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psychodog-sh
psychodog-sh, Doktor
Kategorie: Hundetrainer
Zufriedene Kunden: 0
Erfahrung:  Hundeführerausbilder VBG Fachliche Anerkennung zum Ausbilder (IHK) Leistungsrichter und Ausbilder (DRC e.V.)
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Mein Hund ist seit September in unserer Familie. Er ist entrüstet,

Kundenfrage

Mein Hund ist seit September in unserer Familie. Er ist entrüstet, wenn jemand kommt und wenn jemand geht. Gestern ist er beim Hundefriseur äußerst nervös gewesen und hat sogar die Friseurin beißen wollen. Selbst mit einem Maulkorb war er kaum zu bändigen. Wie können wir dazu beitragen, dass sich sein Verhalten ändert. Er ist kastriert (vor 8 Monaten) und es lebt eine wesentlich ruhigere Hundedame mit ihm und mir und meiner Frau zusammen. Wir haben einen Garten und täglich 1 Stunde Auslauf.
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Hundetrainer
Experte:  psychodog-sh hat geantwortet vor 5 Jahren.

Hallo lieber Hundehalter,

 

die Grundsätzliche Frage besteht ja immer in dem "Warum" und nicht in dem "Wie stelle ich es ab". Es muss also erst der Grund für sein Verhalten dargelegt werden.

 

Auf den 1. kurzen Blick würde ich von einer starken Unsicherheit oder Angst ausgehen.

 

Wirkt der Hund oftmals "nervös"?

Trinkt er viel?

Uriniert er beim Spazierengehen vermehrt?

Hechelt er?

Frisst er sein Fressen "etappenweise"?

Wirkt er so als würde er ständig wachsam sein?

Bellt er bei geräuschen oder wenn jemand kommt?

 

Sollten Sie mehrere dieser Fragen mit "Ja" beantwortet haben liegt die Vermutung nahe, dass es sich um einen phobischen oder generalisiert Angstgestörten Hund handelt. Hier muss man erst am Selbstbewusstsein des Hundes arbeiten (z.B. durch Zerrspiele).

 

Um das genau sagen zu können brauche ich aber noch genauere Informationen zum Verhalten des Hundes.

 

Viele Grüße,

 

Timo Haupt

Prof. h.c. alth. ther. (MLDC/USA)

Kunde: hat geantwortet vor 5 Jahren.

Hallo Herr Haupt,

 

tatsächlich kann ich viele der Fragen mit Ja beantworten. Der Hund kommt aus einem Tierheim. Leider wissen wir überhaupt nichts über sein bisheriges Leben. Er hat seinen angestammten Liegeplatz, sein Futter bekommt er regelmäßig und am gleichen Platz. Er frisst etappenweise und uriniert viele Male beim Gassigehen. Er bellt bei jedem Geräusch im Haus (Mietshaus). Unterwegs verhält er sich jedoch eher ruhig und wirkt ausgeglichen. Ob sein sonstiges Verhalten eher "nervös" zu bezeichnen ist, kann ich nicht beurteilen, tendiere jedoch dazu. Er hechelt nicht übermäßig. Auffällig ist auch, dass er morgens, wenn ich mich von meiner Frau verabschieden möchte, kräftig und mitunter entrüstet oder wütend bellt und sich in meinen Weg stellt. Später scheint er sich entschuldigen zu wollen und hüpft an mir hoch. Streicheln wir ihn, beginnt er nach kurzer Zeit grollend und drohend zu knurren. Manchmal wedelt er dabei mit dem Schwanz. Was ist mit "Zerrspielen" gemeint?

 

Gruß aus Gelsenkirchen, Deutschland

Andreas Petrovitsch

Experte:  psychodog-sh hat geantwortet vor 5 Jahren.

Es scheint sich bei ihrem Hund aus eine Mischung von Angst und Beutesicherung zu handeln. Durch den ständigen Stress erhöht sich beim Hund der Cortisolspiegel, daher das viele Trinken und Urinieren. Der Cortisolspiegel hält den Hund permanent unter Spannung.

 

Sie müssen ihrem Hund mehr selbstsicherheit geben und den Cortisolspiegel grundlegend senken. Dies bedeuten zum einen, dass mind. für 4 Wochen sämtliche Stresssituationen gemieden werden müssen (mit Aunsnahme des positiven Stresses durch Spielen z.B.). Außerdem sollten Sie das Futter umstellen. Zu empfehlen wäre hier eine Mischung aus Kohlehydraten (z.B. aus Getreide) und tierischem Eiweis. Dies geht z.B. durch ein Trockenfutter mit Fisch und Kartoffel, o.ä.

 

Den Hund gleich morgends füttern. Durch die Kohlehydrate und das Eiweiß wird vermehrt Tryptizin im Gehirn gebildet. Dies sorgt dafür, dass es zu einer Serotoninausschüttung kommt, dies reguliert dann den Cortisolspiegel etwas, so dass der Hund sich im Training durch den Stress nicht im wege steht.

 

Nun wird erstmal 6 Tage lang gar nicht trainiert. gehen sie mit dem Hund so wenig wie möglich raus und absolut keinen Stress.

 

Nach diesen 6 Tagen beginnen Sie mit dem Training. Zum einen muss er lernen Sie als übergeordnet zu aktzeptieren. Wenn Sie sich z.B. von ihrer Frau verabschieden schicken sie ihn ins Körbchen, wo er zu warten hat (das Kommando aber freudig geben, nicht bestrafend). es ist wichtig, dass der Hund lernt in seinem Körbchen zu entspannen und dies als "Ruhepunkt" zu aktzeptieren.

 

Um dem Hund selbbstbewusstsein zu geben füren sie als erstes eine Clickerkonditionierung durch. Sie besorgen sich im Handel einen Clicker. Nun nehmen sie 20 stück Wurst. Drücken auf den Clicker und geben ihrem Hund die Wurst. Das immer abwechselnd: Click - wurst, Click - Wurst. Bis die Wurst alle ist. Das machen Sie 3 x pro Tag 3 Tage lang. Somit lernt ihr Hund das Clickergeräusch als immer gleichbeleibende Bestätigung kennen. Wann immer der Hund nun ein Kommando ausführt oder ein Verhalten zeigt welches sie gut finden, folgt der Click und dann ein Leckerli. Als Beispiel: Der Hund soll in sein Körbchen. Sie zeigen auf das Körbchen und sagen freudig "Körbchen". geht der Hund ins Körbchen und legt sich hin: Click - Wurst. Macht der das nicht folgt gar keine Reaktion und Sie beginnen neu, bis er die Handlung zeigt. ein Hund lernt nach stimulus-response, das bedeutet, dass der Hund ein Verhaltensmuster, welches zum erfolgt führt, automatisch häufiger zeigt. Dies nennt man auch klassische Konditionierung.

 

Durch den Clicker hat ihr Hund permanent das gleiche Geräusch als positive Bestätigung und weiß immer, wann er was richtig gemacht hat. Das gibt ihm Sicherheit.

 

Im Spiel nehmen sie sich einen Ball mit Seil oder nur ein Seil oder eine Socke, etc. Damit locken Sie ihren Hund und er wird in das Spielzeug beißen. Nun zerren sie gemeinsam mit dem Hund an dem Spielzeug. UND: DER HUND DARF GEWINNEN, sprich sie lassen zwischendurch los. Wenn er wieder damit ankommt geht es von vorne los. wenn sie keine Lust mehr haben hören sie einfach auf. er wird das Spielzeug mitnehmen und evtl. kaputt machen - das ist in Ordnung. erst wenn er aufhört damit zu spielen und er sich mit etwas anderem beschäftigt nehmen sie es weg.

 

Diese Zerrspiele geben ihm Selbstbewusstsein.

 

Sobald sie mit dem Training beginnen sollten sie mit dem Hund viel in die Innsnstadt oder auf belebte Plätze gehen. Aber immer nur kurz. Die ersten 3 x 5 min, dann 7 und dann 10. Wann immer sie merken, dass ihr Hund entspannt ist oder er freudig bei ihnen ist kommt wieder der Clicker mit der Belohnung.

 

Nach ca. 2-3 Wochen sollte er soweit sein, dass er nicht mehr so extrem in Rage geräht, je nach dem wie intensiv sie trainieren.

 

Übertreiben Sie es mit dem training aber nicht, lieber kurze Übungen, dafür aber öfter am Tag.

 

So, das war nun einiges zum Lesen und zum Verstehen. Bei Fragen einfach mailen.

 

Gruß,

 

Timo Haupt

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