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iveschaaf
iveschaaf,
Kategorie: Psychiatrie
Zufriedene Kunden: 2012
52810516
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iveschaaf ist jetzt online.

Hallo,ich (weiblich, 31 Jahre) habe seit 4 Monaten Angst,

Kundenfrage

<p>Hallo, ich (weiblich, 31 Jahre) habe seit 4 Monaten Angst, an ALS erkrankt zu sein. Ich "hatte" davor schon diverse andere Krankheiten (Darmkrebs, Hirntumor, Hautkrebs, Schilddrüsenkrebs, Lungenkrebs,...) - angefangen hat die ALS-Angst mit Wadenschmerzen. Ich habe daraufhin im Internet alles über diese Krankheit gelesen und nach und nach alle Symptome entwickelt..Ich habe mir ein Buch über Krankheitsängste gekauft und eine paar Wochen war es gut. Meine größte Angst war allerdings immer meine Zunge (ich hatte auch Bilder von sich auflösenden Zungen gesehen) - ich habe mich die letzten Wochen so sehr auf meine Zunge fokussiert (hab Angst, dass sie anfängt zu zucken), dass sie tatsächlich erst angefangen hat zu brennen, dann hat sich ein Schmerz entwickelt und jetzt hab ich das Gefühl, dass Bläschen darauf zerplatzen bzw. dass ein leichter Stromschlag durch meine Zunge geht. Meine absolute Schreckensvision wird also wahr (das Zungenzucken)..Ich kann seit 2 Wochen nur noch an meine Zunge denken, ich kann nicht mehr richtig schlafen etc. Meine Zunge ist schwer, dick, tut weh und vor allem dieses leichte Zucken / Prickeln... Ich war vor ein paar Monaten auch beim Neurologen (allerdings wegen Muskelzucken, Taubheit vom kleinen Finger - ist alles wieder weg) und beginne im Januar mit einer Therapie.. Ich bin Mutter von 2 Kindern und so richtig angefangen hat die Krankheitsangst vor gut 2 Jahren mit der Geburt unserer ersten Tochter. Ich habe Angst, dass meine Kinder ohne Mutter aufwachsen - dieser Gedanke XXXXX XXXXX ganzes Denken. Ich bin derzeit nur noch gereizt, ich kann an nichts anderes denken, male mir die schlimmsten Sachen aus und habe keine Kraft mehr, zu kämpfen. Ich kann alles ertragen, aber nicht das mit der Zunge - das macht mich fertig. Bislang sind alle "Symptome" wieder wegegangen, aber das mit der Zunge bleibt - ich habe Angst, dass es nicht mehr weggeht und schlimmer wird und ich habe Angst, dass ich doch ALS habe und daher auch keine Therapie brauche.. Was soll ich tun - wie kann ich diese Angst in den Griff bekommen und mich nicht mehr auf meine Zunge fokussieren? - für mich ist das Zucken der Zunge gleichbedeutend mit einem Todesurteil. Ich weiss, das hört sich alles total verrückt an, aber ich weiss mir nicht mehr zu helfen. Ich muss für meine Kinder da sein und ich will endlich mein Leben wieder genießen.. Im Januar mache ich die Therapie, aber bis dahin muss ich irgendwie über die Runden kommen. Was soll ich nur tun?! - ich hab alles versucht - ich wurde wütend auf die Angst, ich hab sie zugelassen, ich hab sie ignoriert etc. Aber bei meiner Zunge funktioniert das alles nicht.. Danke vorab!</p><p>P.S.: Der Neurologe hat mich damals zwar etwas untersucht, aber er hat mich nicht wirklich ernst genommen, weil es im meinem Alter nicht wahrscheinlich sei..Aber er kann ja nicht in mich hineinsehen und ein EMG wollte er nicht machen, weil das Körperverletzung sei...Ich würde ihm ja gerne glauben, aber ich kann es irgendwie nicht...</p>
Gepostet: vor 6 Jahren.
Kategorie: Psychiatrie
Experte:  iveschaaf hat geantwortet vor 6 Jahren.
Sie haben bereits vielfachen fachlichen Rat bekommen, es wird schwer sein, Ihnen etwas Neues zu sagen bzw. etwas zu empfehlen, was Ihnen ein wenig hilft, die Zeit bis Januar zu überbrücken. Ich will es versuchen...

Sie wissen ja schon, dass letztlich alles nur Angst ist und Sie eigentlich körperlich gesund sind. Immerhin hätten Sie auch statt ALS ein anderes Krankheitsbild finden können, dann hätten Sie jetzt andere Symptome und wären trotzdem gesund.
Und genau da liegt der Zwiespalt, mit dem Sie zurecht kommen müssen. Mein Vorschlag: Versuchen Sie es mit einer "Ja, aber"-Strategie. Das könnte gelingen, weil es keine Kraftanstrengung erfordert wie z.B. dagegen anzukämpfen oder zu ignorieren.

Was auch immer sich an Ihrem Körper tut, sagen Sie dazu "Ja", meine Zunge fühlt sich heute nicht richtig an, "aber" die Wahrscheinlichkeit, dass ich das Schlimmste befürchten muss, ist gering und es dauert nicht mehr lange, dann werde ich es genau wissen.
Das geht auch mit Ängsten: "Ja", ich habe Krankheitsängste, die mich fertig machen, "aber" man kann sie behandeln und das wird ja demnächst passieren.

Die "Ja, aber"-Stragteige lässt alles zu, verhindert aber, dass Sie deswegen in Panik geraten.

Wenn es Ihnen gelingt, wird die Wahrnehmung von schönen Dingen (Lächeln Ihres Kindes, eine Urmarmung) Sie innerlich stärken, so dass Ihnen die Tage leichter fallen.

Ihre Kinder sind - gleich nach Ihrem Partner - sowieso das Wichtigste, was Sie im Auge haben sollten. Hier gilt eine ganz einfache Devise: "Ja", die Welt kann morgen zusammenstürzen, "aber" dieser Moment ist unwiderbringlich und ich werde jetzt das Beste draus machen. Damit bringen die Strategie der ganzen kleine Schritte ins Spiel, die man in jeder schwierigen Sitation anwenden kann. Was immer auch morgen oder in einer Stunde kommen mag, jetzt ist der einzige Augenblick, der zählt. Und indem Sie einen winzigen Schritt hinter den anderen setzen, gelingt Ihnen das, womit Sie nicht gerechnet haben: Sie kommen richtig gut durch!

Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie versuchen, diese beiden Strategien umzusetzen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute!


Dr. Schaaf
__________________________________
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Diese Beratung ersetzt nicht das persönliche Gespräch mit dem Arzt!
Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.

Hallo,

vielen Dank für Ihre Antwort. Denken Sie also wirklich, dass dieses Zucken / Kribbeln und auch die Schmerzen im Zungenmuskel von der Psyche kommen können?! - ist es möglich, dass die Psyche genau das "anstellt", wovor man solche Angst hatte?
Ich bin einfach nur traurig, dass ich so viel Zeit vergeudet habe, an den Tod zu denken. Mein Gehirn hat sich im letzten Jahr schon so sehr an dieses Denkmuster gewöhnt, dass ich nicht weiss, wie ich es abstellen kann. Wenn meine kleine Tochter mich anlacht, kann ich es nicht genießen, sondern denke gleich "vielleicht bist Du bald tot und dann siehst Du das nie wieder"..Das gleiche passiert mir in allen schönen Momenten in meinem Leben - und das seit Monaten!

Es kostet wirklich viel Kraft, weil ich es so ernüchternd finde, dass mich ein Zucken oder ein Kribbeln jedes Mal derart aus der Bahn werfen kann..
Aber der Neurologe hat ja kein EMG gemacht und auch der HNO hat sich die Zunge nur kurz angeschaut - in meinen Angst-Momenten bin ich leider nicht davon überzeugt, dass ich gesund bin ;-(

Wie kann ich mein Gehirn wieder "umprogrammieren" und es auch schaffen, meinen Körper nicht mehr dermaßen genau zu beobachten? - es geht ganz automatisch, sobald es irgendwo zuckt oder kribbelt oder sonstwas passiert, registriere ich es und bewerte es gleich und dann beginnt die Angstspirale..

Danke für Ihre Hilfe und Antwort!

Experte:  iveschaaf hat geantwortet vor 6 Jahren.
Ja, das ist ja Faszinierende an der Psyche ist ja gerade, sie kann einen in praktisch jeden Zustand versetzen.

Dass Sie traurig sind, verstehe ich gut. Aber Sie können Ihre Situation auch positiv sehen: Sie haben die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass es besser werden kann, weil sie sich um eine Therapie gekümmert haben, die bald beginnt. Es wird also besser. Das ist doch toll, denn es bringt Sie Ihrem Ziel einen Schritt näher.

Dass Sie das Verhalten des Neurologen und des HNO-Arztes nicht glücklich gemacht haben, ist heute schon Schnee von gestern. Es ist vorbei, lassen Sie es ruhen. Niemand kann immer alles richtig machen.

Wie Sie Ihr Gehirn wieder umprogrammieren, vor allem dauerhaft umprogrammieren, wird eine wichtige Aufgabe der Therapie sein. Bis dahin können Sie es gern mit meiner "Ja-Aber-Mini-Strategie" probieren. Ja, jetzt geht die Angst wieder los, aber das werde ich schon bald besser im Griff haben, drum macht es mir schon gar nicht mehr so viel aus.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig helfen und wünsche Ihnen alles Gute!

Dr. Schaaf
Experte:  iveschaaf hat geantwortet vor 6 Jahren.
Kann ich Ihnen noch irgendwie weiterhelfen?

Sonst würde ich mich freuen, wenn Sie meine Antworten mit "AKZEPTIEREN" honorieren würden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Schaaf

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