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Dr. Duncan Klein
Dr. Duncan Klein, Arzt
Kategorie: Medizin
Zufriedene Kunden: 155
Erfahrung:  Facharzt Kinder- und Jugendmedizin, Neonatologie
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Dr. Duncan Klein ist jetzt online.

Muss ein Arzt verhindern, dass ein Patient die Intensivstation

Kundenfrage

Muss ein Arzt verhindern, dass ein Patient die Intensivstation auf eigenen Wunsch mitten in der Nacht verlässt, ob wohl Lebensgefahr besteht, wenn der Patient als zurechnungsfähig eingestuft wird?
Gepostet: vor 7 Jahren.
Kategorie: Medizin
Experte:  Dr. Duncan Klein hat geantwortet vor 7 Jahren.
Hallo und vielen Dank für Ihre Frage
Ja, in der Tat, insofern eine Bedrohung für das Leben des Patienten besteht, muss der Arzt den Patienten schützen, selbst wenn er zurechnungsfähig scheint. Dies kann u.U. sogar bis zu einer zeitweisen "Entmündigung" des Patienten durch einen Richter führen, wenn der Arzt bestätigt, dass eine unmittelbare Gefährdung des Lebens durch sich selbst oder andere bestehen könnte. Dies ist allerdings ein Extremfall, ich denke, sie sollten nochmals versuchen, das Gespräch zu suchen und eine andere Lösung zu finden!
Alles Gute!
Kunde: hat geantwortet vor 7 Jahren.

Die Patientin ist tot. Sie hat die Intensivstation (Schilddrüsenüberfunktion und Tumor im Unterbauch) verlassen. Sie sollte nachts in ein anderes Zimmer verlegt werden, war damit nicht einverstanden und hat der Stationsärztin mitgeteilt, dass Krankenhaus auf eigenen Wunsch verlassen zu wollen. Die Angehörigen (Ehemann und Tochter) wurden angerufen, als diese kamen, saß die Patientin zitternd und verängstigt auf einem Stuhl auf dem Stationsflur. In Gegenwart der Angehörigen beschwerte sich die Stationsärztin über das Verhalten der Patientin und füllte einen Entlassungsbogen aus. Die Patientin lief nach draußen, ohne den Entlassungsbogen richtig unterschrieben zu haben. Die Angehörigen folgten ihr. Die Ärztin rief der Tochter der Patientin im Vorbeigehen zu, sie solle ihre Mutter in ein anderes Krankenhaus bringen, da sie sonst noch in dieser Nacht sterben könnte.

 

Die Angehörigen waren ziemlich hilflos und nahmen die Patientin mit nach Hause, da Sie es vehement ablehnte in ein anderes Krankenhaus zu fahren. In den darauffolgenden Tagen ging es ihr besser, sie arbeitete sogar wíeder. Als es ihr wieder schlechter ging, wollte ein herbeigerufener Notarzt sie zurück in das Krankenhaus überweisen. Dieses lehnte die Aufnahme wegen fehlender Kapazität ab. Sie wurde zunächst in ein anderes Krankenhaus gebracht, dort in Narkose gelegt und in das ursprüngliche Krankenhaus gebracht, was plötzlich wohl doch möglich war. Der Grund für den Transport war angeblich eine fehlende Möglichkeit der Medikation im zweiten Krankenhaus. Aus der Narkose ist die Patientin nicht wieder erwacht. Als Todesursache wurde eine Thyreotoxische Krise genannt. Bitte um ein Stellungnahme.

Experte:  Dr. Duncan Klein hat geantwortet vor 7 Jahren.
Dies tut mir sehr leid.
In diesem Fall war keine unmittelbare Gefährdung/drohender Tod für den Patienten vorhanden, und der behandelnde Arzt hatte wenigstens die Pflicht, den Patienten auf die nötige Behandlung und die möglichen Folgen bei Verweigerung hinzuweisen. Dies wird durch eine sog. Entlassung auf eigenes Verlangen rechtlich abgesichert. Mit der Dokumentations auf dem Entlassungsbogen hat der Arzt sich abgesichert, auch wenn der Patient letztendlich nicht unterschrieben haben sollte. Zusätzlich ist es bei einer zwingend tödlichen Erkrankung nochmal anders, wenn ein nicht heilbarer Tumor diagnostiziert wird und der Patient sich gegen eine Behandlung entscheidet, ist dies ebenfalls zulässig.

Komplikationen, die aus einer Grunderkrankung heraus erfolgen, und bei Entlassung nicht direkt voraussehbar sind, werden nicht als akute Selbstgefährdung eingestuft, daher hatte die Ärztin (soweit ihre Informationen eine Beurteilung sicher zulassen) keine weitere Handhabe, um das Verlassen der Patientin zu verhindern.

Entscheident ist immer, ob ein direkter Zusammenhang zwischen drohendem Tod und nicht durchgeführter akuter Therapie hergestellt werden kann (dies ist bei der genannte Diagnose unwahrscheinlich!)

Trotzdem empfehle ich, das Gespräch mit allen Beteiligten zu suchen, dies ist immer eine emotional sehr belastende Angelegenheit, wenn mögliche Vorwürfe oder Schuldfragen im Raum stehen, und alleine die Aufarbeiteung kann viele Missverständnisse und Unklarheiten beseitigen und mögliche Konflikte lösen, die nach dem tragischen Tod der Patientin sicher im Raum stehen.
Kunde: hat geantwortet vor 7 Jahren.
Bitte noch eine Frage. Die Ärztin hat auf den in der Nacht möglichen drohenden Tod hingewiesen. Liegt dann keine akute Selbstgefährdnung vor, wenn die Patientin einfach panisch weg will?
Experte:  Dr. Duncan Klein hat geantwortet vor 7 Jahren.
Schwer zu beantworten, aber bei dieser Diagnose eher nicht. Sie hat wahrscheinlich eine sehr gute Einschätzung der Situation geliefert, und wie bereits erwähnt, sobald eine nicht heilbare Erkrankung im Spiel ist, hat der Patient auch immer die Möglichkeit, sich gegen weitere Therapien auszusprechen (nach genügender Aufklärung).
Dies ist ein sehr schwieriges Thema und abschliessend ohne 100% Kenntniss aller Fakten (und dann vielleicht auch nicht) kaum zu lösen, und würde sicher den hiesigen Rahmen sprengen.