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Hautaerztin
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Kategorie: Psychiatrie
Zufriedene Kunden: 831
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Es ist mitten in der Nacht - alles r hig und friedlich- HA! WIESO

Kundenfrage

Es ist mitten in der Nacht - alles rúhig und friedlich- HA!
WIESO empfinde ich nur Ablehnung?
Bin 63 Jahre, seit 3 Jahren Witwe -
WIESO geht jeder mit mir um, als sei ich auch schon gestorben?
HALLOO - ich lebe noch - darf ich das?????

Sorry, daß ich Sie hier jetzt einfach so anschreibe, bestimmt haben Sie wichtigere Fragen zu beantworten. Gerade jetzt braucht vielleicht einer wirklich Hilfe und und ich stehle Ihre Zeit.
Aber - was soll ich ändern, darf es mir wieder gut gehen???
Gepostet: vor 6 Jahren.
Kategorie: Psychiatrie
Experte:  Hautaerztin hat geantwortet vor 6 Jahren.

Nein, Sie stehlen keine Zeit. Jede Frage ist wichtig, man sollte die eine nicht gegen die andere aufwiegen. Daß Sie jetzt einfach so schreiben, anstatt zu schlafen, ist möglicherweise auch ein Zeichen, daß Ihnen Hilfe gut tun würde. Vielleicht genießen Sie auch die Ruhe und den Frieden, die Sie tagsüber nicht haben?

Ich weiß jetzt wenig über die Umstände zum Tod Ihres Mannes. Grundsätzlich möchte ich Ihnen aber folgendes sagen: der Tod eines nahestehenden Menschen ist ein tiefer Einschnitt im Leben, der einen mit tieferen Schichten des eigenen Seins in Kontakt bringt. Dadurch wird manches relativiert, es kann auch sein, daß man viele Dinge auf einmal ganz anders sieht. In unserer Gesellschaft ist der Tod oft noch ein Tabu, grade weil alles so tief geht und zum Innehalten zwingt. Es wird offenbar, daß das übliche Schneller - Höher - Weiter - Mehr - Besser begrenzt ist und auf Dauer nicht trägt. Auch eine andere Wirklichkeit wird spürbar.

Beim Tod eines anderen werden wir an die Endlichkeit des eigenen Lebens erinnert, was kaum einer gerne hat. Wenn man in tiefere Schichten vorstößt, werden oft Dinge an die Oberfläche gespült, die unbequem sind und verdrängt wurden. Nicht selten gibt es dann peinliches Schweigen.

In diesem Sinne ist der Tod eines Angehörigen aber auch eine große Gelegenheit, sich solchen Dingen zu stellen und mit den eigenen Gefühlen in Kontakt zu kommen und sich dadurch in gewisser Weise transformieren zu lassen oder Sachen zu klären.

 

Wenn Sie nur Ablehnung empfinden, ist das zunächst mal ein Gefühl, das in Ihnen ist. Von hier aus ist es schwer, mehr dazu zu sagen, wenn ich nichts Näheres von Ihnen weiß. Aber als Anregung: Fragen Sie sich doch einmal ganz ehrlich: was oder wen lehnen Sie ab? Lehnen Sie Anteile von sich selbst ab? Warum? Spüren Sie die Ablehnung von anderen kommen?

Die menschliche Gesellschaft hat ihre Normen und Vorschriften, oft wirkt das unbewußt sehr tief und die meisten richten sich danach, die sogenannten guten Sitten oder der Anstand eben. Es kann gut sein, daß die anderen unsicher sind, wie Sie mit Ihnen umgehen sollen nach dem Tod Ihres Mannes. Soll man Sie ansprechen oder nicht, wenn ja, worüber könnte man mit Ihnen reden? Man weiß ja nicht, ob Sie Kontakt möchten und wenn ja, wie. Oder geht es Ihnen ganz gut, und die anderen wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen? Haben Sie ohne Ihren Mann eine andere Stellung manchen Menschen gegenüber?

 

Die Hauptsache scheint mir aber zu sein, daß Sie sich selbst erlauben, wieder richtig zu leben und das zu genießen. Tun Sie das jetzt schon oder haben Sie so etwas wie Schuldgefühle, daß Sie leben und Ihr Mann nicht? Jede Seele entscheidet selbst, wann ihre Zeit ist zu gehen, das müssen Sie nicht für Ihren Mann tragen. Das ist seine Sache, auch wenn es Auswirkungen auf Sie hat. Lassen sie ihn los, damit er voll und ganz da sein kann wo er jetzt ist und kommen mit Freude in Ihr eigenes Leben zurück. Die Liebe hört ja deswegen nicht auf, wenn sie vor dem Tod da war. Sie können auch anderen gegenüber kundtun, wenn es paßt oder nötig ist, daß Sie wieder ins Leben zurückfinden. Vielleicht ist es für andere hilfreich. Könnte Sein, daß Sie über manche Antworten erstaunt sind, wenn Sie mitteilen wie Sie sich fühlen. Vielleicht ist mancher froh, daß Sie das ansprechen, damit die Unsicherheit beseitigt werden kann.

 

Es ist ganz normal, was Sie erleben und daß ein solcher Prozeß mehrere Jahre dauert, auch. Es gibt übrigens im Rahmen der Hospizarbeit auch Angebote für Hinterbliebene, wo man sich mit anderen Betroffenen gut austauschen kann.

 

Wenn sie noch Fragen oder Mitteilungen haben, melden Sie sich ruhig.

 

Mit freundlichen Grüßen Dr. Almut Hoffmann