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drwbischof
drwbischof, Dr.med.
Kategorie: Psychiatrie
Zufriedene Kunden: 379
Erfahrung:  Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
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drwbischof ist jetzt online.

Guten Abend! Seit etlichen jahren lebe ich mit einer bipolaren

Kundenfrage

Guten Abend! Seit etlichen jahren lebe ich mit einer bipolaren Störung, die mir aber erst letztes Jahr durch einen Klinikaufenthalt so richtig bewusst wurde. Jetzt leide ich seit Frühjahr diesen Jahres nach meinem zweiten Klinikaufenthalt unter Einnahme von Paroxetin von 40 mg auf 10mg reduziert unter extremen Stimmungsschwankungen, die mein jetziges leben enorm belasten: Beruf, Beziehung, soziale Kontakte ec... Ich bin zwar seit Jahren in psychatrischer Behandlung, doch fühle ich mich nicht kompetent genug betreut. Nach einer fehlgeschlagenen seroqueltherapie und jahrelanger Lamotriginmedikation fühle ich mich überfragt, was bei mir noch helfen könnte. Ich bin eine 37 Jahre junge Frau, die seit ihrer Jugend unter diesem hin und her lebt, will endlich adequat behandelt werden. Welche Möglichkeiten gibt es noch?
Gepostet: vor 6 Jahren.
Kategorie: Psychiatrie
Experte:  drwbischof hat geantwortet vor 6 Jahren.
Guten Tag,

bei einer bipolaren Störung ist die Phasenprophylaxe der entscheidende Therapiebaustein. Das Ziel einer Phasenprophylaxe ist die Anzahl und die Intensität der Phasen zu reduzieren. Nachdem sie erst seit kurzem wissen, dass sie an einer bipolaren Störung leiden, dürfte es sich am ehesten um einen Typ II mit hypomanen Episoden handeln.

Als Phasenprophylaxe kommen folgende Medikamente in Frage:
- Lithium (Hypnorex ret., Quilonum ret.); Dosis in Abhängigkeit vom Serumspiegel
- Seroquel prolong, 300 bis 600 mg tgl.
- Zyprexa 10 bis 20 mg tgl
- Abilify 10 bis 20 mg
- Valproinsäure als Retardpräparat, Dosis in Abhängigkeit vom Serumspiegel
- Carbamazepin retard, Dosis in Abhängigkeit vom Serumspiegel
- Sycrest 2 x tgl. 5 bis 10 mg (erst seit wenigen Wochen auf dem Markt, Studien sind viel versprechend)

Lamotrigin ist primär zur Behandlung der rezidivierenden depressiven Störung, aber weniger zur Behandlung der bipolaren Störung geeignet.

Neben der Phasenprophylaxe wird ggf. eine dennoch aufgetretene schwerere Episode antidepressiv oder neuroleptisch behandelt. Bei leichteren Episoden wartet man lieber zu, da die Medikation jeweils den "Gegenpol" anstoßen kann.

Bei sehr hartnäckigen bipolaren Störungen können auch verschieden Phasenprophylaktika miteinander kombiniert werden. Generell kann man sagen, dass die Einstellung häufig kompliziert und langwierig ist. Es lohnt sich aber, konsequent die verschiedenen Möglichkeiten in ausreichender Dosis und ausreichend lange auszuprobieren. Ich habe durchaus Patienten bei denen es über 2 bis 3 Jahre eine ständiges Auf und Ab gegeben hatte, bis endlich eine wirksame Kombination gefunden wurde.

Zu Sycrest liegen mir noch keine eigenen Erfahrungen vor, da es gerade erst auf den Markt gekommen ist. Es scheint ein sehr gutes Medikament zu sein, dass sowohl phasenprophylaktisch als auch antidepressiv zu wirken scheint.

Mein persönlicher Favorit ist bislang Abilify, ggf. in Kombination mit Valproinsäure. Aber wie gesagt, es gibt keine verläßliche Maßnahme, man muss mit den vorhandenen Möglichkeiten experimentieren.

Grundsätzlich kann man sagen, dass bei o.g. Präparaten ernste Nebenwirkungen selten sind. Lediglich bei Lithium (das erste Phasenprophylaktikum das es gab, immer noch sehr gut) ist eine engmaschige Blutspiegelkontrolle erforderlich.


drwbischof und weitere Experten für Psychiatrie sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.
Seit geraumer zeit überlege ich auch, wegen den etlichen Versuchen von unterschiedlichen Medikamenteneinnahmen seit 15 Jahren( anfänglich Lithium mit Fluoxetin kombiniert, dann Fluoxetin einige Jahre alleine, dann kam wegen meinen extremen Stimmungsschwankungen Lamotrigin hinzu, was aber bedingt half, dann vor knapp 1 1/2 alles abgesetzt und bin dann kurze Zeit später in die Hypomanie gerutscht bis zum Frühjahr und dann so langsam in die Depression gerutscht, wo ich dann das Fluoxetin wieder nahm, aber die Ängste wurden immer massiever, dass ich erneut Hilfe beim Psychiater suchte, der mich aber mit einem neuen Medikament Seroquel abspeiste ( fühlte mich mit meinen Sorgen alleine gelassen), so dass ich im August von Prof. Bräunig in die klinik aufgenommen wurde), ob ich auch ohne Medikamente zurecht kommen könnte oder ob dies illusorisch erscheint. Seit meinen Klinikaufenthalten arbeite ich reduziert (20 h in der Woche)und spüre noch immer dass ich nicht mehr voll einsatzfähig bin. Wie kann ich jetzt eventuell weiterverfahren?
Experte:  drwbischof hat geantwortet vor 6 Jahren.
Es geht ihnen nicht gut, deshalb wäre ich skeptisch, wenn sie vollständig auf Medikamente verzichten würden. Wenn sie es aber probieren möchten, würde ich mir eine Frist setzen, z.B. 6 Monate und dann je nach Verlauf erneut entscheiden. Die Rückfallquote ist bei bipolaren Störungen leider sehr hoch. Die meisten Patienten betreiben jahre- manchmal auch lebenslange Vorbeugung, wenn es sich denn definitiv um eine bipolare Störung handelt.

Stabilen Patienten rate ich frühestens nach 3 bis 5 jähriger Stabilität einen Absetzversuch zu unternehmen.
Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.
Gut,dann bleibt mir nichts anderes übrig, als weiter auszuprobieren.
In der letzten Klinik sagte mir dort der Oberarzt ich leide unter einer instabilen Persönlichkeitsstörung, so dass ich nicht mehr wusste was ich noch glauben durfte;die eine klinik so die andere so. Ich kam mir wie ein Versuchskaninchen vor. Was ich will ist Klahrheit und ehrliche Hilfe!Ich weiß, dass auch ein großer Teil von mir abhängig ist und es kein Allheilmittel gibt! Aber ich will nicht viel, außer mal für einige Zeit stabil zu sein und ein eigenständiges Leben führen ohne ständig abhängig von anderen menschen sein zu müssen.Ich hoffe sie verstehen was ich meine!
Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.
Noch eine Frage: Wie kann ich am sinnvollsten mit meinem Psychiater über eine neue Medikamentenumstellung reden? Ich fühle mich häufig von ihm zu schnell abgefertigt, auch wenn er sehr angagiert erscheint, was mich aber dann unter Stress setzt und es schließlich zu Missverständnissen kommt, was schon einige male vorkam. Ich mich z.B.dann in dem moment stabiler zeigte als ich mich eigentlich fühlte. Außerdem sieht er mich nur alle paar Monate und dann nur für einen kurzen moment.Wie kann ein Arzt da ein adäquates Bild von einem bekommen?
Experte:  drwbischof hat geantwortet vor 6 Jahren.
Guten Tag,

ich würde ihm ganz offen sagen, dass sie sich im Internet informiert haben und viele Informationen zur Behandlung der bipolaren Störung gefunden haben und dass sie jetzt gerne seine fachkundige Meinung hören möchten.
Ich bin selbst niedergelassener Psychiater. Es ist natürlich nicht toll, wenn der Patient kommt und einem sagt, was er genau für Medikamente einnehmen will. Wenn er sich hingegen gut informiert hat und mir über Lösungsmöglichkeiten sprechen möchte, erlebe ich das als Bereicherung.
Bei einer Neueinstellung sind mehrmonatige Abstände nicht ausreichend. Ich denke alle 3 bis 4 Wochen ist eine Verlaufskontrolle erforderlich, um ggf. Laborkontrollen (bei Lithium am Anfang wöchentlich) durchzuführen oder die Dosis entsprechend anzupassen.

Ich habe heute übrigens zum ersten Mal Sycrest verordnet, das oben erwähnte neue Medikament. Ich bin gespannt, ob es so gut ist, wie die Studien es bescheinigen.

Ich hoffe, sie finden eine gute Kombination, damit sie einfach mehr stabile Zeiten erleben können.

Ihnen Alles Gute.
Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.
Vielen dank für ihre Umfangreiche und offene Hilfe!
Experte:  drwbischof hat geantwortet vor 6 Jahren.
Gerne geschehen