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drwbischof
drwbischof, Dr.med.
Kategorie: Psychiatrie
Zufriedene Kunden: 379
Erfahrung:  Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
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drwbischof ist jetzt online.

Ich kann keine Liebe annehmen und geben. Habe schon einige

Kundenfrage

Ich kann keine Liebe annehmen und geben. Habe schon einige Psychotherapien hinter mir, erfolglos. Ich fühle mich eingeengt in mir selbst. Wenn ich einen Partner habe und er ist eine Weile bei mir, geht er mir auf die Nerven und ich will allein sein. Bin ich allein, fühle ich mich einsam, und vermisse jemanden, der mich mal in den Arm nimmt. Ich weiß überhaupt nicht, was ich eigentlich will oder nicht will. Meine Nerven liegen blank und ich weine sehr viel. Nehme auch Antidepressiva (Fluoxetin). Dieses paradoxe "Angst vor Nähe und gleichzeitig Angst vorm Alleinsein" zermürbt. Was kann ich tun?
Claudia (37)
Gepostet: vor 6 Jahren.
Kategorie: Psychiatrie
Experte:  drwbischof hat geantwortet vor 6 Jahren.
Guten Tag,

nun das ist ein komplexes Problem. Vielleicht kann ich ein wenig zu Klärung beitragen. Im Laufe unseres Lebens entwickeln sich "in uns" verschiedene Persönlichkeitsanteile. Solange alle Teile miteinander harmonieren geht es dem Menschen gut. Gelegentlich arbeiten diese Anteile aber gegeneinander. Das heißt ein möglicherweise verletzter Teil von ihnen hat Angst vor erneuter Zurückweisung oder Verletzung, wenn es denn tatsächlicher enger wird (und ich mich öffnen müsste) und versucht sie auf Abstand zu bringen, in dem dieser Teil die entsprechenden Gefühle (Angst + Aggression) entstehen läßt. Sobald die sichere Distanz da ist, gibt dieser Teil wieder Ruhe und der andere mit dem Bedürfnis nach Liebe und Nähe bekommt wieder die Oberhand und sorgt dafür, dass sie sich wieder auf einen Kontakt einlassen und das ganze beginnt wieder von vorne.

In einer Therapie würde es nun darum gehen, beide Anteile anzuerkennen, zu respektieren, Kontakt zu ihnen aufzunehmen, deren Leistung zu würdigen und nicht zu verurteilen (der eine schützt vor Verletzung, der andere sorgt für Beziehung) und dann einen Weg zu finden, auf dem beide Teile kooperieren könnten und sich nicht bekämpfen. Das wäre der Weg, bei dem sie die Mitte besser finden könnten. Ist natürlich leichter gesagt als getan.

Ich könnte ihnen das Buch "Aussöhnung mit dem inneren Kind" empfehlen. Dort würde dieser Ansatz teilweise verfolgt. Dabei kann man durchaus auch ohne therapeutische Unterstützung Fortschritte machen.

Ein erster wichtiger Schritt wäre aber, beide Teile anzuerkennen. Ja sie sind da. Sicher gibt es Gründe aus ihrer Biographie, weshalb sie da sind. Sie dürfen da sein. Sie müssen nicht mit ihnen hadern. Vielleicht können sie sie ja sogar schon ein wenig annehmen. Entlastend ist auch, wenn man seinem Partner von den beiden Teilen erzählt. Dann weiß dieser, dass es nicht persönlich gegen ihn gerichtet ist, wenn sie etwas Abstand brauchen.

Ihnen Alles Gute, Dr. B.
drwbischof und weitere Experten für Psychiatrie sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.

Lieber Herr Dr. Bischof,

 

vielen Dank für Ihre Antwort.

 

Sie sagen, ich soll einen Weg finden, auf dem beide Teile kooperieren können. Was könnte ich Ihrer Meinung nach tun, um diesen Weg zu finden?

 

Das von Ihnen empfohlene Buch habe ich bereits bestellt.

 

Liebe Grüße

 

Claudia Thieme

Experte:  drwbischof hat geantwortet vor 6 Jahren.
Antwort folgt im Laufe des Tages. Bin gerade im Dienst.
Experte:  drwbischof hat geantwortet vor 6 Jahren.
Nun es gibt kein Patentrezept, in einer Therapiesitzung könnte es zum Beispiel wie folgt ablaufen. Wir würden feststellen, dass es diese beiden Teile gibt. Ich würde sie bitten, diese beiden Teile zu benennen. Vielleicht würde man den einen "Beschützer" den anderen "Friendscout" ( das ist jetzt einfach meine Phantasie) nennen. Ich würde mit ihnen gemeinsam versuchen beide Teile näher kennen zu lernen, zu erfahren, in welchem Zeitraum, durch welche Erfahrungen oder welches Ereignis sie entstanden sind. Ich würde sie bitten, Kontakt zu diesen Anteilen aufzunehmen und sie zu fragen, welche Aufgaben sie wahrnehmen. Sie können davon ausgehen, dass beide Teile es gut mit ihnen meinen. Das Problem ist nur, dass ein Beschützer auch dann noch aktiv bleibt, wenn ich vielleicht längst erwachsen bin und diesen Beschützer garnicht mehr in dieser Form brauche. Deshalb ist es wichtig, die jeweiligen Teile anzunehmen, ihre Dienste zu würdigen (ich könnte mir durchaus vorstellen, dass sie den Beschützer zuletzt nicht mehr leiden konnten ...) und dann mit ihnen (den Teilen) ins Gespräch zu kommen. Dem Beschützer z.B. zu erklären, dass man ihm dankbar für den Schutz ist, ihm aber auch erklären, welche Probleme durch den vielleicht übertriebenen Schutz entstanden sind.

Klingt für sie sicher seltsam, ist aber ein hilfreiches Vorgehen, um sich selbst besser zu verstehen. Stellen sie sich einfach vor, die beiden Teile säßen an einem Tisch. Der eine sagt, ich will nicht, dass du Kontakte hast, du wirst nur verletzt, deshalb hole ich dich da raus. Der andere sagt, aber Nähe, Freunde sind wichtig, vergiß deine Beschützerrolle, das nervt. So kommen die beiden natürlich nicht weiter.

Also es braucht eine Verhandlung mit einem Mittelweg als Ergebnis. Beide Seiten müssen sich einvernehmlich darin wiederfinden können . Der Beschützer muss wissen, dass man seine Einwände ernst nimmt und sie überdenkt, dem Friendscout muss erlaubt sein Kontakte aufzunehmen und Nähe zuzulassen ohne rasch wieder zurückgepfiffen zu werden.

Dies ist ein therapeutischer Prozeß, der durchaus einige Sitzungen in Anspruch nehmen kann. Sie können es ja trotzdem mal für sich versuchen, ob sie diesen Kontakt herstellen können. Es ist ja in ihnen. In dem genannten Buch werden sie Ansätze hierzu finden, wobei es vor allem um das verletzte Kind geht, dass ja in jedem mehr oder weniger noch steckt. Ich hoffe, es hilft ihnen ein wenig weiter, die inneren Prozesse zu verstehen.

Verändert von drwbischof am 08.01.2011 um 19:05 Uhr EST