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drhippokrates
drhippokrates, Dr. Med.
Kategorie: Medizin
Zufriedene Kunden: 1990
Erfahrung:  Mehrjährige klinische Erfahrung in Innere Medizin, Neurologie und Psychiatrie
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drhippokrates ist jetzt online.

Ritalin und Talkumembolie! Medikinet enth lt kein Talkum. Ist

Kundenfrage

Ritalin und Talkumembolie! Medikinet enth?lt kein Talkum. Ist es besser vertr?glich? Bezieht sich eine Talkumembolie auch auf die normale per orale Aufnahme oder nur auf nicht empfohlene i.v. oder inhalative Applikation?
Gepostet: vor 7 Jahren.
Kategorie: Medizin
Experte:  drhippokrates hat geantwortet vor 7 Jahren.
Es geht dabei weniger um den Stoff Talkum als vielmehr das Muster der embolischen Genese durch die Beistoffe einer Tablette. Wenn eine Medikinet Tablette nur den Wirkstoff Methylphenidat enthalten würde, wäre es kein Problem. Die Beistoffe der Tablette bieten ein (wenn auch geringes) Risiko einer Embolie. Hier sind wohl besonders eine durch MPH ausgelöst Retinopathie (embolischer Genese) zu berücksichtigen. Die Publikationen sind aber aus den 70er Jahren.


Die orale Aufnahme bietet dieses Risiko nicht. Die i.v. oder nasale Applikation ist aber nicht nur wegen dem Embolie-Risiko gefährlich. Das Hauptproblem ist die schnelle Galenik, d.h. das Pharmakon wirkt am Dopamin-Transporter genau wie Kokain mit einer HWZ von 30 min. Das erzeugt eine so schnelle Suchtentwicklung, dass man sich wundert.
Dieses Problem hat man bei der oralen Einnahme nicht. Methylphenidat bei Ritalin und Methylphenidat in Medikinet unterscheiden sich ansonsten wirklich nur marginal (u.a. in Hinblick auf Glutenempfindlichkeit).


Verändert von web4health am 28.03.2010 um 14:22 Uhr EST
Kunde: hat geantwortet vor 7 Jahren.
Wenn ich Sie richtig verstehe besteht bei oraler Aufnahme von MPH kaum ein Risiko hinsichtlich Embolie oder Suchtentwicklung. Warum denken Sie, dass meine Patientin (erinnern Sie sich? von gestern, die mit der Narkolepsie) das Ritalin nasal inhaliert? Wirkt MPH nur auf diese Art der Einnahme euphoriesierend? Was würden Sie ihr raten was ihren euphorisierenden Kick angeht (rechtlich ganz unverbindlich, nur zur meiner persönlichen Information)? Gibt es aus der Sicht der Psychotherapeuten ein Medikament, das man hier stattdessen einsetzen sollte? Soviel ich fremdanamnestisch weiss hat sie bereits diverse Antidepressiva eingenommen und selbst wieder abgesetzt, da sie sich nicht für depressiv hält, sondern nur gern ihr Ritalin "missbraucht".
Experte:  drhippokrates hat geantwortet vor 7 Jahren.
Richtig. Üblicherweise ist MPH sehr sicher und macht wirklich kaum Probleme. Ich dürfte in Deutschland zu den Ärzten mit den meisten ADHS-Patienten bei Erwachsenen gehören, da ich das schwerpunktmässig in der Klinik mache. Auf die Idee es nasal einnehmen zu wollen, kommen keine "normalen" Patienten. Eigentlich nur, wenn die Wirkung scheinbar nachlässt. Was aber so nicht vorkommen darf / sollte / kann. MPH macht bei normaler Einnahme keine Toleranzentwicklung und damit auch keine Sucht. Es sei denn, es wird missbräuchlich zur Stimmungsstabilisierung eingesetzt. Das funktioniert auch, aber die Wirkdauer wird immer kürzer bzw. die Einnahmeintervalle müssen verkürzt werden. Das führt zu einer Suchtproblematik. Ich vermute, dass sie eine unentdeckte dissoziative Störung hat und weniger die euphorisierende Wirkung sucht. Es geht ihr um "Stabilität", die sie sonst nicht hat. MPH wirkt bei einigen Patienten kurzfristig antidissoziativ bzw scheinbar gegen das Flackern der Aufmerksamkeit und eine lähmende Müdigkeit. Diese Müdigkeit erkläre ich mir wie ein Computer, bei dem zu viele Dateifragemente bzw. Fenster auf sind und wie "Müll" durch die Gegend schwirren. Üblicherweise würde man das im Traumschlaf wegträumen und "defragmentieren". Das kann sie nicht (ausreichend). Also wird sie einen nicht erholsamen Schlaf haben. Tagsüber wird sie müde (das muss aber keine Narkolepsie sein, kann aber natürlich auch ein Läuse und Flöhe haben). Dagegen helfen keine Antidepressiva und leider auch nur kurzzeitig MPH. Sie wird davon wacher, aber der emotionale Sondermüll schwillt immer weiter an. Wenn sie meine Patientin wäre, würde ich ein traumazentriertes Therapieverfahren anwenden, das aber eine Eigenerfindung eines Freundes ist. (siehe unter www.besser-als-erwartet.de bzw. www.emoflex.de). Wir übersetzen Emotionen bzw. Probleme in visualisierbare Bilder, die wir dann mit Augenbewegungen verarbeiten. EMDR nur auf abstrakte imaginierte Bilder. Bei ihr würde ich auf die Suche gehen, was da alles an Fragementen rumschwirrt. Und mein Instinkt bzw. meine Erfahrung sagt, dass man da fündig würde).

Euphorisierend wirkt MPH eben sonst gar nicht. Eher langweilig. Daher eignet es sich eben auch so herzlich wenig als Droge bei oraler Einnahme....

Medikamente als Alternative wäre ggf. erstmal Melatonin (Circadin 2 mg) 30 min vor dem Schlafengehen. Damit ihr Tag-Nacht-Rhythmus eingerengt wird. Sonst "mein" merkwürdiges Therapieverfahren....
drhippokrates und weitere Experten für Medizin sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 7 Jahren.

Vielen Dank für Ihre ausführliche Information. Sicherlich haben Sie Recht hinsichtlich der dissoziativen Störung. Ich werde mich auf jeden Fall mit Ihrem "merkwürdigen Therapieverfahren" beschäftigen.

Ansonsten wünsche ich Ihnen noch erholsame Tage in der Sonne. Tanken Sie Energie für Ihre bevorstehenden Nachtdienste in der Klinik.

 

P.s.: Was denken Sie über Strattera? (Nur falls Sie noch Zeit und Lust haben)

 

LG

Experte:  drhippokrates hat geantwortet vor 7 Jahren.
Strattera selber ist kaum besser als die alten tricyclischen AD bzw Edronax (Reboxetin). Ich selber mag die Werbestrategie von Lilly nicht (die angebliche rund-um-sorglos-Versorgung ohne BTM). Aber 10-20 Prozent meiner Patienten profitieren durchaus von Strattera. Leider habe ich nicht immer so lange Zeit auf eine Hoffnung zu warten und ADHS-Erwachsene sind naturgemäss recht ungeduldig. Da ist MPH bzw. DL-Amphetaminsaft einfach besser.