So funktioniert JustAnswer:
  • Fragen Sie einen Experten
    Tausende Experten in über 200 Kategorien.
  • Erhalten Sie eine professionelle Antwort
    Per E-Mail oder sofortiger Benachrichtigung, während Sie auf unserer Website warten. Stellen Sie ggf. weitere Anschlussfragen.
  • 100%ige Zufriedenheit garantiert
    Bewerten Sie die erhaltene Antwort.
Stellen Sie Ihre Frage an drwbischof.
drwbischof
drwbischof, Dr.med.
Kategorie: Psychiatrie
Zufriedene Kunden: 379
Erfahrung:  Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
51941891
Geben Sie Ihre Frage in der Kategorie Psychiatrie hier ein
drwbischof ist jetzt online.

Hallo, hier ist eine Mutter eines 21 j hrigen Sohnes mit Asperger-Syndrom,

Beantwortete Frage:

Hallo, hier ist eine Mutter eines 21 jährigen Sohnes mit Asperger-Syndrom, bei dem sich seit Monaten ein Ekel und Waschzwang bildet und täglich verstärkt wird. Er ist seit ca. einem 1/2 Jahr ( wegen Matura-Stress, Schulkolegen-Stress und dadurch verbundenen Familien Stress) beim Psychsozialen Dienst um mit seinen Problemen aus sich heraus zu gehen.
Ich habe den Eindruck, durch das erkennen und aussprechen seiner Probleme wird sein Ekel, der zurzeit auf uns Eltern gerichtet ist wöchentlich schlimmer.
Ich habe verucht mit dem Therapeuten Tel. kontakt aufzunehmen ( Bei pers. Anwesenheit würde ich nach Meinung meines Sohnes den Therapieraum verunreinigen), der empfahl mir im Internet nach Stationären Therapieinstitutionen zu suchen, zu Medikamenten-Therapie hat er einen Psychiater Kollegen befragt, ( wenn mein Sohn das will) kann er es ja mal probiern. Was sollen wir tun, an wen soll ich mich ( evtl hier in Vorarlberg wenden . Gibt es Fachhilfen für Zwangserkrankung in meiner Nähe? Liebe Grüße von einer Ratlosen Mutter, Sylvia!
Gepostet: vor 7 Jahren.
Kategorie: Psychiatrie
Experte:  drwbischof hat geantwortet vor 7 Jahren.

Guten Tag,

 

Zwänge und Rituale sind typische Symptome des Aspergersyndroms. Sie haben die Funktion, Ordnung und Sicherheit (emotional) wieder herzustellen, wenn die komplizierte äußere Welt zu Angst, Anspannung oder Überforderung führt. Unmittelbar an eine Zwangshandlung erlebt der Betroffene eine kurzfristige Entspannung, wodurch das Zwangsverhalten verstärkt und aufrecht erhalten wird. Alles "was gut tut" (wenn auch nur kurz) möchte man wiederholen.

 

Das Gespräch über die Zwänge führt in der Regel zu keiner Linderung. Am effektivsten ist die sogennannte kognitive Verhaltenstherapie mit Reaktionsverhinderung. Diese wird in der Regel von Psychotherapeuten mit verhaltenstherapeutischem Schwerpunkt angeboten. Es ist auf alle Fälle sinnvoll bei der Anmeldung nachzufragen, ob der jeweilige Therapeut diese Methode häufiger anwendet, da eine gewisse Erfahrung unabdingbar ist.

 

Ich vermute, dass auch in Österreich eine "Asperger-Gesellschaft" (oder so ähnlich) existiert. Von dort sollten ihnen eigentlich Adressen von Therapeuten ggf. auch klinischen Einrichtungen genannt werden können.

 

Bei der geschilderten Problematik kann auch eine medikamentöse Behandlung mit sogenannten SSRI (Serotoninwiederaufnahmehemmern) hilfreich sein.Es handelt sich dabei um eine spezielle Gruppe von Antidepressiva, die sich besonders bei Angst und Zwang bewährt hat. Eine Einstellung mit einem solchen Medikament kann bei jedem Psychiater erfolgen. Die Dosis wird langsam gesteigert, die Wirkung zeigt sich im Verlauf von 2 bis 3 Wochen, wobei sich die Verbesserungen im Laufe vieler Wochen weiter steigern können. Diese Präparate habe auch den Vorteil, dass sie eine gewisse Gelassenheit bewirken, d.h. die Stressreagibilität wird reduziert, was bei ihrem Sohn sicher von Vorteil wäre.

 

Ein großes Problem ist häufig die Eltern-Kind-Beziehung. Als Eltern hat man es meist am schwersten einem jungen Erwachsenen mit guten Ratschlägen zur Seite zu stehen. So schwer es fällt, man muss sehr zurückhaltend bleiben und die Hilfsangebote ohne Druck unterbreiten. Leichter gesagt als getan, wenn man in Sorge ist, aber sonst machen die erwachsenen Kinder an dieser Stelle einfach dicht und man erreicht sie nicht mehr (bei Asperger natürlich erst recht). Vielleicht könnte ja der Mitarbeiter des PSD ihren Sohn motivieren. Vielleicht hat er bessere Karten.

 

Zu Österreich kann ich leider wenig sagen. In Deutschland haben wir Spezialambulanzen für Asperger an den Uni-Kliniken Freiburg und Köln, außerdem gibt es eine Privatklinik (C.-Dornier-Klink), die sich unter anderem auf Erwachsene mit Aspergersyndrom spezialisiert hat.

 

Mit freundlichen Grüßen, Dr. W. Bischof



Verändert von drwbischof am 17.10.2010 um 13:53 Uhr EST
drwbischof und weitere Experten für Psychiatrie sind bereit, Ihnen zu helfen.