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drwbischof
drwbischof, Dr.med.
Kategorie: Psychiatrie
Zufriedene Kunden: 379
Erfahrung:  Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
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drwbischof ist jetzt online.

Hallo, ich bin Vater eines seit 5 Jahren an Pschychose erkrankten

Kundenfrage

Hallo, ich bin Vater eines seit 5 Jahren an Pschychose erkrankten 26-jährigen Sohnes Toni, der in Berlin- Friedrichshain lebt und zur Zeit m. E. kurz vor einem schweren psychotischen Rückfall steht. Seit einem Jahr hat er sämtliche Therapien abgebrochen und nimmt das Medikament Risperdal nicht mehr. Ich möchte ihm gern einen Weg zur Hilfe aufzeigen.
Können Sie uns was konkretes empfehlen. Er braucht dringend Hilfe. Teilweise äußert er Suizidgedanken.
Er ist vor 5 Jahren zwanseingewiesen worden in das Klinikum in FfO, wo wir , seine Eltern wohnen und hat aus seiner Sicht keine guten Erfahrungen dort gesammelt.
Ich würde ihm am liebsten heute noch Hilfe zukommen lassen. Welche Schritte wären aus Ihrer Sicht ratsam?

Frank Berghausen
Gepostet: vor 6 Jahren.
Kategorie: Psychiatrie
Experte:  drwbischof hat geantwortet vor 6 Jahren.

Guten Tag,

 

Eine psycho- oder familientherapeutische Behandlung ist bei akuter Psychose völlig sinnlos. Dies könnte allenfalls nach einer guten Stabilisierung ein sinnvoller Schritt sein. Die medikamentöse Prophylaxe ist zunächst der entscheidende Schritt. Man weiß aus Langzeitbeobachtungen, dass über 90 % aller Patienten, die ihr Medikament absetzen innerhalb von 2 Jahren einen Rückfall entwickeln. Daher wird grundsätzlich eine langjährige Prophylaxe empfohlen.

 

Falls ihr Sohn keine Krankheitseinsicht und keine Therapiemotivation zeigt (durchaus als Symptom der Krankheit zu werten) , würde ich ihnen empfehlen, eine gesetzliche Betreuung anzuregen. Dies geschieht je nach Bundesland entweder beim Vormundschaftsgericht (Amtsgericht) oder beim zuständigen Notariat. Sie bräuchten lediglich den obigen Sachverhalt zu schildern und um die Einrichtung einer Betreuung bitten.

Auf den Landratsämtern gibt es in der Regel eine "Betreuungsbehörde". Dort könnten sie ihre Situation schildern und sich bei der Antragsstellung beraten lassen.

Dann würde ein psychiatrischer Gutachter eingeschaltet, der die Geschäftsfähigkeit, Einsichtsfähigkeit usw. ... überprüft. Sollte diese nicht gegeben sein, wird eine "gesetzliche Betreuung" (einfach mal unter diesem Begriff googlen) eingerichtet. D.h. ein Berufsbetreuer oder ein Familienmitglied (bei einer angespannten Situation nur bedingt empfehlenswert) wird beauftragt, sich um die entsprechenden Angelegenheiten zu kümmern.

Er könnte beispielsweise eine ambulante oder stationäre Behandlung (auch gegen den Willen des Pat.) veranlassen und dafür sorgen, dass regelmäßige Arzttermine eingehalten werden. Eine Einweisung (nach Betreuungsgesetz) kann dann rechtzeitig veranlasst werden und nicht erst, wenn die Situation eskaliert. Werden Arzttermine nicht eingehalten, wird der Betreuer informiert, der sich wiederum kümmern kann usw. ...

 

Leider hat man bei einem nicht krankheitseinscihtigen Patienten keine andere Wahl. Natürlich versucht man vorher zu einer freiwilligen Behandlung zu motivieren, das dürften sie aber schon in ausreichendem Maße versucht haben.

 

Eine akute, sofortige Zwangseinweisung (nach Unterbringungsgesetz) oft unter Polizeibegleitung ist dann erforderlich, wenn eine akute erhebliche Selbst- oder Fremdgefährdung nicht ausgeschlossen werden kann. Dies ist im Falle eines hochakuten Schubs (sie beschreiben ein zerfahrenes Denken und Suizidgedanken) häufig der Fall.

 

Falls möglich Hausarzt oder Psychiater vorort kontaktieren, sofern er sich dort in Behandlung befand. Manchmal gelingt auf diesem Wege ein Schritt in die erneute Behandlung.

 

Mit freundlichen Grüßen, Dr. W. Bischof