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Verhaltenstherapeut
Verhaltenstherapeut, Dr. Med.
Kategorie: Psychiatrie
Zufriedene Kunden: 1990
Erfahrung:  Arzt und Psychotherapeut
28345046
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Verhaltenstherapeut ist jetzt online.

Kann man beim Benzodiazepin-Entzug unterst tzende Medikamente

Kundenfrage

Kann man beim Benzodiazepin-Entzug unterstützende Medikamente (Neuroleptika zur Beruhigung, angstlösende Medikamente (Lyrica) und /oder Antidepressiva) einsetzen, oder darf man diese Medikamente erst nach dem Entzug zur Behandlung einer vorliegenden psychischen Erkrankung einsetzen (so bei mir geschehen).
Gepostet: vor 6 Jahren.
Kategorie: Psychiatrie
Experte:  Verhaltenstherapeut hat geantwortet vor 6 Jahren.
Guten Tag !

Da gibt es tatsächlich unterschiedliche Wege zum Ziel. Ich selber würde meinen Patienten immer eine begleitende Medikation während des Entzugs anbieten (bzw. schauen, dass die Ursachen für die Benzodiazepinabhängigkeit , die in der Vergangenheit ja offensichtlich waren und sich jetzt ggf. geändert haben können, mit therapiert sind. Dann gebe ich häufiger Doxepin als Antidepressivum begleitend.

Von Neuroleptika oder Lyrica bin ich kein so grosser Fan, eher würde ich auf psychotherapeutischer Ebene (Immaginationsverfahren, Traumatherapie bzw. www.emoflex.de) den inneren Alarm reduzieren bzw. dem Klienten vermitteln, wie die auftretenden Symptome der Unruhe und Angst ganz gut überstanden werden können.
Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.
Vor meinem Klinikaufenthalt nahm ich bis zu 100 mg Oxazepam und 45 mg Mirtazapin. In der Klinik reduzierte man Oxazepam und nahm schließlich auch das Mirtazapin heraus, da es keine schlaffördernde Wirkunhg mehr hatte. Nach dem Entzug erhielt ich dann gegen die Unruhe 5 mal 40 Tropfen Atosil und schließlich noch bei Bedarf Melperon, sowie Seroquel bis zu 250 mg. Man begann dann mit Cymbalta, das aber nach kurzer Zeit wieder abgesetzt wurde, da es die inneren Unruhe verstärkte. Trotz meiner Nachfrage, ob es nicht Alternativen zu Cymalta gäbe, wurde kein weiteres Antidepressivum mehr ausprobiert. Nach fast 5 Monaten Klinikaufenthalt verließ ich voller Verzweiflung und ohne Besserung gegen die Empfehlung der Ärzte die Kinik. Die Entlassungsmedikation war: 4 mal 40 Tropfen Atosoil, 50 mg Seroquel, bei Bedarf Melperon. War dies ein sinnvolles Vorgehen bei einer schweren Depression, Angst- und Unruhezuständen und gelegentlichen Panikattacken?

Inzwischen geht es mir etwas besser, nachdem die Mdeikation umgestellt wurde. Atosil und Melperon wurden abgesetzt, Seroquel 50 mg beibehalten, Mirtazapin wurde wieder eingesetzt (45 mg), und hinzu kam Saroten und zur Not als Bedarfsmedikament Neurocil.

Mir will nun fast scheinen, als ob Atosil gar eine paradoxe Wirkung gehabt haben könnte. Zumindest aber schien es mir, als ob Atosil keine Wirkung mehr gehabt hat, da sich nach der Einnahme auch nach 45 bis 60 Minuten keine Zustandsänderung ergab. Gibt es einen derartigen Wirkungsverlust?
Experte:  Verhaltenstherapeut hat geantwortet vor 6 Jahren.
Wissen Sie, derzartige Medikationsversuche sind ja auch oft eher Verzweifelungstaten. Häufig wird tatsächlich erstmal alles an Psychopharmaka-Medikation abgesetzt. Das sie nach 100 mg Oxazepam - Entzug Schlafprobleme haben, ist ja zu erwarten. Die Entlassungmedikation finde ih aber gar nicht so schlecht.

Das Problem ist doch eher, dass ihre gesammte Angststörung bzw. zugrunde liegende ich-strukturelle Störung aus der frühen Kindheit durch die Medikamente allenfalls gelindert, nicht aber therapiert werden können. Atosil hat sehr selten "paradoxe" Wirkungen nach meiner Erfahrung. Aber jeder Mensch ist individuell.
Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.
Sie schreiben einerseits, sie seien kein großer Fan von Neuroleptika, andererseits aber finden Sie meine Entlassungsmedikation mit gleich drei Neuroleptika, aber ohne ein Antidepressivum, gar nicht so schlecht. Aber diese Medikation hatte ich ja schon in der Klinik über vier Monate, und damit konnte weder meine innere Unruhe noch meine Depression in irgendeiner Weise gebessert werden. Und immer, wenn ich gefragt habe, ob diese Medikation nun die endgültige sei, mit der ich entlassen werden könnte, hat man dies bejaht. Ich war ein 'Gefangener' der Klinik, da man mich nicht gehen lassen, aber auch keine Veränderungen ausprobieren wollte.

Sie setzen ja sehr auf Psychotherapie, aber in dieser Klinik war da nicht viel zu haben: Man setzte sehr auf 'Kreativtherapien' (Ergo-, Musik oder Tanztherapie), zu denen ich aber nicht fahig war, sodann auf Entspannungsübungen (Jacobson, Autogenes Training); Kognitive Verhaltenstherapie wurde in Vorträgen angeboten. Im Internetauftritt werden psychiatrische Einzel- und Gruppengespräche angeboten. Doch es gab keine Gesprächstherapie in Gruppen, und nach langem Hin- und Her wurden mir dann zwei Einzelgespräche in der Woche angeboten, die allerdings dann von der angesetzten halben Stunde auf ca. 15 bis 20 Minuten zusammenschrumpften. In den ersten vier Wochen hatte ich nur die Visite, und es gab keine ausführlichen Gepräche zur Anamnese oder Krisenintervention.

Wenn Sie die Entlassungsmedikation, diese neuroleptische Monokultur ohne Ant-Depressiva (man hat mir ja gesagt, nach den negativen Erfahrungen mit Cymbalta plane man auch in Zukunft keinen neuen Versuch mehr mit einem Antidepressivum), die ja schon vier Monate in der Klinik erprobt wurde, aber zu keiner Besserung geführt hatte, für nicht schlecht halten, dann weiß ich auch nicht mehr, was ich sagen soll -- außer eben, das es Monate lang nichts geholfen hat. Wenn ich das in der Klinik noch zwei Monate weiter mitgemacht hätte, dann wäre ich wohl endgültig reif für den Suizid gewesen. Ich nahm ja schon vor der Klinik viele Jahre verschiedene Antidepressiva, und mit der Rückkehr einer antidepressiven Medikation geht es mir wieder etwas besser, und ich habe wenigstens nicht mehr andauernd das Gefühl, am Abgrund zu stehen. Aber diese vergeblichen fünf Monate in der Klinik haben Geduld, Vertrauen und Hoffnung doch stark dezimiert.

Ich denke, es macht jetzt keinen Sinn, wenn Sie noch einmal antworten. Es ist für mich auch das erste Mal, in einem Forum im Internet anonym zu kommunizieren, und ich merke, daß dies nicht 'mein Ding' ist, wie man heute zu sagen pflegt.
Experte:  Verhaltenstherapeut hat geantwortet vor 6 Jahren.
Sie missverstehen mich gründlich. Ich finde die gewählte Medikation nicht gut auf Dauer, aber sie sind durchaus im üblichen Rahmen. Ich selber arbeite anders. Eher mit inneren Bildern (siehe www.emoflex.de) statt allein mit Medikamenten (ja, ich habe aber auch mal rein biologische psychopharmakologische Therapie gelernt). Mein Weg bei ihren Beschwerden wäre es nicht.

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