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Stellen Sie Ihre Frage an Verhaltensthera...
Verhaltenstherapeut
Verhaltenstherapeut, Dr. Med.
Kategorie: Psychiatrie
Zufriedene Kunden: 1990
Erfahrung:  Arzt und Psychotherapeut
28345046
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Verhaltenstherapeut ist jetzt online.

Hallo, ich habe eine viellleicht nicht so bliche Frage.

Kundenfrage

Hallo,

ich habe eine viellleicht nicht so übliche Frage. Bin seit einigen Jahren berentet aufgrund komplexer PTBS, schwere dissoziative Störung (u.a. Krampfanfälle), Atypische Magersucht, Fibromyalgie, Somatoforme Schmerzstörung, Rez. Depressive Störung etc. Bin gut aufgehoben bei ambulanter Traumatherapeutin (bezahle ich selbst), Intervalltherapie in spezialisierter Trauma-Klinik, Hausarzt und Seelsorger (Pastor). Medikamentös bin ich gut eingestellt mit Paroxetin 40 mg, Tolperison 5x, Magnesium, bei Bedarf Tetrazepam. Der Einsatz von Normoc oder Tavor kommt dank der Methoden zur Stressreduzierung, die ich alle erlernt, habe, kaum mehr vor.

Gleichzeitig bin ich aktuell jedoch sehr verunsichert bei meiner Psychiaterin, da ich zum einen weiß, dass sie von meinen Krankheitsbildern teilweise nicht viel weiß (PTBS etc. ist Ihrer Meinung auch oft Mode, aber sie hat alles übernommen von der Klinik in den Attesten, gibt aber auch zu, dass sie davon nicht so viel versteht). Gleichzeitig habe ich ihr einmal meine "Inneren Anteile" aufgezeichnet, und auch versucht, aufzulisten, wie meine dissoziativen Symptome aussehen. Vin meiner Seite ein extremer Vertrauensbeweis, es gibt nicht viele Menschen, die das wissen. Ausnahme: Obig genannte "Helfer", teilweise auch mein Mann und ein guter Freund. zugeschickt mit einer kurzen Erläuterung, habe sie auch vorab gefragt, ob ich das darf. Sie fand das damals auch gut. Als ich sie dann beim nächsten Termin fragte, ob sie die Zeichnung und die Erklärung erhalten hat, meinte sie, ja, aber sie hätte sie noch nicht gelesen. Und in den letzten Monaten kam sie nicht mehr darauf zurück. Ich traue mich nicht mehr, nachzufragen - vielleicht weil ich inzwischen zu enttäuscht bin, gleichzeitig mir bisher realistisch sagte: "Ok, sie ist dazu da, Dir Medikamente zu verschreiben, dann und wann mal ein Attest zu schreiben. Erwarte bitte nicht mehr. Das ist auch für sie nicht möglich."

Ich mag sie als Person, bin seit 2007 bei ihr. Gleichzeitig kam nun doch alles hoch, weil beim letzten Gespräch deutlich wurde, dass sie wieder einiges vergessen hat, was ich ihr schon einmal erzählte.

Nun stellt sich die Frage: Darf ich mehr erwarten? Ich meine, nicht von der Zeit, sondern einfach vom Wissen etc., damit die kurze Zeit, die frau im Sprechzimmer verbringt, auch wirklich effizient genutzt werden kann. Oder ist es einfach realistisch, dass es mehr ein Termin ist für Medikation, alles andere ist egal. Dass sie nur schaut "Wie ist sie bei mir drauf? Therapie macht ja die Therapeutin, daher sind mir die Symptome etc. egal", und ich nicht mehr erwarten darf. Und ich weiß, dass ich durch meinen Hausarzt sehr "verwöhnt" bin, da sich dieser - auch in meinem Fall - immer weiter fortbildet, und mir sehr viel hilft - letztlich auch in Hinblick auf die Medikation viel mehr als die Psychiaterin.

Können Sie mir vielleicht eine realistische Einschätzung geben?

Herzlichen Dank im Voraus, Genni
Gepostet: vor 6 Jahren.
Kategorie: Psychiatrie
Experte:  Verhaltenstherapeut hat geantwortet vor 6 Jahren.
Guten Abend !

Leider (?) kann man die Zunft der Psychiater und Nervenärzte nicht über einen Kamm scheren. Ich selber interessiere mich sehr für PTBS und Dissoziationen und denke, dass es kaum eine Störung ohne Dissoziationen gibt. Aber das ist dann auch schon "extrem". Aber in meiner Ausbildung u.a. an einer Unipsychiatrie in Mainz habe ich erleben müssen, wie wenig Psychiater eigentlich über Trauma oder Dissoziationen wissen (müssen) oder wissen (wollen).

Meistens eigentlich gar nichts. Das ist bitter. Das wäre in etwa so, wie wenn ein Bäcker zwar Brot aber keine Brötchen backen kann.

Leider ist es aber derzeit so. Je biologisch orientierter ein Psychiater ist (bzw. eher aus der Ecke Neurologie kommt), desto wahrscheinlicher, dass er davon gar nichts versteht. Zumindest sehr viel weniger als sie selber.
Daher macht es ja Sinn, eine Psychotherapeutin zu haben, die es "besser" weiss. Oder sich über Selbsthiflegruppen und Spezialgruppen im Netz an Trauma-versierte Psychiater zu wenden.
Verhaltenstherapeut und weitere Experten für Psychiatrie sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.

Hallo,

 

herzlichen Dank für die Antwort.

 

Noch eine Rückfrage:

 

Heißt das, Sie gehen (realistisch?) davon aus, dass auch andere Psychiater in der Umgebung wenig Ahnung haben und/oder weiterhin nicht viel darüber wissen wollen (ich wohne in Hamburg)? Also dass es sich nicht lohnt, zu suchen (was bei mir auch eine Frage der Kraft ist, die ich nicht immer habe).

 

Das würde für mich heißen: Ich nehme die "Pro forma"-Termine weiterhin wahr für die regelmäßige Verschreibung der Dauermedikation und notwendige Atteste, verlasse mich jedoch besser weiterhin auf meine Traumatherapeutin und meinen Hausarzt (in Krisensituationen sind vor allem diese Beiden meine Ansprechpersonen; letzterer verschreibt mir dann auch die Medikamente, da ich auch einige körperlichen Erkrankungen habe).

Letztlich hieße dies jedoch auch: Ich gebe damit aber auch auf, ein besseres Vertrauensverhältnis zur Psychiaterin aufzubauen bzw. mich mehr zu zeigen - denn das ist ohne die "Innere Bühne/Team" schlecht mach- bzw. erklärbar. Meist schaffe ich es nämlich, dort mit einer sehr businessmäßigen Fassade aufzutauchen - und "jammern" kann ich nicht.

Ich weiß nicht, ob ich es gut genug erklärt habe, aber ich stehe da doch an einem Scheideweg...

Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.

Hallo,

 

meine Rückfrage wurde bisher noch nicht beantwortet. Liegt ein Fehler im System vor, denn gestern erhielt ich noch die Info, dass alles ok ist, und ich nur in "Wartezeit" bin...

 

Herzlich, Genni

Experte:  Verhaltenstherapeut hat geantwortet vor 6 Jahren.
Ich möchte ja nicht pauschal alle Psychiater "abwerten". (Ich arbeite ja auch selber in diesem Bereich als Arzt). Aber leider sind die guten Psychiater mit Kenntnis in diesem Bereich klar in der Minderheit. Deshalb gibt es ja auch die Psychotherapeuten, die in diese Lücke springen.

Insofern ist ein pragmatisches Aufteilen der Aufgaben und auch der Offenheit angebracht :
Der Psychiater / die Psychiaterin ist für die Verordnung von Medikamenten zuständig, ggf. Kontrolluntersuchungen. Wobei ja bei dissoziativen Störungen kaum Medikamente helfen und es häufig um Bedarfsmedikation etc. geht.
Hier ist ein Psychiater dann schlau, wenn er auf den behandelnden Therapeuten hört, was die Wirkung oder Nicht-Wirkung von Medikamenten angeht. Viele Psychopharmaka werden schlicht in ihrer Wirkung "wegdissoziiert" und wirken dann wie Placebo. Andere wie Wahrheitspillen, die scheinbar ent-täuschend wirken : Sie wirken wie eine innere Brille und zeigen erst, wie mies es in der Innenwelt wirklich aussieht. Sie decken also "Täuschungen" auf. Es geht einem dann manchmal erst schlechter als vorher, was kaum ein Psychiater begreift.