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Christian Lee
Christian Lee, Dr. Med.
Kategorie: Medizin
Zufriedene Kunden: 375
Erfahrung:  Facharzt für Allgemeinmedizin (12 Jahre Praxis) & Spezialist für Infektiologie (10 Jahre)
32376790
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Christian Lee ist jetzt online.

guten abend, mein mann hatte vor 5 tagen einen zeckenstich,jetzt

Kundenfrage

guten abend,
mein mann hatte vor 5 tagen einen zeckenstich,jetzt hat er grippesymtome,übelkeit,kopfschmerzen und fieber.
wir machen uns sorgen wegen einer infektion von fsme,was können wir tun?
welchen arzt sollen wir aufsuchen?
danke XXXXX XXXXX hilfe e. trucksäss
Gepostet: vor 6 Jahren.
Kategorie: Medizin
Experte:  Christian Lee hat geantwortet vor 6 Jahren.
Guten Abend,
theoretisch könnte es sich tatsächlich um eine Infektion mit dem FSME-Virus, nicht eine FSME (!), handeln. Weshalb?

Nun, die Infektion mit dem FSME-Virus verläuft in zwei Phasen. Bei Ihrem Mann würde es sich, 5 Tage nach Zeckenstich, um die erste Phase handeln.
  • Die erste Krankheitsphase der FSME-Infektion beginnt nach einer Inkubationszeit von 3-28 Tagen, fünf Tage wären also eben noch drin, mit grippalen Symptomen und ist nicht zu unterscheiden von einer milden Grippe. Die erste Phase dauert kurz, meist nur einige wenige Tage, und dabei bleibt es bei ca. 90% der Erkrankten! Dabei handelt es sich also nicht um eine FSME sondern nur um die Infektion mit einem FSME-Virus! Nur weniger als 10% treten später in die zweite Phase ein. .
  • bei diesen 10% der FSME-Infizierten beginnt nach Entfieberung und einer symptomfreien Latenzzeit von ca. 3-8 Tagen die zweite Phase in der das Virus das Zentralnervensystem befällt (=Meningoencephalitis, daher der Name FrühSommerMeningoEncephalitis). Dieses zeichnet sich klinisch zunächst durch heftige Kopfschmerzen, hohes Fieber, Gliederschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, und neurologischen Symptomen (fast) jeder Art aus. Erst dies ist die Krankheit FSME!
    Die Häufigkeit von bleibenden Spätfolgen bei dieser zweiten Phase wird auf ca. 7% der Zweitphasen-Patienten geschätzt.
Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass sich Ihr Mann, wenn es sich überhaupt um eine FSME-Infektion handelt, mit Sicherheit in der ersten Phase befindet und die Gefahr überhaupt in die zweite Phase zu kommen ca. 10% und dann die Wahrscheinlichkeit eine bleibende Schädigung zu erleiden wieder nur 7% ist.
Ausmultipliziert heisst das, dass im jetzigen Fall, sollte es denn eine FSME-Infektion sein, die Wahrscheinlichkeit einer dauernden Schädigung 0.1 x 0.07 = 0.007 oder 0.7% beträgt.

Nochmals eine gute Nachricht: wir sind mitten in der Sommergrippeviruszeit. Diese Sommergrippeviren (Echoviren, Coxsackieviren, Enterovirus spp.) sind klinisch nicht zu unterscheiden von einer milden Grippe oder eben auch von der ersten Phase einer FSME-Virusinfektion. Und die Wahrscheinlichkeit einer solchen Sommergrippeinfektion ist sehr viel höher als diejenige einer FSME-Infektion, auch wenn Ihr Mann von einer Zecke gestochen wurde.

Dazu wäre noch die Frage des Wohnortes bzw. in welcher geografischen Region die Zecke beheimatet war. Es gibt ja die bekannten Zeckengebiete, dazwischen sind sehr grosse Landstriche in denen die Zecken selbst nicht von FSME-Viren befallen sind.

Hoffe dass dies Ihre (verständlichen) Ängste etwas beruhigt

und grüsse Sie freundlich, ChristXXXXX XXXXX
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falls diese Info hilfreich war, danke XXXXX XXXXX für die Honorierung mit "Akzeptieren"

Christian Lee, Dr. Med.
Kategorie: Medizin
Zufriedene Kunden: 375
Erfahrung: Facharzt für Allgemeinmedizin (12 Jahre Praxis) & Spezialist für Infektiologie (10 Jahre)
Christian Lee und weitere Experten für Medizin sind bereit, Ihnen zu helfen.
Experte:  Christian Lee hat geantwortet vor 6 Jahren.
Bezüglich einer möglichen FSME-Infektion wäre höchstens noch die Injektion eines spezifischen Hyperimmunglobulin-Präparates möglich. Ob dies mitten in der erste Phase überhaupt noch eine Wirkung zur Verhinderung einer zweiten Phase hätte ist meines Wissens nicht bekannt. Sonst gibts nichts anderes als 'abwarten und Tee trinken'. Dabei vielleicht zur Beruhigung: trotz sehr vieler Zecken bzw. Zeckenstiche (CH) wurden letztes Jahr nur 118 Fälle diagnostiziert. Leider kann ich nicht sage wieviele Leute gestocken wurden, es dürften aber mindestens 100'000 sein.
*****************
Bitte beachten: Hatte heute vormittag leider über der FSME-Frage Ihre Bemerkung zur Neuroborreliose des Mannes vergessen... Lösche aber die bereits geschriebenen diesbezüglichen Bemerkungen jetzt nicht mehr. Es wäre höchstens noch die Frage ob eine Reinfektion mit einem andern Borrelienstamm möglich wäre da es keine stabile Immunität gegen B.burgdorferi gibt und die Oberflächenvariabilität (und damit die spezifische Immunantwort) recht vielfältig ist.
*******************
Denken Sie an die Möglichkeit einer Übertragung von Borrelia burgdorferi. Dies ist momentan nicht aufregend, sollten sich aber verdächtige oder auch unklar einzuordnende Symptome bilden in den nächsten Wochen und Monaten, so wäre ein Arztbesuch zu empfehlen. Gegen diese Bakterien kann wenigstens kurativ etwas unternommen werden (Antibiotikum).

Übrigens sollte es zum Rüstzeug jeden Arztes gehören, den Patienten richtig zu informieren und bei Fragen/Problemen korrekt zu managen. Eine Blutuntersuchung wäre momentan noch etwas früh, sinnvollerweise könnte aber zum jetzigen Zeitpunkt eine Blutprobe abgenommen und das Serum weggefroren (-20°C ausreichend) werden. Bei allfälligen Unklarheiten könnte später dieses 'Nullserum' verglichen werden mit dem späteren aktuellen Serum, was oft die Diagnostik unerhört erleichtert oder überhaupt erst möglich macht. Dies wäre übrigens auch im Hinblick auf eine Lyme-Borreliose genauso wichtig und sinnvoll.

Trotz allem, die Wahrscheinlichkeit einer Sommergrippevirusinfektion ist sehr viel höher als die einer FSME-Infektion.

Lyme-Borrelien übrigens würden nicht dieses klinische Bild machen, jedenfalls kaum je in diesem Frühstadium (relativ minimale, flüchtige Symptome wären u.U. evtl. möglich) und sind recht selten. Meist werden solche Symptome nicht mal wahrgenommen.

Zusammengefasst:
  • der Arzt könnte ein Nullserum abnehmen ...
  • und ansonsten höchstens noch die Frage einer Immuntherapie abklären (meines Wissens gibt es wie gesagt keine zuverlässigen Daten ob dies überhaupt Sinn machen würde. Die Hersteller sprechen von einer Therapie optimal innert 48h nach Zeckenstich, ob dabei allerdings auch die erste Phase verhütet werden soll ist mir nicht bekannt).
  • Wachsamkeit bezügl. allenfalls später auftretenden Symptomen der Lyme-Borreliose. Falls sich eine Rötung an der Sichstelle entwickelt dem Arzt zeigen, es könnte sich um ein ECM (erythema chronicum migrans, durch Borrelien verursacht) handeln und wäre eine Therpieindikation
mit freundlichem Gruss, ChristXXXXX XXXXX
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Verändert von ChristXXXXX XXXXX am 10.07.2010 um 08:46 Uhr EST

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