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Dr. Hamann
Dr. Hamann, Dr. med.
Kategorie: Medizin
Zufriedene Kunden: 6667
Erfahrung:  Fachärztin Allgemein und Innere Medizin
60343779
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Dr. Hamann ist jetzt online.

Ueberlebensdauer bei hypoglykaemischem Schock

Kundenfrage

Wie lange kann ein Diabetiker, der im hypoglykaemischen Schock liegt, ueberleben, wenn er allein ist und keine Hilfe in reichbarer Naehe ist?
Nach wie vielen Stunden od. Minuten bekommt der Diabetiker bleibende Gehirn- oder andere Schaeden und nach wie vielen Stunden stirbt er?

Ich frage dies, weil ein Charakter in meinem Roman an Diabetes leidet, in einem hypoglykaemsichen Schock liegt, und die Handlung des Romans verlangt, dass er erst nach 1 1/2 - 2 Std. entdeckt wird, dass er im Koma liegt.

Da der Roman 1986 spielt, muss auch dringend wissen, wie die Behandlung von Diabetes damals in Deutschland aussah. Koenen Sie mich auf Literatur verweisen, die mir Auskunft dazu geben kann? Z. Bsp. ein medizinsisches Lehrbuch aus der Zeit um 1985?

Vielen Dank XXXXX XXXXX Antwort.

Christiane Alsop, Boston, U.S.A.
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Medizin
Experte:  Dr. Hamann hat geantwortet vor 5 Jahren.
Guten Tag,

eine Kollegin wies mich darauf hin, dass ihre Frage noch offen ist. Nun so ganz einfach ist dies gar nicht zu beantworten. Da die Hypoglykämie und der Verlauf von verschiedenen Faktoren abhängig ist.
ist ihre Figur etwas kräftige (mehr Unterhautfett), dann kann die Zeit von 1,5h durchaus überlebt werden ohne bleibende Schäden.

Der Schock impliziert, dass der Kreislauf zentralisiert und nur noch lebenswichtige Organe (Herz, Gehirn und Nieren) mit Blut versorgt werden, dadurch ist die Reduktion des Blutzuckers deutlich verlangsamt und der Körper brennt auf Sparflamme.
Erst ein vollsändiger Aufbracuh der Zucker im Blut führt über Zersetzung von Eiweis und Glykogen aus der Leber und reicht das auch nicht mehr aus, das dann zum Tod. Dieser Prozess kann einige Tage andauern. Also ihr Diabetiker könnte auf dem Meer treiben und würde mit adäquater Wasserzufuhr noch etwa drei Tage überleben.

Ablauf (durchaus auch variabel):
-Müdigkeit bishin zu Somnolenz (ab halbe Stunde/4h)
-Herzrhythmusstörungen (ab 5h)
-Nierenversagen (ab 3-5h)
-Krampfanfall, Verwirrtheit, Hirntod (ab 30 Minuten, Hirntod kann schon nach kurzer Zeit eintreten, abhängig vom Blutzuckerwert)

Der Unterzucker muss erst einmal erkannt werden, dies gilt für 2012 wie für 1986.
Wird es erkannt (Blutzuckermessung), erfolgte damals wie heute mit Glukoseinfusion (initial 25g Glukos intravenös, finden sich wegen der Zentralisierung keine Venen, kann die Glukose auch in den Muskel oder Glukagon unter die Haut gespritzt werden. (Dabei kann das Glukagon unwirksam sein, wenn die Hypoglykämie alkoholinduziert ist. Das war aber 1986 noch nicht bekannt.)

Ein beginnendes Absinken der Glukose im Blut führt zu Gegenmassnahmen des Körpers:
-sympathische neuronale Regulation (Schwitzen, Unruhe)
-Adrenalinausschüttung (Herzrasen)
-Glukagonregulation (Lebersynthese, wenn ihr Charakter einen Hang zum Alkoholismus hätte, würde dies nicht funktionieren, Ethanol hemmt die Glukoneogenese)
Achtung: die alkoholinduzierte Hypoglykämie tritt erst nach mehrtägigem Alkoholexzess auf, wenn der Patient zu wenig Nahrung aufnimmt und die Glykogenspeicher leer sind.

Literatur kann ich ihnen keine benennen, jeden falls nicht von 1986. Aber sie finden sehr viele Artikel darüber in Pubmed:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?term=hypoglycemia%201986


Alles Gute und bei Fragen, melden sie sich einfach nochmals, ja?