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Sit-HappensDE, Hundeverhaltensberater nSB ®
Kategorie: Hundetrainer
Zufriedene Kunden: 601
Erfahrung:  Hundeverhaltensberater nSB® mit Abschluss und Leiter der Sit Happens - Hundepsychlogischen Beratung. Autor des Ratgebers das Alpha Prinzip - 14 goldene Regeln für Hundehalter.
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Hallo, wir haben einen sehr lieben Labbi mix (95% Labbi 5%

Diese Antwort wurde bewertet:

Hallo,
wir haben einen sehr lieben Labbi mix (95% Labbi 5% Berner Sennen). Er hat Welpenstunden, Hundeerziehung (sehr konsequent) bekommen, hört sehr gut ist lieb und hat nur ein Problem: Theo hat extrem Angst vor Fremden, Kindern und auch Freunden die selten kommen. Wir haben Angst, das er vor Angst einmal beißen wird. Es hilft kein Leckerchen keine Zurückhaltung oder behutsames Annähern. Wir haben ihn mit 8 Wochen bekommen und er hat nie schlechte Erfahrungen gemacht. Theo ist jetzt 11 Monate alt. Er stammt aus einer Familienaufzucht. Die Züchterin hat 4 Kinder, 3weitere Hunde 1Katze.
Wir wissen nicht wie wir diese Ängstlichkeit wegbekommen.
Hallo und willkommen hier bei Just Answer. Ich freue mich darauf, Ihre Fragen zum Thema Hund beantworten zu dürfen.

Angst ist zunächst einmal nichts Schlechtes und erfüllt die wichtige Funktion, den Körper auf eine Flucht oder eine Auseinandersetzung bei drohender Gefahr vorzubereiten.

Nun kann es leider passiert sein, dass Ihr Hund in der Sozialenprägephase (12-16. Lebenswochen) schlechte Erfahrung sammelte oder damals nicht viele Fremde, unbekannte Situationen erlebt hat oder auch das der Hund nachträglich traumatisiert wurde. Je nach Stärke und Intensität der Angstreaktion Ihres Hundes (weicht er nur skeptisch zurück oder flieht er in haltloser Panik?) brauchen Sie unter Umständen einen Hundetrainer, der mit Ihnen und Hund zuhause arbeitet. Hierzu kann ich Ihnen gern, wenn Sie mir Ihre PLZ & Wohnort mitteilen, einen geeigneten Hundetrainer empfehlen.

 

Wenn Ihr Hund aber nur eine leichte oder mittelschwere Angstreaktion zeigt, können Sie ihm selbst durch das richtige Verhalten und ganz normale Einbindung in Ihren Alltag helfen. Sie sollten Sie aber einmal folgende Fragen stellen:

  • Wovor hat der Hund Angst, ist eine Regelmäßigkeit zu erkennen (z.B. Männer mit Hüten, Auto fahren, Knallgeräusche)?
  • In welchen Situationen hat der Hund Angst? Manche Hunde sehen z.B. schlecht in der Dämmerung und reagieren dann besonders schreckhaft.
  • Sind körperliche Symptome ausgeschlossen (Schilddrüsenerkrankung)?
  • Wie reagiert der Hund? Erkennen Sie die Angst nur an der Körpersprache, versucht er zu flüchten, bellt er?
  • Woran orientiert sich Ihr Hund, wenn er flüchtet? Sucht er Ihre Nähe oder flüchtet er von Ihnen weg?

In letzterem Fall ist es beispielsweise ganz besonders wichtig, dass Sie an der Bindung zu Ihrem Hund arbeiten. In einer starken Hund-Mensch-Beziehung orientiert sich ein ängstlicher Hund an seiner vertrauten Bezugsperson und weicht ihr nicht von der Seite. Bieten Sie Ihrem Hund Ihre Nähe an, nehmen Sie ihm aber nicht auf den Arm oder reden auf ihn ein.

 

Trösten Sie ihren Hund grundsätzlich nie, wenn er Angst hat. Sie loben und bestärken damit sein Verhalten und bestätigen ihm, dass es richtig ist Angst zu haben. Stehen Sie ihm zur Verfügung, er erwartet Rückhalt von Ihnen. Es ist aber wichtig, dass er in seinem eigenen Tempo lernt, auf diesen Rückhalt Schritt für Schritt zu verzichten. Er bietet aber immer wieder eine Basis zu der er zurückkehren kann.

Rückhalt können Sie ihm geben, indem Sie sich hinknien und ihn zu sich kommen lassen, wenn er Angst hat. Nehmen Sie ihn aber nicht auf den Arm. Berühren Sie ihn möglichst nicht, sein Sie einfach da. Wenn Sie sprechen, sprechen Sie gelassen und heiter. Sie können sich auch zwischen ihn und den anderen Hund/Menschen stellen, auf diese Weise zeigen Sie Ihrem Hund, dass Sie da sind und den Konflikt souverän und aggressionslos entschärfen. Was Sie nicht tun sollten ist die andere Person in irgendeiner Art & Weise zu bedrohen, anzuschreien o.ä. - damit zeigen Sie nicht nur eigene Unsicherheit, sondern zeigen Ihrem Hund auch ein Konfliktverhalten, von dem Sie nicht möchten, dass er es übernimmt.

Auch sollten Sie auf keinem Fall Ihren Hund dazu zwingen sich dem Objekt seiner Angst zu nähern oder gar festgehalten werden, damit sich der Fremde nähern kann. Seine Angst wird nur größer werden. Lassen Sie ihn jeden Schritt selbst tun.
Damit er nicht lebenslang auf Ihren Rückhalt angewiesen ist, muss er lernen selbständig mit seiner Angst umzugehen und seine Konflikte selbst zu lösen. Dazu braucht er vor allem eines: Kontakt mit dem Angstauslöser. Bringen Sie ihn unter Leute und steigern Sie die Intensität des Kontaktes schrittweise, loben Sie ihn für eigene Annäherungsversuche. Üben Sie zunächst nur mit bekannten, befreundeten Menschen, sofern das möglich ist.

 

Hier gehen Sie einfach so vor, dass Sie Ihren Hund ein ruhiges Plätzchen in der Wohnung suchen und dann ihn dort auf seinen Platz schicken, wo er zu bleiben hat. Alle Ihre Besucher werden sich künftig absolut nicht mehr um den Hund kümmern. Der Hund wird weder begrüßt, angeschaut oder sogar angesprochen auf seinem Platz. Für Ihre Besucher ist der Hund auf seinem Platz quasi unsichtbar.

Verhält sich der Hund ruhig auf seinem Platz, gehen Sie nach kurzer Zeit hin und bestätigen sein ruhiges Verhalten mit einem Leckerchen. Lassen ihn weiter liegen und entfernen sich wieder.

 

Steht ein Fremder/Bekannter auf, bewaffnet dieser sich mit gaaaanz tollen Leckerchen. Keine alten, schnöden, trockenen Leckerchen. Fleischwurst oder Käse muss es schon sein, zur Motivierung - etwas nicht alltägliches. Diese Person schaut den Hund nicht an, beugt sich nicht runter zum Hund, läuft am Hundeplätzchen mit Abstand vorbei und lässt dann im vorbeigehen, am Platz das Leckerchen fallen und geht wieder.

 

So lernt der Hund stück für Stück, dass er sich gar keinen Stress machen muss, denn die Fremden tun ihm ja nichts, im Gegenteil - die ignorieren ihn und lassen sogar noch ein leckeres Fresschen zurück.

 

Sollte die langsame Gewöhnung nicht auf Anhieb klappen, machen Sie Rückschritte und rechnen Sie mit Rückfällen seitens Ihres Hundes.

 

Draußen bleiben Sie immer am Hund, stellen sich vor ihn, wenn Fremde sich mit Ihnen unterhalten möchten, blockieren ihn und lassen es auf gar keinen Fall zu, dass sich ein Fremder dem Hund nähert und streichelt. Der Leitwolf eines Wolfsrudels würde es auch niemals zulassen, dass sich irgend etwas seinem Rudel nähert.

Stattdessen geben Sie Ihrem Hund durchs blockieren Sicherheit, geben ggf. dem Fremden vorher ein Leckerchen, welches wieder im Vorbeigehen fallen gelassen wird, auch so wird dann ein positives Verhältnis geknüpft.

 

Wenn diese ersten Schritte getan sind, können Sie es ausbauen, besuchen Sie die Stadt oder am Anfang den Bahnhof. Ab in den Bahnhof rein (nicht auf die Bahnsteige), ziehen Sie die Aufmerksamkeit Ihres Hundes auf sich, vielleicht mit seinem Lieblingsspielzeug, spielen 30, 60 sekunden mit ihm, geben Sie ihm nicht die Möglichkeit sich im Bahnhof umzusehen. Nach dem Spiel verlassen Sie umgehend wieder das Gebäude.

Dies wiederholen Sie mehrmals in der Woche und in den nächsten Monaten. Besuchen Sie die Stadt, kurz hineingehen, Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ihn ablenken und wieder weg gehen. So wird Ihr Hund gefestigter mit der Zeit und nach und nach, können Sie dann dazu übergehen Ihren Aufenthalt im Bahnhof, in der Stadt und an anderen belebten Orten auszubauen.

 

Sie brauchen nur viel Geduld, Zeit und Ruhe!

Immer am Hund bleiben, ist hier der Schlüssel zum Erfolg.

 

Ich hoffe, ich konnte Ihre Frage beantworten. Bei Rückfragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung. Bestehen keine weiteren Fragen mehr, so bitte ich Sie um Bewertung der Antwort, damit meine Arbeit bezahlt werden kann.

Mit freundlichen Grüßen,

Sascha Berninger
Sit Happens - Hundepsychologische Beratung
www.sit-happens.de


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Bitte haben Sie Verständis dafür, dass eine Online-Beratung keine individuelle Beratung ersetzt. Da ich als Hundetrainer & Verhaltensberater mir kein Gesamtbild des Hundes, des Halters & dessen Umgebung machen kann, kann ich Ihre Frage nur allgemein bezogen beantworten.
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Sit-HappensDE und weitere Experten für Hundetrainer sind bereit, Ihnen zu helfen.