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drwbischof
drwbischof, Dr.med.
Kategorie: Psychiatrie
Zufriedene Kunden: 379
Erfahrung:  Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
51941891
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drwbischof ist jetzt online.

Seit ca. 10 Jahren leide ich unter Kontrollzwang. War 6 Monate

Kundenfrage

Seit ca. 10 Jahren leide ich unter Kontrollzwang. War 6 Monate in einer psychosomatischen Klinik, 3 Monate in Kur und ständig in ambulanter Behandlung. Nehme Citalopram. Gibt es noch Hoffnung auf ein normales Leben? Wenn ja, was kann ich noch tun?
Gepostet: vor 6 Jahren.
Kategorie: Psychiatrie
Experte:  drwbischof hat geantwortet vor 6 Jahren.
Guten Morgen,

selbstverständlich gibt es noch Hoffnung auf ein normales Leben.Bevor ich antworte bräuchte ich noch Informationen:

Was für Kontrollzwänge haben sie?
Welche Medikamente in welcher Dosierung haben sie bislang eingenommen?
Was für ambulante Psychotherapien sind bislang erfolgt, Stundenzahl, Verhaltenstherapie, Tiefenpsycholog.?
In welcher Klinik waren sie?
Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.

Frage 1: ich kontrolliere jeden Schritt (Händewaschen, Herd, abstauben, Licht,) brauche Hilfe im Haushalt (meine Mutter, 75J.).

 

Frage 2: Citalopram 1x täglich.

 

Frage 3: 2x 50 Std. bei TAVT (Tübinger Akademie für Verhaltenstherapie) in Tübingen-Bühl.

 

Frage 4: 6 Monate in Rottweil-Bühlingen (Rottenmünster) und 3 Monate in Bad-Kreuznach. Bekomme seit 2010 Erwerbsunfähigkeitsrente.

Experte:  drwbischof hat geantwortet vor 6 Jahren.

Guten Abend,

Zwangsstörungen sind sehr hartnäckige Störungen, die oft einer sehr langwierigen Behandlung bedürfen. Auch Rückfälle nach einer Stabilisierung sind bei Zwangserkrankungen durchaus häufiger. Dennoch darf man die Hoffnung nicht aufgeben. In der Regel gelingt es schließlich doch deutliche Verbesserungen zu erzielen. Als Patient muss man dranbleiben. Medikamente umstellen, Dosierunge anpassen, durchaus Vorgespräche bei verschiedenen Therapeuten wahrnehmen und Klinikaufenthalte in Fachkliniken nutzen. Mir ist klar, dass es sehr frustrierend ist, wenn man vieles ohne Erfolg versucht hat. Dennoch, ich kenne viele Patienten, denen es dann doch auch nach vielen Jahren wieder besser geht.

Zur Medikation:

Bei Ängsten und Zwängen ist es wichtig langfristig und hoch zu dosieren. Dosierungen, die bei Depressionen hilfreich sein können, reichen bei Angst- und Zwangsstörungen häufig nicht aus. Folgende Medikamente haben sich besonders bewährt und sollten unbedingt in Maximaldosierung über einige Wochen gegeben werden, bevor man sie als nicht ausreichend wirksam bewertet.

Citalopram bis 60 mg täglich

Paroxetin bis 50 mg täglich

Clomipramin bis 2 x 150 mg tgl.

Venlafaxin bis 2 x 150 mg täglich

Ggf. kann es sinnvoll sein, diese Antidepressiva mit modernen Neuroleptika zu kombinieren. Neuroleptika haben eine entspannende Wirkung, quälendes Grübeln und Zwangsbefürchtungen werden hierdurch reduziert.

Seroquel prolong bis 300 mg

Zyprexa 10 bis 20 mg

Zur Psychotherapie

Verhaltenstherapie ist Erfolg versprechender als tiefenpsychologisch orientierte Verfahren. Wenn man mit der VT nicht weiterkommt, ist es aber auf alle Fälle sinnvoll, einen Versuch mit tiefenpsychologischen (analytischen) Verfahren zu unternehmen.

Die VT zielt vor allem auf den Umgang mit Zwängen hin (so genannte Reaktionsverhinderung), die tiefenpsycholog. Behandlung sucht vor allem nach den psychologischen u. biographischen Hintergünden.

Nachdem die Symptomatik bei ihnen besonders hartnäckig zu sein scheint, würde ich ihnen vor einer erneuten ambulanten Therapie nochmals einen stationären Aufenthalt empfehlen. Eine hervorragende Klink ist die psychosomatische Fachklinik in Windach am Ammersee. Dort werden fast ausschließlich Zwangsstörungen behandelt. Der dortige Chefarzt ist einer der Zwangsexperten weltweit. Das Therapieprogramm ist hoch spezialisiert. Vorbedingung für eine Aufnahme ist ein Vorgespräch und ein Therapieplatz für die ambulante Weiterbehandlung, um den erreichten Erfolg sichern und ausbauen zu können. Die Wartezeiten sind leider recht lange.

Und schließlich gibt es in den meisten größeren Städten Selbsthilfegruppen. Sein Schicksal mit anderen teilen zu können, verstanden zu werden, kann sehr entlastend und hilfreich sein. Zudem bleibt man immer auf dem Laufenden, da die Patienten von ihren aktuellen Therapieerfahrungen berichten.

Unter der folgenden Adresse finden sie weitere Informationen:

http://www.zwaenge.de/

Ich wünsche ihnen Alles Gute.