diagnose haben. Ich weiß ehrlich gesagt gerade nicht weiter. Ich sehe keinen Ausweg und finde keine Kraft irgendetwas zu machen. Sollte ich nicht die Gelegenheit nutzen und die Untersuchung hier in Brasilien machen? Doch wie finde ich einen Arzt, der sich damit auskennt? Sollte ich die Untersuchung lieber in Deutschland machen? Doch wie finde ich dort einen Neurologen, der sich damit auskennt? Was raten Sie mir, was ich machen soll?

Mit freundlichen Grüßen
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Psychiatrie
Experte:  iveschaaf hat geantwortet vor 4 Jahren.
Guten Abend,

ich finde die Entscheidung des Neurologen vor Ort sehr vernünftig. Wenn sie nicht gerade etwas über diese Erkrankung gelesen hätten, dann wäre es vielleicht eine andere gewesen und sobald die jetzige Erkrankung ausgeschlossen ist, finden Sie die nächste Erkrankung, die zu Ihren Symptomen passen könnte.

Wie wäre es mit folgendem Vorgehen: Sie nehmen Ihre Medikamente und behandeln ihre Zwangsstörung. Wenn es Ihnen dann besser geht, ist eine organische Ursache so unwahrscheinlich, dass Sie diesen Gedanken fallen lassen. Sprechen Sie mit einem weiteren Neurologen im Abstand von etwa 3 Monaten, so dass Sie zwei Meinungen haben und arbeiten Sie in der Zwischenzeit daran, Ihren Zwang loszulassen.

Ob Sie in Deutschland jemanden findet, der Ihren Vorstellungen folgt, lässt sich nicht sagen. Auf jeden Fall wäre es aber technisch ohne Weiteres möglich, die Untersuchung korrekt durchzuführen und sie auch korrekt zu beurteilen.

Hilft Ihnen das weiter? Sonst fragen Sie bitte nach.

Alles Gute, Dr. Schaaf
Kunde: hat geantwortet vor 4 Jahren.
Sehr geehrte Frau Dr. Schaaf,

vielen Dank für ihre Antwort. Ich weiß, dass meine Frage auf dieser Plattform teil meines Zwanges ist. Ich würde gerne noch weitere Fragen stellen, unterlasse dies aber jetzt, weil es eine Endlosschleife wäre. Ich versuche den Zustand zu akzeptieren und nach und nach loszulassen.

Mit freundlichen Grüßen

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