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Dr. K. Hamann
Dr. K. Hamann, Doktor
Kategorie: Neurologie
Zufriedene Kunden: 6667
Erfahrung:  Fachärztin Allgemein und Innere Medizin
60343779
Geben Sie Ihre Frage in der Kategorie Neurologie hier ein
Dr. K. Hamann ist jetzt online.

Hallo, Ich leide seit meinem 16. Lebensjahr an Epilepsie

Kundenfrage

Hallo,

Ich leide seit meinem 16. Lebensjahr an Epilepsie und bin nach anfänglicher Einstellung auf Carbamazepin und Valproat kombinativ viele Jahre (einmal 10 Jahre), dann Anfall nach mittags nach vergessener Tabletteneinnahme (dann weitere 13 Jahre) anfallsfrei gewesen. Vor einem Jahr vorher zwei Anfälle, einem beim Sport auf dem Crosstrainer und einen nach dem Fernsehschauen (hatte in Discolicht geschaut und nach 10 Min gekrampft). Zu dieser Zeit hatte ich noch eine Monotherapie mit Orfiril.

Ich nehme seit November 2011 morgens 300 mg Apydan extent und 600 mg Orfiril long, Abends 900 mg Orfiril long und 600 mg Apydan extent.

Ein MRT zeigte kein Auffälligkeiten, die EEGs keine pathologischen Befunde, jedoch nicht befundfrei.

Heute bin ich 50 Jahre alt. Zuletzt hatte ich gestern Morgen einen Anfall, nachdem ich erst nachts um drei Uhr meine Tabletten genommen hatte.Vor drei Monaten hatte ich nachmittags einen Anfall, nachdem ich meine Tabletten morgens vergessen hatte.

Welche Rolle spielt die exakte Einnahme der Medikamente zur gleichen Zeit und nach wieviel Stunden baut sich der Serumspiegel auf und ab. Dazu finde ich nichts im Internet.

Können Sie mir helfen?

Vielen Dank! Michael
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Neurologie
Experte:  Dr. K. Hamann hat geantwortet vor 4 Jahren.
Guten Abend,

die genaue Tageszeit ist bei den beiden Präparaten sehr sehr wichtig. Die Halbwertzeit für Orfiril (Valproinsäure) liegt zwischen 12-16 Stunden. Halbwertzeit bedeutet die Zeit nach der nur noch die halbe Wirkstoffmenge vorhanden ist.
Die Halbwertzeit ist für Apydan (Oxcarbazepin) nur 1-2 Stunden. Desto wichtiger ist eine pünktliche Einnahme.

Hilft ihnen diese Antwort weiter?

Alles Gute

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. K. Hamann
Kunde: hat geantwortet vor 4 Jahren.
Liebe Frau Dr. Harmann,

vielen Dank XXXXX XXXXX schnelle und qualifizierte Antwort.

Ich verstehe, dass sich die Halbwertzeit auf den Abbau des Medikamentes bezieht. Da ich morgens eine geringere Dosis als Abends nehme, stellt sich mir auch die Frage, wie lange der Aufbau des Serumspiegel dauert. Beides hängt zwar irgendwie bei einer Morgens-und-Abends-Einnahme zusammen, jedoch habe ich meine Tabletten seit jeher nie exakt zur gleichen Zeit eingenommen.

Wenn ich also ein Äquivalent für den Abbau des Spiegels für den Medikamentenaufbau hätte, würde mir dies weiterhelfen.

Ferner, heißt, dass bei Apydan nach ca. 2 Std. nur noch die Hälfte des Wirkstoffes im Körper ist, obwohl es eine Retard_Version ist? Das würde ja bedeuten, wenn ich jeweils die Medikamente Abends zum Abendbrot einnähme, dass bereits morgens der gesamte Wirkstoff wieder abgebaut wäre, nämlich genau dann, wenn er am höchsten sein müsste. (Ich habe u.a. ein Aufwach-Grand-Mal)

Habe ich das richtig verstanden?


Vielen Dank.

Michael
Experte:  Dr. K. Hamann hat geantwortet vor 4 Jahren.
OK, bei einem Retardpräparat ist die Wirkstofffreisetzung verzögert, so dass aus der Tablettenbindung nach und nach der Wirkstoff freigesetzt wird. Beim Apydan muss dies sogar erst noch in die aktive Form umgewandelt werden.

Der Plasmaspiegel eines Medikamentes ist auch abhängig von den Eiweisen im Blut, da diese in einem hohen Maß den Wirkstoff binden und nach und nach freisetzen.

Außerdem ist der Abbau der Medikamente von der Leberfunktion und der Nierenfunktion abhängig, wie schnell oder wie langsam dies abgebaut und ausgeschieden wird.

Erkältungen/Infektionen, zusätzliche Medikamente, und auch die Ernährung beeinflussen die Plasmahalbwertzeit erheblich. Hier kann man leider keinen genauen Wert angeben. Sinnvoll hat sich das Einhalten der immer gleichen Einnahmeabstände gezeigt.

Lassen sie bitte ihre Leber und Niere überprüfen. Ernähren sie sich gesund und ausgewogen, trinken sie reichlich stilles Wasser und auch Kräutertee, da Kaffee und Schwarztee ebenfalls Einfluss auf die Aufnahme, die Plasmabindung und den Abbau haben.
Kunde: hat geantwortet vor 4 Jahren.
Liebe Frau Dr. Harmann,

danke XXXXX XXXXX Antwort. Leider jetzt etwas "schwammiger", versteh ich aber dem Grunde nach.

Gibt es bzgl. des Serumaufbaus nach der Medikamenteneinnahme ebenfalls eine "reziproken" Halbwertzeit?

Ich versuche halbwegs den Medikamenten"fluss" (Aufbau- und Abbau des Spiegels) zu verstehen.

Vielen Dank.

Michael
Experte:  Dr. K. Hamann hat geantwortet vor 4 Jahren.
was meinen sie mit reziproker HWZ?

Im Blut befindet sich bei der morgendlichen Einnahme noch eine Restmenge X vom Vorabend. Zu dieser nehmen sie nun die festegsetzte morgendliche Dosis Y. Nach der HWZ ist nur noch 50% der Menge der Einnahme Y + der Restmenge X vorhanden, noch so viel, dass sie damit bis zum Abend genügend Wirkstoff in sich haben sollten.

Nehmen sie dann aber die nächste Dosis Z zu spät ein, redziert sich der Spiegel weiter (X+Y) und zwar auf weniger als vorher X vorhanden war. Damit geht eine Abwärtsspirale los, die man nur durch eine regelmäßige Einnahme bremsen kann.

Verstehen sie? Die Menge im Blut verringert sich damit zwar nicht unendlich, aber so, dass sie einen Anfall bekommen könnten, bis zur nächsten oder übernächsten Einnahme.
Kunde: hat geantwortet vor 4 Jahren.
Liebe Frau. Dr. Harmann,

bedeutet das, dass obwohl ich nachts um drei Uhr die Einnahme der erhöhten Abenddosis eingenommen habe und dass dann der Serumspiegel am nächsten Morgen eigentlich am höchsten sein müsste, plus der Einnahme am nächsten Morgen, dann dennoch dadurch ein Anfall produziert werden kann?

Mir erschließt sich die Logik noch nicht ganz. Sorry.

Michael
Experte:  Dr. K. Hamann hat geantwortet vor 4 Jahren.
Unabhängig von der höheren Abenddosis, die sie später als sonst einnehmen, wird am nächsten Morgen die Menge des Wirkstoffes im Körper niedriger sein, als wenn sie die Dosis abends pünktlich eingenommen hätten.

Das liegt an der Restmenge vom vergangenen Vormittag, die am Abend sagen wir bei 10% liegt. Wenn sie nun aber die Abenddosis zwei Stunden später einnehmen, liegt die Restmenge nicht mehr bei 10, sondern nur noch bei 8% (das sind nur Beispiele, wie es bei ihnen konkret aussieht, kann ich nicht sagen).

Wenn sie die 10% Restmenge vom Morgen + 100% Abenddosis (pünktlich) einnehmen, haben sie am nächsten Morgen noch etwa 20%.

Wenn sie aber die 100% Abenddosis zu spät einnehmen und die Restmenge nur noch bei 8% liegt, haben sie bei gleich ablaufender HWZ weniger als 20%, auch wenn sie die Abenddosis später eingenommen haben und jetzt denken, da muss doch noch so viel im Körper sein.

Das stimmt nur bedingt, denn wenn sie die Einnahmezeitpunkte konstant halten, bleiben auch die Spiegel konstant, bei verzögerter Einnahme reduzieren sich die Spiegel nach und nach.

Ich gehe jetzt zu Bett und würde ihnen gern morgen dazu weitere rechenbeispiele bringen, wenn sie möchten.

Bis dahin alles Gute,
meiden sie grelles Licht, arbeiten sie nicht zu lange am Rechner, schlafen sie regelmäßig und auch ihr Tagesalltag sollte geregelt sein, keine Schichtdienste ;-) oder Stress. Das fördert die Bereitschaft für einen neuen Anfall, unabhängig ihrer Halbwertzeiten oder Serumspiegel ;-)

Dr. K. Hamann, Doktor
Kategorie: Neurologie
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Kunde: hat geantwortet vor 4 Jahren.
DANKE!
Experte:  Dr. K. Hamann hat geantwortet vor 4 Jahren.
Gern geschehen, und wir rechnen gern morgen weiter :-) wenn sie möchten.

Gute Nacht und nicht die Abendeinnahme vergessen ;-)

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