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Dr. Schaaf
Dr. Schaaf, Privatpraxis, Online-Beratung
Kategorie: Medizin
Zufriedene Kunden: 2012
Erfahrung:  Spezialisiert auf fachübergreifende Zweite Meinung
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Ist es richtig, dass man die Medikamente namens Rivotril und

Kundenfrage

Ist es richtig, dass man die Medikamente namens Rivotril und Lithium nicht miteinander einnehmen soll wegen toxischer Kontraindikationen?
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Medizin
Experte:  Dr. Schaaf hat geantwortet vor 4 Jahren.
Guten Tag,

das ist so nicht richtig. Neurotoxizität, auf die Sie vermutlich anspielen, tritt bei gleichzeitiger Einnahme von Neuroleptika auf. Rivotril zählt aber zu den Benzodiazepinen.
Es stellt sich aber schon die Frage, ob die Einnahme von Rivotril sinnvoll ist bei Lithiumtherapie. SICHER NICHT IN DER SELBSTMEDIKATION!!!

Bitte halten Sie Rücksprache mit Ihrem Neurologen, bevor Sie die medikamentöse Therapie verändern!


Hilft Ihnen das weiter oder möchten Sie nachfragen?

Alles Gute

Dr. Schaaf
Dr. Schaaf, Privatpraxis, Online-Beratung
Kategorie: Medizin
Zufriedene Kunden: 2012
Erfahrung: Spezialisiert auf fachübergreifende Zweite Meinung
Dr. Schaaf und weitere Experten für Medizin sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 4 Jahren.
Danke für die Antwort. Selbstmedikation findet nicht statt und der Lithiumspiegel ist auch unter Kontrolle.

Was mich aber sehr stört, ist, daß auf dem Beipackzettel von RIVOTRIL eindeutig steht, dass es nicht zusammen mit anderen Medikamenten einzunehmen ist wie Lithium zum Beispiel.

Ich habe bei der Medikation den Neurologen damals darauf angesprochen, er meinte, dass dies kein Problem darstelle.

Nun ist die Menge gottseidank sehr niedrig, doch im Laufe der Jahre habe ich nun 15 kg zugenommen bei gleichbleibender Nahrungsaufnahme.

Haben Sie Erklärungen für mich?

Gibt es ein besseres, neueres Medikament, ich habe davon in Foren gelesen.
Experte:  Dr. Schaaf hat geantwortet vor 4 Jahren.
Guten Abend,

ich habe versucht, das so gründlich wie möglich nochmals nachzulesen, bevor ich Ihnen antworte und habe keine Erklärung für eine mögliche Toxizität gefunden. Häufigster Grund für Toxizität ist ein gemeinsamer Abbauweg zweier Stoffe, aber Lithium wird praktisch vollständig über die Niere, Rivotril hingegen über die Leber abgebaut, das scheidet also auch aus. Zu weiterführenden Lektüre habe ich einen sehr ausführliche Fachinformation in den Anhang gestellt.

Wenn ich Ihre Frage richtig verstehe, suchen Sie nach einem Ersatz für Rivotril mit dem Ziel, Ihr Gewicht wieder in den Griff zu bekommen. Eine solche Therapieempfehlung ist online nicht zulässig. Was Sie aber wissen sollten: Lithium ist eher geeignet, eine Gewichtszunahme auszulösen als Rivotril. Es könnte also sein, dass Sie auf der falschen Fährte sind, wenn sie versuchen, Rivotril unter diesem Aspekt zu ersetzen

Zitat aus dem Deutschen Ärzteblatt:
Im Laufe der Jahre geht .. die Lithium-Prophylaxe schroff mit einer erheblichen Gewichtszunahme einher, nach meiner Erfahrung etwa mit einem Kilogramm pro Jahr der Behandlung; somit sind nach jahrzehntelangen Behandlungen Zunahmen von 30 bis 40 (und mehr!) Kilogramm nicht selten.


Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig weiter helfen, sonst fragen Sie bitte nach.

Alles Gute

Dr. Schaaf


Anhang:

F A C H I N F O R M A T I O N
(Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels)
1. Bezeichnung des Arzneimittels
Neurolepsin Tabletten
2. Qualitative und quantitative Zusammensetzung
1 Tablette enthält: 300 mg Lithiumcarbonat (entsprechend 8,1 mmol Lithium)
Sonstige Bestandteile:
Die vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1.
3. Darreichungsform
Weiße, runde Tabletten mit Facettenrand und einseitiger Bruchrille. Die Tablette kann in gleiche Hälften geteilt werden.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Zur Therapie und Langzeitprophylaxe von manischen bzw. hypomanen Episoden im Rahmen von bipolaren Störungen.
4.2 Dosierung, Art und Dauer der Anwendung
Die Dosierung muss entsprechend der Serumkonzentration und dem klinischen Ansprechen individuell angepasst werden (siehe auch besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen zur sicheren Anwendung).
Zur Akutbehandlung der Manie und Hypomanie:
900 mg (3 x 1 Tablette) bis zu 1800 mg (3 x 2 Tabletten) pro Tag erreichen im Normalfall ein optimales Ansprechen. Diese Dosierung führt zu einer therapeutischen Serumkonzentration von 1,0 - max. 1,2 mmol/l.
Langzeittherapie und Rezidivprophylaxe:
Die empfohlene Dosierung liegt bei 450-900 mg (3 x täglich ½ - 1 Tablette). Sie führt zu einer prophylaktisch wirksamen Langzeit-Serumkonzentration von 0,5 - 1,0 mmol/l.
In akuten Fällen soll sie häufiger (wöchentlich) kontrolliert werden, in unproblematischen Fällen bzw. in der Erhaltungsphase reicht eine Kontrolle der Serumkonzentration alle
1 – 2 Monate aus.
Ältere Patienten:
Da bei dieser Personengruppe oft bereits durch niedrigere Dosen eine therapeutische Serumkonzentration erreicht wird, ist hier besondere Vorsicht geboten, da auch Nebenwirkungen bereits bei einem von jüngeren Patienten gut vertragenen Serumspiegel auftreten. Eine Serumlithiumkonzentration über 0,6 mmol/l soll nach Möglichkeit vermieden werden.
Kinder und Jugendliche:
Neurolepsin wird für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen nicht empfohlen, da die Erfahrung begrenzt ist.
Patienten mit beeinträchtigter Nierenfunktion:
Lithium soll nur dann angewendet werden, wenn keine Alternative zur Wahl steht, und nur unter strenger Beobachtung, häufigen Kontrollen der Serumkonzentration und einer geringen
Anfangsdosierung.
2
Patienten mit beeinträchtigter Leberfunktion:
Da Lithiumcarbonat unverändert über die Niere ausgeschieden wird, ist eine Dosierungsänderung
nicht notwendig.
Art der Anwendung:
Die Tabletten sind unzerkaut mit Flüssigkeit einzunehmen.
4.3 Gegenanzeigen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Bei folgenden Krankheiten bzw. Zuständen darf Lithium nicht verabreicht werden, da das Risiko einer Lithium-Toxizität erhöht ist:
- Renale Insuffizienz
- Cardiale Insuffizienz
- Unbehandelte Hypothyreose
- Störung des Na-Haushalts aufgrund einer Dehydratation
- M. Addison
- Therapeutisch essentielle kochsalzarme Diät
- Vorsicht bei Epileptikern, da Lithium die Krampfschwelle erniedrigt.
In diesen Fällen ist eine Lithium-Therapie nur dann und mit äußerster Vorsicht anzuwenden, wenn die psychiatrische Indikation lebensbedrohlich ist und alternative Maßnahmen keine Wirkung zeigen. Gegebenenfalls ist die Anwendung stationär und unter täglicher Kontrolle der Serumkonzentration durchzuführen.
Toxizität:
Lithium-Toxizität tritt in der Regel bei Serum-Lithiumkonzentrationen von 1,5 mmol/l und darüber auf.
Besonders empfängliche Personen können bereits unter diesem Wert Symptome einer Intoxikation aufweisen.
In der akuten manischen Phase vertragen Patienten oft größere Mengen an Lithium als nach Abklingen der akuten Symptome.
Bei Auftreten der ersten Anzeichen einer Intoxikation ist die Lithium-Therapie sofort abzubrechen.
Anzeichen einer Intoxikation:
- Gastrointestinale Wirkungen wie Durchfall, Erbrechen und Dehydratation
- Neurologische Wirkungen wie z. B. Ataxie, Tremor, Hypertonie, unwillkürliche
Muskelkontraktionen, Hyperreflexie, Sprachstörungen, Verwirrung, Schläfrigkeit und Nystagmus.
Folgende Umstände können die renale Clearance von Lithium reduzieren, und so eine
Intoxikation begünstigen:
- Erbrechen
- Durchfälle
- Interkurrente Infektionen
- Zu geringe Flüssigkeitsaufnahme
- Die gleichzeitige Einnahme bestimmter Arzneimittel (siehe Wechselwirkungen)
In schweren Fällen kann eine Intoxikation zu Krämpfen und Koma mit tödlichem Ausgang führen.
Eine regelmäßige Kontrolle der Schilddrüsenfunktion wird empfohlen.
3
Einstellen der Behandlungsdosis:
Da Lithium nur eine sehr geringe therapeutische Breite hat, muss die Dosis unter laufender Kontrolle des Lithiumspiegels nach der standardisierten Lithium-Serum-Kontrolle (= Messung des Serum-Spiegels genau 12 Stunden nach der letzten Einnahme) erfolgen.
Nach der Einstellung wird empfohlen, die Lithium-Serum-Konzentration vorerst wöchentlich, dann monatlich und danach alle 3 bis 6 Monate vorzunehmen.
Niere:
Durch chronische Lithiumtherapie büßt die Niere eventuell ihre Fähigkeit, Flüssigkeit zu konzentrieren ein. Dadurch können ein nephrogener Diabetes insipidus sowie Polyurie und Polydipsie verursacht werden. In solch einem Fall müssen Patienten sorgfältig bezüglich einer möglichen Dehydrierung beobachtet werden, um eine Lithiumretention und somit Toxizität zu vermeiden.
Vor und nach einer Operation, bei der orale Flüssigkeitszufuhr kontraindiziert ist, muss die Flüssigkeitsbilanz durch parenterale Zufuhr ausgeglichen werden.
Diese Veränderung ist meist beim Absetzen von Lithium reversibel.
Gleichzeitige Behandlung mit Diuretika:
Sie können die Toxizität von Lithium durch vermehrte Diurese verstärken (siehe Kapitel Wechselwirkungen). Es ist daher in solchen Fällen häufiger die Serum-Lithiumkonzentration zu prüfen und die Dosierung dementsprechend anzupassen.
Gleichzeitige Behandlung mit Neuroleptika:
Es können neurotoxische Symptome auftreten. In diesem Fall ist die Behandlung sofort abzusetzen. In extrem seltenen Fällen führt die Kombinationstherapie zu einem enzephalopathischen Syndrom (Delirium, Krampfanfälle oder erhöhte Inzidenz extrapyramidaler Symptome), das sich ähnlich wie ein malignes neuroleptisches Syndrom
manifestiert.
Natrium- und Kalium-Reabsorption
Durch eine verringerte Natrium- und Kalium-Reabsorption in den Nierentubuli kommt es zu Beginn einer Lithium-Behandlung zu einer Natriumverarmung. Diese ist normalerweise nur vorübergehend, die Natrium- und Kaliumausscheidung entspricht nach einer Woche wieder jener vor Behandlungsbeginn.
Elektrokrampftherapie:
Lithium sollte zwei Tage vor Beginn einer Elektrokrampftherapie abgesetzt werden. Es kann anderenfalls zu einem Delirium kommen.
Wichtige Informationen für ambulante Patienten und deren Angehörige/Familien
- Der Patient soll über die Notwendigkeit von Natrium-reicher Kost, einer hohen
Flüssigkeitszufuhr sowie über die Symptome einer Intoxikation unterrichtet werden.
- Bei klinischen Zeichen einer Lithiumintoxikation (siehe oben) ist die Therapie sofort zu beenden und der behandelnde Arzt zu kontaktieren.
- Das Medikament ist zum vorgeschriebenen Zeitpunkt einzunehmen. Wird eine Dosis
vergessen, soll der Patient die nächste Dosis zum nächsten vorgesehenen Zeitpunkt einnehmen. Keinesfalls ist die doppelte Dosis einzunehmen.
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Ältere Patienten:
Ältere Patienten sind hinsichtlich einer Lithiumintoxikation besonders anfällig, da die Ausscheidungsfunktion der Niere oftmals reduziert ist. Deshalb ist bei dieser Patientengruppe Lithium nur mit großer Sorgfalt anzuwenden.
Um ausreichende Compliance zu sichern, soll der Patient vor Therapiebeginn und vor allem während der Therapie in der anfallsfreien Zeit mehrmals über die Vorteile der Therapie aufgeklärt werden.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Wirkstoffe, die die Serum-Lithiumkonzentration erhöhen:
- Diuretika
- Thiazide, die eine paradoxe antidiuretische Wirkung zeigen, was zu einer
Wasserretention und Lithiumintoxikation führen kann.
- Kaliumsparende Diuretika
- Schleifendiuretika
- Nichtsteroidale Antirheumatika
- Metronidazol
- ACE-Hemmer
- Tetrazykline
Wirkstoffe, die die Serum-Lithiumkonzentration herabsetzen:
- Harnstoff
- Xanthine
- Alkalisierende Mittel wie Natriumcarbonat
- Diuretika
- Osmotische Diuretika
- Carboanhydrasehemmer wie Acetazolamid
Bei gleichzeitiger Einnahme der oben genannten Substanzen ist die
Serum-Lithiumkonzentration häufiger zu prüfen, um die adäquate Dosierung sicherzustellen.
Wechselwirkungen, die zu Neurotoxizität führen können:
- Neuroleptika (ev. Auftreten enzephalopathisches Syndrom)
- Methyldopa
- Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (ev. Auftreten serotonerges Syndrom)
- Antiepileptika
- Kalziumkanalblocker (Sie bewirken ev. die Verstärkung der neurotoxischen Wirkung von Lithium. Die Serumkonzentration muss daher im unteren therapeutischen Bereich eingestellt werden.)
- Trizyklische Antidepressiva
Sonstige Wechselwirkungen:
- Verstärkung der thyreostatischen Wirkung von Jod-Salzen
- Verlängerung der Wirkung von neuromuskulär blockierenden Substanzen
4.6 Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft: Aus der Epidemiologie ist bekannt, dass Lithium in der Schwangerschaft durch ein erhöhtes Risiko von Herzanomalien, insbesondere Ebstein-Anomalie und anderen Missbildungen, Schaden hervorrufen kann. Lithium darf daher nicht in der Schwangerschaft verwendet werden, es sei denn, der potentielle Nutzen für die Mutter überwiegt die möglichen Gefahren für das Kind.
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Wenn Lithium in der Schwangerschaft verabreicht wird, soll die niedrigste, noch wirksame Dosis gegeben werden, wobei die Serumspiegel aufgrund der Änderungen der Nierenfunktion bei Schwangerschaft und Entbindung häufig zu messen sind. Lithium muss 7 – 10 Tage vor der Entbindung abgesetzt werden, da die renale Clearance während der Entbindung dramatisch abnimmt und bei Mutter und Kind zu Toxizität führen kann. Die Lithiumtoxizität ist bei Neugeborenen meist innerhalb von 1 – 2 Wochen reversibel.
Stillzeit: Lithium wird in die Muttermilch ausgeschieden. Die Mutter sollte daher während einer Lithiumtherapie nicht stillen, es sei denn, der potentielle Nutzen für die Mutter überwiegt die möglichen Gefahren für das Kind.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von
Maschinen
Lithium kann zu Störungen des ZNS führen, was sich als Schläfrigkeit, Benommenheit oder Halluzinationen äußern kann. Patienten sollten vor den möglichen Gefahren gewarnt werden, wenn sie beabsichtigen, ein Kraftfahrzeug zu lenken oder Maschinen zu bedienen.
4.8 Nebenwirkungen
Die Häufigkeit des Auftretens und die Intensität der Nebenwirkungen korrelieren im allgemeinen mit dem Serumlithiumspiegel und der individuellen Empfindlichkeit des Patienten auf Lithium.
Nebenwirkungen treten häufiger und mit größerer Intensität bei höheren Konzentrationen auf. Die therapeutische Breite ist sehr gering. Zeichen von Lithiumintoxikation siehe Kapitel „Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung“.
Zu Beginn der Behandlung treten auf: feinschlägiger Tremor, Polyurie, Polydipsie und Übelkeit.
Meist klingen diese unerwünschten Wirkungen mit der Fortdauer der Behandlung oder nach Verringerung der Dosis ab.
In den folgenden Organsystemen kann es zu Symptomen bei Einnahme von Lithiumcarbonat kommen, wobei keine Häufigkeiten angegeben werden können.
Herzerkrankungen:
Arrythmien, wobei Bradykardien aufgrund einer Sinusknoten-Dysfunktion am häufigsten vorkommen, peripherer Kreislaufkollaps, Hypotonie, Ödeme und Raynaud-Syndrom.
EKG-Veränderungen: reversible Abflachung und Inversion der T-Welle.
Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems:
Leukozytose.
Erkrankungen des Nervensystems:
Tremor, Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Schwindel, Benommenheit, verwaschene Sprache, Dysgeusie, Myasthenia gravis, Faszikulationen, unwillkürliche Bewegungen der Extremitäten, Ataxie, choreoathetotische Bewegungen, hyperaktive Sehnenreflexe, extrapyramidale Symptome,
Stupor, Koma, Enzephalie, Pseudotumor cerebri.
Augenerkrankungen:
verschwommenes Sehen, Skotome, Nystagmus
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts:
Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, exzessive Speichelproduktion, Anorexie, Gastritis, trockener Mund.
Erkrankungen der Nieren und Harnwege:
Nephrogener Diabetes insipidus, Harninkontinenz, akutes Nierenversagen.
Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes:
Alopezie, Akne, Pruritus, Follikulitiden, Exazerbationen von Psoriasis, Angioödeme, Rash und
andere Formen einer Überempfindlichkeit.
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Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen:
Arthralgie, Myalgie.
Endokrine Erkrankungen:
Euthyreote Strume, Hypothyreosen, Hyperthyreosen, Hyperparathyreoidismus, Parathyroidea-Adenom, Schilddrüsenkarzinom, Thyreoditiden.
Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen:
Gewichtszunahme, Hyperglykämie, Hyperkalzämie.
Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse:
Impotenz, sexuelle Dysfunktion.
Psychiatrische Erkrankungen:
Halluzinationen, Somnolenz, Amnesie.
Die extrapyramidalen Symptome wie Tremor können durch Zugabe eines Beta-Blockers
vermindert werden.
Ab 1,4 mmol/l ist mit allgemeiner Zunahme der Nebenwirkungen zu rechnen.
4.9 Überdosierung
Die toxischen Konzentrationen von Lithium liegen eng bei den therapeutischen Konzentrationen.
Die Symptome sind ähnlich wie die unter Nebenwirkungen beschriebenen Nebenwirkungen. In schweren Fällen kann es zu zerebralen Anfällen und zum Koma mit tödlichem Ausgang kommen.
Die Behandlung besteht in einer Magenentleerung mit unterstützender und symptomatischer Behandlung sowie Korrektur eines Elektrolytungleichgewichts. Forcierte Diurese und Dialyse sind von Nutzen. Ein spezielles Antidot ist nicht bekannt.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Nervensystem, Psycholeptika, Antipsychotika, Lithium
ATC-Code: N05AN01
Lithium verursacht wesentliche Wirkungen auf eine Reihe von neurochemischen Systemen wie:
- Ionenkanäle
- Neurotransmitter, wie Serotonin, Dopamin und Norepinephrin
- Second-Messenger Systeme wie Inositphosphatide und zyklisches AMP (cAMP).
Neurotransmitter
β-Adrenerge
Lithium erhöht den Anteil an Rezeptoren mit niedriger Affinität, wodurch die Funktion der β-Rezeptoren reduziert wird.
α2-Adrenerge
Lithium induziert eine Subsensivität der α2-Rezeptoren, wodurch die Freisetzung von Norepinephrin erhöht wird.
Serotonerge
Lithium führt zur Down-Regulation einiger serotonerger Rezeptor-Subtypen und erhöht den Serotonin-Umsatz. Das reduziert den negativen Feedback, wodurch die Freisetzung von Serotonin erhöht wird.
Dopaminerge
Bei gleichzeitiger Gabe mit Neuroleptika blockiert Lithium die Up-Regulation der Rezeptoren und erhöht die Konzentrationen und den Umsatz von Dopamin. Dies verhindert die Freisetzung von Norepinephrin und die Up-Regulation der Dopamin D2 Rezeptoren, während die
Wirkungen von indirekten Agonisten verstärkt werden.
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Second-Messenger
Inositphosphatide
Lithium blockiert die Wirkung von Inositolphosphat 1-Phosphat und Inositol-Monophosphat-Phosphatase. Das führt zur Verarmung von Inositol und dämpft die Funktion des
Inositolphosphatidzyklus.
Adenylcyclase
Lithium hemmt die Adenylcyclase direkt durch Verdrängung von Magnesium. Lithium hemmt auch G-Proteine. Das führt zu einer Reduktion oder zu einer Zunahme der Adenylcyclase-Funktion in Abhängigkeit vom Verhältnis der regionalen G-Proteine.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Absorption:
Lithiumcarbonat wird schnell und fast vollständig aus dem Gastrointestinaltrakt resorbiert.
Verteilung:
- Maximale Serumkonzentrationen werden nach 0,5 - 3 Stunden erreicht.
- Nach 4-7 Tagen stellt sich ein Steady-State der Serum-Lithium-Konzentration ein. Zu diesem Zeitpunkt setzt der antimanische Effekt ein, die volle therapeutische Wirkung nach 10 - 21 Tagen.
- Lithium verhält sich im Organismus wie Na+, bei Natriummangel verbleibt Li+ als Na+-Ersatz im Liquor, wodurch sich die HWZ bis auf 33 Stunden und mehr verlängern kann.
- Lithiumcarbonat bindet nicht an Plasmaproteine.
Metabolismus:
Lithiumcarbonat wird im Körper nicht metabolisiert.
Eliminierung:
Lithiumcarbonat wird mit einer biologischen Halbwertszeit von 20-24 Stunden unverändert und hauptsächlich renal eliminiert. Eine längere Halbwertszeit ist bei älteren Personen (bis zu 36 Stunden) und bei Personen mit Nierenfunktionsstörungen (40-50 Stunden) zu beobachten.
Ältere Patienten /Patienten mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion:
- Bei älteren Patienten und Patienten mit Nierenfunktionsstörungen kommt es durch eine langsamere Lithium-Ausscheidung zu einem erhöhten Lithium-Serumspiegel.
- Da Lithiumcarbonat nicht metabolisiert wird, hat eine Leberfunktionsstörung keinen Einfluss auf
die Pharmakokinetik.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Lithium besitzt eine geringe therapeutische Breite (s. Überdosierung).
Toxische Effekte (wie Polyurie, Polydipsie, histologische Veränderungen der distalen und corticolaren Tubuli, Abfall der T3-T4 Werte, Tremor) traten nach dem therapeutischen Bereich auf Lithium hat teratogene und fetotoxische Wirkungen.
Mutagenes und tumorerzeugendes Potential:
Lithiumsalze können in hohen Konzentrationen in vitro und in Versuchstieren
Chromosomenmutationen induzieren. Langzeitkanzerogenitätsstudien liegen nicht vor.

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