So funktioniert JustAnswer:
  • Fragen Sie einen Experten
    Tausende Experten in über 200 Kategorien.
  • Erhalten Sie eine professionelle Antwort
    Per E-Mail oder sofortiger Benachrichtigung, während Sie auf unserer Website warten.
    Stellen Sie ggf. weitere Anschlussfragen.
  • 100%ige Zufriedenheit garantiert
    Bewerten Sie die erhaltene Antwort.
Stellen Sie Ihre Frage an webpsychiater.
webpsychiater
webpsychiater, Dr. Med.
Kategorie: Psychiatrie
Zufriedene Kunden: 2325
Erfahrung:  Mehrjährige Erfahrung im Bereich Psychiatrie und Psychotherapie (VT)
53212237
Geben Sie Ihre Frage in der Kategorie Psychiatrie hier ein
webpsychiater ist jetzt online.

Hallo - ich bin im Moment wieder sehr verzweifelt... Meine

Kundenfrage

Hallo - ich bin im Moment wieder sehr verzweifelt...
Meine Mutter 74 Jahre alt, leidet seit 3 jahren an einer bösartigen Tumorerkrankung. Zusätzlich hat sie aber schon lang vorher immer unter Selbstzweifeln und Verfolgungswahn gelitten. Immer glaubt sie nur, dass ihr andere Menschen unrecht tun wollen, sie ausnutzen, ihr neidisch sind etc. Nun ist es so, dass sie all ihre paranoiden Wahnvorstellungen gegen meinen Mann richtet. Da wir neben meinen Eltern leben (müssen), behauptet sie immer wieder, dass jeder Kratzer, jeder Ziehfaden an Teppichen oder sonst wo von meinem Mann gemacht sind. Das Verhältnis der beiden war noch nie besonders gut, aber leidet natürlich immer mehr, da meine Mutter sehr bösartige Sachen sagt und nun nicht mal mehr in der Lage ist, auf dem Hof Hallo zu sagen. mein Mann fühlt sich sehr angegriffen und wollte sich sogar schon von mir trennen, da er es in dieser Situation nicht gut aushält.. man muss vielleicht dazu bemerken, dass wir zwei kleine Kinder haben und beide beruflich selbständig und sehr eingespannt sind..
mir kommt es so vor, als ob mich meine Mutter mit ihrem Verhalten unter Druck setzen will. Meine Mutter ist überhaupt nicht bereit, darüber nachzudenken, ob ihr Verhalten korrekt ist. Schliesslich ist ja sie die Leidtragende...

Was kann ich/wir da nur tun.? Andererseits muss ich mich auch um meinen 84 jähr. Vater kümmern und auch meine Mutter. Sie tut mir leid mit den ständigen Chemos..
Gepostet: vor 6 Jahren.
Kategorie: Psychiatrie
Experte:  webpsychiater hat geantwortet vor 6 Jahren.
Guten Tag !

Ihre Frage ist sicher ein "Klassiker" der ungelösten Psychotherapieprobleme. Natürlich würde man immer raten, dass sie räumlichen Abstand halten und sich und ihre Familie von den Angriffen ihrer Mutter schützen. Das aber geht nicht, weil es ihre Mutter ist und sie für die Pflege verantwortlich sind bzw. im Gegenzug ja die Kinderbetreuung mitgeregelt ist. Also wie im Damespiel eine Zwickmühle, die nur "falsche Züge" ermöglicht.

Ob man ihr medikamentös helfen könnte, ist eine Frage. Einmal angenommen, sie würde sich - beispielsweise auch in Hinblick auf eine antidepressive Begleitbehandlung ihres Tumorleidens - auf einen Facharzttermin einlassen, so könnte man ggf versuchen ihre "schwierige" Persönlichkeitsstruktur medikamentös mit einem Mittel gegen Depressionen oder aber einem atypischen Neuroleptikum (gegen die paranoiden Wesenszüge) etwas abzumildern. Das ist aber eine reine Glückssache, ob sie sich da einlässt. Vermutlich ja nicht.

Bleibt noch die Verhaltensänderung auf dem Hof selber. Hier ist guter Rat schwierig. Mein Tip wird etwas merkwürdig klingen : Versuchen sie "de-alarmiert" zu reagieren. Damit meine ich, dass derzeit bei allen Beteiligten die Nerven "blank" liegen. Jedes Wort, jeder Blick wird gegenseitig auf die Goldwaage gelegt. Hinzu kommt der ganz normale Alltagsstress. Aber sie müssen auf jedes Wort achten, damit sie nicht wieder sie "provozieren".
Eine Übung, um da selber nicht so "angegriffen" zu reagieren ist etwas merkwürdig : Übersetzen sie Gefühle in eine Bild-Form ! Versuchen sie mal das Lebensgefühl ihrer Mutter wie eine Art Schauspieler oder Stimmenimmitator nachzuempfinden. Versetzen sie sich in ihre Position und übersetzen sie mal das Lebensgefühl ihrer Mutter in ein Bild vor ihrem geistigen Auge.

Wenn dieses Lebensgefühl ein Gewicht hätte, wäre es schwer oder leicht ?
Rund oder eher eckig ?
hart oder eher weich ?
Warm oder kalt ?
Welche Farbe passt dazu ?

Nun stellen sie sich diese Form einmal vor und lassen sie etwas unscharf werden. Manchen sie mal 10 Augenbewegungen von rechts nach links (oder tippen sie abwechselnd auf die rechte und linke Schulter). Augen zu und wieder auf.

Verändert sich das Bild ?

So ähnlich sollten sie es auch mal mit ihrem eigenen Lebensgefühl machen (d.h. Stress etc).

Daneben sollten sie und ihr Mann versuchen möglichst die positiven Seiten auszunutzen. Reservieren sie sich einen Tag für sich (oder zumindest 2-3 h zur Sauna oder so). Versuchen sie, dass auch ihr Mann mal diese Übung ausprobiert und damit etwas weniger "angespannt" auf die Schwiegermutter reagieren kann.

Im direkten Kontakt mit ihrer Mutter bitte immer zunächst positive Dinge ansprechen. Ihr also "Honig um den Mund schmieren". Nicht auf Kritik bzw. Vorhaltungen von immer und ewig eingehen. Sondern allenfalls konkrete Dinge im Hier und Jetzt thematisieren.

Dann wieder ein positives Thema anreissen. Beispielsweise die Kinder und irgendwelche Dinge, über die sie gerne redet.

Das sind alles keine Wundertips. Aber wie ich oben geschrieben habe : Die gibt es nicht. Lassen sie das Ausreden von Gedanken und Vorstellungen. Das wird nur in neuen Streit münden und krankheits- bzw. altersbedingt wird ihre Mutter ihre Gedanken und Einstellungen nicht ändern. Unter Druck wird sie nur noch "starrsinniger" reagieren.
webpsychiater und weitere Experten für Psychiatrie sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.
Herzlichen Dank für diese ausführliche Anwort.
Sie haben sicher Recht, das Problem wird nicht lösbar sein. Aber Sie bestätigen mich in meiner Annahme, ihr Verhalten als unverschuldete Krankheit zu sehen und damit zu versuchen, nicht alles persönlich zu nehmen. Das fällt meinem Mann aber sichtlich sehr schwer. Es ist ja nicht seine Mutter. Ausserdem hat er selbst täglich mit Ausgebranntsein zu kämpfen.. Ich bin froh, dass er sehr viel Sport macht um hier einen Ausgleich zu finden.
Ich selbst fühle mich sehr in der Zwickmühle und kann nur hoffen, den ganzen Stress noch eine Weile auszuhalten.
Ist dieses Krankheitsbild bei älteren Menschen eigentlich nicht sehr häufig? Schade, dass es hierzu nu so wenig Literatur gibt...
Danke für die Tips mit dem Hineinversetzen. Ich probiere es aus.
Annette
Experte:  webpsychiater hat geantwortet vor 6 Jahren.
Es ist wirklich ein extrem häufiges Problem. Gute Literatur kenne ich aber leider nicht. Es mag sie geben, aber letztlich haben die Angehörigen meistens nicht mehr die Kraft auch noch Bücher zu lesen, wenn sie mit der Pflege der Eltern / Schwiegermütter und dem Retten der eigenen Ehe beschäftigt sind. Leider eine traurige Realität....

Ähnliche Fragen in der Kategorie Psychiatrie