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Dr.Scheufele
Dr.Scheufele, Arzt
Kategorie: Medizin
Zufriedene Kunden: 20348
Erfahrung:  Allgemeinmedizin, Gynäkologie u. Geburtshilfe, über 20-jährige Praxiserfahrung
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Dr.Scheufele ist jetzt online.

Ein Bekannter (42 Jahre) von uns musste leider am Freitag beerdigt

Kundenfrage

Ein Bekannter (42 Jahre) von uns musste leider am Freitag beerdigt werden. Laut Todesanzeige ist er bereits am Sonntag verstorben, wurde aber erst am Dienstag gefunden. Die Feuerwehr musste die Tür aufbrechen. Ob auch die Kripo da war, wissen wir nicht. Als Todesursache wird offiziell von Lungenembolie gesprochen. Wir wissen nicht, ob eine Obduktion durchgeführt worden ist. Da er unter starken Depressionen (medikamentös behandelt, aber mit wenig Erfolg) litt, haben wir eine andere Vermutung. Die Depression und die starke Suizidgefährdung wurden auch von der Familie nicht wirklich erkannt bzw. totgeschwiegen. Vor ca. 2 Jahren hatte er eine Beinthrombose, der eine halbjährige Blutverdünnertherapie folgte. Wie ist die Vorgehensweise, wenn ein mittelalter Erwachsener tot in seiner Wohnung aufgefunden wird? Wird automiatisch eine Obduktion durchgeführt oder schließt man einfach aufgrund der Vorerkrankung auf eine Todesursache, insbesondere wenn nichts auf Suizid hindetet? Danke!
Gepostet: vor 7 Jahren.
Kategorie: Medizin
Experte:  Dr.Scheufele hat geantwortet vor 7 Jahren.
Hallo,

zunächst ist es Sache des Arztes, der bei Auffindung eines Toten hinzugezogen wird, den Totenschein auszustellen. Kann er die Todesursache eindeutig feststellen, trägt er diese auf dem Schein ein. Ist das nicht möglich, wird "unklar" angekreuzt. Dann ist es Sache der Staatsanwaltschaft, eine Obduktion anzuordnen.

Mit freundlichen Grüssen,
Dr. N. Scheufele
Experte:  Dr. NET hat geantwortet vor 7 Jahren.

Hallo,

Eine Obduktion wird nicht automatisch durchgeführt. Bei ungeklärter Todesursache bzw. wenn Verdacht auf unnatürlichen Tod besteht kann der Notarzt oder derjenige Arzt der den Tod feststellt, eine Obduktion veranlassen.

Wenn wir in der Unfallchirurgie einen Patienten haben, der zum Beispiel aufgrund eines Unfalls stirbt, deklarieren wir dies als unnatürlicher Tod und informieren wir die Kripo die dann Ihre Recherchen durchführen, um sicher zu stellen ob das ein „normaler Unfall“ war oder ob hier ein krimineller Hintergrund gibt.

In den meisten Fällen machen sich die Ärzte schon Gedanken was sie auf dem Todesbescheinigung eintragen. Keine schreibt „so einfach“ Lungenembolie wenn keine Hinweise darauf bestehen. Vor allem nicht unter diesen Umständen, die Sie beschrieben.

Konkret: einfach eine Obduktion durchzuführen, nur um zu wissen, woran man starb ist hier zu Lande nicht üblich, obgleich aus medizinischer Sicht eher sinnvoll. Wenn Sie Verdacht haben auf Suizid oder anderweitige Grunde für den Tod ihren Bekannten dann müssen Sie Kontakt mit der Polizei aufnehmen.

Übrigens: Dies kann versicherungstechnisch relevant sein. Viele Lebensversicherungen verweigern Leistung bei Selbstmord!

Mit freundlichem Gruß.

Kunde: hat geantwortet vor 7 Jahren.

Vielen Dank für die Infos.

"Kann er die Todesursache eindeutig feststellen" - kann man das bei einer Lungenembolieund wie?

Wir vermuten eher, dass tatsächlich ein Suizid vertuscht werden soll (von seiten des Verstorbenen, der vor dem laufenden Fernseher gefunden worden ist ohne Abschiedsbriefe o.ä. und Rücksicht auf seine Familie) und von seiten der erzkatholischen Familie, wo Suizid als Todsünde gilt. Die Wahrheit werden wir wohl nie erfahren! Aber wie kann man als Arzt von einem vorgefundenen Toten darauf schließen, dass er bereits 48 h vorher gestorben ist?

 

Experte:  Dr. NET hat geantwortet vor 7 Jahren.

Die sichere Todesursache kann man nur mit einer Obduktion feststellen. Wenn es hier um ein Suizid handelt dann wahrscheinlich durch Gift/Tabletten Einnahme. Dies ist nicht ohne Obduktion und sonstige Untersuchungen sicher festzustellen. Es gibt aber auch klinische Hinweise die auf einer Lungenembolie deuten können.

 

Sie müssen aber auch eins wissen: wenn der Arzt sagt dass die unmittelbare Todesursache Lungenembolie ist bedeutet das nicht dass hier auch keine Suizid vorliegt. Denn die Frage was wiederrum die Lungenembolie verursacht hat bleibt eben offen.

Zum Beispiel:

Tabletteneinnahme/Überdosis/Giftstoff ==» führt zu Herzrhythmusstörung ==» führt zu Bildung vom Blutkoagel im Herzen ==» Führt zu Lungenembolie.

 

Die Feststellung des Zeitpunktes des Todes ist kompliziert. Hier gibt es eine Reihe von Hinweisen die wir berücksichtigen. Dies ist aber relativ genau. Sie müssen aber auch bedenken dass der Notarzt kein Rechtmediziner ist und wenn kein besonderen Grund gibt dann achtet man nicht ganz genau auf diesem Punkt.

 

Hier auch ein Zitat aus dem Internet:

 

„Zur Feststellung des Todeszeitpunktes stehen der Rechtsmedizin verschiedene Methoden zur Verfügung. So geben die Beurteilung der Totenstarre und der Leichenflecken grobe Richtwerte (Beginn der Totenstarre nach 2-4 Stunden, volle Ausprägung nach 6-8 Stunden, Lösung nach 2-3 Tagen). Als eine der genauesten Methoden gilt die Bestimmung der Körperkerntemperatur, die unter Berücksichtigung der Außentemperatur, des Körpergewichtes und den Auffindungsumständen zur Berechnung der Abkühlungszeit benutzt werden."

Experte:  Dr.Scheufele hat geantwortet vor 7 Jahren.

Eine Lungenembolie als Todesursache kann allein durch Leichenschau am Todesort nicht sicher diagnostiziert werden, das ist dann eher Vermutung. Massgeblich ist aber, ob vom Notarzt „natürlicher“, oder „unnatürlicher Tod“ angegeben wird. Daraus ergibt sich dann, ob weitere Untersuchungen angeordnet werden.

Den Todeszeitpunkt kann man in etwa anhand von Totenstarre und Totenflecken einschätzen, so löst sich die Totenstarre erst nach 2-3 Tagen.


Mit freundlichen Grüßen,

Dr. N. Scheufele

Dr.Scheufele, Arzt
Kategorie: Medizin
Zufriedene Kunden: 20348
Erfahrung: Allgemeinmedizin, Gynäkologie u. Geburtshilfe, über 20-jährige Praxiserfahrung
Dr.Scheufele und weitere Experten für Medizin sind bereit, Ihnen zu helfen.