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drwbischof
drwbischof, Dr.med.
Kategorie: Psychiatrie
Zufriedene Kunden: 379
Erfahrung:  Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
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drwbischof ist jetzt online.

Bin ich krank, kann man folgendes Verhalten behandeln Ich

Kundenfrage

Bin ich krank, kann man folgendes Verhalten behandeln? Ich sage Dinge zu meinem geliebten Partner, die für diesen sehr verletzend sind. Ich bemerke das oftmals erst im Nachhinein, wenn es schon gesagt, zu spät, ist. Ich bereue es dann sehr.
Gepostet: vor 6 Jahren.
Kategorie: Psychiatrie
Experte:  drwbischof hat geantwortet vor 6 Jahren.

Guten Morgen,

 

nun ich würde erst einmal nicht von Krankheit sprechen, sondern die Frage stellen woran könnte das liegen. Relativ häufig beobachtet man dieses Verhalten, wenn man irgendwie verärgert oder unzufrieden mit dem Verhalten des anderen ist, die Problematik aber nicht anspricht. Oft haben Menschen Angst vor Streit oder sind generell zu gutmütig. Man schluckt seinen Ärger runter "und da liegt er sprichwörtlich dann im Magen". Irgendwann ist das Maß voll und eine Kleinigkeit genügt und der Ärger kommt ans Tageslicht, nur leider an der falschen Stelle. Könnte das sein?

 

Mit freundlichen Grüßen

Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.
Hallo,

Ärger wurde mit Sicherheit vom Anderen heruntergeschluckt. Das verstärkt jedoch nur die Kränkung. Wäre der Ärger vorher nicht da gewesen, hätte trotzdem eine Kränkung stattgefunden, da dass Gesagte alleine für sich schon schwerwiegend genug war. Ich würde gerne künftig nicht so impulsiv reagieren wollen, so dass ich vorher überlegen kann, was ich denn da jetzt sagen möchte und mir dann hoffentlich bewußt werde, was dies für Auswirkungen hätte. Es klappt einige Wochen und dann falle ich wieder in mein altes Muster zurück. Mit welcher Methode kann ich so etwas d a u e r h a f t ändern?

Gruss
Experte:  drwbischof hat geantwortet vor 6 Jahren.

.... Ich verstehe es noch nicht genau, sagen sie diese Dinge einfach so ohne Auslöser oder dann wenn von Seiten ihres Partners irgendeine Panne passiert ist, nach der sie dann "überreagieren". Also reagieren sie völlig grundlos impulsiv oder reagieren sie einfach nur zu heftig?

 

Kennen sie dies nur bei ihrem Partner, oder auch bei anderen Menschen?

 

Und habe ich sie richtig verstanden, sie schlucken ihren Ärger nicht hinunter, sondern sprechen ihn an......



Verändert von drwbischof am 21.10.2010 um 07:52 Uhr EST
Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.
... ohne Auslöser. Z.B. hat mein Partner mich gebeten, seinen selbst erstellten Geschenkgutschein mal anzuschauen und meine Meinung dazuzusagen. Mein Sohn aus erster Ehe kam hinzu und ich habe beim Durchlesen mich über die Rechtschreib- Tippfehler amüsiert. Ich war unsensibel meinem Partner gegenüber, hätte die Tipp- und Schreibfehler im Dokument einfach nur ändern brauchen ohne etwas zu sagen. Aber nein, ich denke mir nichts dabei und finde mach mich lustig über meinen Partner - und dann auch noch in Anwesenheit einer anderen Person.
Impulsiv war das falsche Wort - besser: unüberlegt und in ganz normaler Tonlage.
Nicht immer spreche ich den Ärger an, da sage ich mir dann auch z.B. "Du hast Fehler des Anderen auch zu tolerieren, da ich ja selbst Fehler habe". Das macht wohl jeder und es ist auch hier nicht nach dem Motto, jetzt hat eine Kleinigkeit das Fass zum überlaufen gebracht. Das eine Mal war schwerwiegend genug. Und genau solche Fehler möchte ich dauerhaft abstellen. Jedoch weiss ich nicht mit welcher Methode?
Mein Vater war nicht ein Vater, da er nie für mich da war. Nur für meine Geschwister. Seine Fehlverhalten und schlechten Verhaltensmuster kenne ich und habe sie selbst nicht. Mit meiner Kindheit habe ich mich genug auseinandergesetzt. Ich benötige eine Methode die das jetzt analysiert und ändert und nicht die Vergangenheit ...
Experte:  drwbischof hat geantwortet vor 6 Jahren.

.... ich glaube, jetzt habe ich es verstanden. Es ist selbstverständlich nicht möglich, online eine zuverlässige Problemanalyse zu erstellen, aber ich versuche mal eine Hypothese. Es ist wichtig sein Verhalten zu verstehen, sonst greifen Strategien nicht, zumindest nicht bei tief sitzenden Problemen.

 

Ein Kind benötigt Anerkennung und Wertschätzung von beiden Elternteilen. Als Mädchen hat der Vater eine ganz besondere Rolle und ist für die Entwicklung eines stabilen Selbstwertgefühls wichtig. Fehlt diese Zuwendung bleibt ein Vakuum zurück. Im Erwachsenenalter versucht der Mensch unbewusst dieses Vakuum zu füllen. Im Wesentlichen beobachtet man zwei Varianten:

 

1) Man passt sich an, macht immer alles recht, enttäuscht niemanden, um so möglichst von allen gemocht zu werden

2) Man versucht sich selbst aufzuwerten, indem man andere auf ihre Fehler hinweist, sich evtl. über sie lustig macht, das bedeutet, man stellt sich über den anderen.....

 

Das ist kein vorsätzliches Verhalten, man möchte den anderen nicht verletzen, das Verhalten ist aber eben so automatisiert, dass es einem schwer fällt, es zu steuern, häufig auch in Abhängigkeit von der Tagesform.

 

- Um ein Verhalten zu verändern muss ich es zunächst als einen Teil von mir annehmen, mich nicht dafür verurteilen, es nicht als Feind betrachten, mir klar machen, dass es Ursachen gibt, die zunächst nicht in meiner Verantwortung lagen (Erziehung ...), die Funktion des Verhaltens würdigen (z.B. Selbstwertstabilisierung)

- Es ist gut, das Problem offen mit meinem Partner zu besprechen, damit dieser versteht, dass sie alles andere als ihm weh tun wollen

- Es ist sinnvoll, mit dem Partner eine gemeinsame Vorgehensweise für die kritische Situation zu besprechen

Beispiel: Partner sagt im Falle eines Falles "Time Out" oder "Stop", man kann auch gemeinsam ein Symbol oder einen humorvollen Spruch wählen, der die Situation entspannt - sie haben dann die Möglichkeit innezuhalten, die Steuerung wieder zu übernehmen und sich zu ggf. zu entschuldigen (so wie sie es ja offensichtlich auch jetzt schon immer wieder schaffen).

 

Durch diese Strategie verhindern sie das Verhalten zunächst noch nicht, ihre Sensibilität diesbezüglich steigt aber. Sie werden es immer früher und irgendwann rechtzeitig merken, wenn sich ein entsprechendes Verhalten anbahnt. Es ist ein Prozeß, es gibt leider kein kurzfristiges Patentrezept. Ist es besprochen, nimmt ihr Partner es möglicherweise auch weniger schwer.

 

Die Idee mit dem Erinnerungszettel ist ebenfalls gut. Vielleicht könnten sie einen Gegenstand, der symbolisch für ihr Ziel steht in jedem Raum hinlegen, aufstellen (was auch immer), damit sie immer wieder an ihren Veränderungswunsch erinnert werden usw. ...

 

Darüberhinaus ist es natürlich wichtig, vorausgesetzt meine Hypothese sollte der Realität nahe kommen, sich selbst zu respektieren, sich wert zu schätzen, seinen Selbstwert zu stabilisieren.

 

Ist das Verhalten sehr hartnäckig und aus eigener Kraft nicht zufriedenstellend zu verändern, würde ich ihnen die Aufnahme einer Psychotherapie empfehlen. Sie wirken sehr entschlossen, ich könnte mir gut vorstellen, dass sie es auch so schaffen, aber das wissen sie selbst am besten.

 

Mit freundlichen Grüßen, Dr. W. Bischof

 

drwbischof und weitere Experten für Psychiatrie sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.
Vielen Dank XXXXX XXXXX ausführliche Antwort - ich hoffe die Kraft zu finden und auch das mein Partner den Prozeß mitträgt, denn vielleicht habe ich schon zu lange gewartet es wirklich in Angriff zu nehmen und nicht zu denken, das muss ich schon irgendwie mal alleine hinbekommen.

Grüße aus München
Experte:  drwbischof hat geantwortet vor 6 Jahren.
Alles Gute auf ihrem Weg

Dr. W. Bischof